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Donnerstag, 15. Oktober 2026 Kontakt
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Follow me Award 2026 - zwölf steirische Nachfolgebetriebe im Rennen

Das Wichtigste in Kürze
  • Für den Follow me Award 2026 haben zwölf Regionalstellen der WKO Steiermark je einen Betrieb aus ihrer Region nominiert, der gerade die Nachfolge geschafft hat.
  • Acht Betriebe sind innerhalb der Familie übergeben worden, vier gingen an Nachfolger von außen.
  • Die Bandbreite reicht von einer Glaserei mit Gründungsjahr 1925 über eine Fleischerei in siebter Generation bis zum Café Herzog in der Grazer Herrengasse.
  • Abgestimmt wird online, einmal täglich, bis 31. Oktober um 8 Uhr. Der Betrieb mit den meisten Stimmen wird Nachfolgebetrieb des Jahres.
  • Die Sieger werden am 20. November 2026 in der Steiermärkischen Sparkasse in Graz bekannt gegeben.
  • 2025 wurden in der Steiermark 1.023 Betriebe übernommen, um 3,9 Prozent mehr als im Jahr davor.

1.023 steirische Betriebe haben 2025 den Eigentümer gewechselt, einer der höchsten Werte seit Beginn der Erhebung 1998. Zwölf dieser Nachfolgegeschichten stellt die WKO Steiermark heuer beim Follow me Award vor, einen Betrieb aus jeder Region. Seit 1. Oktober läuft das Online-Voting, am 20. November wird in der Steiermärkischen Sparkasse in Graz der Nachfolgebetrieb des Jahres gekürt. WKO-Vizepräsidentin Gabi Lechner nennt die Nominierten „unternehmerische Erfolgsgeschichten“.

Nachfolger Betrieb Ort Nachfolge
Alexander Butter Bestattung Butter Gaishorn am See familienintern
Andreas Ebner Forst- & Gartengeräte Ebner Murau familienextern
Ulla Fahrleitner Maler & Bodenleger Fahrleitner Eisenerz familienintern
Kathrina Prattes Bäckerei Rothwangl Krieglach familienintern
Philipp Turza Fleischerei Turza Ilz familienintern
Andreas Pretterhofer Nah&Frisch Pretterhofer St. Kathrein am Offenegg familienextern
Nicolas Matzer Garten Matzer Feldbach familienintern
Anna, Johanna und Andreas Jamnik Harmonikabau Jamnik Gamlitz familienintern
Raphael Pilko Restaurant Cooking Pilkos Stainz familienextern
Sandra Schrottner Restaurant & Diner PizzBurg Söding-Sankt Johann familienintern
Markus Aldrian Glaserei Aldrian Gratwein-Straßengel familienintern
Bujar Shabani und Mirsad Krasniqi Café Herzog Graz familienextern

Quelle: Follow me, WKO Steiermark (Nominierungen 2026)

Acht Übergaben innerhalb der Familie

Glaserei Aldrian, Gratwein-Straßengel. Der älteste Betrieb im Feld: 1925 trug der Urgroßvater von Markus Aldrian die Glasscheiben noch mit der Kraxe von Haus zu Haus. Heute reicht das Angebot von der Glasstiege bis zur Fassadenverglasung. Bevor Aldrian zurückkam, lernte er Maschinenbautechnik bei der Andritz AG und arbeitete sechs Jahre in der Industrie. Das kommt dem Betrieb heute zugute, weil er Metallbearbeitung und Glas aus einer Hand anbieten kann. Im Schnitt bildet die Glaserei alle zwei Jahre einen Lehrling aus.

Fleischerei Turza, Ilz. Philipp Turza führt den Betrieb in siebter Generation, übergeben hat ihm sein Vater Karl im Oktober 2024. Hinter dem Geschäft in Ilz stehen ein EU-Schlachthof, die eigene Produktion, eine Küche und ein Catering, über 40 Beschäftigte, darunter vier Lehrlinge. Beliefert werden Wirte, Buschenschanken, Märkte und Fleischer ohne eigene Schlachtung in der Steiermark, im Burgenland und in Niederösterreich. Vater und Sohn haben acht Jahre lang auf die Übergabe hingearbeitet, für die Kundschaft hat sich am Tag selbst kaum etwas geändert.

Garten Matzer, Feldbach. Nicolas Matzer hat die Gartenbauschule in Langenlois absolviert, mit 23 die Meisterprüfung abgelegt und Erfahrungen in Niederösterreich, München, Italien und London gesammelt. Den Garten- und Landschaftsbau leitet er inzwischen selbst, das Gartencenter führt weiter seine Mutter, sein Vater betreut die Felder. Insgesamt arbeiten 22 Menschen im Familienbetrieb. Matzer baut das Sortiment auf trockenheitsresistente Pflanzen und große Schattenbäume um.

Harmonikabau Jamnik, Gamlitz. Hier übernehmen drei Geschwister gemeinsam den Betrieb, den Vater Hermann Anfang der Achtzigerjahre aufgebaut hat. Johanna verantwortet Büro, Kundenberatung und Mechanik, Andreas die Endfertigung und Stimmung, Anna die Abläufe in der Werkstatt. Zwölf Menschen bauen in Sulztal jedes Instrument als Einzelstück aus Vollholz, mit über 80 Holzarten am Lager. Auf eine Harmonika warten Kunden rund zwei Jahre. Für die Übergabe haben sich die drei eine neutrale Begleitung geholt und Betrieb und Familie bewusst getrennt.

Bäckerei Rothwangl, Krieglach. Kathrina Prattes führt die Bäckerei in fünfter Generation, mit 23 Beschäftigten. Geplant war das nicht: Sie hat IT-Systeme betreut, in der Automobilindustrie gearbeitet, Pflegeteams geleitet und als Sozialarbeiterin beraten. Als ihr Vater die Pension ankündigte, stand sie zwei Wochen später in der Backstube. Die Rezepte stammen weiter vom Großvater, die Maschinen aus den Siebziger- bis Neunzigerjahren. Ihr Leitsatz für Veränderungen: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

Maler & Bodenleger Fahrleitner, Eisenerz. Werner Fahrleitner hat den Betrieb 1987 mit Sonnenschutz begonnen, seit Juli 2025 ist er auf seine Tochter Ulla umgeschrieben. Sie hat die Meisterprüfung als Malerin und die Befähigungsprüfung als Bodenlegerin abgelegt. Gemeinsam mit einer Partnerfirma, die Wohnungen räumt und reinigt, richtet der Betrieb in Eisenerz Wohnungen vor der Neuvergabe und in die Jahre gekommene Wohnräume her. Vater und Schwester arbeiten weiter mit.

Bestattung Butter, Gaishorn am See. Alexander Butter stieg 2015 in den Betrieb seines Vaters ein und legte 2024 die Befähigungsprüfung ab. Als Hermann Butter im Mai 2025 überraschend starb, war der Betrieb bereits weitgehend in den Händen des Sohnes. Er hält mit seinem Team die Trauerreden selbst und arbeitet mit der Gemeinde an einem Friedwald als Alternative zum Friedhof.

Restaurant & Diner PizzBurg, Söding-Sankt Johann. Seit dem Herbst 2025 führt die gelernte Köchin Sandra Schrottner das Lokal, das ihre Eltern rund 45 Jahre lang aufgebaut haben. Ihr Bruder Philipp ist für den Service zuständig. Die Karte mit Pizza, Burgern, Ripperl und Hausmannskost blieb unverändert. Geändert hat sie die Öffnungszeit am Sonntag: Weil das Geschäft am Mittag gemacht wird, ist seither um 15 Uhr Schluss.

Vier Nachfolger von außen

Café Herzog, Graz. Das Kaffeehaus in der Herrengasse 6 gehört der Stadt Graz. Bujar Shabani, der bereits eigene Betriebe führt, und Mirsad Krasniqi, dessen Familie seit 45 Jahren in der Gastronomie arbeitet, haben den Zuschlag mit einem fertigen Konzept bekommen. Sie stehen heute für 25 Arbeitsplätze. Die Fresken im hinteren Saal ließen sie vom Grazer Leuchtenhersteller XAL mit einer Museumsbeleuchtung ausstatten. Ein Abendgeschäft haben sie probiert und vorerst wieder eingestellt.

Forst- & Gartengeräte Ebner, Murau. Andreas Ebner leitete vier Jahre lang die Werkstatt der Murauer Filiale eines Gerätehändlers. Als die Firma den Standort schloss, sperrte er im April 2025 im selben Lokal auf eigene Rechnung auf. Die Gewerbeberechtigung stützte sich auf sein Arbeitszeugnis als Werkstättenleiter. Er führt nur Marken, die er selbst zerlegen und reparieren kann, und arbeitet bis auf einen Tag pro Woche allein.

Nah&Frisch Pretterhofer, St. Kathrein am Offenegg. Andreas Pretterhofer war neun Jahre Bäcker und zehn Jahre Busfahrer, bevor er den Nahversorger im Ort übernahm, nachdem ihn der Bürgermeister mehrmals darauf angesprochen hatte. Auf 130 Quadratmetern bietet er Lebensmittel, Trafik, Post, Lotto, ein Café und ein Partyservice. Die Feinkosttheke beliefert Schirnhofer direkt, Pretterhofer zufolge einer von zehn solchen Verträgen in der Steiermark. Wer nicht selbst fahren kann, bekommt die Einkäufe zugestellt.

Restaurant Cooking Pilkos, Stainz. Seit Jänner 2026 kocht Raphael Pilko im Technologiepark Stainz, von Montag bis Freitag bis 16 Uhr. Gelernt hat er in Frankreich, der Schweiz, China und in Hauben- und Fünfsternehäusern in Österreich. Im eigenen Lokal setzt er auf Mittagsküche: Suppen, die zwei Tage mit Knochen und Gemüse kochen, Knödel und Nockerln von Hand. Wer es eilig hat, ist in 30 Minuten von der Bestellung bis zur Rechnung durch.

Gut zu wissen:
Nominiert werden kann jeder steirische Betrieb, dessen Übergabe zum größten Teil abgeschlossen ist, vom Ein-Personen-Unternehmen bis zum Großbetrieb. Aus den Vorschlägen wählt eine Jury jeder Regionalstelle einen Betrieb aus, nach drei Kriterien: wie die Nachfolge geplant wurde, was sich mit ihr verändert und welchen Beitrag der Betrieb in der Region leistet. Im Durchschnitt werden in der Steiermark laut WKO jedes Jahr rund 900 Betriebe übergeben. Wie Übergeber und Übernehmer vorgehen und welche Förderungen es gibt, steht im Artikel zur Betriebsnachfolge in der Steiermark.

So wird abgestimmt

Gewählt wird auf der Voting-Seite von Follow me, einmal pro Tag, bis 31. Oktober um 8 Uhr. Teilnehmen darf, wer über 18 ist. Den Ausschlag gibt nicht eine Jury, sondern die Zahl der Stimmen. Gewinnen kann also, wer seine Kundschaft und sein Umfeld am besten mobilisiert. Vergeben wird je ein Sieg in den Kategorien familienintern und familienextern, der Betrieb mit den meisten Stimmen insgesamt wird Nachfolgebetrieb des Jahres.

Die Preise sind vor allem Werbung: Die Kategoriesieger erhalten eine Spotkampagne auf Antenne Steiermark mit über 1,1 Millionen Kontakten und einen Gutschein der Fachgruppe Werbung über 1.000 Euro. Der Gesamtsieger bekommt zusätzlich den Award, Berichterstattung im Magazin Business-Monat und ein Social-Media-Paket. Den Award gibt es seit 2012, 2025 gewann Simone Spitzer von Spitzer Engineering aus Vorau.

Ausblick: Das Voting endet am 31. Oktober um 8 Uhr, die Sieger werden am 20. November in der Steiermärkischen Sparkasse in Graz bekannt gegeben. Bis 2029 suchen in der Steiermark laut WKO rund 6.400 Betriebe einen Nachfolger, der Bedarf an solchen Geschichten wird also nicht kleiner.

Quellen