Rund 1.300 Flexible Kapitalgesellschaften (FlexCo) wurden in Österreich seit der Einführung Anfang 2024 gegründet. In der Steiermark ist die FlexCo neben der klassischen GmbH das favorisierte Rechtskleid für Startups. Wer heute in Graz oder der Steiermark ein innovatives Unternehmen aufbaut, bewegt sich in einem gut ausgebauten Ökosystem aus Förderungen, Inkubatoren und Beratungsstrukturen - die richtige Reihenfolge entscheidet aber über Tempo, Kapital und Verwässerung.
- Seit 1. Jänner 2024 gibt es die Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo) als neue Rechtsform speziell für Startups - Mindeststammkapital 10.000 Euro
- Die Gewerbeanmeldung in der Steiermark ist kostenfrei und kann über das Gründerservice der WKO Steiermark oder online via USP.gv.at erfolgen
- Wichtigster Fördereinstieg: SFG Start!Klar (bis 37.500 Euro) und Start!Klar plus (bis 100.000 Euro) für innovative Gründungen
- Akademische Gründer sollten die Gründungsgarage (kostenlos, 50.000 Euro Beratungswert) oder den Science Park Graz als ersten Kontakt nutzen
- Eine durchdachte Reihenfolge spart Geld: erst Fördermittel, dann Seed-Runde, dann Later-Stage-Kapital
Schritt 1 - Die Idee schärfen, bevor die Rechtsform steht
Vor jeder Rechtsform-Entscheidung steht die Frage, ob die Idee eine tragfähige Basis hat. Gründer mit akademischem Hintergrund starten in der Steiermark idealerweise in einem der drei universitären Programme:
- Gründungsgarage: Academic Startup Accelerator, getragen von Uni Graz, TU Graz, Med Uni Graz sowie Raiffeisen Landesbank Steiermark und BDO. Kostenlos, bietet laut eigenen Angaben über 300 Stunden Coaching und Beratungsleistungen im Gegenwert von 50.000 Euro pro Semester.
- Unicorn Graz: Hub der Uni Graz in der Schubertstraße mit 3.000 Quadratmetern für Ausgründungen.
- Science Park Graz: Inkubator für technologieorientierte Startups, APLUSB-Programm bietet Teilnehmern mehrjährige Begleitung.
Wer ohne Uni-Anbindung kommt, beginnt beim Gründerservice der WKO Steiermark. Die Beratung ist kostenlos und deckt die ersten grundsätzlichen Fragen zu Rechtsform, Gewerberecht und Sozialversicherung ab.
Schritt 2 - Rechtsform wählen: FlexCo oder GmbH
Seit 1. Jänner 2024 gibt es in Österreich die Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo). Sie wurde speziell für Startups entwickelt und übernimmt die Grundstruktur der GmbH, ergänzt sie aber um Elemente aus dem Aktienrecht.
| Merkmal | GmbH | FlexCo |
|---|---|---|
| Mindeststammkapital | 10.000 Euro (bar 5.000 Euro) | 10.000 Euro (bar 5.000 Euro) |
| Mindesteinlage je Gesellschafter | 70 Euro | 1 Euro |
| Anteilsübertragung | Notariatsakt | Privaturkunde möglich (bei Unternehmenswert-Anteilen) |
| Mitarbeiterbeteiligung | aufwendig | "Unternehmenswert-Anteile" als schlanke Lösung |
| Beschlussfassung | eher starr | flexibler, Umlaufbeschlüsse einfacher |
Für wen welche Form sinnvoll ist: Wer von Anfang an Mitarbeiterbeteiligung plant oder mit mehreren Angels arbeiten will, profitiert von der FlexCo. Wer das klassische Drei-Personen-Team mit überschaubarer Investorenstruktur ist, kann bei der GmbH bleiben - die Kostenstrukturen sind vergleichbar.
Ein Notariatsakt ist für die Gründung einer FlexCo oder GmbH nach wie vor nötig. Seit Februar 2018 gibt es aber die vereinfachte Einpersonen-GmbH-Gründung über das Unternehmensserviceportal (USP.gv.at) ohne Notar - allerdings nur, wenn der Gesellschafter natürliche Einzelperson ist und bestimmte Standard-Klauseln akzeptiert.
Schritt 3 - Gewerbeanmeldung
Sobald Rechtsform und Firmenbuch-Eintrag stehen, folgt die Gewerbeanmeldung. Sie erfolgt in der Steiermark über die Bezirksverwaltungsbehörde (in Graz über die Stadt Graz) oder online via USP.gv.at. Die Anmeldung ist kostenfrei. Wichtig: Mit der Anmeldung beginnen automatisch die WKO-Mitgliedschaft und die Sozialversicherungspflicht nach dem GSVG.
Für viele Startup-Tätigkeiten (Softwareentwicklung, Beratung, Handel mit nicht-regulierten Gütern) gelten freie Gewerbe - kein Befähigungsnachweis nötig. Reglementierte Gewerbe (z.B. Finanzdienstleister, Bauträger, Lebensmittelhandel) verlangen einen formalen Nachweis der fachlichen Qualifikation.
Schritt 4 - Finanzierung aufstellen
Die Reihenfolge entscheidet. Wer früh Eigenkapital holt, verwässert unnötig. Die sinnvolle Abfolge in der Steiermark sieht typischerweise so aus:
- Eigene Ersparnisse und Familiy & Friends: für die ersten Monate bis Prototyp.
- SFG-Förderung Start!Klar: bis 37.500 Euro pro Antrag für innovative Mikro- und Kleinbetriebe bis fünf Jahre nach Gründung.
- Pre-Seed-Mittel oder Science Park Graz: bis 300.000 Euro über die neue SFG-Spin-off-Förderung oder Inkubations-Stipendien.
- SFG Start!Klar plus: bis 100.000 Euro (80 Prozent der Kosten) zur Vorbereitung auf die erste Finanzierungsrunde.
- Business Angels oder eQventure: Tickets zwischen 200.000 und 5 Millionen Euro.
- aws Gründungsfonds II oder Corporate VCs: Series-A-Runden ab 1-3 Millionen Euro.
Die Kombination aus SFG-Förderungen und privaten Business Angels deckt laut SFG-Startupmark-Bericht bei rund einem Drittel der steirischen Startups die Frühphase zuverlässig ab.
Schritt 5 - Inkubator oder Accelerator?
Wer keinen universitären Hintergrund hat und keine eigenen Finanzierungskontakte pflegt, profitiert von einem Accelerator- oder Inkubator-Programm. Wichtigste Optionen in der Steiermark:
- Science Park Graz - APLUSB: Inkubation bis zu drei Jahre, Förderung im sechsstelligen Bereich pro Team und Jahr.
- ESA BIC Austria (Science Park Graz): für Raumfahrt-Startups, bis zu 50.000 Euro Einmalfinanzierung.
- ZWT Accelerator: für Life-Science-Gründungen in Kooperation mit der Med Uni Graz, 2.700 Quadratmeter Labor- und Büroflächen.
- Next Incubator (Raiffeisen): Corporate-Inkubator mit Fokus auf Finanz- und Banktechnologie.
Vor der Bewerbung für ein Inkubator-Programm lohnt ein Gespräch mit mindestens zwei bestehenden Portfolio-Unternehmen des jeweiligen Programms. Ehrliche Einschätzungen aus dem Alumni-Netzwerk sind wertvoller als Infofolder. Wenn mehrere Alumni dasselbe Programm nicht weiterempfehlen, ist das ein klares Warnsignal.
Schritt 6 - Steuern, Versicherung, Buchhaltung
Drei formale Verpflichtungen, die oft unterschätzt werden:
- Finanzamt: Innerhalb eines Monats nach Gewerbeanmeldung muss das Finanzamt informiert werden. Steuernummer beantragen, Buchführungspflicht klären (Kleinunternehmerregelung bis 35.000 Euro Umsatz).
- Sozialversicherung: Mit Gewerbeanmeldung automatische Pflichtversicherung nach dem GSVG. Wer neben dem Startup angestellt ist, sollte die Beitragsberechnung mit der SVS klären.
- Buchhaltung: GmbH und FlexCo sind doppelte-Buchführungs-pflichtig. Ein Steuerberater ist ab dem ersten Monat sinnvoll - die Kosten sind kalkulierbar und vermeiden späte Korrekturkosten.
Schritt 7 - Der zweite Schritt: Wachsen ohne Kapitalprobleme
Wer nach 12-18 Monaten ein skalierendes Produkt hat, kommt schnell an den Punkt, an dem die bisherigen Förderungen und Angel-Runden nicht mehr reichen. An dieser Stelle beginnt in der Steiermark die schwierigere Phase.
Realistisch bleiben: Later-Stage-Kapital ab 5 Millionen Euro ist in Österreich knapp. Wer in dieser Phase ist, sollte frühzeitig internationale VC-Kontakte aufbauen - München, Berlin, London, Paris, Amsterdam. Die SFG unterstützt mit dem Programm "Venture-Capital-Co-Investment" bis zu 1,5 Millionen Euro als ergänzende Beteiligung zu einem Lead-VC.
Alle hier genannten Förderbeträge, Schwellenwerte und Mindestkapitalangaben entsprechen dem Stand April 2026. Förderprogramme werden laufend adaptiert, Mindeststammkapital und Rechtsformen können sich ändern. Vor einer Gründung sollte die aktuelle Information direkt bei SFG, WKO Steiermark und einem Steuerberater geprüft werden.
Kontakte für den Start
Drei Anlaufstellen decken den Großteil der Gründungsphase ab:
- WKO Steiermark - Gründerservice: Erstberatung, Rechtsform, Gewerbe
- SFG - Steirische Wirtschaftsförderung: Förderungen, Co-Investment, Startupmark-Events
- Akademischer Hintergrund: Gründungsgarage, Science Park Graz, Unicorn Graz, ZWT Accelerator
Quellen
- WKO: Flexible Kapitalgesellschaft (FlexKapG / FlexCo) - rechtliche Grundlagen
- SFG: Start!Klar plus und Startup-Förderungen 2026
- WKO: Gewerbeanmeldung - Ablauf und Voraussetzungen
- Gründungsgarage Graz: Academic Startup Accelerator
- USP.gv.at: Online-Gewerbeanmeldung und Einheitlicher Ansprechpartner
- Brandauer Rechtsanwälte: FlexCo-Praxisbilanz nach zwei Jahren mit GmbH-Vergleich