- Der Verbund plant im Bereich Thörl West/Oisching bei Etmißl (Gemeinde Thörl, Bezirk Bruck-Mürzzuschlag) seinen ersten Windpark in der Steiermark.
- Vorgesehen sind laut ORF neun Windräder mit je 6,5 Megawatt. Der Verbund selbst nennt rund 50 Megawatt, genug für rechnerisch 20.000 Haushalte.
- Die Umweltverträglichkeitsprüfung hat noch nicht begonnen. Eingereicht werden soll 2027, eine Inbetriebnahme wäre 2031 möglich.
- Thörler Haushalte sollen 20 Jahre lang Strom um 9,6 Cent pro Kilowattstunde bekommen, die Gemeinde 25.000 Euro pro Windrad und Jahr.
- Im selben Gemeindegebiet plant Contour Global einen Windpark am Hahnkogel, für die Zone Floning gibt es noch keinen offiziellen Projektwerber.
- Ende 2025 drehten sich in der Steiermark 121 Windräder mit 322,65 Megawatt. Das Projekt in Thörl allein brächte rund 15 Prozent dazu.
353 Windräder betreibt der Verbund nach eigenen Angaben in Österreich, Deutschland, Rumänien und Spanien. In der Steiermark steht bisher keines davon. Das soll sich in Etmißl ändern, einem Ortsteil der Marktgemeinde Thörl nördlich von Kapfenberg: Dort hat Österreichs größter Stromerzeuger seine Pläne für neun Windräder vorgestellt, wie ORF Steiermark am 15. Oktober 2026 berichtet. Nach eineinhalb Jahren Windmessung liegt damit erstmals ein konkretes Projekt auf dem Tisch.
Neun Anlagen, rund 50 Megawatt
Das Projekt trägt den Arbeitstitel Thörl West/Oisching. Jede der neun Anlagen soll eine Nennleistung von 6,5 Megawatt haben. Für das Gesamtprojekt nennt Verbund-Sprecher Robert Zechner rund 50 Megawatt, ausgelegt auf den Strombedarf von etwa 20.000 Haushalten.
Gebaut wird damit noch lange nicht. Der Standort liegt zwar laut ORF in einer vom Land ausgewiesenen Vorrangzone, eine Umweltverträglichkeitsprüfung bleibt trotzdem Pflicht. Die Einreichung ist für 2027 vorgesehen, als frühester Termin für die Inbetriebnahme gilt 2031.
Neun Anlagen mit je 6,5 Megawatt ergäben rechnerisch 58,5 Megawatt, nicht 50. Welche Leistung tatsächlich genehmigt wird, steht erst nach der Umweltverträglichkeitsprüfung fest. Auch die Zahl der Windräder kann sich im Verfahren noch ändern.
Strom um 9,6 Cent und 225.000 Euro für die Gemeinde
Der Verbund bietet den Haushalten in Thörl einen vergünstigten Stromtarif von 9,6 Cent pro Kilowattstunde an, festgeschrieben für 20 Jahre. Die Gemeinde soll pro Windrad und Jahr 25.000 Euro erhalten. Bei neun Anlagen sind das 225.000 Euro jährlich, über 20 Betriebsjahre gerechnet 4,5 Millionen Euro. Dazu kommen Pachtzahlungen an die Grundeigentümer, deren Höhe nicht öffentlich ist.
Ein Teil der Bevölkerung in Etmißl steht dem Projekt trotzdem kritisch gegenüber. Bürgermeister Christian Polaschek (SPÖ) nimmt diese Stimmen nach eigenen Worten ernst, verweist aber auf die engen Grenzen seiner Rolle: Im Genehmigungsverfahren ist die Gemeinde nicht Behörde, sondern hat nur Parteienstellung. Der Gemeinderat hat sich bereits am 11. Dezember 2025 einstimmig für den Grundsatzbeschluss „Pro Windkraft in unserer Gemeinde“ ausgesprochen.
Polaschek setzt auf Information. Laut MeinBezirk ging ein vierseitiger Postwurf an alle Haushalte, Ende September und Anfang Oktober folgten drei Bürgerversammlungen, Mitte Oktober eine Informationsmesse in der Festhalle Etmißl. Zwei Windkraft-Sprechtage am Gemeindeamt sind für den Herbst angekündigt. Sein Anspruch dabei: „Sachlich und transparent, ohne meinungsbildend zu sein“.
Drei Windkraftzonen in einer Gemeinde
Thörl ist nicht nur vom Verbund-Projekt betroffen. Im Entwurf des neuen Sachprogramms Windenergie, den das Land im April 2026 in Begutachtung schickte, liegt die Gemeinde in zwei weiteren Vorrangzonen.
| Gebiet | Standortgemeinden | Projektwerber | Stand |
|---|---|---|---|
| Thörl West/Oisching | Thörl | Verbund | 9 Anlagen geplant, UVP-Einreichung 2027, Betrieb frühestens 2031 |
| Hahnkogel | Thörl, Tragöß-St. Katharein | Contour Global | UVP-Einreichung Ende 2026, Umsetzung ab 2030 möglich |
| Floning | Kapfenberg, Tragöß-St. Katharein, Thörl | noch kein offizieller Bewerber | kein Projekt bekannt |
Quellen: ORF Steiermark (15.10.2026), MeinBezirk (12.09.2026), Obersteirische Rundschau (22.04.2026, Zonen laut Begutachtungsentwurf)
Für Floning kursieren Namen möglicher Interessenten, bestätigt ist keiner. Polaschek hatte im September nach eigener Aussage „noch null Informationen“ über das gemeindeübergreifende Projekt.
Das Land hat gerade 135 neue Windräder ermöglicht
Die Präsentation in Thörl kommt zwei Wochen nach einer Weichenstellung in Graz. Am 1. Oktober 2026 hat die Landesregierung das neue Sachprogramm Windenergie beschlossen, berichtet ORF Steiermark: neun neue Vorrangzonen, drei neue Eignungszonen und vier Erweiterungen in 25 Gemeinden. Auf insgesamt 8.500 Hektar, das sind 0,5 Prozent der Landesfläche, haben bis zu 135 neue Windräder Platz. Gleichzeitig gelten 27 Prozent der Landesfläche als Ausschlusszone, in der keine Windräder gebaut werden dürfen.
In einer Vorrangzone hat das Land die strategische Umweltprüfung bereits erledigt, eine Umwidmung durch die Gemeinde ist nicht nötig. In einer Eignungszone muss die Gemeinde die Fläche zusätzlich in ihrer örtlichen Raumplanung ausweisen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das konkrete Projekt ersetzt keine der beiden Zonenarten. Neue Windparks müssen laut Sachprogramm mindestens 15 Megawatt Gesamtleistung haben, das entspricht vier bis fünf modernen Anlagen.
Der Bedarf ist groß. Laut IG Windkraft standen Ende 2025 in der Steiermark 121 Windräder mit 322,65 Megawatt, 2025 kam keine Anlage dazu. Österreichweit waren es 1.447 Anlagen mit 4.221 Megawatt. Das Regierungsprogramm von FPÖ und ÖVP sieht bis 2030 einen Zubau von 400 Megawatt vor, die Energiestrategie Steiermark 2030 Plus nennt mindestens 1.000 Megawatt Gesamtleistung als Ziel. Mit den Projekten, die bereits in Bau, in Genehmigung oder in Planung sind, rechnet das Land laut den Erläuterungen zum Sachprogramm mit rund 650 Megawatt in den nächsten Jahren.
| Windkraft in der Steiermark | Megawatt |
|---|---|
| Bestand Ende 2025 (121 Anlagen) | 322,65 |
| Verbund-Projekt Thörl West/Oisching | rund 50 |
| Erwartet mit laufenden Projekten | rund 650 |
| Ziel Energiestrategie 2030 Plus | mindestens 1.000 |
Quellen: IG Windkraft (Stand Ende 2025), Verbund, Land Steiermark (Erläuterungen zum Sachprogramm Windenergie 2026)
Warum der Verbund in die Mürz-Region geht
Der Verbund erzeugt seinen Strom traditionell überwiegend aus Wasserkraft. In der Steiermark ging zuletzt das Wasserkraftwerk Gratkorn in Betrieb, das der Verbund im Oktober 2024 gemeinsam mit der Energie Steiermark eröffnete. Seine Windkraftsparte kommt laut eigener Website auf 353 Anlagen mit zusammen 798 Megawatt.
Für den Standort Thörl spricht die Nähe zu großen Abnehmern. In den Erläuterungen zum Sachprogramm begründet das Land die Zonen Hahnkogel und Floning ausdrücklich mit der Nähe zu den energieintensiven Betrieben im Mürztal und in Kapfenberg, wo unter anderem das Edelstahlwerk der voestalpine steht. Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) rechnet damit, dass sich der Strombedarf der Steiermark bis 2040 verdoppelt. Wie die Industrie der Mur-Mürz-Furche diesen Bedarf deckt, entscheidet sich zu einem guten Teil an Projekten wie diesem.
Quellen
- ORF Steiermark: Verbund plant seinen ersten steirischen Windpark (15.10.2026)
- MeinBezirk: Windpark Thörl - Bürgermeister geht in Offensive und informiert transparent (12.09.2026)
- ORF Steiermark: Land erweitert PV- und Windkraftflächen (01.10.2026)
- Land Steiermark: Sachprogramm Windenergie 2026 geht in Begutachtung (13.04.2026)
- Land Steiermark: Erläuterungen zum Entwicklungsprogramm Windenergie (PDF)
- Obersteirische Rundschau: 18 Windkraft-Zonen in der Region in Begutachtung (22.04.2026)
- IG Windkraft: Windkraft in Österreich - Zahlen, Daten, Fakten
- Verbund: Windkraft