- Easelink GmbH, Graz: gegründet im September 2016 von Hermann Stockinger, rund 60 Beschäftigte, Sitz in der Münzgrabenstraße 94, Tochtergesellschaft in Peking.
- Matrix Charging: Ein Connector am Fahrzeugunterboden senkt sich auf ein flach im Boden liegendes Pad - konduktiv, über 99 Prozent Wirkungsgrad, 22 kW AC und 50 kW DC, bidirektional.
- 19. Oktober 2026: Der chinesische Elektronikkonzern Luxshare (332 Mrd. Yuan Umsatz 2025) wird erster asiatischer Lizenzpartner und industrialisiert das System in China als „Luxshare Matrix Charging“.
- Zweiter Lizenznehmer seit Juli 2026: der deutsche Zulieferer SEG Automotive (rund 6.000 Beschäftigte, früher Bosch-Starter- und Generatorensparte).
- Seit November 2025 arbeitet die Matrix Charging Interest Group mit Audi, Nissan und Voyah an einem herstellerübergreifenden Standard; Vorsitz: Menno Treffers, Ex-Chef des Wireless Power Consortium.
- Finanzierung: 8,3 Mio. Euro Series A (2022), 1,5 Mio. Euro Verbund X Ventures (2024), 11,5 Mio. Euro vom Europäischen Innovationsrat (2025); eine Series B wird gesucht.
- Praxistest eTaxi Austria in Wien und Graz: 33 Taxis, 44 Pads, Wirkungsgrad über 99,4 Prozent - die Idee „Wartezeit gleich Ladezeit“ ging am Standplatz aber nur eingeschränkt auf.
332 Milliarden Yuan Umsatz, mehr als 100 Produktionsstandorte in 30 Ländern, Zulieferer von Apple und seit Juli 2025 Mehrheitseigentümer des Nürnberger Kabelherstellers Leoni: Das ist Luxshare. Am 19. Oktober 2026 hat der Konzern aus Dongguan einen Lizenzvertrag mit einem Unternehmen unterschrieben, das rund 60 Leute beschäftigt und seinen Sitz in der Grazer Münzgrabenstraße hat. Easelink und Luxshare wollen das automatische Ladesystem Matrix Charging gemeinsam in China industrialisieren und auf den Markt bringen. Für die Grazer ist es nach dem deutschen Zulieferer SEG Automotive der zweite Lizenznehmer innerhalb von drei Monaten - und der erste in dem Automarkt, der für automatisiertes Laden am meisten Druck macht.
Der Luxshare-Deal: Lizenz, Industrialisierung, lokales Team
Die Vereinbarung folgt dem Muster, das Easelink seit Jahren verfolgt: Das Grazer Unternehmen entwickelt die Schnittstelle und hält die Patente, Industriepartner fertigen und liefern an die Autohersteller. Luxshare übernimmt in China Industrialisierung und Belieferung, nimmt Matrix Charging ins eigene Automotive-Portfolio auf und bietet es seinen OEM-Kunden an. Vermarktet wird das System dort laut electrive als „Luxshare Matrix Charging“. An ersten OEM-Projekten für künftige Fahrzeugplattformen arbeiten beide Unternehmen bereits. Easelink will sein lokales Team in China ausbauen, um die technische Arbeit mit Luxshare und den chinesischen Herstellern zu begleiten.
„Mit Luxshare gewinnt Easelink einen dedizierten Lizenznehmer für China“, heißt es in der Presseaussendung. Der chinesische Markt verlange einen Local-for-local-Ansatz, also Entwicklung und Fertigung im Land für das Land. Hermann Stockinger, Gründer und Geschäftsführer, nennt die Partnerschaft „ein zentraler Baustein unserer Mission, den globalen Industriestandard für automatisiertes Laden zu setzen“. Gegenüber brutkasten sprach er von einem „wichtigen Meilenstein für unsere wachsende Präsenz in China“. Harvey Yuan, General Manager bei Luxshare, sieht „großes Potenzial in unserer Zusammenarbeit mit Easelink“ und betont die Rolle der Standardisierung neuer Schnittstellen. Luxshare bringt sich deshalb auch in die Matrix Charging Interest Group ein, das Standardisierungsgremium, das Easelink im November 2025 gegründet hat.
Über Stückzahlen, Lizenzgebühren oder einen Zeitplan für das erste Serienfahrzeug schweigen beide Seiten. Bekannt ist nur die Richtung: Automatisiertes Laden gewinne in China „stetig an Bedeutung“, getrieben von selbstfahrenden Fahrzeugen und dem Wunsch nach bequemerem Laden.
Luxshare Precision Industry Co., Ltd. wurde 2004 gegründet, hat seinen Sitz in Dongguan in der Provinz Guangdong und ist in Shenzhen notiert; im Juli 2026 kam ein Zweitlisting in Hongkong dazu, das laut Reuters rund 3,1 Milliarden US-Dollar einbrachte. 2025 setzte der Konzern nach eigenen Angaben 332,34 Milliarden Yuan um (plus 23,6 Prozent) und verdiente netto 16,6 Milliarden Yuan. Das Fundament ist Unterhaltungselektronik: Laut Caixin stammten 2024 rund 70,7 Prozent des Umsatzes von Apple. Das Automotive-Geschäft wuchs 2025 auf 39,25 Milliarden Yuan, ein Plus von 185 Prozent - vor allem, weil seit Juli 2025 die Mehrheit an der Leoni AG (50,1 Prozent, Nürnberg) konsolidiert wird und die Tochter TIME Interconnect Leonis Kabelsparte übernommen hat.
So funktioniert Matrix Charging
Das System besteht aus zwei Teilen. Im Fahrzeug sitzt nahe der Vorderachse der Connector, ein Bauteil mit weniger als vier Kilogramm Gewicht und rund drei Litern Bauraum. Am Parkplatz liegt das Pad, eine flache Platte ohne bewegliche Teile, die wahlweise auf den Boden geschraubt oder bündig in die Fahrbahn eingelassen wird. Parkt ein ausgerüstetes Auto über dem Pad, fährt der Connector automatisch nach unten, ein Faltenbalg setzt auf, Kontaktstifte treffen auf die Kontaktmatrix der Platte. Die Verbindung ist konduktiv, also eine echte Metall-auf-Metall-Verbindung wie beim Stecker - nur ohne Kabel und ohne Hand.
Darin liegt der entscheidende Unterschied zum induktiven Laden, bei dem Energie über Spulen durch einen Luftspalt übertragen wird. Easelink gibt den Wirkungsgrad seines Systems mit über 99 Prozent an; im Taxiprojekt eTaxi Austria bestätigten Messungen des unabhängigen Forschungsinstituts Silicon Austria Labs über 99,4 Prozent. Induktive Systeme verlieren nach Darstellung des Unternehmens 5 bis 10 Prozent in der Übertragung. Eine Easelink-Veröffentlichung beim Wiener Motorensymposium 2026 beziffert den Vorteil in der Kette vom Netz bis zur Batterie auf 4 bis 10 Prozentpunkte. Beim Preis hat das Unternehmen gegenüber heise autos einen eigenen Benchmark genannt: Matrix Charging koste rund ein Drittel eines funktional gleichwertigen Induktionssystems, weil die teuren Spulen und die zusätzliche Leistungselektronik entfallen.
| Kennwert | Angabe |
|---|---|
| Ladeleistung | 22 kW AC, 50 kW DC, bidirektional (Vehicle-to-Grid) |
| Wirkungsgrad | über 99 Prozent (Hersteller), über 99,4 Prozent im eTaxi-Projekt (Silicon Austria Labs) |
| Connector (Fahrzeug) | unter 4 kg, rund 3 Liter Bauraum, 12-V- und CAN-Anschluss, Hochvoltleitung zum Onboard-Lader |
| Pad (Boden) | keine beweglichen Teile, Aufbauvariante unter 40 mm hoch, Einbauvariante bündig |
| Positionstoleranz | 225 x 390 mm, Einparkhilfe per Ultrabreitband (UWB) |
| Belastbarkeit | 1 t je Rad (Aufbau), 6 t je Rad (bündig); eTaxi-Pads für Achslasten bis 12 t |
| Schutz | IP66 nach ISO 20653, Heizfolie gegen Schnee und Eis, Lüfter und Reinigungslamellen gegen Schmutz |
| Sicherheit | nur die abgedeckten Kontakte werden bestromt; Freischaltung in unter 100 ms bei Verbindungsabbruch; Fahrzeugbox nach ASIL B (ISO 26262) |
| Kommunikation | ISO 15118 (Plug and Charge, Lastmanagement) |
Quelle: Easelink (Technologie-Seite), heise autos (Mai 2024), FFG-Erfahrungsbericht eTaxi Austria (2025).
Das Pad bestromt nur jene Kontakte, die der Connector tatsächlich abdeckt; die Kontaktmatrix enthält je drei Außenleiter, drei Neutralleiter und drei Schutzleiter. Der Schutzleiter schließt als erster und trennt als letzter. Damit das Ganze im Winter funktioniert, sitzt unter der Kontaktmatrix eine Heizfolie, die Schnee und Eis abschmilzt; ein Lüfter bläst vor dem Ladevorgang losen Schmutz weg, rotierende Lamellen wischen nach. Geladen wird über den normalen Onboard-Lader des Fahrzeugs, die Ladekommunikation läuft nach ISO 15118. Weil die Verbindung bei jedem Parkvorgang entsteht, kann das Fahrzeug auch Strom zurück ins Netz speisen - „Parkzeit ist Verbindungszeit“, wie Easelink es formuliert.
Zehn Jahre Easelink: vom TU-Graz-Absolventen zum Lizenzgeber
Hermann Stockinger hat an der TU Graz Wirtschaft und Energietechnik studiert, laut dem Profil bei Invest Austria mit Masterabschlüssen in Energie- und Umwelttechnik und in Betriebswirtschaft, und seine erste Station bei der BMW Group in München absolviert. Ein Jahr nach dem Studienabschluss gründete er Easelink; der Firmenbucheintrag datiert vom 28. September 2016. Die Idee: Weil Elektroautos im Schnitt 23 Stunden am Tag stehen, soll jeder Parkvorgang zum Ladevorgang werden, ohne dass jemand ein Kabel in die Hand nimmt. Oder in Stockingers Worten aus dem Jahr 2018: „Dadurch wird Stehzeit zu potenzieller Ladezeit von Elektrofahrzeugen.“
Das Unternehmen fand früh Anschluss an die Grazer Gründerszene - es gehört zum Portfolio des Science Park Graz und wurde von der SFG über die Programme Ideen!Reich und Erfolgs!Kurs gefördert. Als Seed-Investor stieg der aus Tirol stammende Technologieinvestor Hermann Hauser ein, Mitgründer des Chipdesigners Arm. Von November 2018 bis Dezember 2020 finanzierte die EU über Horizon 2020 ein Projekt mit 2,05 Millionen Euro Zuschuss, mit dem die Technologie vom Prototyp zur Marktreife gebracht wurde.
China stand von Anfang an im Fokus. Im April 2018 zeigte Easelink Matrix Charging auf der Beijing Auto Show im Konzeptfahrzeug der Marke WEY des Herstellers Great Wall Motors, damals mit bis zu 43 kW DC. Stockinger sprach von „vorbereitenden Maßnahmen für eine GWM-Serienproduktion mit unserer Technologie“, WEY-Markenchef Jens Steingräber nannte Pad und Connector „als System im Vergleich zu bestehenden und absehbaren Ladelösungen um ein Vielfaches günstiger“. Ein Serienstart bei Great Wall wurde seither nicht öffentlich. 2019 folgte die Demonstration im autonom fahrenden BAIC Lite gemeinsam mit dem National New Energy Vehicle Technology Innovation Center (NEVC) in Peking, Ende 2020 eine Absichtserklärung mit dem NEVC, automatisiertes konduktives Laden in China zum Standard zu machen. Seither führt das Unternehmen neben Graz einen Standort in China.
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 2016 | Gründung in Graz, Firmenbucheintrag am 28. September |
| 2018 | Beijing Auto Show: Matrix Charging im WEY-Konzeptfahrzeug von Great Wall Motors; Start des Horizon-2020-Projekts (2,05 Mio. Euro EU-Zuschuss) |
| 2019 | Demonstration im autonomen BAIC Lite mit dem NEVC in Peking; nationaler Gewinner der European Business Awards (Finale in Warschau) |
| 2020 | Erste Matrix-Charging-Station in Graz bei der Holding Graz (Steyrergasse, Carsharing tim); Absichtserklärung mit dem NEVC |
| 2022 | Series A über 8,3 Mio. Euro |
| 2023 | Betriebsstart eTaxi Austria an Taxistandplätzen in Wien und Graz |
| 2024 | Verbund X Ventures steigt mit 1,5 Mio. Euro ein; Industry Advisory Circle mit Ex-Audi-Finanzchef Axel Strotbek |
| 2025 | 11,5 Mio. Euro vom Europäischen Innovationsrat (Februar); Projektende eTaxi Austria (März); Gründung der Matrix Charging Interest Group mit Audi, Nissan und Voyah (27. November) |
| 2026 | Vehicle-to-Grid-Projekt SUITE mit Nissan in Großbritannien (Juli); Lizenz an SEG Automotive (23. Juli); 100. Patentanmeldung (September); Lizenz an Luxshare (19. Oktober) |
eTaxi Austria: der Praxistest in Wien und Graz
Den größten Realitätscheck lieferte das Taxiprojekt eTaxi Austria, das von Juni 2021 bis März 2025 lief und vom Klima- und Energiefonds mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert wurde. Getragen haben es die Wirtschaftskammern Wien und Steiermark, Wien Energie, Energie Graz, die Grazer Energieagentur, die Taxizentralen 40100 und 31300 sowie Easelink als Technologielieferant; Hyundai, ÖAMTC und Porsche Inter Auto unterstützten. Geplant waren 2021 noch 60 Standplätze mit Pads und 66 umgerüstete Fahrzeuge. Tatsächlich im Einsatz waren laut dem Erfahrungsbericht der Projektpartner 33 Taxis (20 in Wien, 13 in Graz) und 44 Pads an acht Standplätzen - 42 davon in Wien, zwei am Grazer Schillerplatz. Gefahren wurde überwiegend mit dem Hyundai Ioniq 5, in Graz auch mit VW ID.4. Der gesamte Aufwand aller Beteiligten lag bei über 8 Millionen Euro.
Die Technik hat dabei gehalten. Die eigens entwickelte Hardware-Generation überstand alle Witterungsbedingungen, Verschleißanalysen an Connector, Kontaktstiften und Kontaktmatrix ergaben keine Auffälligkeiten, liegengebliebene Fahrzeuge gab es keine. Während der Laufzeit wurde das Positioniersystem von drei auf zwanzig Messungen pro Sekunde beschleunigt, das Abdocken um mehr als 20 Sekunden verkürzt, die Reinigungsroutine leiser gemacht. Gregor Eckhard, damals COO und heute Technikchef von Easelink, beschrieb den Ablauf gegenüber dem ORF Steiermark so: „Wenn das Fahrzeug über dem Pad parkt, dann senkt sich aus dem Fahrzeug der Connector vollautomatisch ab.“
Die Grundidee des Projekts war, die Stehzeit am Taxistandplatz zum Laden zu nutzen - bei 11 kW Ladeleistung, mehr war dafür nicht vorgesehen. Doch die Rahmenbedingungen änderten sich: Mit der neuen Wiener Landesbetriebsordnung, die seit 1. Jänner 2025 gilt, und den App-basierten Fahrtaufträgen wurden die Aufenthalte am Standplatz kürzer und dynamischer. Wartezeiten von bis zu einer Stunde, wie vor dem Projekt üblich, „kommen kaum mehr vor“, hält der Erfahrungsbericht fest. Die Taxiunternehmer wünschten sich höhere Ladeleistungen; in Graz wurden als Rückfallebene zwei Schnellladestandorte mit 150 und 300 kW eingerichtet. Die Empfehlung der Partner: Elektrische Taxiflotten brauchen eine Mischung aus netzschonendem Laden mit niedriger Leistung und Schnellladen als Reserve. Easelink legt die nächste Hardware-Generation auf 22 kW AC und 50 kW DC aus.
Interessant ist der Nebenbefund zum Netz: Die meisten Ladevorgänge fanden zwischen 10 und 16 Uhr statt, also dann, wenn besonders viel Strom aus Photovoltaik verfügbar ist. Wer ohne Aufwand andocken kann, lädt öfter und kürzer - genau das Verhalten, das Netzbetreiber wollen. Zum Projektende waren in Wien von rund 8.500 Taxis 3,4 Prozent rein elektrisch, in Graz von rund 630 Taxis 8,3 Prozent.
Finanzierung: von Hauser bis zum Europäischen Innovationsrat
Die Series A schloss Easelink im Jänner 2022 mit 8,3 Millionen Euro ab. Lead-Investor war der auf die Energiewende spezialisierte Fonds SET Ventures aus Amsterdam, dazu kamen EnBW New Ventures, der Venture-Arm des deutschen Energiekonzerns, Smartworks als Beteiligungsgesellschaft von Wien Energie und Wiener Stadtwerken sowie der Bestandsinvestor Hermann Hauser. Marc Umber von EnBW New Ventures nannte Matrix Charging damals „die vollautomatische Ladelösung, die den Umstieg auf die E-Mobilität beschleunigen wird“. Andreas Straßer von Smartworks begründete den Einstieg mit der Praxis: „Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wien Energie mit Easelink beim eTaxi Austria-Projekt überzeugte uns.“
Im Oktober 2024 stieg Verbund X Ventures, die Beteiligungsgesellschaft des Verbund, mit 1,5 Millionen Euro ein - als Einzelinvestment, nicht als Runde. Verbund-Chef Michael Strugl: „Die automatisierte Ladelösung von Easelink hat das Potenzial, die Elektromobilität maßgeblich zu unterstützen.“ Im selben Monat holte sich Stockinger einen Industry Advisory Circle ins Haus: Axel Strotbek, früher Finanzvorstand der Audi AG, Konstantin Neiß aus der Antriebsentwicklung von Mercedes-Benz und Thomas Dauner, Ex-Senior-Partner der Boston Consulting Group. Strotbek und Dauner scheinen inzwischen auch im Firmenbuch als Gesellschafter auf.
Den größten Betrag brachte der Europäische Innovationsrat: Im Februar 2025 erhielt Easelink die Zusage über 11,5 Millionen Euro aus dem EIC Accelerator, dem Programm von Horizon Europe für Deep-Tech-Unternehmen. Die Runde war die bis dahin umkämpfteste: 1.211 Bewerbungen, 431 Einladungen zum Jury-Interview nach Brüssel, 71 Zusagen - knapp sechs Prozent. Der EIC Accelerator kombiniert einen Zuschuss mit einer Beteiligungskomponente; in der EU-Projektdatenbank Cordis ist der Zuschussteil als Projekt MXI („Matrix Charging Interface Integrating EVs into a Smart Energy System“) mit 2,5 Millionen Euro und einer Laufzeit von Mai 2025 bis April 2027 ausgewiesen. Nach Auswertung der steirischen Finanzierungsrunden war das 2025 die größte Einzelfinanzierung eines Unternehmens aus dem Bundesland.
| Zeitpunkt | Betrag | Art | Geldgeber |
|---|---|---|---|
| 2018 bis 2020 | 2,05 Mio. Euro | EU-Zuschuss (Horizon 2020, Innovation in KMU) | Europäische Kommission |
| Jänner 2022 | 8,3 Mio. Euro | Series A | SET Ventures (Lead), EnBW New Ventures, Smartworks, Hermann Hauser Investment |
| Oktober 2024 | 1,5 Mio. Euro | Beteiligung | Verbund X Ventures |
| Februar 2025 | 11,5 Mio. Euro | EIC Accelerator (Zuschuss plus Beteiligungskomponente) | Europäischer Innovationsrat |
Was fehlt, ist die Series B, von der seit 2024 die Rede ist. Easelink sucht nach eigenen Angaben weiteres Risikokapital für Markteinführung und Kommerzialisierung. Das Firmenbuch verzeichnet am 26. September 2026 eine Kapitalveränderung mit Gesellschafterwechsel; als Gesellschafter sind neben Stockinger unter anderem Hermann Hauser Investment, SET Holding III, EnBW New Ventures, Smartworks Innovation, Verbund Ventures, die Weitblick Privatstiftung, Strotbek Consulting und Thomas Dauner eingetragen. Eine große Runde mit neuem Lead-Investor wurde bisher nicht kommuniziert. Wie das Grazer Unternehmen in der steirischen Investorenlandschaft steht, zeigt auch der Vergleich: Kaum ein anderes Startup des Bundeslandes hat so viele Energieversorger als Gesellschafter.
Die MCIG: ein Standard nach dem Bluetooth-Modell
Wer automatisiertes Laden verkaufen will, muss ein Henne-Ei-Problem lösen: Kein Hersteller baut einen Connector ins Auto, wenn es keine Pads gibt, und niemand verlegt Pads, wenn keine Autos damit fahren. Beide Seiten investieren nur, wenn die Schnittstelle herstellerübergreifend festgelegt ist. Deshalb gründete Easelink am 27. November 2025 gemeinsam mit Audi, Nissan und Voyah, der Premiummarke des Wuhaner Dongfeng-Konzerns, die Matrix Charging Interest Group (MCIG). Den Vorsitz übernahm Menno Treffers, der zuvor dem Wireless Power Consortium vorstand, das hinter dem Qi-Standard für das kabellose Laden von Handys steht, und Generalsekretär des Lichttechnik-Konsortiums Zhaga war. „MCIG folgt dem erfolgreichen Modell der Special Interest Groups“, sagt Treffers - gemeint sind jene Gremien, aus denen Bluetooth und NFC hervorgegangen sind.
Die Gruppe versteht sich als Ergänzung zur laufenden Normung bei ISO und IEC, nicht als Ersatz: Sie soll Schnittstellenparameter parallel zur Serienentwicklung der Hersteller abstimmen, Validierung, Tests und Zertifizierung organisieren und die Markteinführung begleiten. Zentral ist die Lizenzpolitik. Easelink stellt seine wesentlichen Patente zu FRAND-Bedingungen bereit, also fair, angemessen und diskriminierungsfrei - das ist der Preis dafür, dass Wettbewerber mitmachen. „Unser Ziel ist es, Matrix Charging als globalen Standard für automatisiertes Laden zu etablieren“, so Stockinger. Laut der Gründungsmitteilung integrieren Fahrzeughersteller weltweit Matrix Charging bereits in die Serienentwicklung kommender Plattformen; Namen und Modelle nennt sie nicht. SEG Automotive trat der Gruppe im Sommer 2026 bei, Luxshare arbeitet seit dem Lizenzvertrag ebenfalls mit.
Lizenznehmer und Partner: SEG Automotive, Nissan, Luxshare
Mit dem Lizenzmodell will Easelink nicht selbst Fabriken bauen. Den Anfang machte am 23. Juli 2026 SEG Automotive aus Stuttgart: rund 6.000 Beschäftigte in 14 Ländern, 2018 aus der Starter- und Generatorensparte von Bosch hervorgegangen und heute Teil der chinesischen ZMJ-Gruppe. SEG nimmt Matrix Charging unter Lizenz ins eigene Portfolio, verfolgt mit Easelink erste OEM-Serienprojekte und ist der MCIG beigetreten. „Wir sehen großes Potenzial für automatisierte Ladelösungen“, sagte Gunter Meyer, Chief Market Officer New Business bei SEG, und: „Gleichzeitig unterstützen wir die Standardisierung innerhalb der MCIG.“ Stockinger erklärte den Hintergrund gegenüber brutkasten: „Durch die Lizenzierung der Matrix-Charging-Technologie schaffen wir die Voraussetzungen“, um schneller zu skalieren und den globalen Standard zu etablieren. Luxshare ist nun das Gegenstück für China. Beide Lizenzen sind nicht exklusiv - Easelink behält die Verantwortung für die Schnittstelle, die Lizenznehmer liefern die Hardware.
Parallel läuft seit Sommer 2026 der erste Vehicle-to-Grid-Einsatz des Systems. Im britischen Forschungsprojekt SUITE, das vom Nissan Technical Centre Europe in Cranfield geführt und mit rund 10 Millionen Pfund aus dem staatlichen Programm Drive35 finanziert wird, kombinieren Nissan und Easelink bidirektionales AC-Laden mit automatischem Andocken im neuen Nissan Leaf. Kazuyuki Sakamoto, Entwicklungsleiter bei Nissan in Cranfield, beschrieb den Nutzen gegenüber electrive: „Automatisiertes Laden löst genau dieses Problem: Das Fahrzeug verbindet sich automatisch, sobald es geparkt ist“ - selbst engagierte E-Auto-Fahrer stecken nämlich nicht an, wenn die Batterie für den Tag ohnehin reicht. Für Easelink-Technikchef Gregor Eckhard ist Vehicle-to-Grid eine tragende Säule der langfristigen Strategie; die Erkenntnisse aus dem Projekt fließen in die Spezifikationen der MCIG.
Das Unternehmen heute
Easelink beschäftigt nach eigenen Angaben rund 60 Mitarbeiter - Anfang 2025 waren es noch rund 40 -, Entwicklung und Verwaltung sitzen in Graz, dazu kommt die Tochtergesellschaft in Peking. Geschäftsführer ist seit der Gründung Hermann Stockinger; Prokura haben laut Firmenbuch Sebastian Demuth (seit 2020) sowie Gregor Eckhard und Bernhard Stadlhofer (seit Februar 2026). Eckhard führt als CTO die Technik, Jürgen Antonitsch verantwortet die Automotive-Kooperationen. Im Advisory Board sitzen Vertreter der Geldgeber: Anton Arts (SET Ventures), Christian Fencz (Smartworks), Hermann Hauser, Marc Umber (EnBW New Ventures) und Peter Schiff (Verbund X Ventures). Im September 2026 meldete das Unternehmen die 100. Patentanmeldung; das Patentportfolio ist das Fundament des Lizenzmodells. In den Normungsgremien von ISO und IEC sowie in der Ladeinitiative CharIN arbeitet Easelink mit.
Sichtbar ist das Unternehmen derzeit auch in Wien: Seit 16. September 2026 zeigt das Technische Museum Wien in der mit dem Verbund kuratierten Schau „POWER FORWARD“ Matrix Charging neben Technologien von TTTech, Fronius und Sunfire - bis 15. Jänner 2027.
Grundsätzlich ja - das Nachrüstkit wurde im Taxiprojekt in Fachwerkstätten verbaut und ist laut Easelink für die meisten großen E-Auto-Plattformen geeignet. Verkauft wird es aber bisher nur an Flotten und Projektpartner, nicht an Privatkunden; Listenpreise für Nachrüstung oder Ab-Werk-Einbau gibt es nicht. Wer das System im eigenen Fahrzeug will, muss auf die ersten Serienmodelle warten. Gegenüber heise autos nannte Easelink im Mai 2024 als Zeithorizont dafür 2027 bis 2028.
Einordnung: Was der Deal bedeutet, und was noch offen ist
Zehn Jahre nach der Gründung hat Easelink, was den meisten Hardware-Startups fehlt: zwei industrielle Lizenznehmer auf zwei Kontinenten, ein Standardisierungsgremium mit drei Autoherstellern, ein Patentportfolio im dreistelligen Bereich und einen vierjährigen Dauertest im öffentlichen Raum. Die Luxshare-Lizenz ist dabei mehr als ein weiterer Partnername. Die Chinesen liefern bereits heute Bordnetze an Tesla und die großen chinesischen Hersteller und haben mit Leoni eine europäische Automotive-Basis - ein Lizenznehmer, der die Hardware in jede Lieferkette bringen kann, in der er ohnehin sitzt. Dass das System als „Luxshare Matrix Charging“ vermarktet wird, zeigt zugleich, wie das Geschäftsmodell funktioniert: Die Marke gehört dem Partner, die Schnittstelle Graz.
Offen bleibt die entscheidende Frage: Wann fährt das erste Serienauto mit Connector vom Band? Die Ankündigung einer Serienproduktion bei Great Wall 2018 blieb ohne sichtbare Folge, die aktuellen OEM-Projekte laufen hinter verschlossenen Türen. Easelink selbst nannte 2024 die Jahre 2027 und 2028. Bis dahin muss die Series B stehen, für die seit zwei Jahren gesucht wird. Und ob sich automatisiertes Laden am Ende konduktiv oder induktiv durchsetzt, entscheiden nicht Benchmarks, sondern die Plattformentscheidungen der Hersteller - genau deshalb sitzen Audi, Nissan und Voyah in der MCIG. Die steirische Deep-Tech-Szene hat mit Easelink jedenfalls einen Kandidaten, dessen Technologie nicht in Graz bleiben soll, sondern in Stuttgart und Dongguan gefertigt wird.
Quellen
- Easelink: Easelink and Luxshare collaborate to industrialize Matrix Charging in China (Presseaussendung, 19.10.2026)
- electrive.net: Easelink vermeldet Luxshare als chinesischen Lizenznehmer (19.10.2026)
- brutkasten: Grazer Startup gewinnt asiatischen Technologiepartner und plant Markteinführung (19.10.2026)
- Easelink: Matrix Charging gains industry partner - Easelink and SEG Automotive launch collaboration (23.07.2026)
- brutkasten: Grazer Easelink kooperiert mit deutschem SEG Automotive (23.07.2026)
- Easelink: Matrix Charging Interest Group (MCIG) established (27.11.2025)
- electrive.net: Easelink sammelt Verbündete zur Normierung seiner Ladelösung um sich (27.11.2025)
- Easelink: Project SUITE - Nissan and Easelink build the first automated AC Vehicle-to-Grid operation in the UK (01.07.2026)
- electrive.net: Nissan startet Forschungsprojekt für intelligentes Laden und Vehicle-to-Grid (25.06.2026)
- Easelink: Technology - Matrix Charging Pad und Connector (technische Daten)
- heise autos: Strom abzapfen - Matrix Charging ist günstiger als Induktion (08.05.2024)
- FFG / Klima- und Energiefonds: eTaxi Austria - Erfahrungsbericht Dekarbonisierung von Taxiflotten (2025, PDF)
- next-mobility.de: Was eTaxi Austria über automatisiertes Laden gelernt hat
- ORF Steiermark: Pilotprojekt für kabelloses Laden von E-Taxis (28.09.2023)
- Easelink: World's largest eTaxi project with automated charging (15.09.2021)
- electrive.net: Easelink schließt Millionen-Finanzierung ab - mit EnBW-Beteiligung (19.01.2022)
- EnBW: Easelink sichert sich 8,3 Millionen Euro in einer Series-A-Finanzierung (2022)
- Easelink: Verbund X Ventures invests in Easelink (10.10.2024)
- brutkasten: Grazer Startup Easelink holt sich Experten von Audi und Mercedes in Advisory Circle (02.10.2024)
- SET Ventures: Easelink awarded 11.5 million euros from EU Innovation Council (21.02.2025)
- Cordis: Projekt MXI - Matrix Charging Interface Integrating EVs into a Smart Energy System (EIC Accelerator, 2025-2027)
- Cordis: Cutting the cord - a new way to charge electric vehicles (Horizon-2020-Projekt 830239)
- EIC Scaling Club: Easelink - Leading the way in automated EV charging (Interview mit Hermann Stockinger)
- SFG: Easelink - Unternehmensporträt (Februar 2023)
- brutkasten: Grazer Startup Easelink kooperiert mit chinesischem Autokonzern (26.04.2018)
- Charged EVs: China's NEVC to deploy Easelink's automated conductive charging system (10.12.2020)
- meinbezirk.at: E-Fahrzeuge - Das erste automatisierte Ladesystem kommt aus Graz (16.07.2020)
- Firmenbuch (evi.gv.at): Easelink GmbH, FN 457376 m
- Luxshare-ICT: Reports Resilient 2025 Performance (Jahresergebnis, 27.04.2026)
- Caixin Global: Apple supplier Luxshare seeks Hong Kong listing (20.08.2025)
- Leoni AG: Luxshare-ICT secures majority ownership of Leoni (10.07.2025)
- APA-OTS / Technisches Museum Wien: POWER FORWARD - Technologien für ein Energiesystem im Wandel (16.09.2026)