687 Unternehmensgründungen im Bezirk Weiz 2025, eine Gründungsintensität von 7,4 Neugründungen pro 1.000 Einwohner - damit führt Weiz die steirische Rangliste an. Nur in absoluten Zahlen liegen Graz (1.631) und Graz-Umgebung (705) davor. In der Oststeiermark liefert der Bezirk Weiz seit Jahren die niedrigste Arbeitslosenquote des Landes - zuletzt im Dezember 2025 bei 5,5 Prozent - und gilt damit als „Beschäftigungs-Kaiser" der Steiermark. Ein paar Täler weiter östlich liegt mit der Therme Loipersdorf einer der größten Wirtschaftsfaktoren des steirischen Tourismus.
- Die Oststeiermark umfasst die Bezirke Weiz und Hartberg-Fürstenfeld; sie ist geprägt von Automotive-Zulieferindustrie, Elektrotechnik und einer starken Tourismuswirtschaft rund um Thermen und kulinarische Destinationen
- Magna Presstec in Weiz beschäftigt an den österreichischen Standorten rund 1.200 Mitarbeitende und liefert Presswerkteile an deutsche Hersteller wie VW, Audi, BMW und Porsche
- Die Knill-Gruppe mit Ursprung in Weiz plant 2025 erstmals 500 Millionen Euro Umsatz mit rund 2.500 Beschäftigten, 31 Standorten in 17 Ländern - in 12. Generation familiengeführt
- Zotter Schokolade in Riegersburg zieht rund 270.000 Besucher jährlich in die Schoko-Erlebniswelt und beschäftigt rund 220 Mitarbeitende
- Die Therme Loipersdorf wurde 2022 an ein Konsortium aus Merkur Versicherung, Granit Holding und SHR Thermen & Hotel verkauft; der Thermalresort schafft über 350 direkte Arbeitsplätze
- Der Bezirk Weiz hat die niedrigste Arbeitslosenquote der Steiermark: 5,5 Prozent (Dezember 2025); die Beschäftigtenzahl liegt bei rund 19.985
Regionale Struktur - zwei Bezirke, zwei Profile
Die Oststeiermark reicht vom Grazer Umland im Westen über das Joglland bis an die burgenländische Grenze im Osten. Bezirk Weiz ist industriell geprägt, mit einem Schwerpunkt an Maschinenbau, Präzisionsmechanik und Automotive. Hartberg-Fürstenfeld dagegen kombiniert mittelständische Industrie mit einer der stärksten Tourismus-Regionen Österreichs - das Thermenland rund um Loipersdorf und Bad Waltersdorf.
Der Bezirk Weiz liefert regelmäßig Bestwerte am steirischen Arbeitsmarkt. Die Stellenandrangziffer lag 2025 im Jahresschnitt bei 0,84 - das bedeutet, dass statistisch weniger als eine arbeitssuchende Person auf eine offene Stelle kam. Rund 19.985 unselbständig Beschäftigte arbeiten im Bezirk, die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2025 bei 5,5 Prozent. Im Bezirksvergleich gilt Weiz damit als Benchmark für wirtschaftliche Robustheit in strukturschwächeren Teilen der Steiermark.
Die Industriebetriebe
| Unternehmen | Standort | Beschäftigte (regional/gesamt) | Kernprodukt |
|---|---|---|---|
| Magna Presstec | Weiz | ca. 800 in Weiz / 1.200 gesamt | Metallpressteile für Automotive |
| Knill-Gruppe (Mosdorfer u.a.) | Weiz | rund 2.500 weltweit | Freileitungsarmaturen, Energie, Kommunikation |
| Elin Motoren | Preding/Weiz | Elektromotoren-Hersteller | Hochleistungsmotoren und Generatoren |
| Zotter Schokolade | Riegersburg | rund 220 | Bio-Schokolade, Schoko-Erlebniswelt |
| Therme Loipersdorf | Bad Loipersdorf | über 350 direkt | Thermen- und Wellnessresort |
Weiz als Automotive-Standort
Der Elin-Süd-Gewerbepark in Weiz-Krottendorf ist einer der wichtigsten Automotive-Cluster-Standorte der Steiermark. Pankl Racing Systems in Kapfenberg und Magna Presstec in Weiz arbeiten beide an spezialisierten Komponenten für die Fahrzeugindustrie - Pankl im Hochleistungssegment, Magna Presstec in der Serienfertigung. Magna Presstec GmbH hat ihren Sitz an der Elin-Süd-Straße und fertigt mit Pressverfahren hochbelastete Metallbauteile, die hauptsächlich an deutsche Hersteller - VW, Audi, BMW, Porsche - geliefert werden.
Gleich nebenan operiert die Knill-Gruppe - ein Familienunternehmen in 12. Generation, das seine Wurzeln in einer Weizer Schmiede hat. 1929 brachte die Heirat Friedrich Knills mit der Tochter der Mosdorfer-Familie die zwei Namen zusammen. Heute umfasst die Gruppe 31 Standorte in 17 Ländern und plant für das Geschäftsjahr 2025 erstmals eine halbe Milliarde Euro Umsatz mit rund 2.500 Beschäftigten. Geführt wird sie seit 2002 von den Brüdern Christian und Georg Knill. Kernsegmente sind Freileitungsarmaturen (Mosdorfer), Wickeltechnologie und Drahtvorprodukte.
Erlebnisgastronomie und Lebensmittelwirtschaft
Mit Zotter Schokolade in Riegersburg hat die Oststeiermark einen Lebensmittelproduzenten mit touristischer Strahlkraft. Das Unternehmen beschäftigt am Standort rund 220 Mitarbeitende und zählt jährlich rund 270.000 Gäste in der Schoko-Erlebniswelt. Die konsequente Bio- und Fairtrade-Strategie hat aus einem handwerklichen Schokoladenhersteller eine international wahrgenommene Marke gemacht; Produkte gehen in über 30 Länder.
Die Zahlenordnung ist wichtig: Eine Schokoladenmanufaktur mit 270.000 Besuchern pro Jahr hat eine ähnliche Besucherfrequenz wie mittelgroße Thermen. Der Erfolg zeigt, dass verarbeitende Lebensmittelbetriebe mit klarer Markenidentität in ländlichen Regionen selbst Tourismusmagneten werden können - ohne dass der touristische Mehrwert von externen Investoren abgeschöpft wird.
Die Oststeiermark ist das steirische Paradebeispiel für funktionale Regionalwirtschaft. In dichter räumlicher Nähe existieren hochspezialisierte Industriebetriebe (Magna, Knill, Elin), Erlebnislebensmittel (Zotter, Vulcano, Gölles), Thermentourismus (Loipersdorf, Waltersdorf, Bad Blumau) und eine starke Weinwirtschaft. Keine dieser Säulen hängt exklusiv von einer anderen ab - ein seltenes strukturelles Gleichgewicht.
Thermenland als Tourismusachse
Die Therme Loipersdorf ist das touristische Herzstück der Region. Das Resort schafft über 350 direkte Arbeitsplätze und erzielt 2025 Zuwächse von fünf bis sechs Prozent bei den Nächtigungen. Im Juli 2025 stiegen die Tagesgäste in Loipersdorf um zehn bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Eigentümerstruktur änderte sich 2022 grundlegend: Bis dahin gehörte das Resort zu 64 Prozent den fünf steirischen und einer burgenländischen Umlandgemeinde, zu vier Prozent dem Land Steiermark, der Rest war auf Hotels und Banken verteilt. Seit Oktober 2022 teilen sich Merkur Versicherung AG, Granit Holding GmbH und SHR Thermen & Hotel Beteiligung GmbH das Eigentum zu je einem Drittel.
Mit dem Eigentümerwechsel kam ein Investitionsprogramm. Die Gemeindeeigner, die jahrzehntelang den regionalen Charakter der Therme gesichert hatten, gaben damit die Mehrheit ab - ein typisches Muster bei österreichischen Thermen, die für Kommunen allein zu kapitalintensiv wurden. Parallel verzeichnet das Thermen- und Vulkanland insgesamt 2025 rund fünf Prozent mehr Nächtigungen.
Arbeitsmarkt und Neugründungen
Die Neugründungs-Dynamik der Oststeiermark ist überdurchschnittlich: Im Jahr 2023 zählte die Region 959 neue Unternehmensgründungen in den Bezirken Weiz und Hartberg-Fürstenfeld zusammen. 2025 erreichte Weiz mit 687 Gründungen einen neuen Rekordwert. Nach drei Jahren bestanden 77,3 Prozent dieser Unternehmen noch am Markt, nach fünf Jahren zwei Drittel - überdurchschnittliche Überlebensraten im steirischen Vergleich.
Hartberg-Fürstenfeld liegt beim Gründungsranking auf Platz vier - hinter Graz, Graz-Umgebung und Weiz. 2023 gründeten dort 347 Personen ein eigenes Unternehmen. Die „Startup-Schmiede Oststeiermark" ist eine regionale Initiative zur Begleitung von Gründerinnen und Gründern, getragen von der Regionalentwicklung.
Die starke Bindung der Oststeiermark an die deutsche Automobilindustrie ist ihre größte strukturelle Verwundbarkeit. Kürzungen bei VW, BMW oder Porsche schlagen direkt in die Auftragsbücher von Magna Presstec und der regionalen Zulieferkette durch. Die Transformation zur Elektromobilität verschärft die Lage, weil viele klassische Pressteile (Motorbauteile, Getriebekomponenten) künftig entfallen. Die Region muss neue Geschäftsfelder sichern, solange die Konjunktur das noch erlaubt.
Verkehrsinfrastruktur
Die Oststeiermark ist mit der A 2 (Südautobahn) und der S 7 (Fürstenfelder Schnellstraße) gut an das Autobahnnetz angebunden. Die S 7 verbindet die A 2 seit 2024 mit Fürstenfeld und wird sukzessive ins Burgenland weitergeführt. Für die regionale Wirtschaft bedeutet das eine deutliche Verbesserung der Anbindung an die Häfen an der Adria und den zentraleuropäischen Güterverkehr.
Schienentechnisch bleibt die Oststeiermark die Schwachstelle im steirischen Gesamtbild: Die Thermenbahn und die Radkersburger Bahn sind langsam, die Anbindung nach Ungarn ist rudimentär. Hier werden die Effekte der Koralmbahn, die seit Dezember 2025 den Süden dynamisiert, auf absehbare Zeit nicht ankommen.
Quellen
- MeinBezirk Weiz: 687 Neugründungen 2025 - Weiz an der steirischen Spitze
- AMS Steiermark: Arbeitsmarktdaten Bezirk Weiz Jänner 2026
- Steirische Wirtschaft: Zotter Schokolade - nachhaltiger Luxus mit globaler Strahlkraft
- WirtschaftDirekt: Verkauf Therme Loipersdorf 2022 abgeschlossen
- AustriaWiki: Knill-Gruppe - Weiz, 31 Standorte, 12. Generation
- Industrielandkarte Steiermark: Magna Presstec Weiz