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Donnerstag, 15. Oktober 2026 Kontakt
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Unternehmerinnen des Jahres 2026 - sechs Steirerinnen ausgezeichnet

Das Wichtigste in Kürze
  • Frau in der Wirtschaft Steiermark hat am 16. September 2026 im Europasaal der WKO Steiermark die „Unternehmerinnen des Jahres“ in sechs Kategorien ausgezeichnet.
  • Eingereicht wurden mehr als 220 Bewerbungen. Es war die elfte Vergabe seit 2016, insgesamt wurden damit 51 Unternehmerinnen geehrt.
  • Ausgezeichnet wurden Jennifer Kellner (Brainonomy, Graz), Tina Robitsch (Raaba-Grambach), Cornelia Leitner (royos joining solutions, Lieboch), Sandra Höller (Agro Power Düngemittel, Gabersdorf), Verena Ulrich-Hollerer (Tischlerwerkstätte Ulrich, Bad Gleichenberg) und Birgit Lackner (Kindberg).
  • Die Spannweite reicht vom Kinderschutz-Browser über eine patentierte Fügetechnik für Kunststoff und Metall bis zum Biodünger aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie.
  • In der Steiermark werden 32.577 Betriebe von Frauen geführt. Bei den Einzelunternehmen geht fast jede zweite Neugründung auf eine Frau zurück.

Ein Browser, der Kinder vor Pornografie und Glücksspiel schützt, ohne sie zu überwachen. Ein Werkzeug, das Kunststoff ohne Schrauben und Kleber mit Metall verschweißt. Ein Dünger aus Resten der Lebensmittelproduktion. Die sechs Frauen, die Frau in der Wirtschaft (FiW) Steiermark am 16. September zu den „Unternehmerinnen des Jahres 2026“ gekürt hat, haben wenig gemeinsam, außer dass sie aus mehr als 220 Bewerbungen herausragten. Überreicht hat die Preise Gabriele Lechner, Vizepräsidentin der WKO Steiermark und FiW-Landesvorsitzende: „Unternehmerinnen leisten Tag für Tag Unglaubliches.“

Kategorie Preisträgerin Unternehmen Sitz
Beste Neugründerin Jennifer Kellner Brainonomy GmbH Graz
Beste Unaufhaltbare Tina Robitsch Einzelunternehmen (Verlag, KI, Marketing) Raaba-Grambach
Beste Innovatorin Cornelia Leitner royos joining solutions GmbH Lieboch
Beste Nachhaltige Sandra Höller Agro Power Düngemittel GmbH Gabersdorf
Beste Gestalterin Verena Ulrich-Hollerer Tischlerwerkstätte Ulrich OG Bad Gleichenberg
Publikumspreis Birgit Lackner Finanzberatung (Deutsche Vermögensberatung) Kindberg

Quellen: WKO Steiermark, MeinBezirk, Firmenbuch und Websites der Unternehmen

Jennifer Kellner: Browser ohne Überwachung

Jennifer Kellner ist ausgebildete Biomedizinische Analytikerin und zertifizierte Projektmanagerin, keine Softwareentwicklerin. Mit ihrer Grazer Brainonomy GmbH hat sie trotzdem eine Software auf den Markt gebracht: SilentSurf, einen Browser für Kinder und Familien. Er sperrt Inhalte zu Pornografie, Gewalt und Glücksspiel über Jugendschutzlisten in drei Filterstufen, erzwingt die sichere Suche und reduziert Werbung und Tracking. Soziale Netzwerke wie Instagram, TikTok oder Snapchat lassen sich einzeln sperren, YouTube auf einen Kindermodus stellen.

Der Unterschied zu üblichen Kinderschutz-Apps liegt im Geschäftsmodell. SilentSurf kostet nach sieben Gratistagen 9,99 Euro im Monat oder 79 Euro im Jahr für bis zu fünf Geräte und verdient laut Kellner ausschließlich an diesen Gebühren, ohne Werbung und ohne Datenverkauf. Die Kinder werden nicht überwacht oder profiliert. Gegenüber Trending Topics sagte sie im Dezember 2025: „Aktuell besteht das Gründungsteam aus mir allein.“ Technik und Design laufen über externe Partner, Investoren gibt es bisher keine. Ihr Ziel ist, SilentSurf als europäische Referenzlösung für digitale Kindersicherheit zu etablieren.

Tina Robitsch: Publishing mit künstlicher Intelligenz

Tina Robitsch kommt aus der Softwarebranche. Sie arbeitete als Software Test Engineer bei der KNAPP AG, als Programmiererin bei UPC und leitete an der FH Joanneum mit zwei Kollegen Projekte für mobile Lern-Apps. Seit 2024 ist sie mit einem eigenen Einzelunternehmen in Raaba-Grambach selbstständig, eingetragen als Buch-, Kunst- und Musikalienverlag. Ihre Schwerpunkte sind strategisches Publishing und der praktische Einsatz von künstlicher Intelligenz für Autorinnen, Verlage, Selbstständige und kleine Teams.

Sie hat 15 Bücher veröffentlicht, drei davon erreichten laut WKO den Status eines Amazon-Bestsellers. Die Kategorie „Beste Unaufhaltbare“ würdigt, dass sie ihr Unternehmen trotz massiver körperlicher Einschränkungen aufgebaut hat. Auf ihrer Website fasst sie ihre Haltung so zusammen: „Was nicht effizient ist, wird von mir nicht akzeptiert.“

Cornelia Leitner: Kunststoff an Metall, ohne Kleber

Die royos joining solutions GmbH in Lieboch gründeten Cornelia Leitner und Mario Leitner 2021 als Lohnfertiger für das Rührreibschweißen von Metallteilen. Beim ersten Auftrag ging es darum, einen Aluminiumdeckel auf einem Gussgehäuse durch Kunststoff zu ersetzen. Eine Technik, die Kunststoff effizient mit Metall verbindet, fand das Team nicht und entwickelte deshalb selbst eine. „Wir haben uns gedacht: Wenn es das nicht gibt, dann können wir das ermöglichen“, sagte Leitner der WKO.

Das Ergebnis heißt Polymer Stir Welding und ist patentiert. Das Verfahren fügt thermoplastische Kunststoffe in einem Arbeitsschritt mit Metall oder Holz, ohne Vorbehandlung, Schrauben oder Klebstoff. Pilotkunden kommen aus der Automobil- und Schwermaschinenindustrie, mögliche Anwendungen reichen von verzugsfrei verschweißten Batteriewannen für E-Autos über die Luftfahrt bis zum Designmöbel. Mario Leitner ist CEO, Cornelia Leitner CTO. Die Entwicklung finanzierte das Unternehmen unter anderem über das Deep-Tech-Seedprogramm der aws. Schon 2025 gewann royos den steirischen Innovationspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit für Kleinst- und Kleinunternehmen.

Sandra Höller: Dünger aus Nebenprodukten

Die Agro Power Düngemittel GmbH in Gabersdorf im Bezirk Leibnitz ist aus einem Familienbetrieb mit Weinbau, Ackerbau und Tierhaltung hervorgegangen. 2013 wurde die Produktionsstätte für organische Düngemittel errichtet. Seit 1. Jänner 2024 ist Sandra Höller laut Firmenbuch alleinige Geschäftsführerin.

Der Betrieb verarbeitet Nebenprodukte aus der Lebensmittel-, Futtermittel- und Genussmittelproduktion zu organischen und organisch-mineralischen Düngern für die biologische Landwirtschaft. Unter der Marke StyriaFert gehen sie an Bio- und konventionelle Betriebe, an Gemüse-, Obst- und Weinbau, Gärtnereien und Baumschulen, unter SteirerNatur an Hobbygärtner. Dazu kommen Lohnpelletierung und eigene Mischungen auf Kundenwunsch. Höller setzt laut WKO auf Qualität, kurze Transportwege, erneuerbare Energie und regionale Rohstoffe. Aus Resten anderer Branchen wird so ein Betriebsmittel für die Landwirtschaft, ein Beispiel für Kreislaufwirtschaft im ländlichen Raum.

Verena Ulrich-Hollerer: Tischlerei mit Innenarchitektur

Anton Ulrich hat die Tischlerei in Bad Gleichenberg 1981 gegründet. Seine Kinder Verena und Hans-Peter sind in der Werkstatt aufgewachsen und führen den Betrieb seit 2016 gemeinsam in zweiter Generation. Verena Ulrich-Hollerer machte eine verkürzte Tischlerlehre, besuchte die Meisterschule für Tischlerei und Raumgestaltung und legte 1999 die Meisterprüfung ab. Danach arbeitete sie in Planung, Verkauf und Studioleitung, unter anderem in England beim Küchenhersteller Poggenpohl in London. Von 2004 bis 2016 führte sie in Bad Gleichenberg ein eigenes Planungsbüro für Innenarchitektur.

Diese Verbindung prägt den Betrieb heute: Die Tischlerwerkstätte Ulrich OG plant und fertigt Möbel vom ersten Entwurf bis zur Montage und arbeitet neben Holz mit Leder, Glas, Metall, Stein und Beton. Kunden hat sie laut WKO in der Steiermark, Niederösterreich, Wien und Kärnten sowie in Deutschland, der Schweiz, Italien und Portugal. Der Leitsatz auf der Firmenwebsite: „Man muss wissen wie der Mensch lebt, um einen Lebensraum für ihn zu schaffen.“ Für das steirische Handwerk ist sie ein Beispiel für eine Betriebsübergabe, bei der die nächste Generation das Angebot erweitert hat.

Birgit Lackner: Publikumspreis für Finanzbildung

Den Publikumspreis holte die Kindbergerin Birgit Lackner. Sie arbeitet als Partnerin der Deutschen Vermögensberatung und als Speakerin und Mentorin für finanzielle Bildung, mit Schwerpunkten auf Vermögensaufbau, Pensionsvorsorge, Immobilienfinanzierung und Absicherung. Ein Thema liegt ihr besonders: die finanzielle Selbstbestimmung von Frauen. Gegenüber MeinBezirk sagte sie: „Dieser Preis ist für mich eine ganz besondere Auszeichnung, weil er direkt von den Menschen vergeben wurde.“

Gut zu wissen:
Laut Frau in der Wirtschaft werden in der Steiermark 32.577 Betriebe von Frauen geführt. Die Unternehmerinnen sind im Schnitt 40 Jahre alt, jedes von einer Frau geführte Unternehmen beschäftigt im Schnitt drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Von den zuletzt gegründeten Einzelunternehmen (ohne Personenbetreuung) gingen 48,3 Prozent auf Frauen zurück. Wie sich das Gründungsgeschehen insgesamt entwickelt, zeigt der Gründungsrekord im ersten Halbjahr 2026.

Was die Auswahl über die Unternehmerinnen im Land sagt

Drei der sechs Preisträgerinnen haben ihr Unternehmen selbst gegründet, zwei führen einen Familienbetrieb, eine arbeitet als selbstständige Finanzberaterin. Technologie spielt in drei der Geschichten die Hauptrolle: Browsersoftware, KI im Verlagswesen und eine patentierte Fügetechnik. Zwei Preisträgerinnen kommen aus dem ländlichen Süden, aus Gabersdorf und Bad Gleichenberg, drei aus dem Großraum Graz mit Graz, Raaba-Grambach und Lieboch, eine aus Kindberg im Mürztal. Mehr zu Frauen in Führungsfunktionen großer Unternehmen steht in der Übersicht über Frauen an der Spitze der steirischen Wirtschaft.

Ausblick: Mit der elften Vergabe hat Frau in der Wirtschaft Steiermark seit 2016 insgesamt 51 Unternehmerinnen ausgezeichnet. Für royos steht als Nächstes die Vermarktung des Schweißwerkzeugs an, für SilentSurf der Ausbau zur europäischen Lösung. Die Auszeichnung wird jährlich vergeben.

Quellen