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Dienstag, 20. Oktober 2026 Kontakt
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Fabertar: Toni Faber wird KI-Trauerredner beim Grazer Startup Lebensstimmen

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Grazer Startup Lebensstimmen hat am 20. Oktober 2026 in Wien eine Plattform für vorab gestaltete Trauerreden vorgestellt. Wiens Dompfarrer Toni Faber steht dort als Avatar „Fabertar“ zur Auswahl.
  • Faber gibt jede Rede, die sein Avatar halten soll, selbst frei. Inhalte außerhalb des katholischen Rahmens sind ausgeschlossen.
  • Eine Trauerrede mit einem Redner nach Wahl kostet ab 199 € als Tonaufnahme und ab 490 € als Video, die günstigste Grußbotschaft ab 99 €.
  • Zum Start sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch vorgesehen.
  • Stimmen und Avatare entstehen nur mit Zustimmung lebender Personen, Verstorbene werden nicht nachgebildet.
  • Der Marktstart ist für das erste Quartal 2027 geplant. Faber geht Ende August 2027 als Dompfarrer in Pension.

Eine Trauerrede auf Video, gehalten von einem Redner nach Wahl, kostet beim Grazer Startup Lebensstimmen ab 490 Euro. Einer dieser Redner ist ab 2027 Toni Faber, genauer: sein digitales Ebenbild, der „Fabertar“. Vorgestellt wurde er am 20. Oktober 2026 bei einer Pressekonferenz in Wien. Faber, seit 1997 Pfarrer am Stephansdom, begründete seine Mitwirkung nüchtern: „Ich kann nicht alle Begräbnisse dieser Welt halten, garantiert nicht.“

Wie der Fabertar entsteht

Grundlage des Avatars sind zahlreiche gefilmte Begräbnisreden Fabers, berichtet Heute. Daraus entsteht ein Video, in dem der Fabertar mit Fabers Aussehen und Stimme spricht. Den Inhalt bestimmt der Kunde selbst, und zwar zu Lebzeiten: Er beantwortet geführte Fragen zu seinem Leben, aus den Antworten entsteht ein Redeentwurf von bis zu 15 Minuten, den er prüft, ändert und freigibt. Danach wählt er Redner, Sprache und Kulisse. Zur Auswahl stehen Kirche, Trauerhalle, Garten, Berge, Wald, Meer oder ein eigener Ort.

Beim Fabertar kommt eine zweite Freigabe dazu. Faber gibt laut APA-Bericht jede Rede selbst frei, die sein Avatar halten soll. Inhalte, die deutlich über den katholischen Rahmen hinausgehen, lassen sich nicht umsetzen, mutwillige Scherze mit dem virtuellen Dompfarrer sind ausgeschlossen. Dasselbe gilt laut Faber für Wünsche, die Menschen oder Religion abwerten.

Zum Start spricht der Fabertar Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch, weitere Sprachen sind geplant. Faber selbst spricht neben Latein nur wenig Englisch und Italienisch. Mit der KI-Fassung hofft er, Menschen in bis zu 30 Sprachen zu erreichen. Bei der Präsentation wirkte die Sprachanimation noch etwas steif, das Aussehen dagegen täuschend echt, so der Eindruck der APA.

Was die vier Modelle kosten

Seit der Präsentation nennt Lebensstimmen auf seiner Preisübersicht erstmals konkrete Beträge. Alle Modelle sind Einmalzahlungen ohne Abo, die Beträge sind Startpreise inklusive Mehrwertsteuer.

ModellZeitpunktLängeSprecherAudioAudio + Video
Meine Grußbotschaftzu Lebzeitenbis 3 Min.eigene Stimme, Avatar aus einem Selfieab 99 €ab 250 €
Meine letzte Redezu Lebzeitenbis 15 Min.eigene Stimme, Avatar aus einem kurzen Videoab 199 €ab 490 €
Persönlicher Trauerrednerzu Lebzeitenbis 15 Min.Redner nach Wahl, etwa Toni Faberab 199 €ab 490 €
Aus Sicht der Hinterbliebenenim Trauerfall, fertig in 48 bis 72 Stundenbis 15 Min.Redner oder eigener Avatarab 299 €ab 590 €

Abgespielt wird die Rede von einer Vertrauensperson oder vom Bestatter, die der Kunde vorab benennt. Lebensstimmen ist an kein Bestattungsunternehmen gebunden, die Rede kann auch Teil einer Feier mit Pfarrer oder menschlichem Trauerredner sein. Angekündigt sind Zusatzleistungen, für die es noch keine Preise gibt: NFC-Anhänger am Grabstein, über die sich Botschaften am Friedhof abrufen lassen, Botschaften von Angehörigen, ein Familienarchiv auf der Blockchain und eine White-Label-Fassung für Partner.

Wichtige Einschränkung:
Bestellen lässt sich derzeit noch nichts. Die Modelle sind als „bald verfügbar“ markiert, Interessierte können sich vormerken lassen. Ob für den Faber-Avatar ein Aufschlag auf die Startpreise anfällt, geht aus der Preisübersicht nicht hervor. Auf der Website wird er als Anton Faber geführt.
Gut zu wissen:
Neben den Preisen für Privatkunden bleibt das Lizenz- und White-Label-Modell, mit dem das Startup gegründet wurde: Bestattungsunternehmen, Vorsorgeversicherer, Institutionen und Medienpartner sollen die Plattform unter eigener Marke anbieten. Erster Pilotpartner ist die Pinter Bestattung von Mitgründer Markus Pinter.

Keine neuen Worte im Namen Verstorbener

Die heikelste Frage bei jeder künstlichen Stimme ist, wer sie verwenden darf. Lebensstimmen zieht die Grenze beim Tod: Bearbeiten können die Videos nur lebende Kunden, sagte Geschäftsführer Philipp Berkessy. Für eine verstorbene Person, die nicht mehr über die Rechte an Bild, Stimme und Aussehen entscheiden kann, bietet das Unternehmen das nicht an. Persönliche Stimmen und Avatare entstehen nur mit ausdrücklicher Einwilligung zu Lebzeiten.

Jede fertige Rede prüft vor der Übergabe ein Mitarbeiter, die Videos tragen ein Symbol, das sie als KI-generiert kennzeichnet. Die Daten liegen verschlüsselt in Europa und werden laut Unternehmen nicht zum Training von KI-Modellen verwendet. Der zweite Geschäftsführer Lukas Stern betonte den „kontrollierten Rahmen“: Die Videos sollen ohne die Risiken großer KI-Anbieter entstehen. Technologiepartner ist laut brutkasten BLCKs AI, die rechtliche Konstruktion entstand mit der Grazer Kanzlei Scherbaum Seebacher.

Faber, der Papst und die Konkurrenz

Faber geht Ende August 2027 nach fast drei Jahrzehnten als Dompfarrer in Pension, bleibt laut Erzdiözese Wien aber als Priester in der Cityseelsorge aktiv. Er habe „bisher großen Respekt vor der KI gehabt“, sagte er Heute. Einen Widerspruch zur KI-Kritik von Papst Leo XIV. und dessen Enzyklika „Magnifica humanitas“ sieht er nicht, berichtet religion.ORF.at: Es gehe um die Würde des Menschen, nicht um einen Einsatz gegen ihn. Mit dem Papst selbst habe er über das Projekt nicht gesprochen. Anderen Priestern wolle er „in keinster Weise Konkurrenz machen“. Der Fabertar soll dort einspringen, wo kein Seelsorger oder Redner zur Verfügung steht.

Mitgründer Markus Pinter, früher Geschäftsführer der Bestattung und Friedhöfe Wien, stellt die KI-Rede in eine Reihe mit digitalen Abschiedsformen, die sich bereits durchgesetzt haben: Online-Kondolenzbücher, virtuelle Gedenkkerzen, Livestreams von Begräbnissen. Die Rede sei ein Zusatzangebot, das das Tabu rund um den Tod aufbrechen könne. Eine Trauerfeier ersetzen soll sie nach Angaben des Unternehmens nicht.

Das Unternehmen hinter dem Avatar

Die Lebensstimmen GmbH wurde 2026 in Graz von Pinter, Berkessy und dem Agenturgründer Lukas Stern gegründet, international tritt sie als „Words that Remain“ auf. Im September stieg der Grazer Hotelier und frühere Motorsportmanager Helmut Marko als Investor ein, die Höhe seiner Beteiligung ist nicht bekannt. Das Marktpotenzial beziffert das Unternehmen mit rund 1,4 Millionen Sterbefällen pro Jahr im deutschsprachigen Raum. Absichtserklärungen von Bestattern, Versicherern und Verbänden liegen laut Lebensstimmen vor, Namen nennt das Startup keine.

Ausblick: Der Marktstart ist für das erste Quartal 2027 angekündigt, in Österreich und international. Bis dahin muss Lebensstimmen aus Absichtserklärungen zahlende Partner machen. Wie gut Fabers persönliche Freigabe jeder einzelnen Rede mit steigender Nachfrage Schritt hält, zeigt sich spätestens nach seiner Pensionierung im Sommer 2027.

Quellen