Zum Inhalt springen
Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
Unternehmen

Frauenthal - vom Automotive-Zulieferer zum Handelskonzern mit Grazer Standorten

Frauenthal - vom Automotive-Zulieferer zum Handelskonzern mit Grazer Standorten

Am 23. Dezember 2025 beendete die börsennotierte Frauenthal Holding ein Kapitel ihrer Unternehmensgeschichte: An diesem Tag verkaufte der Wiener Konzern seine Automotive-Sparte an die Münchner SteelCo GmbH. Was bleibt, ist ein reiner Handelskonzern - mit starkem Rückgrat in der Steiermark. Die Grazer Standorte der Marken SHT, ÖAG und Kontinentale gehören zu den wichtigsten Stützen des neu fokussierten Unternehmens, das 2024 rund 807 Millionen Euro Umsatz allein im Handel erwirtschaftete.

Das Wichtigste in Kürze
  • Frauenthal Holding AG (Wien, börsennotiert) verkaufte am 23. Dezember 2025 seine Automotive-Division an die Münchner SteelCo GmbH (RCP Group)
  • Der Konzern konzentriert sich nun auf die Handels-Sparte (Frauenthal Handel Gruppe) und die Immobilien-Sparte
  • Frauenthal Handel umfasst die Großhandelsmarken SHT (Sanitär und Heizung), ÖAG (Sanitär, Heizung, Installation) und Kontinentale (Rohre und Tiefbau) sowie den Online-Elektrogroßhandel Elektromaterial.at
  • Drei Grazer Standorte: SHT Steiermark (Wetzelsdorfer Straße 84), ÖAG Graz (Raiffeisenstraße 51), Kontinentale Graz (Raiffeisenstraße 47)
  • Handels-Umsatz 2024: rund 807 Mio. Euro; 2025 erwartet: ca. 790 Mio. Euro
  • Der Konzernverlust 2025 wird auf 35 bis 40 Millionen Euro geschätzt, bedingt durch Abschreibungen auf die verkaufte Automotive-Sparte

Der Automotive-Exit: 42 Millionen Euro Verlust, aber schlankere Struktur

Die Frauenthal Automotive-Division war bis Ende 2025 das industrielle Herzstück des Konzerns. Sie produzierte Press- und Schweisskomponenten aus Metall (unter dem Markennamen Frauenthal Gnotec) sowie Druckluftbehälter für LKW-Bremssysteme (Frauenthal Airtank). Sechs europäische Standorte plus Produktionsstätten in China und den USA gehörten dazu; entgegen anders lautender Marktinformationen lag nach den verfügbaren Dokumenten kein eigenes Frauenthal-Automotive-Werk in der Steiermark.

Im Geschäftsjahr 2024 steuerte die Automotive-Sparte noch 207,3 Millionen Euro zum Konzernumsatz bei, im ersten Halbjahr 2025 waren es nur noch 110,6 Millionen Euro - ein spürbarer Einbruch angesichts der Flaute in der europäischen Nutzfahrzeugindustrie. Die Verkaufs-Transaktion an die SteelCo GmbH brachte dem Konzern einen einmaligen Verlust von rund 42 Millionen Euro aus der Entkonsolidierung, wie die Industriemagazin-Analyse ausweist.

Positiv an der Transaktion: Die Eigenkapitalquote der Frauenthal Holding verbessert sich um zwei bis drei Prozentpunkte, weil eine risikobehaftete, kapitalintensive Division aus der Konzernbilanz verschwindet. Die verbleibenden Sparten Handel und Immobilien sind deutlich stabiler, weil sie nicht den konjunkturellen Schwankungen der Automobilindustrie unterliegen.

Die Handels-Sparte: drei Marken, drei Grazer Standorte

Das steirische Standbein der Frauenthal Holding ist heute der Handel. Die Frauenthal Handel Gruppe bündelt vier Marken unter einem Dach: SHT Haustechnik GmbH, Frauenthal Handel GmbH (unter der Marke ÖAG geführt), Kontinentale sowie Elektromaterial.at für den Online-Elektrogroßhandel.

In Graz ist diese Handels-Sparte an drei Adressen präsent:

  • SHT Steiermark: Wetzelsdorfer Straße 84, 8052 Graz - Hauptstandort für den Großhandel mit Sanitär, Heizungs- und Installationstechnik
  • ÖAG Graz: Raiffeisenstraße 51, 8010 Graz - zweite Vertriebsschiene mit Fokus auf Installation und Haustechnik
  • Kontinentale Graz: Raiffeisenstraße 47, 8010 Graz - Spezialist für Rohre und Tiefbau-Komponenten

Für die rund 7.000 steirischen Installateurbetriebe und Bauunternehmen sind diese Standorte die zentralen Bezugsquellen für Produkte vom Gewebeschlauch über die Pelletsheizung bis zum Kanalrohr. Der Handel ist kein Endkunden-Geschäft - die Marken liefern ausschließlich an das Installations- und Baugewerbe.

Frauenthal Holding im Überblick (Stand 2025)Wert
RechtsformAG, börsennotiert an der Wiener Börse
KonzernsitzWien
Aktuelle DivisionenFrauenthal Handel, Frauenthal Immobilien
Umsatz Handel 2024rund 807 Mio. Euro
Umsatz Handel 2025 (erwartet)ca. 790 Mio. Euro
EBIT Handel 2025 (erwartet)12 bis 14 Mio. Euro (2024: 6,5 Mio.)
Konzernergebnis 2025 (erwartet)-35 bis -40 Mio. Euro
Marken der Handels-SparteSHT, ÖAG, Kontinentale, Elektromaterial.at
Grazer Standorte3 (Wetzelsdorfer Straße, zwei in der Raiffeisenstraße)

Neue Führungsmannschaft für die Handelsgruppe

Im Herbst 2025 wurde die Führung der Frauenthal Handel Gruppe neu aufgestellt. Florian Bouchal wurde als CSO (Chief Sales Officer) in den Vorstand berufen und verantwortet die Sparte Heiztechnik. Gemeinsam mit CEO Erika Hochrieser und COO Robert Just bildet er ein dreiköpfiges Vorstands-Team.

Die strategische Logik hinter der Aufstellung ist laut Konzernangaben einfach: Der Großhandel für Sanitär und Heizung steht vor einem Strukturwandel. Wärmepumpen ersetzen Gasheizungen, Photovoltaik mit Stromspeicher wird zum Haustechnik-Thema, die EU-Renovierungsrichtlinie treibt Modernisierungen im Gebäudebestand. Wer in diesem Markt wachsen will, braucht breit aufgestellte Sortimente und digitale Vertriebsstrukturen - genau das baut die Frauenthal Handel Gruppe aus.

Die gedämpfte Marktlage 2025

Trotz der strategischen Ausrichtung war 2025 kein einfaches Jahr für den Installateur- und Haustechnik-Großhandel. Der Konzern sprach in seinen Aussendungen von einer „nachhaltig angespannten Marktlage". Neubauten sind in Österreich 2024 und 2025 deutlich zurückgegangen, die hohen Kreditzinsen bremsen private Bauvorhaben, und Förderungen für Heizungstausch waren teils uneinheitlich.

Ein Blick auf die prognostizierte Entwicklung zeigt aber auch die Robustheit des Geschäftsmodells: Während der Umsatz auf rund 790 Millionen Euro zurückgeht, steigt das operative Ergebnis (EBIT) laut Konzernprognose von 6,5 auf 12 bis 14 Millionen Euro. Grund sind Effizienzmaßnahmen und Portfolio-Bereinigungen in den Marken.

Gut zu wissen:
Für steirische Installateur- und Haustechnikbetriebe sind SHT, ÖAG und Kontinentale zentrale Lieferanten - aber nicht die einzigen. Konkurrierende Großhandelsketten im Markt sind u.a. Holter (OÖ), Saint-Gobain Isover (für Dämmstoffe) und Würth für Kleinteile und Befestigungen. Für den Elektrogroßhandel ist Rexel Austria der Hauptwettbewerber von Elektromaterial.at.

Die Immobilien-Sparte als stiller Beitragszahler

Neben dem Handel betreibt die Frauenthal Holding eine Immobilien-Division. Sie verwaltet die Liegenschaften und Logistikhallen, auf denen die Handelsstandorte angesiedelt sind - mehrheitlich in Eigentum. Die stillen Reserven dieser Immobilien-Sparte dürften nicht unerheblich sein, werden aber vom Konzern nicht im Detail ausgewiesen.

Für die Aktionärsstruktur der Frauenthal Holding bedeutet die neue Aufstellung: Aus einem Konzern mit unübersichtlichem Mischgeschäft wird ein klar profilierter Handels- und Immobilien-Konzern. Laut offizieller Mitteilung zur Automotive-Veräußerung verfolgt der Konzern das Ziel, mit reduzierter Komplexität die Finanzstabilität zu erhöhen.

Wichtige Einschränkung:
Die im Text genannten Zahlen für 2025 beruhen auf vorläufigen Prognosen des Konzerns (Stand: März 2026). Das testierte Geschäftsergebnis 2025 wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 vorgelegt. Bei börsennotierten Unternehmen können zwischen Prognose und endgültigem Ergebnis Abweichungen auftreten.

Historische Verbindung zur Steiermark

Die Frauenthal-Gruppe ist mit dem Handelsgeschäft schon seit Jahrzehnten in Graz präsent. SHT - ursprünglich 1954 als „Sanitär- und Heizungstechnik" gegründet - wurde 2007 von der Frauenthal Holding übernommen und seitdem zur Dachmarke ausgebaut. ÖAG (Österreichische Armaturen-Aktiengesellschaft) hat Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert und war lange Zeit ein unabhängiger Grazer Mitbewerber, bevor er in die Frauenthal-Gruppe einging. Die Konsolidierung des Haustechnik-Großhandels unter dem Dach der Frauenthal Holding ist damit auch ein Stück steirische Wirtschaftsgeschichte.

Weiterführende Informationen zum aktuellen Portfolio der Handels-Sparte finden Interessierte bei der Frauenthal Handel Gruppe.

Ausblick: Mit dem Automotive-Exit ist Frauenthal klar positioniert: kein Industrie-Konzern mehr, sondern ein Haustechnik-Spezialist mit Immobilien-Beimischung. Der Erfolg hängt davon ab, wie schnell die EU-Energiewende im Gebäudesektor tatsächlich Fahrt aufnimmt - denn davon leben SHT, ÖAG und Kontinentale. In den Grazer Filialen wird sich zeigen, ob die Transformation gelingt.

Quellen