- Die voestalpine Stahl Donawitz in Leoben blickt auf über 140 Jahre Stahlerzeugung zurück
- Am Standort Donawitz arbeiten rund 2.600 Menschen – das Werk ist das wirtschaftliche Herz der Region
- Mit Greentec Steel investiert die voestalpine 1,5 Milliarden Euro in die Dekarbonisierung der Stahlproduktion
- Ab 2027 soll ein Elektrolichtbogenofen in Donawitz den CO2-Ausstoß um rund 30 Prozent senken
- Das 2023 eröffnete Edelstahlwerk in Kapfenberg kostete 467 Millionen Euro
- Die Montanuniversität Leoben bildet den Forschungskern für die Stahltransformation
Am Standort Donawitz in Leoben begann vor über 140 Jahren die industrielle Stahlerzeugung, die bis heute das wirtschaftliche Rückgrat der Mur-Mürz-Furche bildet. Rund 2.600 Menschen arbeiten bei der voestalpine Stahl Donawitz GmbH im Zentrum der österreichischen Eisen- und Stahlindustrie. Das Linz-Donawitz-Verfahren, eine hier entwickelte bahnbrechende Technologie zur Stahlkonvertierung, wird bis heute für rund 70 Prozent der weltweiten Stahlproduktion eingesetzt.
Historische Bedeutung und Standortprofil
Die Tradition des Eisenabbaus und der Verarbeitung in der Region reicht mehr als 1.300 Jahre zurück. Der Erzberg in Eisenerz ist bis heute der größte Tagebau Mitteleuropas. Als Sitz der Division Metal Engineering der voestalpine ist Donawitz der größte Standort für die Erzeugung von Stahl-Langprodukten in Österreich. Das Werksgelände erstreckt sich über 140 Hektar entlang der Steirischen Eisenstraße. Produziert werden rund 450 verschiedene Stahlgüten für Anwendungen von Eisenbahnschienen über Wälzlagerstähle bis zu Röhrenstählen für die Öl- und Gasexploration.
| Standort | Unternehmen / Division | Schwerpunkt | Beschäftigte |
|---|---|---|---|
| Leoben-Donawitz | voestalpine Stahl Donawitz | Premiumstahl, Langprodukte, Schienen | ca. 2.600 |
| Kapfenberg | voestalpine High Performance Metals | Edelstahl, Speziallegierungen, 3D-Druck-Pulver | ca. 4.000 (Division) |
| St. Peter-Freienstein | voestalpine Drahtwalzwerk | Drahtwalzprodukte (100 Mio. Euro Investition) | Teil des Standorts |
| Bruck an der Mur | Diverse Zulieferer | Metallverarbeitung, Zulieferindustrie | Zahlreiche KMU |
Greentec Steel – der Weg zum grünen Stahl
Mit dem Stufenplan Greentec Steel verfolgt die voestalpine das ambitionierte Ziel, die Stahlproduktion bis 2050 CO2-neutral zu machen. Der erste Schritt: Am Standort Donawitz entsteht ein grünstrombasierter Elektrolichtbogenofen (Electric Arc Furnace), der 2027 in Betrieb gehen soll. Die Investition allein in Donawitz beträgt rund 450 Millionen Euro – das Gesamtinvestitionsvolumen für Greentec Steel liegt bei 1,5 Milliarden Euro.
Zwei Baufelder, zusammen so groß wie zehn Fußballfelder (75.000 Quadratmeter), werden in Donawitz für den Elektrolichtbogenofen und eine neue Schrotthalle freigemacht. Mit der Errichtung wurde das italienische Unternehmen Danieli & C. Officine Meccaniche beauftragt. Für die Energieversorgung sind zwei neue Umspannwerke geplant: ein 220-kV-Werk der Austrian Power Grid und ein 110-kV-Werk der Energie Steiermark.
Das in Donawitz entwickelte Linz-Donawitz-Verfahren (LD-Verfahren) revolutionierte in den 1950er Jahren die weltweite Stahlerzeugung. Durch gezieltes Aufblasen von reinem Sauerstoff auf flüssiges Roheisen kann in kurzer Zeit und mit geringem Energieaufwand hochqualitativer Rohstahl erzeugt werden. Heute bildet diese Technologie noch immer das Rückgrat der globalen Stahlproduktion.
Forschung und Innovation am Standort
Die Nähe zur Montanuniversität Leoben ist ein entscheidender Standortvorteil. Im Technikum Metallurgie, einem Hightech-Forschungszentrum in Donawitz, wird unter anderem die Wasserstoffplasma-Schmelzreduktion (HPSR) erforscht – ein Verfahren zur CO2-neutralen Stahlerzeugung aus Eisenerzen mithilfe eines Wasserstoffplasmas. Projektpartner sind die voestalpine, die Montanuniversität Leoben und K1-MET. Auch das HYFOR-Verfahren (Hydrogen-Based Fine-Ore Reduction) wird hier erprobt, das ohne energieintensives Sintern oder Pelletieren auskommen soll.
In Kapfenberg wurde 2023 das nach eigenen Angaben modernste Edelstahlwerk der Welt eröffnet – eine Investition von 467 Millionen Euro. Rund 8.000 Prozessdaten werden dort laufend parallel erfasst und ausgewertet. Die voestalpine verfolgt außerdem die Vision eines Digital Metal Valley in der Mur-Mürz-Furche: Die Region soll zum globalen Player im Bereich der Metallpulver für den 3D-Druck werden.
Volkswirtschaftliche Bedeutung
Laut einer Studie des Industriewissenschaftlichen Institutes bringt allein die Greentec-Steel-Investition in Donawitz 158 Millionen Euro an Wertschöpfung in der Steiermark und sichert bis zu 1.700 Arbeitsplätze. Die beiden Elektrolichtbogenöfen in Donawitz und Linz werden zusammen knapp vier Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen – das entspricht rund fünf Prozent der österreichischen CO2-Emissionen.
Die voestalpine bietet am Standort Donawitz zahlreiche Karrieremöglichkeiten – von Lehrberufen über technische Fachkräfte bis zu Forschungspositionen. Besonders gefragt sind Talente in den Bereichen Automatisierung, Robotik, Sensorik und Datenanalytik. Informationen finden sich auf der Karriereseite der voestalpine Stahl Donawitz.
Regionale Herausforderungen und Chancen
Die Mur-Mürz-Furche hat seit der Stahlkrise der 1980er Jahre einen langen Strukturwandel durchlebt. Rationalisierungsmaßnahmen führten zum Abbau vieler Arbeitsplätze, Leoben und Kapfenberg litten unter Einwohnerschwund. Seit der Jahrtausendwende geht es wieder aufwärts: Die Investitionen in Greentec Steel, das neue Edelstahlwerk in Kapfenberg und die Gründung kleinerer Unternehmen in der Region zeigen eine positive Dynamik. Die Transformation zum grünen Stahl bietet die Chance, die Produktion langfristig abzusichern und neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Die Dekarbonisierung der Stahlproduktion steht und fällt mit der Verfügbarkeit von grünem Strom und Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen. Bis 2028 soll der erste Donawitzer Hochofen stillgelegt werden, bis 2030 folgt ein weiterer. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt maßgeblich von den energiepolitischen Rahmenbedingungen ab.