Am 23. Dezember 2025 beendete die börsennotierte Frauenthal Holding ein Kapitel ihrer Unternehmensgeschichte: An diesem Tag verkaufte der Wiener Konzern seine Automotive-Sparte an die Münchner SteelCo GmbH. Was bleibt, ist ein reiner Handelskonzern - mit starkem Rückgrat in der Steiermark. Die Grazer Standorte der Marken SHT, ÖAG und Kontinentale gehören zu den wichtigsten Stützen des neu fokussierten Unternehmens, das 2024 rund 807 Millionen Euro Umsatz allein im Handel erwirtschaftete.
- Frauenthal Holding AG (Wien, börsennotiert) verkaufte am 23. Dezember 2025 seine Automotive-Division an die Münchner SteelCo GmbH (RCP Group)
- Der Konzern konzentriert sich nun auf die Handels-Sparte (Frauenthal Handel Gruppe) und die Immobilien-Sparte
- Frauenthal Handel umfasst die Großhandelsmarken SHT (Sanitär und Heizung), ÖAG (Sanitär, Heizung, Installation) und Kontinentale (Rohre und Tiefbau) sowie den Online-Elektrogroßhandel Elektromaterial.at
- Drei Grazer Standorte: SHT Steiermark (Wetzelsdorfer Straße 84), ÖAG Graz (Raiffeisenstraße 51), Kontinentale Graz (Raiffeisenstraße 47)
- Handels-Umsatz 2024: rund 807 Mio. Euro; 2025 erwartet: ca. 790 Mio. Euro
- Der Konzernverlust 2025 wird auf 35 bis 40 Millionen Euro geschätzt, bedingt durch Abschreibungen auf die verkaufte Automotive-Sparte
Der Automotive-Exit: 42 Millionen Euro Verlust, aber schlankere Struktur
Die Frauenthal Automotive-Division war bis Ende 2025 das industrielle Herzstück des Konzerns. Sie produzierte Press- und Schweisskomponenten aus Metall (unter dem Markennamen Frauenthal Gnotec) sowie Druckluftbehälter für LKW-Bremssysteme (Frauenthal Airtank). Sechs europäische Standorte plus Produktionsstätten in China und den USA gehörten dazu; entgegen anders lautender Marktinformationen lag nach den verfügbaren Dokumenten kein eigenes Frauenthal-Automotive-Werk in der Steiermark.
Im Geschäftsjahr 2024 steuerte die Automotive-Sparte noch 207,3 Millionen Euro zum Konzernumsatz bei, im ersten Halbjahr 2025 waren es nur noch 110,6 Millionen Euro - ein spürbarer Einbruch angesichts der Flaute in der europäischen Nutzfahrzeugindustrie. Die Verkaufs-Transaktion an die SteelCo GmbH brachte dem Konzern einen einmaligen Verlust von rund 42 Millionen Euro aus der Entkonsolidierung, wie die Industriemagazin-Analyse ausweist.
Positiv an der Transaktion: Die Eigenkapitalquote der Frauenthal Holding verbessert sich um zwei bis drei Prozentpunkte, weil eine risikobehaftete, kapitalintensive Division aus der Konzernbilanz verschwindet. Die verbleibenden Sparten Handel und Immobilien sind deutlich stabiler, weil sie nicht den konjunkturellen Schwankungen der Automobilindustrie unterliegen.
Die Handels-Sparte: drei Marken, drei Grazer Standorte
Das steirische Standbein der Frauenthal Holding ist heute der Handel. Die Frauenthal Handel Gruppe bündelt vier Marken unter einem Dach: SHT Haustechnik GmbH, Frauenthal Handel GmbH (unter der Marke ÖAG geführt), Kontinentale sowie Elektromaterial.at für den Online-Elektrogroßhandel.
In Graz ist diese Handels-Sparte an drei Adressen präsent:
- SHT Steiermark: Wetzelsdorfer Straße 84, 8052 Graz - Hauptstandort für den Großhandel mit Sanitär, Heizungs- und Installationstechnik
- ÖAG Graz: Raiffeisenstraße 51, 8010 Graz - zweite Vertriebsschiene mit Fokus auf Installation und Haustechnik
- Kontinentale Graz: Raiffeisenstraße 47, 8010 Graz - Spezialist für Rohre und Tiefbau-Komponenten
Für die rund 7.000 steirischen Installateurbetriebe und Bauunternehmen sind diese Standorte die zentralen Bezugsquellen für Produkte vom Gewebeschlauch über die Pelletsheizung bis zum Kanalrohr. Der Handel ist kein Endkunden-Geschäft - die Marken liefern ausschließlich an das Installations- und Baugewerbe.
| Frauenthal Holding im Überblick (Stand 2025) | Wert |
|---|---|
| Rechtsform | AG, börsennotiert an der Wiener Börse |
| Konzernsitz | Wien |
| Aktuelle Divisionen | Frauenthal Handel, Frauenthal Immobilien |
| Umsatz Handel 2024 | rund 807 Mio. Euro |
| Umsatz Handel 2025 (erwartet) | ca. 790 Mio. Euro |
| EBIT Handel 2025 (erwartet) | 12 bis 14 Mio. Euro (2024: 6,5 Mio.) |
| Konzernergebnis 2025 (erwartet) | -35 bis -40 Mio. Euro |
| Marken der Handels-Sparte | SHT, ÖAG, Kontinentale, Elektromaterial.at |
| Grazer Standorte | 3 (Wetzelsdorfer Straße, zwei in der Raiffeisenstraße) |
Neue Führungsmannschaft für die Handelsgruppe
Im Herbst 2025 wurde die Führung der Frauenthal Handel Gruppe neu aufgestellt. Florian Bouchal wurde als CSO (Chief Sales Officer) in den Vorstand berufen und verantwortet die Sparte Heiztechnik. Gemeinsam mit CEO Erika Hochrieser und COO Robert Just bildet er ein dreiköpfiges Vorstands-Team.
Die strategische Logik hinter der Aufstellung ist laut Konzernangaben einfach: Der Großhandel für Sanitär und Heizung steht vor einem Strukturwandel. Wärmepumpen ersetzen Gasheizungen, Photovoltaik mit Stromspeicher wird zum Haustechnik-Thema, die EU-Renovierungsrichtlinie treibt Modernisierungen im Gebäudebestand. Wer in diesem Markt wachsen will, braucht breit aufgestellte Sortimente und digitale Vertriebsstrukturen - genau das baut die Frauenthal Handel Gruppe aus.
Die gedämpfte Marktlage 2025
Trotz der strategischen Ausrichtung war 2025 kein einfaches Jahr für den Installateur- und Haustechnik-Großhandel. Der Konzern sprach in seinen Aussendungen von einer „nachhaltig angespannten Marktlage". Neubauten sind in Österreich 2024 und 2025 deutlich zurückgegangen, die hohen Kreditzinsen bremsen private Bauvorhaben, und Förderungen für Heizungstausch waren teils uneinheitlich.
Ein Blick auf die prognostizierte Entwicklung zeigt aber auch die Robustheit des Geschäftsmodells: Während der Umsatz auf rund 790 Millionen Euro zurückgeht, steigt das operative Ergebnis (EBIT) laut Konzernprognose von 6,5 auf 12 bis 14 Millionen Euro. Grund sind Effizienzmaßnahmen und Portfolio-Bereinigungen in den Marken.
Für steirische Installateur- und Haustechnikbetriebe sind SHT, ÖAG und Kontinentale zentrale Lieferanten - aber nicht die einzigen. Konkurrierende Großhandelsketten im Markt sind u.a. Holter (OÖ), Saint-Gobain Isover (für Dämmstoffe) und Würth für Kleinteile und Befestigungen. Für den Elektrogroßhandel ist Rexel Austria der Hauptwettbewerber von Elektromaterial.at.
Die Immobilien-Sparte als stiller Beitragszahler
Neben dem Handel betreibt die Frauenthal Holding eine Immobilien-Division. Sie verwaltet die Liegenschaften und Logistikhallen, auf denen die Handelsstandorte angesiedelt sind - mehrheitlich in Eigentum. Die stillen Reserven dieser Immobilien-Sparte dürften nicht unerheblich sein, werden aber vom Konzern nicht im Detail ausgewiesen.
Für die Aktionärsstruktur der Frauenthal Holding bedeutet die neue Aufstellung: Aus einem Konzern mit unübersichtlichem Mischgeschäft wird ein klar profilierter Handels- und Immobilien-Konzern. Laut offizieller Mitteilung zur Automotive-Veräußerung verfolgt der Konzern das Ziel, mit reduzierter Komplexität die Finanzstabilität zu erhöhen.
Die im Text genannten Zahlen für 2025 beruhen auf vorläufigen Prognosen des Konzerns (Stand: März 2026). Das testierte Geschäftsergebnis 2025 wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 vorgelegt. Bei börsennotierten Unternehmen können zwischen Prognose und endgültigem Ergebnis Abweichungen auftreten.
Historische Verbindung zur Steiermark
Die Frauenthal-Gruppe ist mit dem Handelsgeschäft schon seit Jahrzehnten in Graz präsent. SHT - ursprünglich 1954 als „Sanitär- und Heizungstechnik" gegründet - wurde 2007 von der Frauenthal Holding übernommen und seitdem zur Dachmarke ausgebaut. ÖAG (Österreichische Armaturen-Aktiengesellschaft) hat Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert und war lange Zeit ein unabhängiger Grazer Mitbewerber, bevor er in die Frauenthal-Gruppe einging. Die Konsolidierung des Haustechnik-Großhandels unter dem Dach der Frauenthal Holding ist damit auch ein Stück steirische Wirtschaftsgeschichte.
Weiterführende Informationen zum aktuellen Portfolio der Handels-Sparte finden Interessierte bei der Frauenthal Handel Gruppe.
Quellen
- Frauenthal Holding: Pressemitteilung zur Veräußerung der Automotive-Division (Dezember 2025)
- Industriemagazin: Frauenthal - Verkauf der Automotive-Sparte bringt bitteres Minus
- HLK: Veränderung beim Großhändler-Verbund - Frauenthal Handel Gruppe strukturiert um
- i-Magazin: Frauenthal Handel Gruppe im Herbst 2025