33.605 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, rund 95.700 Arbeitskräfte, 12.000 Haupterwerbsbetriebe: Die steirische Landwirtschaft ist weiterhin eine prägende Kraft im Bundesland. Aber die Zahl der Betriebe ist zwischen 2010 und 2020 um 14,7 Prozent gesunken - jährlich verschwinden rund 578 Höfe. Parallel wächst der Bio-Anteil: Der Wert der Bio-Einkäufe österreichischer Haushalte legte im ersten Halbjahr 2025 um 8,4 Prozent zu.
- Die Steiermark zählt gemäß Agrarstrukturerhebung 2020 rund 33.605 land- und forstwirtschaftliche Betriebe
- Österreichweit ging die Zahl der Betriebe 2023 gegenüber 2020 um weitere 8,8 Prozent zurück - bundesweit auf 101.036
- In der Steiermark arbeiten rund 12.000 Landwirte im Haupterwerb, zwei Drittel der Betriebe werden im Nebenerwerb geführt
- Rund 4.000 steirische Bio-Betriebe wirtschaften nach den Richtlinien der biologischen Landwirtschaft
- Die Weinfläche der Steiermark beträgt 5.096 Hektar, aufgeteilt auf Südsteiermark DAC (2.785 ha), Vulkanland Steiermark DAC (1.644 ha) und Weststeiermark DAC (667 ha)
- Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark ist Andreas Steinegger
Die Zahlen der steirischen Landwirtschaft
Die Agrarstrukturerhebung 2020 - die letzte vollständige Totalerhebung - verzeichnete in der Steiermark 33.605 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Die Stichprobenerhebung 2023 fokussierte österreichweit auf 101.036 Betriebe, was einem Rückgang von 8,8 Prozent gegenüber 2020 entspricht. Genaue Steiermark-Zahlen zu 2023 werden von der Statistik Austria und der Landesstatistik Steiermark in Detailtabellen veröffentlicht, der Trend ist jedoch klar: Strukturwandel mit rückläufiger Betriebszahl.
Rund 95.700 Personen waren 2020 in der Landwirtschaft tätig. Nach deutlichen Verlusten zwischen 1980 und 2010 (-24 Prozent) hat sich die Beschäftigung seit 2010 bei einem leichten Plus von 0,2 Prozent weitgehend stabilisiert. Nur rund ein Drittel der Landwirte arbeitet allerdings im Haupterwerb - die Zahl liegt aktuell bei rund 12.000, gegenüber 16.000 im Jahr 1999.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Betriebe (Agrarstrukturerhebung 2020) | 33.605 |
| Haupterwerbsbetriebe | rund 12.000 |
| Beschäftigte (Arbeitskräfte 2020) | rund 95.700 |
| Rückgang der Betriebe 2010-2020 | -14,7 % |
| Bio-Betriebe (Schätzung) | rund 4.000 |
| Weinbaufläche | 5.096 ha |
Wein - das süd- und oststeirische Aushängeschild
Die steirische Weinwirtschaft ist in drei DAC-Gebiete (Districtus Austriae Controllatus) gegliedert. Sie stehen für rund zehn Prozent der österreichischen Weinbaufläche und rund sieben Prozent des nationalen Weinmarktes.
- Südsteiermark DAC ist das größte der drei Gebiete mit 623 Betrieben und 2.785 Hektar Rebfläche. Die Region zwischen Leibnitz, Gamlitz und Ehrenhausen ist Österreichs wichtigste Anbauregion für Sauvignon Blanc.
- Vulkanland Steiermark DAC umfasst 1.199 Betriebe auf 1.644 Hektar - viele kleinstrukturiert (Durchschnitt 1,37 ha), Schwerpunkt auf Muskateller, Welschriesling und Traminer.
- Weststeiermark DAC ist mit 261 Betrieben und 667 Hektar am kleinsten, berühmt für den Schilcher-Wein aus der Rebsorte Blauer Wildbacher.
Datenquelle: Wein Steiermark.
Milchwirtschaft und Schweinehaltung
Neben Wein und Obst sind Milch und Schweinefleisch die wirtschaftlich bedeutendsten Produktionsbereiche. Die Obersteiermark mit ihren Grünlandflächen ist klassisches Milchgebiet. Die Landwirtschaftskammer Steiermark weist in ihren Mitteilungen auf steigende Nachfrage nach Milchprodukten hin: Im ersten Halbjahr 2025 legte der Kauf von Naturjoghurt um 12,3 Prozent zu, Cottage Cheese um 12,6 Prozent, Butter um 7,4 Prozent. Auf der anderen Seite kämpfen Milchbäuerinnen und Milchbauern mit rückläufigen Erzeugermilchpreisen und steigenden Kosten.
In der Schweinehaltung dominieren die Bezirke Südoststeiermark und Oststeiermark. Ab 1. Jänner 2025 wurde die Förderungsquote für Schweinemast und -zucht erhöht - eine Reaktion auf wirtschaftliche Belastungen durch strenge Tierwohlauflagen und schwankende Marktpreise.
Bio-Landwirtschaft - der strukturelle Wachstumsbereich
Die Bio-Landwirtschaft ist das klare Wachstumsfeld. Die Landwirtschaftskammer Steiermark und der Steirische Bauernbund kommunizieren rund 4.000 Bio-Betriebe in der Steiermark. Unterstützung bietet das Biozentrum Steiermark mit Beratungs- und Bildungsangeboten. Die Nachfrage zieht weiter an: Laut Bio-Bilanz 2025 stieg der Wert der Bio-Einkäufe österreichischer Haushalte im ersten Halbjahr 2025 um 8,4 Prozent.
Besonders nachgefragt: Milchprodukte, Gemüse, Eier und Mehl. Die Steiermark profitiert dabei von ihrer bekannten Genussregion-Identität und von Direktvermarktungsmodellen wie Bauernmärkten, Hofläden und Foodcoops in Graz.
Für Bio-Umsteiger bietet das Biozentrum Steiermark Erstberatung und Umstellungsbegleitung. Die Umstellungsphase dauert in der Regel 24 Monate. In dieser Zeit können bereits Bio-Preise erzielt werden, die Zertifizierung erfolgt durch akkreditierte Kontrollstellen (ABG, Austria Bio Garantie, SGS).
Obst, Kürbis und Spezialitäten
Die Oststeiermark mit ihren milden Klimabedingungen hat sich zu einer der wichtigsten Apfelanbau-Regionen Österreichs entwickelt. Rund zwei Drittel des österreichischen Apfelertrags kommen aus der Steiermark. Ergänzend dazu sind Hollunder, Beerenobst und Marillen relevante Kulturen.
Ein weiteres Aushängeschild ist das steirische Kürbiskernöl - geografisch geschütztes Produkt und wichtiger Exportfaktor. Die Anbaufläche liegt bei mehreren tausend Hektar, verteilt auf die Süd- und Südoststeiermark.
Landwirtschaftskammer und Interessenvertretung
Politisches und organisatorisches Rückgrat der Branche ist die Landwirtschaftskammer Steiermark unter Präsident Andreas Steinegger. Sie berät die Betriebe in fachlichen Fragen, vertritt sie gegenüber Bund und EU und betreibt zahlreiche Fachabteilungen - von Forst und Wald bis zu Bio-Landbau und Direktvermarktung.
Der Strukturwandel ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine Dauerkonstante. Kleine Nebenerwerbsbetriebe unter fünf Hektar verschwinden zunehmend, während mittelgroße und große Betriebe tendenziell wachsen. Die soziale Dimension dieses Wandels (Flurbereinigung, Ortsbilder, soziales Leben im Dorf) ist Teil der politischen Debatte, aber nicht aufzuhalten.