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Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
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Science Park Graz - Österreichs führender High-Tech-Inkubator im Porträt

Science Park Graz - Österreichs führender High-Tech-Inkubator im Porträt

Über 40 technologieorientierte Jungunternehmen arbeiten derzeit in den Büros in der Grazer Sandgasse 36. Dazu elf neue Gründungsteams, die gerade einziehen. Hinter dieser Zahl steht der wichtigste High-Tech-Inkubator Österreichs: der Science Park Graz, seit 2002 Keimzelle vieler jener Deep-Tech-Unternehmen, die heute die Steiermark als zweitstärkste Startup-Region des Landes prägen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Science Park Graz wurde 2002 gegründet und ist das akademische High-Tech-Inkubationszentrum der Grazer Universitäten
  • Über 200 Startup-Projekte wurden seit Gründung begleitet, aktuell beherbergt der Inkubator rund 40 junge Technologieunternehmen plus elf neue Gründungsteams
  • Zu den bekanntesten Alumni zählen USound, EET/SOLMATE, smaXtec, Leftshift One, GATE Space und Seasy
  • Seit 2016 betreibt der Science Park Graz das ESA Business Incubation Centre Austria für Raumfahrt-Startups
  • Der Inkubator ist Teil des Austrian AplusB-Netzwerks und wird vom Bund, dem Land Steiermark und den Grazer Universitäten getragen

Vom akademischen Experiment zum Platzhirsch

Die Gründung des Science Park Graz fällt in eine Zeit, in der Österreich im internationalen Vergleich bei universitären Ausgründungen deutlich zurücklag. 2002 startete das Projekt als akademischer Inkubator der TU Graz gemeinsam mit der Karl-Franzens-Universität Graz, der Medizinischen Universität Graz und der Kunstuniversität Graz. Das Bundesland Steiermark und das Bundesministerium traten als weitere Gesellschafter bzw. Fördergeber auf.

Die TU Graz ist laut eigener Darstellung "primary owner" des Inkubators. Das ist kein Zufall: Technische Universitäten haben bei Deep-Tech-Gründungen strukturell die Nase vorn. Ein Bericht von TU Austria weist die TU Graz in der Initiative Spin-off Austria aktuell als Nummer eins bei universitären Unternehmensgründungen in Österreich aus.

Das Standortmodell

Der Science Park Graz bietet Gründungsteams drei Dinge: subventionierte Büroflächen, Infrastruktur und vor allem ein Coaching-Programm über zwei bis drei Jahre. Dazu kommen Zugang zu Investoren, Rechtsberatung, Prototyping-Unterstützung und die Einbindung in ein Alumni-Netzwerk.

Die operative Führung liegt seit 2021/2022 bei Geschäftsführer Martin Mössler. Als COO wirkt Sabrina Petutschnig. Der Standort am Campus Alte Technik in der Sandgasse liegt in unmittelbarer Nähe zur Technischen Universität, was den Austausch zwischen Forschung und Gründern erleichtert.

Dazu hat der Science Park Graz 2016 das ESA Business Incubation Centre (ESA BIC) Austria eröffnet. Startups mit Weltraumbezug erhalten dort eine Einmalfinanzierung von bis zu 50.000 Euro, technische Unterstützung durch die Europäische Weltraumorganisation und Zugang zum europäischen ESA-BIC-Netzwerk. Ein bekannter Alumnus dieses Programms ist GATE Space, das an chemischen Antrieben für Satelliten arbeitet.

Portfolio-Highlights - wer zu den bekanntesten Alumni zählt

Die Liste der bekanntesten Ausgründungen, die durch den Science Park Graz gegangen sind, liest sich wie ein Who-is-who der steirischen Deep-Tech-Szene.

UnternehmenBrancheStatus / Meilenstein
USoundMEMS-MikrolautsprecherUnicorn-Kandidat, bisher rund 83 Mio. Dollar Investments
smaXtecTiergesundheits-Sensorikrund 300 Mitarbeiter, ca. 50 Mio. Euro Umsatz
EET / SOLMATEBalkonkraftwerke mit Speicher6,5 Mio. Euro Wachstumskapital (2023)
Leftshift OneEnterprise-KI / Generative AI40 Mitarbeiter Graz/München, 2 Mio. Euro-Runde 2019
GATE SpaceRaumfahrt / SatellitenantriebeESA-BIC-Alumnus, erster Satellitenstart 2026 geplant
SeasyOnline-Marktplatz für MarinasStart-up des Jahres 2023 (Science Park Graz)

USound ist das prominenteste Beispiel. Das Unternehmen entwickelt MEMS-basierte Mikrolautsprecher, also extrem kleine Audio-Chips für In-Ear-Kopfhörer und Hörgeräte. Gemäß dem Grazer Investor eQventure gilt USound als einer der aussichtsreichsten Unicorn-Kandidaten Österreichs.

smaXtec wurde 2009 von Stefan Rosenkranz und Mario Fallast mit Wurzeln an der TU Graz gegründet und entwickelt Bolus-Sensoren, die in den Pansen von Milchkühen eingesetzt werden. Das Gerät misst Körpertemperatur, Aktivität und Wiederkau-Verhalten und meldet Krankheiten früh an den Landwirt. Heute beschäftigt das Unternehmen laut eigenen Angaben rund 300 Mitarbeiter.

Gut zu wissen:
Der Science Park Graz vergibt Auszeichnungen wie "Startup des Jahres". 2023 wurden mit Seasy und GATE Space zwei Unternehmen aus dem eigenen Portfolio gemeinsam mit Trending Topics als herausragend ausgezeichnet. Die Vergabe erfolgt jährlich auf Basis von Meilensteinen wie Finanzierungsrunden, Kundenzahlen und Produkt-Launches.

Programme - wie Gründerteams einsteigen

Zentrales Einstiegsprogramm ist APLUSB, das Inkubationsprogramm des österreichischen Bundesministeriums. Bewerberteams durchlaufen eine mehrstufige Prüfung, bevor sie über zwei bis drei Jahre betreut werden. Finanzielle Ausstattung pro Team liegt im sechsstelligen Bereich pro Jahr - Personalkosten, Infrastruktur und externe Beratung eingerechnet.

Daneben laufen spezifische Programme:

  • ESA BIC Austria: Raumfahrt-Startups, bis zu 50.000 Euro Einmalfinanzierung, zwei Jahre Laufzeit
  • Life Science Incubator: in Kooperation mit dem ZWT Accelerator der Med Uni Graz für Biotech, Pharma und MedTech
  • Inkubations-Stipendien: für Forscherteams aus den Grazer Universitäten

Was den Science Park Graz von anderen Inkubatoren unterscheidet

Im Vergleich zu Wiener Einrichtungen wie INiTS oder Weitraum setzt der Science Park Graz stark auf Hardware- und Deep-Tech-Projekte. Das hängt mit dem Profil der TU Graz zusammen, an der viele Projekte aus Mikroelektronik, Materialwissenschaft, Energie- und Mobilitätsforschung entstehen. Software-Startups sind vorhanden, überwiegen aber nicht.

Die Laufzeiten der Inkubation sind relativ lang. Deep-Tech-Projekte brauchen im Schnitt deutlich länger vom Prototyp zum Markt als B2C-Apps. Für Gründer bedeutet das: weniger Tempo-Druck, mehr Fokus auf Technologiereife und Patentstrategie.

Praxis-Tipp für Gründer:
Interessierte Teams sollten vor einer Bewerbung das aktuelle Portfolio durchsehen und sich überlegen, ob das eigene Projekt zu den Schwerpunkten passt. Direkter Kontakt mit Alumni-Gründern ist über das Science-Park-Netzwerk möglich und liefert ehrlichere Einschätzungen als die offiziellen Infotermine.

Rolle im steirischen Ökosystem

Der Science Park Graz ist nicht der einzige Akteur im Land. Das Unicorn Startup- und Innovation Hub an der Universität Graz ging 2021 mit 12 Millionen Euro Errichtungsbudget in Betrieb und konzentriert sich auf Ausgründungen aus den sozial- und naturwissenschaftlichen Fächern. Der ZWT Accelerator der Med Uni Graz hat sich seit 2023 auf Life Sciences spezialisiert und bietet 2.700 Quadratmeter Labor- und Büroflächen.

Die drei Einrichtungen verstehen sich als Komplementäre: Der Science Park Graz ist Anlaufpunkt für Hardware-lastige Deep-Tech-Gründungen, Unicorn Graz für Interdisziplinäres und gesellschaftsrelevante Innovation, der ZWT Accelerator für Biotech und Medizintechnik.

Gemeinsam mit der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG), die mit ihrer Startupmark-Initiative das regionale Ökosystem organisiert, entsteht so eine Struktur, die Österreich in dieser Dichte nur in Wien bietet.

Zahlen zum Investitionsumfeld

Laut Austrian Startup Monitor 2025 war die Steiermark 2025 mit 19 Finanzierungsrunden und einem Volumen von 29 Millionen Euro zweitstärkste Bundesland-Region Österreichs nach Wien (86 Runden, 179 Millionen Euro). Zu diesen Zahlen trägt der Science Park Graz indirekt bei: Ein wesentlicher Teil der in der Steiermark gefundeten Unternehmen hat zuvor eine Inkubationsphase im Science Park durchlaufen.

Ausblick: Der Science Park Graz bleibt mit seinem Deep-Tech-Fokus für die nächsten Jahre gesetzt. Die Herausforderung liegt weniger in der Auswahl der Gründungsteams, sondern in der späten Finanzierungsphase: Für die Skalierung von Hardware-Startups braucht es Runden im zweistelligen Millionen-Bereich, die in Österreich noch rar sind. Erste Signale aus Wien (erhöhtes Budget des aws Gründungsfonds II) und aus privaten Investment Clubs wie eQventure deuten an, dass dieses Bottleneck Schritt für Schritt schmaler wird.

Quellen