- Die Grazer Lebensstimmen GmbH entwickelt eine Plattform für KI-gestützte Abschieds- und Erinnerungsformate; international tritt sie als „Words that Remain“ auf.
- Helmut Marko ist im September 2026 als Investor eingestiegen. Die Höhe der Beteiligung nennt das Unternehmen nicht.
- Gegründet wurde die Gesellschaft 2026 von Bestatter Markus Pinter, dem früheren Red-Bull-Ring-Geschäftsführer Philipp Berkessy und dem Agenturgründer Lukas Stern.
- Vier Produkte sind geplant: eine Grußbotschaft, „Meine letzte Rede“, ein neutraler KI-Trauerredner und das Format „Aus Sicht der Familie“.
- Vertrieben wird nicht an Endkunden, sondern als Lizenz- und White-Label-Modell über Bestatter, Vorsorgeversicherer und Medienpartner.
- Der internationale Rollout ist für das erste Quartal 2027 angekündigt.
Rund 1,4 Millionen Menschen sterben pro Jahr im deutschsprachigen Raum. Auf diese Zahl stützt ein Grazer Unternehmen, das erst heuer gegründet wurde, sein Geschäftsmodell: Die Lebensstimmen GmbH will Trauerreden und Abschiedsbotschaften mit künstlicher Intelligenz erzeugen, in der Stimme der Verstorbenen selbst. Seit Ende September hat das Startup dafür einen Geldgeber, dessen Name weit über die Branche hinaus bekannt ist: den Grazer Helmut Marko.
Der Einstieg von Helmut Marko
Bekanntgegeben hat das Unternehmen die Beteiligung auf LinkedIn, das Startup-Magazin brutkasten berichtete am 25. September 2026. Wie viel Marko investiert hat und welchen Anteil er hält, bleibt offen. In der Mitteilung wird er mit einem Vergleich aus seinem Metier zitiert: „Der Motorsport wurde nie durch Zufall besser, sondern durch den Mut, neue Technologie konsequent in den Dienst der Menschen zu stellen. Genau diese Haltung erkenne ich bei Lebensstimmen.“
Für Marko ist es nicht das erste Engagement in einem jungen Grazer Technologieunternehmen. Er zählt auch zu den fünf Gründern der 2023 entstandenen Combyn Health Care GmbH, die einen Gesundheits-Kiosk für Vorsorgemessungen entwickelt.
Was die Plattform können soll
Lebensstimmen setzt an zwei Stellen an. Zu Lebzeiten können Menschen ihre eigene Abschiedsbotschaft gestalten, mit eigener Stimme, eigenen Inhalten, Musik und Bildern. Nach einem Todesfall sollen Angehörige eine digitale Trauerrede erstellen können.
| Produkt | Inhalt | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Grußbotschaft | persönliche Botschaft in eigener Stimme | zu Lebzeiten selbst gestaltet |
| Meine letzte Rede | die eigene Abschiedsrede | zu Lebzeiten selbst gestaltet |
| KI-Trauerredner | neutrale digitale Trauerrede | nach dem Todesfall |
| Aus Sicht der Familie | Rede aus dem Blickwinkel der Angehörigen | nach dem Todesfall |
Mitgründer und CEO Philipp Berkessy beschreibt den Anspruch so: „Es geht nicht darum, Menschen digital zurückzubringen. Es geht darum, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, den eigenen Abschied selbstbestimmt zu gestalten - zu Lebzeiten, mit Würde und nach eigenen Vorstellungen.“
Eine künstlich erzeugte Stimme eines Verstorbenen ist rechtlich und ethisch heikel. Das Unternehmen gibt an, alle Inhalte zu stilisieren, als KI-generiert zu kennzeichnen und von Menschen kuratieren zu lassen. Vorgesehen sind Zustimmungs- und Widerrufsregeln, die Daten sollen DSGVO-konform in der EU liegen. Rechtlich begleitet die Kanzlei Scherbaum Seebacher das Projekt. Diese Angaben stammen vom Unternehmen selbst; eine unabhängige Prüfung liegt nicht vor.
Drei Gründer, drei Gesellschaften
Hinter der GmbH stehen drei Grazer Unternehmer, die ihre Anteile jeweils über die eigene Firma halten. Markus Pinter ist Inhaber der Pinter Bestattung, war Geschäftsführer der Bestattung und Friedhöfe Wien und ist Vizepräsident der europäischen Bestattervereinigung EFFS. Philipp Berkessy führt die Berkessy Consulting GmbH und war zuvor Geschäftsführer am Red Bull Ring und Chief Operating Officer der Rennserie DTM. Lukas Stern, Gründer der Aldea Agency, verantwortet die technische Architektur.
Als Geschäftsführer weist das Impressum Berkessy und Stern aus. Eingetragen ist die Gesellschaft beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz, der Unternehmensgegenstand lautet auf den Betrieb einer Plattform für digitale Abschieds-, Erinnerungs- und Gedenkformate, Softwareentwicklung und Lizenzierung.
Lebensstimmen verkauft nicht direkt an Privatpersonen. Das Angebot wird Bestattungsunternehmen, Vorsorgeversicherern, Institutionen und Medienpartnern als Lizenz zur Verfügung gestellt, die es unter eigener Marke anbieten können. Erster Pilotpartner ist die Pinter Bestattung des Mitgründers.
Stimme als digitales Gut
Anfang September 2026 gab das Unternehmen auf der Technologiemesse LEAP in Riad eine Partnerschaft mit dem Tokenisierungsanbieter Green Encoded bekannt. Die zu Lebzeiten lizenzierte Stimme soll damit zu einem verifizierbaren digitalen Gut werden. Vorgestellt werden soll die Technik Anfang Oktober auf der Messe Ai Everything in Abu Dhabi, danach stehen laut Unternehmen die GITEX in Dubai und die CES in Las Vegas auf dem Plan.
Belegt ist bislang wenig von dem, was zählt: Das Startup spricht von mehreren Absichtserklärungen von Bestattern, Versicherern und Verbänden aus dem In- und Ausland, nennt aber keine Namen. Zahlende Kunden außer dem eigenen Pilotpartner sind nicht bekannt. Wie die Plattform im Alltag eines Bestatters funktioniert, wird sich erst mit dem Marktstart zeigen.
In Graz trifft das Vorhaben auf ein Umfeld, das KI-Anwendungen in Unternehmen zunehmend ernst nimmt.