21.000 Mitgliedsbetriebe, 120.000 Beschäftigte, 3.700 Lehrlinge: Das ist die WKO-Graz-Bilanz für 2025. Der Großraum Graz vereint damit die höchste Betriebsdichte der Steiermark und eine Konzentration an Konzernzentralen, die im österreichischen Bundesländervergleich nur Wien übertrifft. Andritz, AVL List, Knapp, Anton Paar, Magna Steyr, Siemens Mobility - allein diese sechs Unternehmen beschäftigen am Standort Graz und Umgebung über 20.000 Personen und setzen zusammen mehr als zwölf Milliarden Euro jährlich um.
- Die Grazer Stadtgrenze und der Bezirk Graz-Umgebung bilden gemeinsam das wirtschaftliche Zentrum der Steiermark - mit der höchsten Betriebsdichte, der größten Zahl an Konzernzentralen und den höchsten Durchschnittslöhnen im Bundesland
- Andritz AG mit Hauptsitz Graz erzielte 2024 einen Konzernumsatz von 8,3 Milliarden Euro, beschäftigt weltweit rund 29.717 Menschen, davon 1.200 am Standort Graz
- Magna Steyr beschäftigt rund 10.000 Personen in Graz und montiert dort Mercedes G-Klasse (Vertrag verlängert bis 2034), XPeng G6/G9, GAC Aion V und weitere Modelle
- AVL List erzielte 2024 rund 2,03 Milliarden Euro Umsatz mit weltweit 12.200 Mitarbeitenden, davon 4.100 in Graz (Stand 2024) - bis Mitte 2026 reduziert sich der Stand am Hauptsitz auf unter 3.000
- Knapp AG in Hart bei Graz erzielte einen Umsatz von 710 Millionen Euro mit rund 8.300 Mitarbeitenden weltweit, davon rund 3.000 in Österreich
- Anton Paar beschäftigt über 4.600 Personen weltweit, davon rund ein Drittel am Headquarters Graz; der Konzernumsatz lag 2023 bei 618 Millionen Euro
- TU Graz (rund 17.000 Studierende, 3.900 Mitarbeitende) und Joanneum Research (rund 500 Mitarbeitende) bilden die Forschungsinfrastruktur der Region
Zwei politische Einheiten, ein Wirtschaftsraum
Wirtschaftlich betrachtet bilden die Stadt Graz (rund 295.000 Einwohner) und der Bezirk Graz-Umgebung (rund 157.000 Einwohner) eine funktionale Einheit. Viele Konzerne haben ihre Hauptverwaltung in Graz, die Produktion aber im Umland - Knapp AG in Hart bei Graz, Siemens Mobility in Graz-Eggenberg, Magna Steyr im Grazer Westen. Graz-Umgebung ist nach der Landeshauptstadt die wirtschaftsstärkste Region des Bundeslands, mit einem Produktionssektor-Beschäftigungsanteil von rund 36 Prozent - deutlich über dem steirischen Durchschnitt.
Die WKO-Regionalstelle Graz zählt über 21.000 Mitgliedsbetriebe, die gemeinsam rund 120.000 Mitarbeitende beschäftigen und 3.700 Lehrlinge ausbilden. Die Regionalstelle Graz-Umgebung vertritt zusätzlich einige tausend Betriebe im Umland. Graz und Graz-Umgebung stellen 2025 zusammen 2.336 von 4.736 neuen Unternehmen der Steiermark - fast die Hälfte aller Neugründungen im Bundesland.
Die Leitbetriebe
| Unternehmen | Standort | Beschäftigte (Graz / global) | Umsatz (zuletzt) |
|---|---|---|---|
| Magna Steyr | Graz-Liebenau | rund 10.000 | k. A. standortspezifisch |
| Andritz AG | Graz (Hauptsitz) | 1.200 / 29.717 | 8,3 Mrd. EUR (2024) |
| AVL List | Graz-Lend | 4.100 / 12.200 (2024) | 2,03 Mrd. EUR (2024) |
| Knapp AG | Hart bei Graz | 3.000 in AT / 8.300 global | 710 Mio. EUR |
| Anton Paar | Graz | ca. 1.500 in Graz / 4.600 global | 618 Mio. EUR (2023) |
| Siemens Mobility | Graz-Eggenberg | über 1.500 | k. A. standortspezifisch |
Magna Steyr - Auftragswechsel am größten Grazer Arbeitgeber
Das Magna-Steyr-Werk im Grazer Süden ist die größte Produktionsstätte der Region. Die Auftragslage hat sich 2024 und 2025 grundlegend verändert. Der Fisker-Ocean-Auftrag ist gescheitert, die Verträge für Toyota Supra und BMW Z4 laufen Anfang 2026 aus. Gleichzeitig entstehen neue Aufträge: Mercedes hat die Fertigung der G-Klasse bis 2034 verlängert. Der chinesische E-Autobauer XPeng produziert seit dem dritten Quartal 2025 die SUV-Modelle G6 und G9 in Graz, eine dritte Baureihe (P7+) steht vor Serienstart. GAC lässt sein Elektro-SUV Aion V in Graz montieren, mit McLaren wird über die Fertigung von zwei Elektro-Luxusmodellen verhandelt.
Die Produktionszahlen im ersten Quartal 2025 lagen bei 17.400 Fahrzeugen - ein Rückgang um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Standortumsatz schrumpfte um acht Prozent auf 1,12 Milliarden Euro. Die Belegschaft wurde in den vergangenen zwei Jahren um rund 1.000 Personen reduziert. Graz bleibt damit Europas wichtigster Auftragsfertiger, muss aber seine Rolle als E-Auto-Werk für chinesische Hersteller erst beweisen.
Anlagen- und Messtechnik - die Grazer Hidden Champions
Weniger öffentlichkeitswirksam, aber wirtschaftlich robuster ist die Gruppe der Grazer Anlagen- und Messtechnik-Konzerne. Die Andritz AG mit Hauptsitz in Graz-Andritz ist weltweit einer der führenden Anbieter von Anlagen für Wasserkraftwerke, Zellstoff-, Papier- und Metallindustrie. Mit 8,3 Milliarden Euro Umsatz (2024) und 29.717 Mitarbeitenden weltweit ist das Unternehmen ein globaler Player; am Grazer Standort arbeiten rund 1.200 hochqualifizierte Personen, überwiegend in Forschung, Engineering und Verwaltung. Für 2025 rechnet das Unternehmen mit einem stabilen Umsatz zwischen 8 und 8,3 Milliarden Euro.
AVL List ist global führend in der Fahrzeug-Antriebstechnik-Entwicklung. Der Umsatz lag 2024 bei 2,03 Milliarden Euro, die weltweite Mitarbeiterzahl bei 12.200, davon 4.100 am Hauptsitz Graz. Die Transformation der Automobilindustrie trifft auch AVL: Bis Mitte 2026 soll der Grazer Mitarbeiterstand unter 3.000 fallen - eine strukturelle Anpassung an die geänderte Nachfrage nach Verbrennungsmotor-Entwicklung.
Anton Paar (Messtechnik für Dichte, Viskosität und Rheologie) steht für eine besonders stabile Entwicklung: Der Mitarbeiterstand wuchs seit 2005 von 652 auf über 4.600, der Konzernumsatz von 71 auf 618,2 Millionen Euro (2023). Rund 14,5 Prozent des Umsatzes investiert das Unternehmen jährlich in Forschung und Entwicklung. Der Hauptsitz Graz ist zugleich der größte Produktionsstandort des Konzerns.
Die Dichte an Hidden Champions ist bemerkenswert. Andritz (Anlagenbau), AVL (Antriebsentwicklung), Anton Paar (Messtechnik), Knapp (Lagerlogistik), Pankl (in Kapfenberg) und Siemens Mobility (Drehgestelle) arbeiten alle in B2B-Nischen, die für Endkonsumenten unsichtbar sind. Gerade dadurch bleibt die Grazer Wirtschaft weniger konjunkturabhängig als klassische Konsumgüter-Regionen.
Logistik, Elektronik und Schienenfahrzeuge
Die Knapp AG in Hart bei Graz ist einer der weltweit führenden Anbieter intralogistischer Systeme. Das Unternehmen hat rund 8.300 Mitarbeitende weltweit, etwa 3.000 davon in Österreich. Knapp beliefert internationale Handelsketten und E-Commerce-Anbieter mit Kommissionier-, Lager- und Sortiersystemen. Der Umsatz lag zuletzt bei 710 Millionen Euro, das ist ein historischer Höchststand.
Siemens Mobility betreibt in Graz-Eggenberg das globale Kompetenzzentrum für Drehgestelle. Über 1.500 Personen und 79 Lehrlinge arbeiten am Standort; pro Jahr werden rund 2.500 Drehgestelle für Metros, Straßenbahnen, Triebwagen, Hochgeschwindigkeitszüge und Lokomotiven gefertigt - dazu Stromabnehmer (Pantographen). Die Tradition der Grazer Schienenfahrzeug-Fertigung reicht über 160 Jahre zurück. Mit dem globalen Investitionszyklus in Schieneninfrastruktur - allein in Österreich mit Koralmbahn und Semmering-Basistunnel - sind die Grazer Fertigungsbänder gut ausgelastet.
Forschung und Lehre als Standortfaktor
Die TU Graz ist mit rund 17.000 Studierenden, 3.900 Mitarbeitenden und 96 Instituten die zweitgrößte technische Universität Österreichs. Sieben Fakultäten decken Architektur, Bau, Maschinenbau, Elektrotechnik, Mathematik/Physik/Geodäsie, Technische Chemie und Informatik/Biomedizin ab. Rund 1.900 Absolventen pro Jahr verlassen die Universität - ein wichtiger Teil davon wechselt direkt in Andritz, AVL, Anton Paar, Knapp oder Siemens.
Ergänzt wird das Forschungs-Ökosystem durch Joanneum Research, eine Forschungsgesellschaft der Bundesländer Steiermark, Kärnten und Burgenland. Rund 500 Mitarbeitende aus mehr als 25 Nationen arbeiten an sechs Standorten - Graz, Weiz, Hartberg, Niklasdorf, Klagenfurt, Wien. Schwerpunkte sind Produktions- und Oberflächentechnologie, Nanotechnologie, Photonik, Elektronik sowie klimaresiliente Lösungen.
Arbeitsmarkt und Einkommen
Im steirischen Bezirksvergleich verdienen unselbständig Beschäftigte in Graz-Umgebung durchschnittlich am meisten, gefolgt von Leoben und Deutschlandsberg. Das ist kein Zufall, sondern Folge der Struktur: Anlagenbau, Messtechnik, Automotive-Engineering zahlen systematisch höhere Löhne als Tourismus, Handel oder Bauwirtschaft.
Die Stadt Graz hat zum 1.1.2025 rund 295.000 Einwohner; durch Wanderung und Geburtenüberschuss wuchs sie in den vergangenen zehn Jahren stetig. Graz-Umgebung ist die Region mit der stärksten Suburbanisierungsdynamik der Steiermark; in Gemeinden wie Seiersberg-Pirka, Feldkirchen oder Hart bei Graz liegen die Zuzugsquoten seit Jahren über dem Landesschnitt.
AVL und Magna Steyr haben 2024/25 Stellen reduziert. Beide Unternehmen sind in der Verbrenner-zu-Elektro-Transformation der deutschen Autoindustrie exponiert. Das Grazer Wirtschaftssystem hat diese Verschiebung bisher abgefedert, weil Andritz, Knapp, Anton Paar, Siemens Mobility und die Startup-Szene im Science Park Graz parallel gewachsen sind. Ob das weiter gelingt, hängt von der Geschwindigkeit der Neuaufträge bei Magna Steyr und von der strategischen Neuausrichtung bei AVL ab.
Koralmbahn - der neue Wirtschaftsraum Graz-Klagenfurt
Seit 14. Dezember 2025 verbindet die Koralmbahn Graz und Klagenfurt in 42 Minuten. Für die Wirtschaftsräume beider Zentren beginnt damit eine neue Phase. Pendler aus Kärnten können täglich nach Graz fahren, Unternehmen haben Zugriff auf einen erweiterten Arbeitsmarkt von rund einer Million Menschen im Umkreis. Die WKO-Steiermark sprach bei der Eröffnung von einer „Jahrhundertchance für den Süden Österreichs". Erste Effekte zeigen sich im Tourismus und Immobilienmarkt; welche Folgen die Verbindung für Konzernzentralen-Ansiedlungen und Forschungskooperationen zwischen TU Graz und Universität Klagenfurt hat, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Quellen
- MeinBezirk Graz: Andritz-Jahresbilanz 2024 - 8,3 Mrd. EUR Umsatz
- Industriemagazin: Magna Steyr Graz - XPeng, GAC und McLaren
- KNAPP AG: Erfolgsbilanz mit historischem Umsatzhoch
- TU Graz: Zahlen und Fakten 2025 - 17.000 Studierende, 96 Institute
- Siemens Mobility: Factsheet Werk Graz
- Anton Paar: Corporate Boiler Plate 2024/25