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Donnerstag, 15. Oktober 2026 Kontakt
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Eva Liebmann - neue Direktorin der Wirtschaftskammer Steiermark

Das Wichtigste in Kürze
  • Eva Liebmann übernimmt am 1. Jänner 2027 die Direktion der Wirtschaftskammer Steiermark. Präsident Josef Herk hat die Steirerin im Mai 2026 bestellt.
  • Sie folgt auf Karl-Heinz Dernoscheg, der nach zwölf Jahren an der Spitze des Kammeramts Ende 2026 in Pension geht.
  • Die promovierte Betriebswirtin hat an der Harvard Kennedy School studiert und war im Finanzministerium, als Finanzattachée in Washington und als Leiterin der ECOFIN-Abteilung in Brüssel tätig.
  • Von 2019 bis 2022 war sie Generalsekretärin des Instituts für Höhere Studien in Wien und leitete das Haus 2021 nach dem Abgang von Martin Kocher interimistisch mit Franz Fischler.
  • Danach verantwortete sie bei der BAWAG Group die strategische Konzernkommunikation, ab September 2025 war sie Generalsekretär-Stellvertreterin der Wirtschaftskammer Österreich.
  • In Graz übernimmt sie ein Haus im Sparkurs: Bis 2030 sollen rund acht Millionen Euro an jährlichen Ausgaben wegfallen.

Am 28. Mai 2026 gab es an einem Tag zwei Nachrichten über Eva Liebmann. In Wien verkleinerte die Wirtschaftskammer Österreich ihr Generalsekretariat von vier auf zwei Personen, Liebmanns Posten als Vizegeneralsekretärin wird nicht nachbesetzt. In Graz gab Josef Herk bekannt, wer ab 1. Jänner 2027 die Wirtschaftskammer Steiermark operativ führt: dieselbe Frau. Damit kommt eine Managerin an die Spitze des steirischen Kammeramts, deren Laufbahn über Washington, Brüssel, ein Wirtschaftsforschungsinstitut und eine Großbank verlief.

Lebensdaten
Herkunft
Steiermark
Ausbildung
Doktorat in Betriebswirtschaft, Master of Public Administration (MPA) der Harvard Kennedy School
Stationen
Bundesministerium für Finanzen, Finanzattachée an der österreichischen Botschaft in Washington D.C., Leiterin der ECOFIN-Abteilung an der Ständigen Vertretung Österreichs in Brüssel, 2019 bis 2022 Generalsekretärin des Instituts für Höhere Studien, Head of Strategic Group Communications & Stakeholder Management der BAWAG Group, ab September 2025 Generalsekretär-Stellvertreterin der Wirtschaftskammer Österreich
Weitere Funktionen
Mitglied des Hochschulrats der Pädagogischen Hochschule Salzburg (Funktionsperiode ab 2021)
Aktuell
designierte Direktorin der Wirtschaftskammer Steiermark ab 1. Jänner 2027

Finanzministerium, Washington, Brüssel

Liebmanns Laufbahn beginnt in der Finanzverwaltung des Bundes. Aus dem Finanzministerium wechselte sie als Finanzattachée an die österreichische Botschaft in Washington D.C. An der Harvard Kennedy School erwarb sie den Master of Public Administration. Das Institut für Höhere Studien fasste diese Jahre später als „Stationen in Washington, D. C., Boston und Brüssel“ zusammen.

In Brüssel leitete sie während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft die ECOFIN-Abteilung der Ständigen Vertretung. Die Abteilung bereitet die Sitzungen der EU-Finanzminister vor. Während einer Ratspräsidentschaft führt sie zusätzlich die Verhandlungen, die das Vorsitzland im Namen aller Mitgliedstaaten leitet.

Generalsekretärin am IHS

Am 1. Juni 2019 trat sie unter dem Namen Eva Liebmann-Pesendorfer die Funktion der Generalsekretärin am Institut für Höhere Studien in Wien an. Sie folgte Ralf Böckle, der an den Verfassungsgerichtshof gewechselt war, und bildete mit dem wissenschaftlichen Direktor Martin Kocher die neue Doppelspitze. Laut Jahresbericht 2019 war sie die erste Generalsekretärin des Instituts seit Freda Pawloff in den 1960er-Jahren. Zu ihren ersten Projekten zählten ein internes Wissensmanagement-System und Maßnahmen zur Gleichstellung.

Im Jänner 2021 wurde Kocher Arbeitsminister. Liebmann-Pesendorfer übernahm die Leitung des Instituts interimistisch, später gemeinsam mit IHS-Präsident Franz Fischler, während die Suche nach einem neuen Direktor mehrere Absagen brachte. In einer Aussendung vom 30. Juni 2021 formulierte sie den Anspruch an das Haus so: „Wissenschaft muss in der Lage sein, Lösungen für gesellschaftliche Fragen der Zukunft vorzubereiten.“ Im Frühjahr 2022 endete ihr Vertrag, Nachfolgerin als Generalsekretärin wurde im September 2022 Julia Studencki.

Ebenfalls 2021 wurde sie Mitglied im Hochschulrat der Pädagogischen Hochschule Salzburg, dem Aufsichtsgremium der Hochschule.

Kommunikation bei der BAWAG

Nach dem IHS ging Liebmann in die Privatwirtschaft. Bei der BAWAG Group war sie als Head of Strategic Group Communications & Stakeholder Management im erweiterten Vorstand für die strategische Kommunikation und das Stakeholdermanagement des Konzerns zuständig. In dieser Funktion übergab sie im Februar 2025 den BAWAG Frauenpreis und beschrieb ihn laut Leadersnet als Auszeichnung für „Chancengleichheit, Inklusion und gesellschaftliche Fairness“.

Ein Jahr Außenwirtschaft in der WKÖ

Im September 2025 holte die Wirtschaftskammer Österreich sie als Generalsekretär-Stellvertreterin. Liebmann war für die Außenwirtschaft Austria und die europapolitischen Abteilungen in Wien und Brüssel zuständig, also für das Netz der Außenwirtschaftscenter und die Vertretung der Unternehmen gegenüber den EU-Institutionen. Wie diese Arbeit aussieht, zeigt ein Termin vom 25. März 2026 an der österreichischen Botschaft in Rom: Gespräche mit dem italienischen Unternehmensministerium über Industriekooperation, mit dabei Vertreter von Plasser Italia, Everpharma Italia und voestalpine Railway Systems.

Nach dem Wechsel an der Kammerspitze, Martha Schultz folgte Harald Mahrer als Präsidentin, stellte die WKÖ ihre Führung neu auf. Im Mai 2026 wurde das Generalsekretariat laut ORF von vier auf zwei Personen verkleinert. Generalsekretär Jochen Danninger und Stellvertreter Herwig Höllinger blieben in der operativen Führung, Thomas Spann übernahm eine neue Funktion als Leiter der Transformation, Liebmanns Stelle fiel weg.

Zeitraum Funktion
vor 2019 Finanzministerium, Finanzattachée in Washington D.C., Leiterin der ECOFIN-Abteilung der Ständigen Vertretung in Brüssel
Juni 2019 bis Frühjahr 2022 Generalsekretärin des Instituts für Höhere Studien, ab Jänner 2021 auch interimistische Institutsleitung
2025 Head of Strategic Group Communications & Stakeholder Management der BAWAG Group
September 2025 bis 2026 Generalsekretär-Stellvertreterin der Wirtschaftskammer Österreich, Außenwirtschaft und Europa
ab 1. Jänner 2027 Direktorin der Wirtschaftskammer Steiermark

Quellen: Institut für Höhere Studien (Jahresberichte 2019 und 2022), Leadersnet, ORF, Wirtschaftskammer Steiermark

Herks Wahl für die Direktion

Die Direktorin ist in der Kammer nicht die politische Spitze, sondern die oberste Angestellte. Sie führt das Kammeramt mit seinen Fachabteilungen, Regionalstellen und Serviceeinrichtungen, während der gewählte Präsident die Kammer nach außen vertritt. Seit Februar 2011 ist das in der Steiermark Josef Herk, der Liebmann selbst bestellt hat.

Seine Begründung in der Aussendung der WKO Steiermark: „Mit ihr gewinnt die WKO Steiermark eine international erfahrene Wirtschaftsexpertin als Direktorin.“ Sie kenne die Anliegen der Unternehmen ebenso wie die Entscheidungszentren in Wien, Brüssel und Washington. Liebmann selbst stellte bei der Bestellung das Land in den Vordergrund: „Die Steiermark steht für Innovationskraft, Unternehmergeist und industrielle Stärke.“

Gut zu wissen:
Ihr Vorgänger Karl-Heinz Dernoscheg führt das Kammeramt bis Ende 2026 weiter. Er stand zwölf Jahre an der Spitze der Direktion. Herk würdigte ihn bei der Bekanntgabe der Nachfolge mit den Worten: „Er hat die Weiterentwicklung der WKO Steiermark maßgeblich gestaltet.“

Was sie in Graz übernimmt

Liebmann kommt in ein Haus, das sich gerade ein Sparprogramm verordnet hat. Am selben Tag wie ihre Bestellung kündigte die WKO Steiermark an, bis 2030 jeden zehnten Euro ihrer Ausgaben einzusparen, rund acht Millionen Euro im Jahr. Laut MeinBezirk sinkt der steirische Anteil an der Kammerumlage 2 von 0,22 auf 0,18 Prozent, das Leistungsangebot wird nach Nutzung durchforstet und ein einheitliches Kennzahlensystem eingeführt.

Für die Betriebe in den Regionen ist der heikelste Teil die Struktur. Die Service- und Regionalstellen mit eingeschränkten Öffnungszeiten in Mariazell, Fürstenfeld, Bad Aussee, Bad Radkersburg und Mürzzuschlag werden neu aufgestellt, Gröbming und Murau sollen mittelfristig folgen. Die Regionalstelle Leoben wird geprüft und könnte an den Standort der WKO in Niklasdorf übersiedeln. Ob mobile und digitale Angebote die Lücken schließen, wird in die Amtszeit der neuen Direktorin fallen.

Ausblick: Mit 1. Jänner 2027 übernimmt Eva Liebmann ein Kammeramt, das bis 2030 acht Millionen Euro im Jahr einsparen und gleichzeitig seine Regionalstellen neu ordnen soll. Sie bringt Erfahrung aus der Außenwirtschaft, der Kommunikation einer Großbank und der Leitung eines Forschungsinstituts mit. Welche eigenen Schwerpunkte sie in der Steiermark setzt, wird sich nach dem Amtsantritt zeigen.

Quellen