164 Millionen US-Dollar: Für diesen Betrag verkaufte Herbert Gartner im Jahr 2011 das Grazer Halbleiter-Startup SensorDynamics an den Nasdaq-Konzern Maxim Integrated. Der Deal gilt bis heute als größter Halbleiter-Exit in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte und machte den Oberösterreicher mit Wahlheimat Graz zum prominentesten Deep-Tech-Investor des Landes.
- Herbert Gartner verkaufte 2011 das von ihm mitgegründete Unternehmen SensorDynamics für 164 Millionen US-Dollar - größter Halbleiter-Exit in Österreichs Geschichte
- Seit 2012 Gründer und Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft eQventure in Graz, gemeinsam mit Franz Salomon und Christian Klemm
- eQventure ist kein klassischer Fonds, sondern ein Investment Club mit rund 60 Angel-Investoren, 15 aktiven Investments und drei dokumentierten Exits
- Mitgründer und Chairman des Grazer MEMS-Lautsprecher-Startups USound, das auf den Unicorn-Status zusteuert
- 2017 im selben Jahr als Business Angel des Jahres vom Austrian Business Angel Day und von der aaia ausgezeichnet
- Herkunft
- Oberösterreich
- Wohnort
- Graz
- Ausbildung
- Master an der Technischen Universität Graz
- Stationen
- Mitgründer und CFO/CEO SensorDynamics (2002-2011), Gründer und Geschäftsführer eQventure (seit 2012/2014), Mitgründer und Chairman USound (seit 2014)
- Aktuell
- Managing Director und Senior Partner eQventure
SensorDynamics - vom steirischen Spin-off zum größten Halbleiter-Exit Österreichs
Herbert Gartner gründete SensorDynamics im Jahr 2002 gemeinsam mit einem Team aus Technikern und Finanzierungspartnern. Das Unternehmen entwickelte Bewegungssensoren auf Basis der MEMS-Halbleitertechnik. Standort war Lebring-Sankt Margarethen in der Südsteiermark - eine Gegend, die bis dahin nicht als Halbleiter-Hotspot galt.
Die Technologie traf den richtigen Nerv: Smartphones wurden in den späten 2000er-Jahren zur Leitindustrie, und die SensorDynamics-Chips setzten sich als Standard für Bewegungs- und Lageerkennung in mobilen Geräten durch. Bis zum Exit warb das Unternehmen insgesamt 36,8 Millionen US-Dollar an Wagniskapital ein.
Im Jahr 2011 kaufte der Nasdaq-notierte Halbleiterkonzern Maxim Integrated (heute Teil von Analog Devices) SensorDynamics für 164 Millionen US-Dollar. Zum Zeitpunkt der Transaktion war Gartner in der Doppelrolle als CFO und CEO tätig. Der Deal war damit nicht nur der größte Halbleiter-Exit Österreichs, sondern auch eine der größten Tech-Übernahmen in der steirischen Wirtschaftsgeschichte.
Nach dem Verkauf blieb Gartner für eine begrenzte Zeit beim Käufer, bevor er sich neu orientierte. "Ich bin seither Fulltime-Business-Angel", beschreibt er seine Rolle in einem Interview mit dem Brutkasten.
Vom Gründer zum Investor
Die Exit-Erlöse investierte Gartner zunächst einzeln in junge Technologieunternehmen. Schnell zeigte sich jedoch ein strukturelles Problem der österreichischen Angel-Szene: Bei größeren Finanzierungsrunden mussten mehrere Business Angels koordiniert werden, was die Entscheidungsfindung in den Portfolio-Firmen bremste.
Ab 2012 begann Gartner deshalb, gemeinsam mit anderen erfolgreichen Unternehmern Investments über Treuhandgesellschaften zu bündeln. Zu diesen Partnern zählten Franz Salomon und Christian Klemm. Zwei Jahre später wurde die Struktur als eQventure GmbH mit Sitz in Graz formal etabliert.
Seither arbeitet Gartner als Managing Director und Senior Partner an der Spitze dessen, was zur wichtigsten Deep-Tech-Finanzierungsstelle der Steiermark geworden ist.
eQventure - kein Fonds, sondern Investment Club
Die Abgrenzung zum klassischen VC ist ein zentrales Thema für Gartner. Im Interview mit Trending Topics beschreibt er das Modell so: "Wir sind kein Fonds, sondern ein Investment Club für erfolgreiche Unternehmer und Angel Investoren, die Deal-by-Deal ihre Entscheidungen treffen."
Das Netzwerk umfasst rund 60 qualifizierte Angel-Investoren. Sie entscheiden einzeln pro Investment, ob sie Kapital einbringen. Das unterscheidet eQventure von klassischen Venture-Capital-Fonds, bei denen Fondsmanager ein vordefiniertes Kapital über Jahre investieren. Die typischen Ticketgrößen bewegen sich zwischen 200.000 und fünf Millionen Euro pro Einzelinvestition.
Seit der Gründung hat eQventure 15 Investments getätigt. Der Fokus liegt auf Deep-Tech, B2B-Software und SaaS, mit geografischem Schwerpunkt Österreich und DACH-Raum.
| Portfolio-Unternehmen (Auswahl) | Branche | Status |
|---|---|---|
| USound (Graz) | MEMS-Audio | aktiv, Unicorn-Kandidat |
| eyeson (Graz) | Enterprise-Video | aktiv, Seed 2018 |
| SteadySense | MedTech | aktiv, Follow-on |
| Respory | Enterprise | aktiv, First-Time 2024 |
| Finmatics | FinTech | Exit durch Übernahme |
| App Radar | SaaS | Exit durch Übernahme |
| meo ENERGY | Energy | Exit durch Übernahme |
Drei dokumentierte Exits kann eQventure bisher verbuchen: das Fintech-Unternehmen Finmatics, den App-Store-Optimierer App Radar und das Energy-Startup meo ENERGY. Alle drei wurden von größeren Akteuren übernommen.
Gartner führt das Modell des Investment Clubs auf konkrete Governance-Probleme bei klassischen Angel-Runden zurück. "Wenn zehn Business Angels an ein Startup andocken und dann in unnötigen Diskussionen untereinander landen, dann ist das Gift für das Startup", sagte er gegenüber dem Brutkasten. Bei eQventure wird deshalb zentral geführt: Gartner und seine Partner übernehmen die Kommunikation zwischen Investoren und Gründerteams.
USound - das zweite Kapitel in Graz
Ein besonderer Teil des eQventure-Portfolios ist das Grazer Startup USound. Die Gründer - zuvor bei SensorDynamics beschäftigt - entwickeln MEMS-Lautsprecher, die weniger Platz und Energie als konventionelle Audio-Chips benötigen. Ende 2016 führte eQventure eine Finanzierungsrunde über zwölf Millionen Euro durch. Später folgte eine Follow-on-Investition in Höhe von 20 Millionen US-Dollar.
Gartner ist bei USound nicht nur Investor, sondern Mitgründer und Chairman. Das Unternehmen unterhält mittlerweile Büros in Graz, Wien, San Francisco und Shenzhen und gilt als einer der aussichtsreichsten Unicorn-Kandidaten Österreichs.
Thesen zur österreichischen Startup-Szene
Trotz seiner tendenziell zurückhaltenden Haltung gegenüber Medien äußert sich Gartner in Interviews dezidiert zur Lage der österreichischen Tech-Branche. Seine zentrale These: Österreich fehle eine technische Eliteuniversität. "Uns fehlt eine technische Eliteuniversität, wie sie die Schweiz mit der ETH Zürich hat", sagte er gegenüber Trending Topics. Eine solche Institution würde Innovation fördern und Deep-Tech-Investoren anziehen.
Ebenfalls klar ist Gartners Position zu staatlichen Fördermitteln. Statt direkter Subventionen plädiert er für steuerliche Anreize für Privatinvestoren. Der Markt dürfe "durch öffentliche Gelder nicht zu stark verzerrt werden". Hinter dieser Haltung steht die Beobachtung, dass stark geförderte Gründerteams sich auf die Zielgruppe Fördergeber statt auf die Kunden ausrichten können.
Zur eigenen Kommunikation sagt Gartner, er sei bewusst zurückhaltend mit Medienauftritten, weil Deep-Tech-B2B-Projekte im Gegensatz zu B2C-Startups weniger Publicity brauchten. Die Kunden seien industrielle Abnehmer, die über Messen, Kongresse und direkte Vertriebskontakte erreicht würden - nicht über Publikumsmedien.
Doppelte Anerkennung 2017
Für die österreichische Startup-Szene wurde 2017 zum Anerkennungsjahr für Gartner. Im selben Jahr wurde er sowohl von der austrian angel investors association (aaia) als auch im Rahmen des Austrian Business Angel Day in Linz zum Business Angel des Jahres gewählt. Eine Doppelauszeichnung dieser Art war in der heimischen Angel-Investing-Szene bis dahin ungewöhnlich.
Aktueller Stand
Stand April 2026 ist Gartner weiterhin an der Spitze von eQventure aktiv. In den Jahren 2024 und 2025 führte die Gesellschaft insgesamt fünf neue Investmentrunden durch, darunter die First-Time-Beteiligung an Respory und eine Follow-On-Finanzierung für SteadySense. Bei USound bleibt Gartner Chairman; das Unternehmen arbeitet weiterhin am Schritt zum Unicorn-Status.
Im steirischen Deep-Tech-Ökosystem ist sein Netzwerk dabei so zentral geworden, dass kaum eine größere Finanzierungsrunde ohne Berührungspunkt mit eQventure auskommt. Das gilt besonders für Spin-offs der TU Graz und Projekte aus dem Umfeld des Science Park Graz.