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Samstag, 25. April 2026 Kontakt
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Sebastian Rohde - vom Mond-Brennstoffzellen-Forscher zum Mitgründer von Duramea

Eine Brennstoffzelle, die in einer künftigen Mondbasis zuverlässig Strom liefert - das war das Promotionsthema von Sebastian Rohde an der TU Graz. Aus der wissenschaftlichen Arbeit entstand 2024 mit Duramea ein Deep-Tech-Startup, das ein bodenständigeres, aber nicht weniger ambitioniertes Ziel verfolgt: die Lebensdauer von Brennstoffzellen und Elektrolyseuren für den industriellen Einsatz auf der Erde zu verdoppeln.

Das Wichtigste in Kürze
  • Sebastian Rohde ist Mitgründer von Duramea und verantwortet dort den Bereich Brennstoffzellen und Elektrolyseure
  • Duramea ist ein 2024 gegründeter TU-Graz-Spin-off mit fünf Mitgründenden: Maximilian Grandi, Rene Maiberg, Chetna Madan, Sebastian Rohde und Viktor Hacker
  • Kerntechnologie ist eine zum Patent angemeldete Polyanilin-Beschichtung für Membran-Elektroden-Einheiten (MEAs), die deren Lebensdauer in etwa verdoppeln soll
  • Das Unternehmen wurde im aws-Preseed-Deep-Tech-Programm 2024 gefördert und ist Teil des ESA Business Incubation Center Austria am Science Park Graz
  • 2025 erreichte Duramea die Finalistenrunde im Top-10-Feld des Sallinger-Fonds-S&B-Awards
Lebensdaten
Ausbildung
BSc, Dipl.-Ing., Dr. techn. an der TU Graz, Institut für Chemische Verfahrenstechnik und Umwelttechnik
Forschungsgebiet
Brennstoffzellen, Elektrolyseure, Katalysatormaterialien, ionic liquids
Dissertation
Hochleistungs-Brennstoffzellen für Mondbasen, in Kooperation mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA
Aktuell
Mitgründer und Lead Fuel Cells & Electrolysers bei Duramea GmbH, Graz

Der wissenschaftliche Werdegang

Rohde studierte an der TU Graz und promovierte am Institut für Chemische Verfahrenstechnik und Umwelttechnik. Seine Doktorarbeit entstand in Kooperation mit der ESA und untersuchte, wie Brennstoffzellen so robust gebaut werden können, dass sie auch auf Mondmissionen über lange Zeiträume zuverlässig arbeiten - unter anderem mit Wasser, das nicht der sonst üblichen Reinheit entspricht.

Eine der Schlüsselpublikationen trägt den Titel "A Robust Fuel Cell Operating on Lunar Water Derived Fuels" und erschien 2023. Parallel publiziert Rohde regelmäßig zu Protonen-Austausch-Membran-Brennstoffzellen, Platin-Katalysatoren und zur Kontamination durch Schwefelwasserstoff. In der TU-Graz-Forschungsdatenbank sind zwischen 2023 und 2026 mehrere peer-reviewte Arbeiten gelistet.

Von der Grundlagenforschung zum Spin-off

Die Gründung von Duramea erfolgte 2024 aus dem Team um TU-Graz-Professor Viktor Hacker heraus. Neben Rohde sind Maximilian Grandi, Rene Maiberg (CEO), Chetna Madan und Viktor Hacker als Mitgründende beteiligt. Nach der offiziellen Darstellung des Science Park Graz übernimmt Rohde im operativen Geschäft die Verantwortung für den Brennstoffzellen- und Elektrolyseur-Bereich.

Der Ausgangspunkt der Geschäftsidee: Die Membran-Elektroden-Einheit, kurz MEA, ist das Herzstück sowohl der Brennstoffzelle als auch des Elektrolyseurs. Sie bestimmt maßgeblich Leistung, Kosten und Lebensdauer der Geräte. Korrosion und Leistungsabfall sind die häufigsten Ausfallursachen. Nach jahrelanger Arbeit am TU-Graz-Institut entwickelte das Team eine Beschichtung auf Basis des leitfähigen Polymers Polyanilin (PANI), die MEAs gegen Korrosion schützt und - nach Unternehmensangaben - deren operative Lebensdauer ungefähr verdoppeln kann.

Das Unternehmen unter fünfköpfiger Gründung

Duramea fertigt Membran-Elektroden-Einheiten in mehrlagigen Konfigurationen und setzt dabei unter anderem Slot-Die-Coating und Elektrospinnen ein. Zielgruppen sind Hersteller von Brennstoffzellen-Stacks und Elektrolyseur-Systemen im B2B-Bereich. Das Unternehmen beliefert zunächst den Forschungsmarkt - Universitäten und Institute - mit dem Ziel, ab 2026 schrittweise in den industriellen Markt einzutreten.

Parallel arbeitet Duramea an PFAS-freien MEAs. Perfluorierte Verbindungen sind zwar chemisch stabil, gelten aber ökologisch wie gesundheitlich als problematisch und werden zunehmend reguliert. Eine PFAS-freie Variante wäre in Entsorgung und Handling ein Marktvorteil.

Eckdaten Duramea Wert
Gründungsjahr 2024
Standort Graz, Science Park Graz
Gründungsteam Fünf Personen, alle mit TU-Graz-Hintergrund
Kerntechnologie Polyanilin-Beschichtung für MEAs, Patentanmeldung eingereicht
Förderungen aws Preseed Deep Tech 2024, ESA BIC Austria
Umsatzziel 6 Mio. Euro bis 2029 (Planwert laut aws-Dossier)

Förderungen und Partner

2024 wurde Duramea im Programm aws Preseed Deep Tech aufgenommen. Das Förderprogramm der Austria Wirtschaftsservice richtet sich an wissenschaftsnahe Gründungen im Frühstadium und stellt nicht rückzahlbare Zuschüsse für Technologie-Entwicklung bereit. Parallel wurde Duramea in das ESA Business Incubation Center Austria aufgenommen, das am Science Park Graz verortet ist.

Aus der ESA-Anbindung ergibt sich ein inhaltlicher Doppelnutzen: Die Technologie, die Rohde ursprünglich für Weltraum-Anwendungen konzipierte - etwa Elektrolyse aus weniger reinem Wasser - lässt sich teils auf irdische Anwendungen übertragen, in denen Wasserqualität und Einsatzbedingungen ebenfalls nicht ideal sind.

Gut zu wissen:
Duramea wurde 2025 in die Top-10-Shortlist des S&B Award des Sallinger-Fonds aufgenommen. Den Gesamtsieg holte zwar ein anderes Projekt (Rockfish Bio), die Finalplatzierung gilt in der heimischen Deep-Tech-Szene aber als Hinweis auf ein ernst genommenes junges Team.

Einordnung für den Standort Steiermark

Der steirische Wasserstoff-Cluster hat in den letzten Jahren deutlich zugelegt. Mit dem HyCentA Research auf dem TU-Graz-Campus besteht ein führendes Testzentrum, Andritz und AVL arbeiten in industriellem Maßstab an Wasserstoff-Komponenten, und Verbundprojekte wie das zweite Forschungsfahrzeug HyCar2 an der TU Graz zeigen die Breite des Ökosystems. Duramea positioniert sich in dieser Landschaft als hochspezialisierter Zulieferer für eine einzige, aber strategisch wichtige Komponente: die MEA.

Sebastian Rohdes Rolle ist dabei die des Brückenbauers zwischen Forschung und Anwendung. Seine wissenschaftliche Arbeit bildet die Grundlage der Technologie, operativ verantwortet er im Team die Brennstoffzellen- und Elektrolyseur-Entwicklung. Für ein Startup in der Anfangsphase ist diese Verzahnung zwischen akademischem Hintergrund und praxisorientierter Produktentwicklung kein Luxus, sondern Überlebensbedingung.

Ausblick: Die nächsten zwei Jahre werden für Duramea entscheidend. Der Schritt vom Forschungsmarkt in den industriellen B2B-Vertrieb ist technologisch wie vertrieblich anspruchsvoll. Wenn das Team die angekündigten Roll-to-Roll-Fertigungskapazitäten hochfährt und die PFAS-freie Variante zur Marktreife bringt, kann aus dem Spin-off ein relevanter Zulieferer für die europäische Wasserstoff-Industrie werden.

Quellen