- Die Energie Steiermark investierte 2024 rund 300 Millionen Euro in Erneuerbare Energie und Netzausbau – die größte Investition der Unternehmensgeschichte
- Bis 2035 plant der Landesversorger Investitionen von insgesamt 5,5 Milliarden Euro
- Drei neue Windparks mit fast 500 Millionen Euro Investitionsvolumen befinden sich im Bau oder in Genehmigung
- Das Geothermie-Projekt für die Grazer Fernwärme (ca. 500 Mio. Euro) wurde nach Verhandlungsproblemen vorübergehend gestoppt – eine Wiederaufnahme wird verhandelt
- Der Umsatz lag 2024 bei 2,19 Milliarden Euro, die Dividende an das Land Steiermark stieg auf 70 Millionen Euro
- Die Mitarbeiterzahl wuchs auf 2.198 Beschäftigte
300 Millionen Euro investierte die Energie Steiermark allein im Jahr 2024 in den Ausbau erneuerbarer Energien und die Modernisierung ihres über 30.000 Kilometer langen Stromnetzes. Für den Landesenergieversorger, der sich zu 100 Prozent im Eigentum des Landes Steiermark befindet, war das die größte Nachhaltigkeitsinvestition der Unternehmensgeschichte. Und es ist erst der Anfang eines historischen Transformationsprogramms: Bis 2035 plant der Konzern Gesamtinvestitionen von 5,5 Milliarden Euro, die den Standort Steiermark in einer Phase globaler Unsicherheiten stärken sollen.
Unternehmensprofil – Der Versorger der Steiermark
Die Energie Steiermark mit Sitz in Graz ist eines der größten Energie- und Dienstleistungsunternehmen Österreichs. Mit 29 Betriebsstandorten in der Steiermark, einer Vertriebsgesellschaft in Wien und Auslandsbeteiligungen in der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Deutschland versorgt der Konzern rund 600.000 Kunden im In- und Ausland. Bei der Energieerzeugung setzt das Unternehmen ausschließlich auf erneuerbare Quellen: Wasser, Wind, Sonne und Biomasse.
Die wichtigsten Tochtergesellschaften sind die Energie Steiermark Kunden GmbH für den Vertrieb, die Energienetze Steiermark GmbH für den Betrieb und Ausbau des Stromnetzes sowie die Feistritzwerke STEWEAG. Strategisch bedeutend ist die 49-Prozent-Beteiligung an der Energie Graz GmbH & Co KG, dem Grazer Stadtenergieversorger. Im Ausland ist die Tochter STEFE SK in der Slowakei aktiv und hat sich 2024 als zweitgrößter Fernwärmeversorger des Landes weiter stärken können. Das Unternehmen wird vom Vorstandsduo Martin Graf und Werner Ressi geführt, wobei Ressi seit April 2025 die Nachfolge des langjährigen Vorstandssprechers Christian Purrer angetreten hat.
| Kennzahl | 2023 | 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 2.786,9 Mio. Euro | 2.191,9 Mio. Euro | -21,3 % |
| Operatives Ergebnis (EBIT) | 150,4 Mio. Euro | 113,6 Mio. Euro | -24,5 % |
| Bilanzsumme | 4.435,5 Mio. Euro | 4.461,6 Mio. Euro | +0,6 % |
| Eigenkapital | k. A. | 1.901,2 Mio. Euro | gestiegen |
| Mitarbeiter | 2.074 | 2.198 | +6,0 % |
| Dividende an das Land | 60 Mio. Euro | 70 Mio. Euro | +16,7 % |
Der Umsatzrückgang gegenüber 2023 ist primär auf die Normalisierung der Energiepreise nach der Krise der Vorjahre zurückzuführen und spiegelt nicht die operative Leistung wider. Die Bilanzsumme und das Eigenkapital wuchsen, die Dividende an den Eigentümer stieg deutlich. Das Rating der Agentur Standard & Poor’s liegt bei A (Negative, Stand Oktober 2025) und unterstreicht die solide finanzielle Basis trotz der massiven Investitionsprogramme.
Windkraft-Offensive in den steirischen Bergen
Drei große Windparkprojekte bilden das Rückgrat der aktuellen Ausbau-Offensive im Bereich Stromerzeugung. Der Windpark Freiländeralm II mit einer Leistung von 105 Megawatt und der Windpark Soboth-Eibiswald mit 93 Megawatt befinden sich im Bau – die ersten der insgesamt 30 Windkraftanlagen sollen noch 2025 in Betrieb gehen. Zusätzlich erhielt das Projekt auf der Stubalm nach ganzen sieben Jahren Verfahrensdauer die behördliche Genehmigung. Mit 60 Megawatt Leistung wird auch dieses Projekt einen wesentlichen Beitrag zur steirischen Stromerzeugung leisten.
Zusammen kommen die drei Windparks auf eine Gesamtleistung von rund 258 Megawatt und ein Investitionsvolumen von fast 500 Millionen Euro. Für die steirische Bauwirtschaft und die regionalen Zulieferer sind die Projekte ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, da der überwiegende Teil der Aufträge an Unternehmen im Bundesland vergeben wird.
Im Bereich Großflächen-Photovoltaik ging 2025 der 20 Hektar große PV-Park in Dobl in Betrieb – eine der größten Sonnenstrom-Anlagen des Landes mit einer Leistung von 22 MWp und einem Investitionsvolumen von 13 Millionen Euro. Weitere PV-Projekte sind in Planung.
Wasserkraft – Modernisierung und neue Standorte
Auch im traditionellen Kernbereich der Wasserkraft investiert die Energie Steiermark weiter. Im Oktober 2024 wurde gemeinsam mit dem Verbund das neue Wasserkraftwerk Gratkorn in Betrieb genommen. Weitere Standorte werden auf ihr Potenzial untersucht. In konkreter Planung befinden sich das Projekt Leoben-Ost mit geplanter Inbetriebnahme 2028 und ein Kraftwerk in Stübing, für das die Verfahren laufen. Die Modernisierung bestehender Anlagen soll deren Effizienz steigern und gleichzeitig die ökologische Verträglichkeit verbessern.
Geothermie-Projekt – Hoffnung, Rückschläge und Neustart
Das ambitionierteste Einzelprojekt der Energie Steiermark ist das Geothermie-Vorhaben für die Grazer Fernwärme. Gemeinsam mit der OMV und der Energie Graz sollte unter dem Projektnamen „GAIA – Tiefenkraft aus der Steiermark“ ab 2030 rund die Hälfte des Grazer Wärmebedarfs aus heißem Tiefenwasser gedeckt werden. Das Gesamtinvestitionsvolumen wurde auf rund 500 Millionen Euro geschätzt – ein Projekt von historischer Dimension für die steirische Energieversorgung.
Im Juni 2025 kündigte die OMV seismische Messungen im oststeirischen Becken an, um den geologischen Untergrund in 700 bis 3.500 Metern Tiefe zu erforschen. Spezielle Seismik-Lkw sollten vorwiegend entlang öffentlicher Straßen Schwingungen erzeugen, deren Reflexionen aufgezeichnet und zu einem dreidimensionalen Abbild des Untergrunds verarbeitet werden. Im Anschluss war eine Erkundungsbohrung in der zweiten Jahreshälfte 2026 geplant.
Doch im November 2025 zog die OMV überraschend die Notbremse und stoppte alle Planungen. Offizielle Begründung: „fehlende Beschlüsse der Stadt Graz“. Knackpunkt war die Haftungsaufteilung, die die Stadt als einseitig belastend empfand. Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) erklärte, der vorgeschlagene Vertrag hätte bedeutet, dass Graz „lediglich Abnehmerin der Fernwärme gewesen wäre, dafür aber die uneingeschränkte Haftung zu tragen gehabt hätte“.
Die Situation eskalierte kurzzeitig, als die Energie Steiermark nur Stunden nach dem OMV-Rückzug ein Übernahmeangebot von rund 120 Millionen Euro für die Fernwärmesparte der Energie Graz vorlegte. Die Stadt Graz lehnte vehement ab und vermutete ein koordiniertes Vorgehen. Inzwischen haben sich die Vorstände der Energie Steiermark und der Holding Graz auf eine „Nachdenkphase“ geeinigt. Ende November 2025 nahmen alle Beteiligten die Gespräche wieder auf.
Die Zukunft des Geothermie-Projekts ist Stand Anfang 2026 offen. Derzeit stammen nur rund zehn Prozent der Grazer Fernwärme aus erneuerbaren Quellen. Ohne ein Großprojekt wie Geothermie wird die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung deutlich schwieriger. Alternative Projekte wie der Sonnenspeicher Süd in Weitendorf oder die thermische Reststoffverwertung in der Puchstraße (ab 2029) können Teilbeiträge leisten, ersetzen aber nicht die geplante Kapazität von 500 Millionen Euro Geothermie-Investition.
Wasserstoff, E-Mobilität und Breitband
Neben den Großprojekten in der Stromerzeugung und Wärmeversorgung treibt die Energie Steiermark weitere Zukunftsthemen voran. 2025 wurde eine eigene Wasserstoff-Gesellschaft gegründet, um die Aktivitäten in enger Kooperation mit der steirischen Industrie zu bündeln. Die Strategien wurden in Abstimmung mit der Industriellenvereinigung (IV) und den energieintensivsten Unternehmen des Landes erarbeitet. Der Fokus liegt auf grünem Wasserstoff als Dekarbonisierungsoption für Industrieprozesse, die sich nicht direkt elektrifizieren lassen.
Im Bereich E-Mobilität betreibt der Konzern derzeit rund 1.000 öffentliche Ladestellen und plant, diese Zahl in den nächsten zwei Jahren zu verdoppeln. Damit positioniert sich die Energie Steiermark als zentraler Ladeinfrastruktur-Anbieter im Bundesland. Auch der Breitband-Ausbau gehört zum wachsenden Dienstleistungsportfolio: Über 20 Millionen Euro fließen allein 2025 in den Glasfaser-Ausbau in nahezu allen Regionen der Steiermark – ein wichtiger Beitrag zur Digitalisierung ländlicher Gebiete.
Die Energie Steiermark betreibt am E-Campus in Graz eines der modernsten Ausbildungszentren Österreichs, in dem rund 100 Lehrlinge ihre Ausbildung absolvieren. Das Unternehmen sucht laufend Fachkräfte in den Bereichen Elektrotechnik, Netzbau, Projektmanagement und erneuerbare Energien. Infos unter e-steiermark.com.
Wirtschaftsmotor für die Region
Die Vorstände Martin Graf und Werner Ressi betonen die Bedeutung der Investitionsoffensive als regionalen Konjunkturimpuls: Da der überwiegende Teil der Aufträge an steirische und österreichische Unternehmen vergeben wird, wirken die Milliarden-Investitionen direkt als Wirtschaftsmotor in der Region. Allein 2024 stieg die Mitarbeiterzahl des Konzerns um sechs Prozent auf 2.198 Beschäftigte. Die Dividende an das Land Steiermark wuchs auf 70 Millionen Euro – Mittel, die dem Landeshaushalt zugutekommen.
Die strategische Priorität für die kommenden Jahre ist klar definiert: Netzmodernisierung, um die wachsenden Anteile erneuerbarer Energie aufnehmen zu können, massiver Ausbau der Erzeugungskapazitäten bei Wind, Sonne und Wasser sowie die Erschließung der Geothermie als langfristige Wärmequelle für den Großraum Graz. Mit 5,5 Milliarden Euro geplantem Investitionsvolumen bis 2035 gehört die Energie Steiermark zu den aktivsten Investoren in die Energiewende im gesamten Alpenraum – und zu den wichtigsten wirtschaftlichen Ankern des Bundeslandes.