Rund 1,3 Milliarden Euro Wertschöpfung durch Tourismus pro Jahr, drei Industrieunternehmen mit jeweils über 600 Beschäftigten, ein weltweit führender Supermarkt-Kälte-Hersteller in einer Stadt mit 5.000 Einwohnern und eine Rüstungsauftrags-Belebung in einer traditionsreichen Maschinenfabrik - der Bezirk Liezen ist der flächengrösste der Steiermark und eine der erstaunlichsten Wirtschaftsregionen Österreichs. Er verknüpft einen jährlichen Tourismusimpuls in Milliardenhöhe mit einer breiten Industriebasis und ist mit rund ein Viertel der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe industrieller geprägt als der steirische Durchschnitt.
- AHT Cooling Systems in Rottenmann: rund 1.866 Beschäftigte, 440 Millionen Euro Umsatz, Weltmarktführer für Supermarkt-Kälteanlagen, seit 2019 Teil von Daikin
- Maschinenfabrik Liezen (MFL): rund 700 Beschäftigte, rund 122 Millionen Euro Umsatz - 2025 Rüstungsauftrag für Leopard-2-Komponenten durch KNDS
- MACO Trieben: rund 600 bis 1.000 Beschäftigte, Produktion von Fenster- und Türbeschlägen seit 1994
- Knauf Weissenbach: rund 192 Beschäftigte, rund 89,9 Millionen Euro Umsatz (Baumaterialien)
- Tourismus Schladming-Dachstein: rund 3,8 bis 3,9 Millionen Nächtigungen jährlich, 1,3 Milliarden Euro Wertschöpfung, 493 Millionen Euro regional verbleibend
- Landgenossenschaft Ennstal: rund 1.450 Beschäftigte, rund 387 Millionen Euro Umsatz (Land-, Forst- und Handelsbereich)
Die Struktur des Bezirks
Der Bezirk Liezen umfasst 29 Gemeinden und erstreckt sich über eine Fläche von rund 3.300 Quadratkilometern - das ist etwa ein Fünftel der gesamten Steiermark und grösser als das Bundesland Vorarlberg. Zu Liezen gehören das obere und mittlere Ennstal mit Schladming, das Ausseerland-Salzkammergut sowie die Bezirke um die Bezirkshauptstadt Liezen selbst. Rund 80.000 Einwohner leben im Bezirk, die wirtschaftliche Aktivität konzentriert sich entlang der Achse Liezen - Trieben - Rottenmann und im Tourismusbereich Schladming-Dachstein.
Laut Region Liezen entfallen rund ein Viertel der regionalen Beschäftigten auf das produzierende Gewerbe - das ist überdurchschnittlich im steirischen Vergleich und speist sich aus einer Mischung historisch gewachsener Leitbetriebe und neuerer Spezialisierungen in Metall-, Holz-, Lebensmittel- und Baustoffsektoren.
AHT Cooling Systems - Weltmarktführer aus Rottenmann
Das wirtschaftliche Aushängeschild des Bezirks ist AHT Cooling Systems in Rottenmann. Das Unternehmen belegt in der steirischen Top-100-Rangliste Platz 16 mit rund 440 Millionen Euro Umsatz und rund 1.866 Beschäftigten. AHT ist Weltmarktführer für stecker-fertige Kühl- und Tiefkühlsysteme, wie sie in Supermärkten weltweit eingesetzt werden. Rund 60 Prozent des Umsatzes entfallen auf dieses Segment, dazu kommen Eiscreme-Truhen und Getränkekühlung.
AHT wurde bereits 1984 gegründet und wuchs über mehrere Jahrzehnte organisch in Rottenmann. 2019 wurde das Unternehmen Teil der europäischen Tochter des japanischen Daikin-Konzerns. Seither ist AHT in ein globales Produktions- und Vertriebsnetz eingebettet, der Standort Rottenmann blieb aber erhalten und wurde ausgebaut. 2023 übernahm AHT rund 113 Leiharbeiter fix in die Stammbelegschaft - ein deutliches Signal für den langfristigen Personalbedarf in der Region.
Für eine Stadt mit rund 5.000 Einwohnern ist AHT der prägende Wirtschaftsfaktor. Das Unternehmen ist nicht nur Arbeitgeber, sondern auch der grösste Steuerzahler und ein wichtiger Lehrbetrieb für Metalltechnik, Elektrotechnik und Mechatronik in der Region.
MFL Liezen - von der Giesserei zur Rüstungslieferantin
Die Maschinenfabrik Liezen und Giesserei GmbH (MFL) ist ein Traditionsunternehmen mit gut 700 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 122 Millionen Euro (2023). Die Kombination aus Giesserei und Maschinenbau unter einem Dach ist in Europa selten geworden. MFL produziert Stahlgussteile und komplexe Komponenten für verschiedene Industrien - von der Energieerzeugung bis zum Wasserkraftwerksbau.
Im Frühjahr 2025 machte MFL Schlagzeilen mit einem Grossauftrag des deutsch-französischen Rüstungsunternehmens KNDS. Das Unternehmen liefert Komponenten für die Türme des Kampfpanzers Leopard 2. Der Auftrag wurde in Medien wie steiermark.ORF.at dokumentiert und ist Teil der breiteren österreichischen Teilhabe an der europäischen Rüstungsindustrie. Für MFL bedeutet der Auftrag eine mehrjährige Auslastungssicherung und stellt die langfristige Standortentwicklung auf eine stabilere Basis.
MACO Trieben - Beschläge für die Welt
MACO Produktions GmbH in Trieben fertigt seit 1994 am steirischen Standort Fenster- und Türbeschläge. Das Unternehmen ist Teil der MACO-Gruppe mit Hauptsitz im Pongau in Salzburg und rund 2.400 Beschäftigten weltweit. Der Standort Trieben beschäftigt je nach Zählweise zwischen 600 und 1.000 Personen - er ist damit einer der grössten industriellen Arbeitgeber der Obersteiermark West und wurde seit Eröffnung mehrfach erweitert.
MACO ist weltweit einer der führenden Hersteller von Fenster- und Türbeschlägen sowie von System- und Sicherheitslösungen. Das Unternehmen bleibt in Familienbesitz und hat seit dem Markteintritt in Trieben konsequent Lehrstellen auf- und ausgebaut. Der Standort profitiert dabei von der Anbindung an die Eisenbahnlinie Pyhrn-Schober-Strecke und der Nähe zum Autobahnsystem.
Knauf Weissenbach und weitere Industrie
Weissenbach bei Liezen ist Sitz der österreichischen Tochter des internationalen Baustoffkonzerns Knauf. Die Knauf Gesellschaft m.b.H. weist rund 192 Beschäftigte und einen Umsatz von rund 89,9 Millionen Euro aus und rangiert damit auf Platz 80 der steirischen Top-Betriebe. Produktionsschwerpunkt sind Gipsplatten und verwandte Trockenbaumaterialien.
Zu den weiteren grösseren Arbeitgebern der Region zählen die Landgenossenschaft Ennstal eGen in Stainach-Pürgg mit rund 1.450 Beschäftigten und rund 387 Millionen Euro Umsatz, die LANDENA KG am selben Standort, sowie GF Casting Solutions in Altenmarkt. Holzindustrie ist mit Admonter Holzindustrie und Holzindustrie Kaml & Huber vertreten. Die Bündelung der grössten Betriebe im Bildungsverbund BILL (Bildungsverbund Industrie-Lehrlinge Liezen) hat die Lehrlingsausbildung in der Region auf hohes Niveau gehoben.
| Unternehmen | Standort | Beschäftigte (ca.) | Umsatz (ca.) |
|---|---|---|---|
| AHT Cooling Systems | Rottenmann | 1.866 | 440 Mio. € |
| Landgenossenschaft Ennstal | Stainach-Pürgg | 1.450 | 387 Mio. € |
| MFL Liezen | Liezen | 700 | 122 Mio. € |
| MACO Trieben | Trieben | 600-1.000 | n/a (Teil der MACO-Gruppe) |
| Knauf Weissenbach | Weissenbach bei Liezen | 192 | 89,9 Mio. € |
Tourismus Schladming-Dachstein als Wirtschaftsmotor
Der Tourismus ist - neben der Industrie - die zweite Säule der regionalen Wirtschaft. Die Destination Schladming-Dachstein verzeichnet jährlich rund 3,8 bis 3,9 Millionen Nächtigungen und gehört damit zu den fünf grössten Tourismusregionen Österreichs. Laut einer im Winter 2025/26 vorgelegten Wertschöpfungsstudie des Tourismusverbands erzeugt der Tourismus in der Region einen jährlichen Wirtschaftsimpuls von über 1,3 Milliarden Euro.
Die Detailzahlen: 768 Millionen Euro direkte Nachfrage durch rund drei Millionen Nächtigungen und 750.000 Tagesbesucher, 138 Millionen Euro indirekte Effekte durch Investitionen regionaler Betriebe, 133 Millionen Euro Kaufkraft der Mitarbeitenden. 493 Millionen Euro Wertschöpfung verbleiben direkt in der Region. Seit 2013 ist der jährliche Tourismuswirtschaftsimpuls nach Angaben der Destination um über 70 Prozent gewachsen. Details liefern die Berichte auf meinbezirk.at.
Schladming-Dachstein hat sich strategisch vom klassischen Skidestination-Image zur Ganzjahres-Destination entwickelt - mit Wanderrouten am Dachstein, Rad- und E-Bike-Angeboten im Sommer, mehreren Wellness-Leitbetrieben und dem legendären Nachtslalom, der die Region alljährlich in ein internationales Medienereignis verwandelt. Die Ansiedlung grosser Hotelgruppen (unter anderem Falkensteiner, Stadl-Wirt) hat die Bettenqualität deutlich gehoben.
In ländlichen Räumen ist die Verbindung aus Industrie und Tourismus sehr ungewöhnlich. Meist dominiert eines der beiden Felder und definiert die wirtschaftliche Identität. Im Bezirk Liezen greifen beide sichtbar ineinander: Die Kaufkraft der Industriebeschäftigten stärkt den Einzelhandel ganzjährig, die Tourismusbranche nimmt Schwankungen auf, die die Industrie zyklisch zeigt. Das erklärt teilweise, warum der Bezirk laut WKO-Konjunkturbarometer in Rezessionsphasen stabiler läuft als viele andere ländliche Bezirke.
Ausseerland und Salzkammergut
Der nördliche Teil des Bezirks - das Ausseerland-Salzkammergut - hat eine eigene wirtschaftliche Dynamik. Historisch ist die Region durch Salzgewinnung (Salinen Austria in Altaussee) und Forstwirtschaft geprägt. Heute dominieren Tourismus (Bad Aussee, Altaussee, Grundlsee), kleinstrukturierte Lebensmittelproduktion und einzelne Leitbetriebe im Holz- und Papierbereich. Die Region ist 2024 mit Bad Ischl im nahegelegenen Oberösterreich Teil der europäischen Kulturhauptstadt-Region gewesen, was zu nachhaltigen Investitionen in die kulturelle Infrastruktur geführt hat.
Herausforderungen
Trotz der starken Basis steht der Bezirk vor mehreren Herausforderungen. Der Fachkräftemangel ist in Industrie, Tourismus und Gastronomie gleichzeitig spürbar. Die geografische Entfernung zu Graz (zwei bis drei Stunden Fahrzeit) macht Pendel-Lösungen schwierig und verstärkt den Druck auf die regionale Ausbildung.
Der demografische Faktor ist ebenfalls herausfordernd. Während in Graz und im Leibnitzer Raum die Bevölkerung wächst, stagniert sie im Bezirk Liezen oder geht in einzelnen Gemeinden sogar zurück. Das betrifft vor allem die strukturschwächeren Teile des Ennstals und des Ausseerlands. Eine aktive Zuzugspolitik und innovative Wohnkonzepte sind seit mehreren Jahren auf der Agenda.
Die Klimafrage ist die dritte grosse Herausforderung, gerade für den Tourismus. Die Schneesicherheit in tieferen Lagen nimmt ab, der Schladming-Dachstein-Verbund investiert deshalb in Beschneiung, Sommerprodukte und wetterunabhängige Attraktionen.
Der Bezirk verfügt über zwei funktionierende WKO-Regionsstellen (Liezen und Schladming), die als zentrale Anlaufstellen für Unternehmen dienen. Die industrielle Dichte in Kombination mit starker Tourismusbranche und BILL-Lehrlingsverbund macht die Region zu einem Musterfall für Regionalentwicklung im ländlichen Raum - mit entsprechender Aufmerksamkeit auch in der Bundespolitik.
Quellen
- Region Liezen: Wirtschaft - Industrie und Technik
- meinbezirk.at: Schladming-Dachstein - Jährlicher Wirtschaftsimpuls von mehr als einer Milliarde Euro
- steiermark.ORF.at: MFL erhält Millionenauftrag für Panzerteile
- meinbezirk.at: AHT Rottenmann übernimmt Leiharbeiter als Fixkräfte
- MFL: Unternehmensprofil Maschinenfabrik Liezen und Giesserei
- meinbezirk.at: Top of Styria - Fünf Unternehmen aus der Region Liezen