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Donnerstag, 4. Juni 2026 Kontakt
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Andritz AG Graz - der steirische Anlagenbauer mit globalem Milliarden-Umsatz

Andritz AG Graz - der steirische Anlagenbauer mit globalem Milliarden-Umsatz
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Andritz AG mit Hauptsitz in Graz erzielte 2024 einen Umsatz von 8,3 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit rund 30.000 Mitarbeiter
  • Das Unternehmen betreibt über 280 Produktionsstätten in 80 Ländern - rund 12 Prozent der Belegschaft arbeiten in Österreich
  • Vier Geschäftsbereiche: Hydro Power, Pulp & Paper, Environment & Energy sowie Metals
  • Investition im höheren zweistelligen Millionenbereich in den Ausbau der Standorte Weiz und Linz bis 2028
  • Seit 2024 Mitglied im Green Tech Cluster Steiermark
  • Vorstandschef Joachim Schönbeck sieht für 2025 und 2026 eine stabile Umsatzentwicklung

Rund 8,3 Milliarden Euro Umsatz, 30.000 Beschäftigte und über 280 Standorte weltweit - die Andritz AG zählt zu den bedeutendsten Industriekonzernen, die ihren Hauptsitz in der Steiermark haben. Das 1852 im Grazer Vorort Andritz gegründete Unternehmen hat sich vom kleinen Eisengießereibetrieb zu einem internationalen Technologiekonzern entwickelt, der in seinen Kernbereichen Weltmarktführer ist. Für die steirische Wirtschaft ist Andritz nicht nur ein Leitbetrieb, sondern auch ein wesentlicher Impulsgeber für Innovation und Beschäftigung in der Region.

Vom Grazer Vorort zum Weltkonzern

Die Geschichte der Andritz AG beginnt 1852, als der aus Ungarn stammende Eisenwarenhändler Josef Körösi in der damals eigenständigen Gemeinde Andritz eine kleine Eisengießerei gründete. Innerhalb eines Jahrzehnts wuchs die Belegschaft von 100 Mitarbeitern (1854) auf rund 600 - das Unternehmen entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten Industriebetriebe der Monarchie. Im Laufe der Jahrzehnte durchlief das Unternehmen mehrere Eigentümerwechsel und Krisen - darunter die Übernahme durch die Österreichische Alpine Montanunion und eine existenzbedrohende Krise in den 1980er-Jahren, die nur durch staatliche Subventionen und tiefgreifende Rationalisierungen überwunden werden konnte.

Der Wendepunkt kam in den 1990er-Jahren mit dem Erwerb des US-amerikanischen Maschinenbauunternehmens Sprout-Bauer und einer konsequenten Internationalisierungsstrategie. Aus der "Maschinenfabrik Andritz AG" wurde die heutige Andritz AG - ein Konzern, der in Schlüsseltechnologien wie Wasserkraft, Zellstoff, Umwelttechnik und Metallverarbeitung global zu den führenden Anbietern gehört. Die Börsennotierung an der Wiener Börse seit 2001 beschleunigte die Expansion zusätzlich und ermöglichte eine Reihe strategischer Übernahmen, die den Konzern in seine heutige Form brachten.

Vier Geschäftsbereiche mit globaler Reichweite

Seit Jänner 2024 gliedert sich der Konzern in vier eigenständige Geschäftsbereiche, die jeweils Marktführerpositionen in ihren Segmenten einnehmen. Die Neuorganisation löste die bisherige Dreiteilung ab und soll die strategische Steuerung der einzelnen Sparten verbessern.

Andritz Hydro Power liefert elektromechanische Ausrüstungen für Wasserkraftwerke weltweit - von kleinen Laufkraftwerken bis zu den größten Staudamm-Projekten der Welt. Der Bereich profitiert massiv vom globalen Ausbau erneuerbarer Energien. Andritz Pulp & Paper produziert komplette Anlagen für die Zellstoff- und Papierindustrie und ist mit Abstand Weltmarktführer in diesem Segment. Im Bereich Environment & Energy entwickelt das Unternehmen Technologien für die Fest-Flüssig-Trennung, Wasserstoff-Elektrolyseure und Lösungen zur Kohlenstoffabscheidung - ein Zukunftsbereich, der von der grünen Transformation profitiert. Andritz Metals schließlich liefert Anlagen für die Herstellung und Weiterverarbeitung von Kaltband aus Stahl, Edelstahl und Aluminium, etwa für die Automobil- und Elektronikindustrie.

Geschäftsbereich Kernprodukte Marktposition
Hydro Power Turbinen, Generatoren, Steuerungssysteme für Wasserkraftwerke Weltmarktführer
Pulp & Paper Komplettanlagen für Zellstoff- und Papierproduktion Weltmarktführer
Environment & Energy Fest-Flüssig-Trennung, H2-Elektrolyseure, Carbon Capture Technologieführer
Metals Walz- und Bandbehandlungsanlagen, Pressen Top 3 weltweit

Geschäftsjahr 2024 - Solide trotz Gegenwind

Nach dem Rekordjahr 2023 mit einem Umsatz von 8,66 Milliarden Euro musste Andritz 2024 leichte Rückgänge hinnehmen. Der Umsatz sank um vier Prozent auf 8,3 Milliarden Euro, der Nettogewinn ging um 1,5 Prozent auf 496,5 Millionen Euro zurück. Vorstandschef Joachim Schönbeck verwies auf "wirtschaftlichen Gegenwind" durch eine abgeschwächte Investitionsbereitschaft in einigen Märkten, betonte jedoch, dass die Kapazitäten frühzeitig angepasst und die operative Rentabilität sogar verbessert werden konnte.

Positiv stimmte besonders das vierte Quartal: Der Auftragseingang lag mit 2,53 Milliarden Euro um knapp ein Viertel über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das deutet darauf hin, dass die Zurückhaltung der Kunden nachlässt und die Projektpipeline für die kommenden Jahre gut gefüllt ist. Die Dividende wurde von 2,50 auf 2,60 Euro je Aktie angehoben - ein Signal des Vertrauens in die weitere Entwicklung.

Gut zu wissen:
Die Andritz-Aktie notiert an der Wiener Börse und gehört dem ATX-Index an. Rund 30,72 Prozent der Anteile hält die Custos Vermögensverwaltungs GmbH als größter Einzelaktionär. Der Rest befindet sich in Streubesitz bei institutionellen und privaten Anlegern.

Für das Geschäftsjahr 2025 meldete der Konzern "zufriedenstellende vorläufige Finanzergebnisse" trotz makroökonomischer Herausforderungen und geopolitischer Spannungen. Der Umsatz wird stabil bei 8,0 bis 8,3 Milliarden Euro erwartet, wobei eine Belebung der Projektaktivität in allen vier Geschäftsbereichen prognostiziert wird. Besonders der Bereich Hydro Power profitiert vom globalen Trend zur Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke.

Standort Steiermark - Investitionsoffensive bis 2028

Obwohl Andritz weltweit produziert, bleibt der Bezug zur Steiermark stark. Rund 12 Prozent der Gesamtbelegschaft - also etwa 3.600 Personen - arbeiten in Österreich, ein Großteil davon am Hauptsitz in Graz und am Produktionsstandort in Weiz. Die Konzernzentrale in der Stattegger Straße in Graz beherbergt die strategische Steuerung, zentrale Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sowie die globale Projektkoordination.

Gerade der steirische Standort profitiert derzeit von einer gezielten Investitionsoffensive: Im höheren zweistelligen Millionenbereich baut Andritz die Produktionsstandorte in Weiz und Linz bis 2028 aus, um der weltweit steigenden Nachfrage nach Turbogeneratoren gerecht zu werden. In Weiz produziert Andritz große Generatoren und Turbinen, die für den globalen Wasserkraft-Ausbau benötigt werden. Die Erweiterung umfasst neue Produktionshallen, modernisierte Testeinrichtungen und eine deutliche Kapazitätserweiterung bei der Fertigung von Großkomponenten.

Seit 2024 ist Andritz zudem Mitglied im Green Tech Cluster Steiermark, einem der international führenden Umwelttechnik-Netzwerke mit über 200 Partnerunternehmen. Im Cluster will Andritz digitale Initiativen vorantreiben und die Zusammenarbeit mit jungen Unternehmen aus dem Bereich Cleantech forcieren. Dieser Schritt unterstreicht den strategischen Fokus auf Nachhaltigkeit, den der Konzern systematisch ausbaut.

Praxis-Tipp:
Andritz bietet am Standort Graz und Weiz umfangreiche Karrieremöglichkeiten - von Lehrstellen über Ingenieurspositionen bis zu internationalen Management-Programmen. Aktuell sind regelmäßig über 50 offene Stellen auf karriere.at zu finden. Besonders gefragt sind Maschinenbau-Ingenieure, Automatisierungstechniker und Projektmanager mit internationaler Erfahrung.

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell der Zukunft

Andritz positioniert sich zunehmend als Anbieter von Lösungen für die grüne Transformation der Industrie. Im Bereich Wasserkraft rüstet das Unternehmen bestehende Kraftwerke auf höhere Effizienz um und liefert Turbinen für neue Projekte weltweit - ein Markt, der von der Dekarbonisierung der Stromerzeugung profitiert. Die Sparte Environment & Energy entwickelt drei zentrale Zukunftstechnologien: Systeme zur Produktion von grünem Wasserstoff durch Elektrolyse, Anlagen zur Kohlenstoffabscheidung (Carbon Capture) und Lösungen zur energetischen Verwertung von Biomasse und Abfällen.

Besonders die Wasserstoff-Technologie könnte für den Standort Steiermark an Bedeutung gewinnen: Die Energie Steiermark gründete 2025 eine eigene Wasserstoff-Gesellschaft, und die energieintensiven Industriebetriebe der Region suchen nach Dekarbonisierungslösungen für ihre Produktion. Andritz' Kompetenz bei Elektrolyseuren und der Aufbereitung von Biomasse könnte zur Schlüsseltechnologie für die industrielle Transformation im Bundesland werden. Auch im Bereich der Kreislaufwirtschaft - etwa bei der Aufbereitung von Altpapier oder der Rückgewinnung wertvoller Materialien aus Produktionsabwässern - bietet Andritz zunehmend Lösungen an.

Herausforderungen:
Geopolitische Unsicherheiten, volatile Rohstoffpreise und die Transformation der Energiemärkte bleiben Risikofaktoren. Der Konzern reagiert mit frühzeitiger Kapazitätsanpassung und einer starken Diversifikation über Branchen und Regionen hinweg. Zudem setzt Andritz auf Digitalisierung und Automatisierung, um die Effizienz der eigenen Produktion zu steigern.

Ausblick - Wachstum durch Innovation und Diversifikation

Für die kommenden Jahre setzt Andritz auf mehrere Wachstumstreiber gleichzeitig. Die weltweit steigende Nachfrage nach erneuerbarer Energie - insbesondere Wasserkraft - wird den Bereich Hydro Power stärken. Die Ausbau-Investitionen in Weiz und Linz sollen die Produktionskapazität für Turbogeneratoren deutlich erhöhen, um den Auftragsbestand schneller abarbeiten zu können. Im Bereich Pulp & Paper profitiert das Unternehmen von der Transformation der Papierindustrie hin zu nachhaltigeren Produktionsmethoden und dem wachsenden Bedarf an Verpackungsmaterialien als Alternative zu Kunststoff.

Die Digitalisierung spielt eine zunehmend wichtige Rolle: Andritz bietet seinen Kunden digitale Zwillinge ihrer Anlagen, vorausschauende Wartung und KI-gestützte Prozessoptimierung an. Diese Serviceerlöse ergänzen das klassische Anlagengeschäft und schaffen wiederkehrende Einnahmen, die das Ergebnis stabilisieren.

Mit über 170 Jahren Geschichte, einem diversifizierten Geschäftsmodell und konsequenten Investitionen in den Standort Steiermark bleibt die Andritz AG ein Eckpfeiler der steirischen Wirtschaft. Die Kombination aus globaler Reichweite und regionaler Verwurzelung macht das Unternehmen zu einem Vorbild für industrielle Resilienz - und zum Beweis, dass Weltmarktführerschaft aus der Steiermark heraus möglich ist.

Quellen