Mit der Übernahme der britischen BSW Timber Ltd. am 5. Jänner 2022 wurde aus dem Tiroler Familienbetrieb Binderholz der grösste Sägewerks- und Massivholzkonzern Europas. Rund 5.000 Mitarbeiter arbeiten an 29 Standorten, der Umsatz der Gruppe liegt bei über 2,6 Milliarden Euro pro Jahr. Für die steirische Holzwirtschaft ist Binderholz ein wichtiger Marktakteur - allerdings nicht als Arbeitgeber vor Ort, sondern als Abnehmer steirischer Waldhölzer und als Wettbewerber der heimischen Säger.
- Binderholz GmbH mit Sitz in Fügen/Tirol ist seit 2022 Europas größter Sägewerks- und Massivholzkonzern
- 29 Produktionsstandorte in Österreich, Deutschland, Großbritannien, Lettland, Finnland und den USA - kein eigenes Werk in der Steiermark
- Gruppenumsatz über 2,6 Milliarden Euro, rund 5.000 Mitarbeiter weltweit
- Die österreichischen Werke liegen in Tirol (Fügen, Jenbach) und Salzburg (Hallein, St. Georgen, Unternberg)
- Verbindung zur Steiermark: Binderholz ist Abnehmer steirischer Rundholz-Lieferungen und Wettbewerber der heimischen Sägewerke im Export
- BSW Timber Übernahme 2022: Kaufpreis nicht publiziert, BSW brachte 2.000 Mitarbeiter und 1,2 Mio. Kubikmeter Schnittholz-Kapazität ein
Kein steirischer Standort - aber ein zentraler Marktakteur
Vorab zur Klarstellung: Binderholz betreibt nach offizieller Standortliste der Unternehmensgruppe kein eigenes Werk in der Steiermark. Der Konzern ist in Tirol verwurzelt, mit dem Stammwerk in Fügen im Zillertal, wo Firmengründer Franz Binder 1950 einen kleinen Handwerksbetrieb gründete. Heute verteilen sich die österreichischen Werke auf zwei Bundesländer: Tirol (Fügen, Jenbach) und Salzburg (Hallein sowie die beiden Lungauer Standorte St. Georgen und Unternberg).
Dennoch gehört Binderholz zu den Unternehmen, die die steirische Forst- und Holzwirtschaft unmittelbar beeinflussen. Die Steiermark ist mit rund 62 Prozent Waldanteil das waldreichste Bundesland Österreichs. Ein erheblicher Anteil des hier eingeschlagenen Rundholzes wird über den Großhandel oder direkt an Sägewerke ausserhalb der Steiermark geliefert. Binderholz zählt hier zu den bedeutendsten Abnehmern im heimischen Markt.
Der Aufstieg zu Europas Nummer eins
Binderholz wuchs über Jahrzehnte aus eigener Kraft, kaufte sich aber ab 2017 in kürzeren Abständen in internationale Schlüsselmärkte ein. 2017 übernahm Binderholz die deutsche Klenk Holz AG mit Werken in Baruth und Oberrot. Damit verdoppelte die Gruppe nahezu ihre Schnittholz-Kapazität. 2022 folgte der bislang grösste Schritt: die Übernahme der britischen BSW Timber Ltd. mit Sitz in Earlston/Schottland.
BSW brachte auf einen Schlag rund 2.000 Mitarbeiter, sieben britische Sägewerke sowie ein Werk in Lettland und weitere Produktionsstandorte in Großbritannien mit ein. Die Schnittholz-Kapazität von BSW lag bei über 1,2 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Seither ist Binderholz laut eigenen Angaben Europas größtes Unternehmen in der Sägewerks- und Massivholzverarbeitungsindustrie.
Den Ausschlag gab nicht nur die Fläche: BSW ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv, von der nachhaltigen Forstwirtschaft mit eigenen Baumschulen (Kapazität bis zu 50 Millionen Setzlinge pro Jahr) über die Holzernte bis zum Vertrieb. Das verschaffte Binderholz Zugriff auf britische Rohholz-Ressourcen, die für kontinentaleuropäische Säger sonst kaum zugänglich sind.
| Binderholz - Gruppen-Kennzahlen | Wert |
|---|---|
| Hauptsitz | Fügen, Tirol (Zillertal) |
| Gründungsjahr | 1950 |
| Standorte weltweit | 29 (Österreich, Deutschland, Finnland, Lettland, UK, USA) |
| Österreichische Werke | Tirol (Fügen, Jenbach), Salzburg (Hallein, St. Georgen, Unternberg) |
| Mitarbeiter Gruppe | rund 5.000 |
| Umsatz Gruppe | über 2,6 Milliarden Euro |
| Einschnitt Fügen (2022) | 1,07 Mio. Festmeter (Platz 3 in Österreich) |
| Wichtigste Übernahmen | Klenk Holz (2017), Vapo Timber Finnland (2016), BSW Timber UK (2022) |
Produktpalette: von Brettsperrholz bis Pellet
Binderholz produziert nicht nur klassisches Schnittholz. Am Standort Unternberg im Lungau wird seit 2006 Brettsperrholz (BBS, auch Cross Laminated Timber/CLT genannt) hergestellt - ein Baustoff, mit dem sich mehrgeschossige Wohnhäuser aus Holz errichten lassen. Unternberg zählt damit zu den Pionierwerken dieser Technologie weltweit.
Zum Produktportfolio gehören weiters Leimholzbinder, Einschichtplatten, Profilholz, Hobelware sowie die energetische Nebenproduktverwertung: Pelletanlagen und Biomasse-Heizkraftwerke. Dieser integrierte Ansatz - vom Baumstamm bis zum CO2-neutralen Wärmeträger - ist ein Kernargument der Branche gegenüber der Beton- und Stahl-Konkurrenz.
Was Binderholz für die steirische Holzwirtschaft bedeutet
Obwohl Binderholz keinen steirischen Werksstandort hat, wirkt die Gruppe auf zwei Ebenen in den Markt: als Rundholz-Käufer und als Wettbewerber am Schnittholz-Markt.
Als Käufer ist Binderholz aufgrund seiner Größe ein dominanter Akteur. Der Konzern bezieht jährlich mehrere Millionen Festmeter Rundholz. Ein erheblicher Teil davon stammt aus Österreich und Deutschland, wobei steirische Großwaldbesitzer - darunter die Mayr-Melnhof Forst-Gruppe - regelmässige Liefervereinbarungen mit Säger-Konzernen eingehen. Das drückt indirekt die Rundholzpreise für steirische Forstwirte: Wer gegen einen 5-Milliarden-Konzern verhandelt, steht in schwächerer Position.
Als Wettbewerber steht Binderholz auf dem Exportmarkt direkt gegen steirische Säger wie Mayr-Melnhof Holz, Hasslacher oder Stora Enso (Ybbs). Besonders im Geschäft mit Brettsperrholz, das vor allem nach Deutschland, Italien und Frankreich geliefert wird, ist die Konkurrenz spürbar. Hier haben steirische Anbieter versucht, mit Qualitäts- und Serviceargumenten gegen die schiere Grösse der Tiroler zu bestehen.
Die steirische Holzindustrie beschäftigt laut proHolz Steiermark rund 55.000 Menschen und erwirtschaftet einen Produktionswert von etwa 4,5 Milliarden Euro pro Jahr. Sägewerke, Holzwerkstoffe, Papier und Karton sowie Möbel- und Bauelemente-Hersteller zählen zusammen zu einem der wichtigsten Wertschöpfungsketten des Landes.
Die Gesellschafterfamilie
Binderholz ist nach wie vor ein Familienunternehmen. Reinhard Binder führt das Unternehmen in zweiter Generation, die dritte Generation ist bereits operativ eingebunden. Im Gegensatz zu börsennotierten Konkurrenten wie Stora Enso (Helsinki/Stockholm) oder Holmen (Stockholm) veröffentlicht Binderholz keine Quartalszahlen und kommuniziert sparsam über die eigene Strategie. Das gilt auch für den Kaufpreis der BSW-Transaktion, der nicht offiziell bestätigt wurde.
Branchenexperten schätzen den BSW-Kaufpreis auf deutlich über eine Milliarde Euro. Finanziert wurde der Deal laut Branchenmedien durch eine Kombination aus Eigenkapital und Bankkrediten - eine Grössenordnung, die in der österreichischen Holzbranche historisch einmalig ist.
Der Konzern berichtet über Gruppenumsatz und Mitarbeiterzahlen auf der eigenen Website, publiziert aber keine aufgeschlüsselten Geschäftsberichte. Die genannten Werte basieren auf Unternehmensangaben aus den Jahren 2022 und 2023; aktuellere Geschäftszahlen sind nicht öffentlich zugänglich. Brancheneinschätzungen und Medienberichte stammen aus dem Holzkurier und Forstpraxis.
Ausblick auf die nächste Wachstumsphase
Binderholz hat seine BSW-Tochter im September 2022 selbst weiter wachsen lassen: Die britische Gruppe übernahm die Scott Group, einen britischen Spezialisten für Paletten und Industrieverpackungen. Damit setzt sich die Strategie des Konzerns fort, Holz-Wertschöpfungsketten vertikal zu bündeln - vom Sägewerk über das Hobelwerk bis zum Endprodukt.
Für die steirische Holzwirtschaft bedeutet diese Entwicklung: Der internationale Wettbewerbsdruck steigt weiter, insbesondere bei standardisierten Baumarkt- und Industrieholz-Produkten. Steirische Anbieter reagieren mit Investitionen in Brettsperrholz, Holzfassaden-Systeme und engineering-intensive Produkte, bei denen technisches Know-how und Projektbegleitung stärker zählen als reine Stückkosten.