Die Technische Universität Graz belegt laut Spin-off Austria Platz eins unter Österreichs Universitäten bei Unternehmensgründungen. Allein zwischen 2018 und 2021 entstanden 34 Spin-offs mit direktem TU-Graz-Bezug. Die Spannbreite reicht von Sensorik für Landwirtschaft über Satellitenantriebe bis zu kryptographischer Software, die bereits Millionen Nutzer bei Sam Altmans World ID absichert.
- Die TU Graz ist laut Spin-off Austria Nummer eins in Österreich bei universitären Unternehmensgründungen
- Zwischen 2018 und 2021 wurden 34 Unternehmen im Umfeld der TU Graz gegründet, die Startup-Map listet Gründungen bis in die 1950er-Jahre zurück
- Prominente Alumni-Spin-offs: USound, smaXtec, EET/SOLMATE, TACEO, Duramea und das Know-Center
- Zwei FFG-Spin-off-Fellowships gingen 2022 an TU-Graz-Teams (DIGICOPRO und ein Brennstoffzellen-Katalysator-Projekt)
- Zentrale Unterstützungsstrukturen: Science Park Graz (Inkubator), Gründungsgarage (Accelerator), Research & Technology House (RTH) und das FFG-Spin-off-Fellowship (bis 500.000 Euro)
Warum die TU Graz führt
Das Ranking als Österreichs gründungsstärkste Universität hat mehrere Ursachen. Erstens ist der Ingenieursfokus der TU Graz anwendungsnah. Fakultäten wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Informatik und Verfahrenstechnik produzieren Forschungsergebnisse mit direkter Industrie-Relevanz. Zweitens existiert mit dem Science Park Graz ein Inkubationspartner, an dem die TU Graz laut eigener Darstellung "primary owner" ist. Drittens bringt die Stadt Graz mit Magna, AVL, Andritz, AT&S, Infineon und einer Vielzahl von kleineren Technologiefirmen ein industrielles Umfeld mit, das Gründer als potenzielle Kunden oder Partner nutzen können.
Die Programme - von der Idee zur Firma
Die TU Graz bietet mehrstufige Unterstützung für Gründungsinteressierte. Einsteiger beginnen bei der Gründungsgarage, einem Academic Accelerator, der gemeinsam von TU Graz, Uni Graz, Med Uni Graz und Raiffeisen Landesbank Steiermark getragen wird. Pro Semester werden zehn Teams aufgenommen, die Workshops, Coaching und Mentoring im Gegenwert von rund 50.000 Euro erhalten.
Weiter geht es mit dem Science Park Graz. Das APLUSB-Inkubationsprogramm dauert zwei bis drei Jahre. Aktuell beherbergt der Inkubator rund 40 Unternehmen plus elf neue Gründungsteams. Finanzielle Ausstattung: sechsstellige Beträge pro Team und Jahr für Personal, Infrastruktur und externe Dienstleistungen.
Für Forschergruppen gibt es das FFG-Spin-off-Fellowship - bis zu 500.000 Euro Fördersumme bei 100 Prozent Förderquote, Laufzeit 18 Monate. Für diesen Zeitraum müssen die Fellows hauptamtlich am Gründungsprojekt arbeiten. Die TU Graz bekam 2022 zwei solcher Fellowships zugesprochen.
Die bekanntesten TU-Graz-Spin-offs
Eine Auswahl von TU-Graz-nahen Ausgründungen, sortiert nach Gründungsjahr:
| Unternehmen | Gründung | Bereich | Status / Meilenstein |
|---|---|---|---|
| Know-Center | 2000 | KI und Data Science | 130+ Mitarbeiter, Kompetenzzentrum |
| smaXtec | 2009 | Tiergesundheits-Sensorik | 300 Mitarbeiter, 50 Mio. Euro Umsatz |
| USound | 2014 | MEMS-Mikrolautsprecher | Unicorn-Kandidat, 70+ Mitarbeiter, 500+ Patente |
| Easelink | 2016 | Matrix Charging für E-Autos | 11,5 Mio. Euro EIC-Förderung (2025), Allianz mit Audi / Nissan / Voyah |
| EET / SOLMATE | 2017 | Balkonkraftwerke mit Speicher | 6,5 Mio. Euro Wachstumskapital, bis zu 1.000 Systeme pro Monat |
| Leftshift One | 2017 | Enterprise-KI / Generative AI | 40 Mitarbeiter Graz/München |
| TACEO | 2022 | Kryptographie / MPC | 5,5 Mio. Dollar Seed mit Andreessen Horowitz (2025) |
| Duramea | 2024 | Brennstoffzellen / Elektrolyseure | Spin-off aus der TU-Graz-Verfahrenstechnik |
Tiefere Einblicke - drei typische Spin-off-Pfade
Der Industriepfad: smaXtec
smaXtec wurde 2009 von Stefan Rosenkranz und Mario Fallast im Umfeld der TU Graz gegründet. Das Produkt: Bolus-Sensoren, die dauerhaft im Pansen von Milchkühen verbleiben und Daten zu Temperatur, Aktivität und Wasseraufnahme liefern. Die SFG begleitete das Unternehmen nach eigenen Angaben über zehn Jahre. 2025 stiegen KKR und Highland Europe als Investoren ein. Heute beschäftigt smaXtec rund 300 Menschen und erwirtschaftet etwa 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Das ist der Industrieweg - aus Hochschulforschung wird über Jahre ein mittelständisches Unternehmen.
Der Deep-Tech-Weltweg: TACEO
TACEO wurde 2022 als Spin-off der TU Graz und des Know-Centers gegründet. Das Team um Professor Christian Rechberger und CEO Lukas Helminger arbeitet an Secure Multiparty Computation (MPC) und Zero-Knowledge-Proofs - hochspezialisierte kryptographische Verfahren, die sichere Kollaboration auf verschlüsselten Daten ermöglichen. Die Technologie kommt bereits in Sam Altmans World ID zum Einsatz und sichert dort die biometrische Authentifizierung von über 14 Millionen Nutzern ab. Im September 2025 sicherte TACEO eine Seed-Runde über 5,5 Millionen US-Dollar - mit Andreessen Horowitz Crypto Startup School (a16z CSX) als Lead-Investor. Ein Kunststück für ein österreichisches Startup.
Der Raumfahrt-Weg: GATE Space
GATE Space entwickelt integrierte chemische Antriebsysteme für Satelliten mit grünen Treibstoffen und patentierter Einspritztechnologie. Das Unternehmen ist ESA-BIC-Austria-Alumnus des Science Park Graz. Ein erster Satellitenstart via SpaceX ist für 2026 geplant. Raumfahrt ist in der Steiermark eine kleine, aber wachsende Nische - gestützt durch die ESA-BIC-Infrastruktur und Zulieferer wie Magna und TTTech.
Das Know-Center wurde 2000 als Spin-off der TU Graz gegründet und ist heute mit über 130 Data Scientists eines der führenden europäischen Kompetenzzentren für Trusted AI und Data Science. Spin-offs des Spin-offs - wie eben TACEO - sind ein Beleg dafür, dass die Kaskade funktioniert: Aus Universitäten entstehen Forschungszentren, aus Forschungszentren entstehen wiederum Unternehmen.
Das Research & Technology House - die TU-interne Anlaufstelle
Innerhalb der TU Graz kümmert sich das Research & Technology House (RTH) um Gründungsinteressierte. Das RTH berät zur Verwertung von IP, klärt Lizenz- und Eigentumsverhältnisse, unterstützt bei Patentanmeldungen und führt in die externen Programme (Gründungsgarage, Science Park Graz, FFG, SFG) ein.
Ein Detail, das viele unterschätzen: Wenn ein Spin-off Technologie nutzt, die an der TU entwickelt wurde, muss das Eigentum oder die Lizenzierung sauber geregelt sein. Sonst folgen später Rechtsstreitigkeiten, die Investoren abschrecken. Das RTH ist dafür der zentrale Ansprechpartner.
Die nächste Generation - welche Projekte gerade gefördert werden
Unter den 2022 geförderten Spin-off-Fellowships der FFG sind aus der TU Graz:
- DIGICOPRO: multisensorisches Monitoring-System für Betonierprozesse auf Baustellen, entwickelt am Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft
- Brennstoffzellen-Katalysator: ein stabileres Katalysatorsystem auf Polyanilin-Basis, entwickelt am Institut für Chemische Verfahrenstechnik und Umwelttechnik - Vorläufer des späteren Duramea-Spin-offs
Ein Spin-off-Fellowship ist selten der Endpunkt. Aus 24 bisher geförderten FFG-Fellowships entstanden österreichweit 15 Spin-offs - eine Überführungsquote von rund 63 Prozent. Für TU-Graz-Projekte liegt der Anteil historisch leicht über diesem Schnitt. Wer ein Fellowship erhält, hat also bessere Chancen als der Durchschnitt der akademischen Gründungsprojekte.
Einordnung: TU Graz im internationalen Vergleich
Im europäischen Vergleich liegt die TU Graz im oberen Drittel, aber nicht an der Spitze. ETH Zürich, TU München und TU Delft liegen in absoluten Zahlen klar voran. Sie verfügen über größere Ressourcen, mehr internationale Fonds-Beteiligungen und einen stärker etablierten Later-Stage-Kapitalmarkt im Umfeld.
Der Abstand zu diesen Spitzenuniversitäten ist im Gründungstempo kleiner geworden - bei der Finanzierung der skalierenden Phase aber nach wie vor spürbar. Dass smaXtec 2025 KKR und Highland Europe gewinnen konnte und TACEO Andreessen Horowitz, sind in dieser Hinsicht wichtige Signale, dass die TU Graz auch für internationale Kapitalpartner ein relevanter Adressatenkreis ist.
Quellen
- TU Graz: Platz 1 bei universitären Unternehmensgründungen
- TU Graz: Start-ups und Spin-offs - offizielle Übersicht
- FFG: Spin-off-Fellowship - Förderinstrument für akademische Gründungen
- TU Graz: Zwei Spin-off-Fellowships 2022 (DIGICOPRO und Brennstoffzellen-Katalysator)
- SFG: TACEO-Seed-Runde über 5,5 Millionen Dollar mit Andreessen Horowitz
- Know-Center: eigene Spin-offs (darunter TACEO)