3.382 Kammermitglieder und erstmals über 10.000 Beschäftigte in WKO-Betrieben: Mit diesen Zahlen geht der Bezirk Voitsberg in das Jahr 2026. Gleichzeitig sank die Arbeitslosigkeit im Jänner 2026 im Bezirk um 3,5 Prozent - der drittstärkste Rückgang aller steirischen Bezirke. Die Weststeiermark, die Jahrzehnte lang als Strukturwandel-Problemregion galt, hat sich in eine diversifizierte Wirtschaftszone entwickelt, die weit mehr ist als ihre touristische Marke „Schilcherland".
- Die Weststeiermark umfasst die Bezirke Deutschlandsberg und Voitsberg; industrielle Ankerbetriebe sind TDK Electronics in Deutschlandsberg, Stoelzle Oberglas in Köflach und zahlreiche KMU im Maschinenbau und der Elektronikfertigung
- Die WKO Voitsberg verzeichnet 3.382 Mitglieder und 10.614 Beschäftigte; in Deutschlandsberg arbeiten rund 17.000 Menschen in den Betrieben
- Der Windpark Soboth-Eibiswald (Energie Steiermark) wird nach Fertigstellung mit 15 Vestas-Turbinen eine Leistung von rund 93 MW liefern - eines der größten Windkraftprojekte Südösterreichs
- Die Weststeiermark verfügt als einziges steirisches Weinbaugebiet über die DAC-Bezeichnung „Schilcher" (seit 2018) und hat rund 400 Hektar Blauer-Wildbacher-Rebfläche
- TDK Electronics (ehemals EPCOS) in Deutschlandsberg beschäftigt rund 900 bis 950 Personen aus über 25 Nationen; die Keramik-Kompetenz am Standort besteht seit mehr als 50 Jahren
- Stoelzle Oberglas Köflach produziert jährlich rund 1,5 Milliarden Glasverpackungen und beschäftigt über 500 Mitarbeitende
Bezirksstruktur - zwei sehr verschiedene Nachbarn
Die Weststeiermark erstreckt sich vom nordwestlichen Graz-Rand bis an die steirisch-kärntnerische Grenze am Koralpenzug. Die beiden Bezirke Deutschlandsberg und Voitsberg teilen zwar die Lage westlich der Mur, haben aber sehr unterschiedliche Wirtschaftsprofile. Deutschlandsberg ist weinwirtschaftlich geprägt, industrielle Schwerpunkte liegen bei Elektronik und Elektromechanik. Voitsberg dagegen trägt bis heute die Signatur seiner kohlewirtschaftlichen Vergangenheit - mit Glasindustrie, Fahrzeugbau und Metallerzeugnissen als moderneren Säulen.
Auffällig ist die Pendlerstruktur: Im Bezirk Deutschlandsberg pendelt laut letzter verfügbarer Erhebung ein hoher Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung täglich aus - vorrangig in den Raum Graz. Diese Pendler-Dynamik prägt die lokale Arbeitsmarktrechnung: Deutschlandsberg hat mehr Arbeitskräfte im Bezirk als Arbeitsplätze.
Industrielle Ankerbetriebe
| Unternehmen | Standort | Beschäftigte | Produkt |
|---|---|---|---|
| TDK Electronics (ehemals EPCOS) | Deutschlandsberg | ca. 900 bis 950 | Keramische Bauteile für Automotive, Industrie, Consumer |
| Stoelzle Oberglas | Köflach | über 500 | Verpackungsglas (Food, Pharma) |
| SVI Austria (ehemals Seidel Elektronik) | Deutschlandsberg | Auftragsfertigung Elektronik | EMS-Dienstleister |
| Energie Steiermark Green Power | Soboth / Eibiswald | Windparkbetrieb | 93 MW Windenergie (Vestas V162) |
TDK Deutschlandsberg - seit einem halben Jahrhundert am Standort
Am Standort Deutschlandsberg betreibt die TDK Electronics GmbH & Co OG ihr Kompetenzzentrum für Keramik. Die Geschichte reicht über EPCOS zurück bis in die 1970er-Jahre. Heute arbeiten dort rund 900 bis 950 Mitarbeitende aus mehr als 25 Nationen, davon über 200 in Forschung und Entwicklung für Automotive, Industrie-, Consumer- und Kommunikationselektronik.
Die Spezialisierung auf keramische Bauteile - Kondensatoren, Sensoren, Filter - macht den Standort zum einzigen weltweiten Entwicklungszentrum dieser Art im TDK-Konzern. Das Werk ist ein seltener Fall eines stabilen Hightech-Arbeitgebers in einer ländlich geprägten Region und gilt als wichtigster Ausbildungsbetrieb für technische Lehrberufe im Bezirk.
Stoelzle Oberglas Köflach - 155 Jahre Glaskompetenz
Seit 1871 wird in Köflach Glas gefertigt. Die Stoelzle Oberglas GmbH, Teil der privaten Stoelzle-Glasgruppe, produziert heute rund 1,5 Milliarden Packungsglaseinheiten pro Jahr - das entspricht einer durchschnittlichen Tageskapazität von rund 250 Tonnen Glas. Beliefert werden die Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie.
Der Standort beschäftigt über 500 Personen und bildet jährlich bis zu 20 Lehrlinge aus - in acht verschiedenen Lehrberufen. Eine hauseigene Photovoltaikanlage erzeugt jährlich rund 3.200 MWh Strom; 2021 erhielt das Werk den TRIGOS Regional Steiermark für nachhaltiges Wirtschaften.
Deutschlandsberg und Voitsberg sind Beispiele dafür, dass Industriestandorte in peripheren Regionen langfristig tragfähig bleiben können - wenn sie technologisch spezialisiert sind und mit Ausbildung, Forschung und regionaler Zulieferkette verknüpft werden. Weder TDK noch Stoelzle sind „Montagewerke", sondern Kompetenzzentren mit eigenem Entwicklungs-Know-how.
Schilcherland - Weinwirtschaft mit eigener Identität
Die Weststeiermark ist das kleinste der drei steirischen Weinbaugebiete, hat aber mit dem Schilcher eine in Europa einzigartige Sortenspezialität. Die Rebfläche umfasst rund 500 Hektar, davon etwa 400 Hektar mit der autochthonen Sorte Blauer Wildbacher. Aus ihr wird der Schilcher gekeltert - ein trockener, kräftig säurebetonter Roséwein, der seit der DAC-Verordnung 2018 herkunftsgeschützt ist.
Die Schilcher-Weinstraße beginnt in Ligist und führt über Stainz, Bad Gams, Deutschlandsberg, Schwanberg bis Eibiswald. Entlang der Route liegen Weingüter, Buschenschänken und kulinarische Kleinbetriebe - eine Form touristischer Verwertung, die das Produkt nicht über Großinvestitionen, sondern über familiengeführte Kleinstrukturen zum Erlebnis macht.
Nachhaltige Bewirtschaftung, Frostschutzfragen bei späten Austrieben und der Markenschutz des Begriffs „Schilcher" sind die wirtschaftspolitischen Dauerthemen der Region.
Windpark Soboth-Eibiswald - Investition in Erneuerbare
Ab 2026 rollen die ersten Turbinen-Komponenten auf die Baustelle am Soboth-Sattel: Die Energie Steiermark Green Power GmbH errichtet im Grenzgebiet der Gemeinden Eibiswald, Wies und Sankt Martin im Sulmtal einen Windpark mit 15 Windkraftanlagen des Typs Vestas V162 mit je 6,2 MW Nennleistung. Die Nabenhöhe beträgt 148 Meter, der Rotordurchmesser 162 Meter; die Gesamtleistung liegt bei 93 MW.
Die Energie Steiermark hat im Zuge ihres Investitionsprogramms rund 300 Millionen Euro für erneuerbare Energie freigegeben - Soboth-Eibiswald ist eines der größeren Einzelprojekte. Für die lokalen Gemeinden entstehen Pachteinnahmen, für regionale Bauunternehmen Aufträge in der Errichtungsphase, für die langfristige Stromversorgung Südösterreichs ein klimaneutraler Produktionsbaustein.
Große Windkraftprojekte stoßen in der Steiermark regelmäßig auf lokalen Widerstand, insbesondere wo Tourismus- und Windkraftinteressen konkurrieren. Das Projekt Soboth-Eibiswald wurde in einem langwierigen UVP-Verfahren genehmigt; vergleichbare Projekte in Nachbarregionen ziehen sich über mehrere Jahre. Ausbauziele für Erneuerbare lassen sich nur realisieren, wenn Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinheitlicht werden.
Arbeitsmarkt und Neugründungen
Im Jänner 2026 sank die Arbeitslosigkeit im Bezirk Voitsberg um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr - der drittstärkste Rückgang aller steirischen Bezirke. Die Arbeitslosenquote lag im November 2025 bei 5,9 Prozent, damit unter dem Landesschnitt. Die WKO Voitsberg betont, dass 2025 erstmals die Marke von 10.000 Beschäftigten in den Mitgliedsbetrieben übersprungen wurde - 10.614 Arbeitsplätze zählt die Erfolgsbilanz. 183 Lehrbetriebe bilden 490 Lehrlinge aus. Der Bezirk vereinnahmt 11,4 Millionen Euro Kommunalsteuer aus diesen Betrieben.
Deutschlandsberg liegt bei der Lohnhöhe im steirischen Bezirksvergleich hinter Graz-Umgebung und Leoben auf dem dritten Rang - eine Folge der Industriestruktur mit vergleichsweise vielen technisch anspruchsvollen Jobs. Bei den Lehrlingen zeigt sich dagegen ein langjähriger Negativtrend: 2024 wurden 706 Lehrlinge in 269 Ausbildungsbetrieben gezählt, rund 22 Prozent weniger als zwanzig Jahre davor.
Verkehr und Anbindung
Die Weststeiermark profitiert mittelbar von der Koralmbahn, die seit 14. Dezember 2025 Graz und Klagenfurt in 42 Minuten verbindet. Der Bezirk Deutschlandsberg liegt südlich des neuen Koralmtunnel-Portals. Für die Wirtschaft der Region ist vor allem die Fahrzeitverkürzung zwischen Graz und Klagenfurt relevant, weil der Süden als Absatzmarkt näher rückt. Die Straßenverbindung über die B 76 und die S 6 bleibt zentral für die Anbindung der Industriestandorte.
Quellen
- MeinBezirk Voitsberg: WKO-Bilanz 2025 - 3.382 Mitglieder, 10.614 Beschäftigte
- MeinBezirk: Stoelzle Oberglas Köflach - Leitbetrieb mit Nachhaltigkeitsfokus
- TDK Electronics: 50 Jahre Keramikkompetenz in Deutschlandsberg
- Land Steiermark: Windpark Soboth-Eibiswald - UVP-Verfahren
- Österreich Wein: Weinbaugebiet Weststeiermark
- AMS Steiermark: Arbeitsmarktlage Voitsberg Dezember 2025