Wenn in Österreich der Kollektivvertrag der Metalltechnischen Industrie verhandelt wird, geht es um rund 136.000 Beschäftigte und 1.100 Betriebe. Auf Arbeitgeberseite sitzt seit 2012 derselbe Verhandler: Christian Knill aus Weiz. Der Geschäftsführer der Knill Gruppe ist Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie - und damit Gesicht und Stimme einer Branche, die in den vergangenen drei Jahren tief in die Krise geraten ist.
- Christian Knill, geboren am 24. Jänner 1970 in Weiz, studierte Betriebswirtschaft in Graz und trat 2002 gemeinsam mit seinem Bruder Georg die Leitung der Knill Gruppe an
- Seit 2012 Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie, der rund 1.100 Betriebe mit rund 136.000 Beschäftigten vertritt
- Die Knill Gruppe mit Sitz in Weiz besteht seit 1712, umfasst rund 30 Unternehmen in rund 18 Ländern, etwa 2.600 Beschäftigte, rund 484 Millionen Euro Umsatz
- Christian Knill führt als CEO die Knill Energy Holding (Stromverteilung, Bahnelektrifizierung), sein Bruder Georg Knill die Technology-Sparte rund um Rosendahl Nextrom
- In den KV-Runden 2024 und 2025 sprach Knill wiederholt von "struktureller Nachfragekrise" und 10.000 verlorenen Arbeitsplätzen in zwei Jahren
- Geboren
- 24. Jänner 1970 in Weiz, Steiermark
- Ausbildung
- Studium der Betriebswirtschaftslehre in Graz
- Stationen
- Seit 2002 Geschäftsführer Knill Gruppe, seit 2012 Obmann Fachverband Metalltechnische Industrie
- Aktuell
- CEO Knill Energy Holding GmbH, Obmann Fachverband Metalltechnische Industrie
Die Familie Knill und das Unternehmen aus Weiz
Christian Knill ist der Bruder von Georg Knill, dem amtierenden Präsidenten der Industriellenvereinigung Österreich. Die beiden Brüder führen gemeinsam die Knill Gruppe - ein Familienunternehmen, das laut eigener Darstellung auf das Jahr 1712 zurückgeht. Damals begann die Familie am Weizbach als Klingenschmiede. Heute ist die Knill Gruppe in der 12. Generation in Familienbesitz und gehört zu je 50 Prozent Christian und Georg Knill.
2002 übergab Vater Gunther Knill die Geschäftsführung an die beiden Söhne. Seitdem ist die Verantwortung aufgeteilt: Christian Knill leitet als CEO die Knill Energy Holding, zu der unter anderem die Traditionsmarke Mosdorfer gehört, die Armaturen und Komponenten für Freileitungen, Bahnelektrifizierung und Stromverteilung produziert. Georg Knill verantwortet die Technology-Sparte mit Rosendahl Nextrom, einem Hersteller von Produktionsanlagen für Kabel, Glasfaser und Batterieproduktion.
Die Gesamtgruppe beschäftigt rund 2.600 Menschen, erwirtschaftet laut eigenen Angaben etwa 484 Millionen Euro Umsatz und ist an rund 30 Standorten in 18 Ländern vertreten - von der Steiermark über Deutschland, Brasilien und die USA bis nach Indien und China. Der Stammsitz in Weiz (Eisengasse 25) ist das Zentrum, von dem aus die Gruppe gesteuert wird.
Obmann seit 2012
2012 übernahm Christian Knill die Funktion des Obmanns im Fachverband Metalltechnische Industrie. Der Fachverband ist mit rund 1.100 Mitgliedsbetrieben und rund 136.000 Beschäftigten einer der grössten Fachverbände innerhalb der Wirtschaftskammer Österreich. Er umfasst die Industriezweige Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Giessereien. Zusätzlich ist Knill stellvertretender Obmann der Bundessparte Industrie in der WKO.
Die Rolle des Obmanns bedeutet zweierlei: Sprecher der Branche gegenüber Politik und Öffentlichkeit - und Chefverhandler auf Arbeitgeberseite, wenn jährlich der Kollektivvertrag für die rund 136.000 Beschäftigten neu ausgehandelt wird. In den KV-Verhandlungen steht ihm die Gewerkschaft PRO-GE gegenüber, die in den letzten Jahren regelmässig auf inflationsbedingte Lohnerhöhungen gepocht hat.
Die Krise der Metalltechnischen Industrie
Seit 2023 steckt die Branche in einer tiefen Abschwungphase. Laut Fachverbandszahlen ist die Produktion seit 2023 um rund 22 Prozent eingebrochen. Rund 10.000 Arbeitsplätze gingen in zwei Jahren verloren. 44 Prozent der Unternehmen erwarteten 2025 ein negatives Jahresergebnis. Christian Knill beschrieb die Lage vor der KV-Runde 2025 mit einer Formulierung, die sich seither zur Formel verfestigt hat: "Wir befinden uns in einer strukturellen Nachfragekrise."
Parallel kritisiert er steigende Lohnstückkosten im internationalen Vergleich: Die Lohnkosten seien seit 2020 um 12 Prozent stärker gestiegen als in Deutschland - ein Nachteil, der sich im Export unmittelbar niederschlage. "Österreich ist zu teuer geworden", so Knill vor Beginn der Verhandlungsrunde 2025.
Die KV-Runde 2025 endete am 22. September 2025 mit einem Abschluss: 1,41 Prozent Lohnerhöhung zum 1. November 2025, weitere 1,9 Prozent zum 1. November 2026. Zusätzlich erhielten Beschäftigte wahlweise zwei freie Tage oder zwei Zahlungen von je 500 Euro. Knill kommentierte: "Wir haben heuer einen vernünftigen und pragmatischen Abschluss hinbekommen."
Was Christian Knill sagt
Die öffentlichen Auftritte des Knill-Gruppe-Chefs sind in den vergangenen Jahren nüchterner geworden. In Interviews mit Fachmedien wie Factory Magazin und der Wirtschaftszeit betont er drei Punkte immer wieder:
- Standortkosten: Energie, Lohn und Bürokratie seien in Österreich nicht mehr wettbewerbsfähig.
- Nachfrageschwäche: Die Krise sei nicht zyklisch, sondern strukturell. Chinesische und amerikanische Nachfrager orderten weniger europäische Produktionstechnik.
- Verteilungskonflikt: Die KV-Erhöhungen sollten in schwachen Jahren die betriebliche Realität abbilden und nicht die Inflation gleichsetzen.
Eine Aussage aus einem früheren WKO-Interview ist vielzitiert: "Ich könnte auch woanders fertigen." Die Botschaft dahinter - dass ein global aufgestellter Industriekonzern nicht an den Standort Österreich gebunden ist - ist in der steirischen Industrie als warnendes Signal verstanden worden.
Engagement und Funktionen
Christian Knill hält seit Ende 2024 ein Mandat im Aufsichtsrat der Steiermärkischen Sparkasse. Er ist zudem Trainer am Controller Institut und gelegentlich Vortragender an der FH Campus 02 in Graz. Im Unterschied zu seinem Bruder Georg, der als IV-Präsident öffentlich stärker wahrgenommen wird, agiert Christian Knill eher im industriepolitischen Maschinenraum.
Die Knill Gruppe in der aktuellen Lage
2025 geriet die Knill Gruppe auch wegen früherer Geschäftsbeziehungen mit Russland in die mediale Berichterstattung. Prüfverfahren stellten fest, dass keine Sanktionsverstösse vorlagen, da die Sanktionen erst im Februar 2022 in Kraft traten. Das Unternehmen erklärte, es habe sich seit 2022 vollständig aus dem russischen Markt zurückgezogen.
Die Gruppe selbst profitiert mittelfristig von drei globalen Trends, an denen sie mitverdient: dem Ausbau der Stromnetze (Mosdorfer), der Bahnelektrifizierung und der Batterieproduktion (Rosendahl Nextrom). Gleichzeitig leidet die Maschinenbau-Sparte unter der schwachen Investitionsneigung ihrer Kunden in Europa.
Nachfolge im Familienbetrieb
Dass die Knill Gruppe auch in der nächsten Generation in Familienhand bleibt, ist intern so vorgesehen. Marie-Theres Knill, Tochter von Christian Knill, ist seit rund fünf Jahren für Marketing und Nachhaltigkeit der Gruppe verantwortlich und wurde 2025 in die WKO-Auszeichnung "Top 30 unter 30" aufgenommen. Sie soll mittelfristig eine Leitungsrolle in der Gruppe übernehmen. Vom Generationenwechsel wird deshalb noch auf längere Sicht gesprochen - Christian Knill ist 2026 erst 56 Jahre alt.