Zum Inhalt springen
Donnerstag, 4. Juni 2026 Kontakt
Karriere

IT-Fachkräftemangel in der Steiermark 2026 - Ursachen, Zahlen und Lösungsansätze

IT-Fachkräftemangel in der Steiermark 2026 - Ursachen, Zahlen und Lösungsansätze
Das Wichtigste in Kürze
  • Im Jänner 2026 waren in der Steiermark 49.396 Personen arbeitslos gemeldet - gleichzeitig fehlen IT-Fachkräfte an allen Ecken
  • Laut WKO können IT-Unternehmen in Österreich ihren Fachkräftebedarf nur zu 75 Prozent decken
  • Die Steiermark liegt beim IT-Fachkräftemangel nach Wien und Oberösterreich auf Platz 3
  • Aktuell sind rund 660 IT-Stellen in der Steiermark offen - Tendenz trotz Konjunkturschwäche stabil
  • FH Campus 02, FH Joanneum und TU Graz reagieren mit neuen Ausbildungsformaten auf den Mangel
  • Besonders gefragt: Cloud Computing, Cybersecurity, KI-Integration und Data Engineering

Rund 660 offene IT-Stellen verzeichnet die Steiermark Anfang 2026 auf der Plattform karriere.at - und das in einer Phase, in der der Gesamtarbeitsmarkt unter Druck steht. Während die Arbeitslosigkeit im Land mit 49.396 Vorgemerkten per Jänner 2026 um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist und die Gesamtzahl der offenen Stellen beim AMS Steiermark um 10,2 Prozent auf 9.401 sank, bleibt die Nachfrage nach qualifizierten IT-Fachkräften konstant hoch. Dieser scheinbare Widerspruch zeigt eines der drängendsten strukturellen Probleme des steirischen Arbeitsmarkts.

IT-Fachkräfte gehören zu den meistgesuchten Berufsgruppen Österreichs

IT-Expertinnen und -Experten zählen laut aktuellen Erhebungen zu den Top 4 der gesuchtesten Fachkräfte in Österreich - nach Technik, Gastgewerbe/Tourismus sowie Finanz- und Rechnungswesen. Die Wirtschaftskammer Österreich beziffert den Deckungsgrad im IT-Bereich auf lediglich 75 Prozent: Von vier benötigten Stellen kann also nur eine nicht besetzt werden. Absolut betrachtet fehlen die meisten IT-Fachkräfte in Wien, gefolgt von Oberösterreich und der Steiermark auf Platz 3.

Der Fachverband UBIT der WKO sieht in den hohen Dropout-Quoten an Universitäten im IKT-Bereich eine der Hauptursachen für den Mangel. Trotz steigender Studierendenzahlen an der TU Graz und der FH Joanneum schaffen es zu wenige Absolventinnen und Absolventen tatsächlich auf den Arbeitsmarkt.

Kennzahl Wert (Jänner 2026) Veränderung zum Vorjahr
Arbeitslose Steiermark gesamt 49.396 Personen +3,9 %
Offene Stellen AMS Steiermark 9.401 -10,2 %
Offene IT-Stellen (karriere.at) ca. 660 stabil
Arbeitslosenquote Steiermark 8,5 % +0,6 Prozentpunkte
IT-Deckungsgrad Österreich (WKO) 75 % anhaltend niedrig

Warum der IT-Mangel in der Steiermark besonders spürbar ist

Die Steiermark ist mit dem Automotive Cluster (AC Styria), dem Green Tech Valley und einer wachsenden Softwarebranche rund um Graz stark von Digitalisierung und technologischer Innovation abhängig. Unternehmen wie AVL List, Andritz oder AT&S treiben KI-gestützte Prozesse, Cloud-Transformation und Automatisierung voran - und brauchen dafür qualifiziertes Personal, das auf dem Markt kaum verfügbar ist.

Die demografische Entwicklung verschärft die Lage zusätzlich. Der Anteil der über 50-Jährigen unter den Beschäftigten hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt, während die Zahl der jüngeren Erwerbstätigen sinkt. Bis 2040 wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in der Steiermark weiter zurückgehen. Das bedeutet: Selbst bei gleichbleibendem Bedarf wird die Lücke größer.

Hinzu kommt ein regionaler Aspekt: Während Graz als Universitätsstadt und Technologie-Hub die meisten IT-Fachkräfte anzieht, haben Unternehmen in der Obersteiermark oder der Südoststeiermark noch größere Schwierigkeiten, qualifiziertes IT-Personal zu finden. Die Bereitschaft zum Pendeln oder Umzug ist begrenzt, und Remote-Arbeit wird zwar zunehmend akzeptiert, kann aber den persönlichen Austausch in Entwicklungsteams nicht vollständig ersetzen.

Das AMS Steiermark bestätigt das gemischte Bild: Während im Automotive-Sektor und im Handel die Arbeitslosigkeit zuletzt angestiegen ist, verzeichnen IT-nahe Bereiche und Personalleasingfirmen weiterhin Nachfrage. Jürgen Schrei, Leiter Service für Arbeitskräfte im AMS Steiermark, betont: "Besonders im Segment der Personalleasingfirmen ist die Nachfrage nach Arbeitskräften wieder deutlich gestiegen." Für IT-Fachkräfte bedeutet das zusätzliche Einstiegsmöglichkeiten über Personaldienstleister.

Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Bedeutung von Green Jobs. Allein in der Steiermark sind über 1.500 Stellen in Zukunftsbranchen rund um den Klimaschutz offen. Viele dieser Positionen erfordern IT-Kompetenzen, etwa im Bereich intelligenter Energienetze, Gebäudeautomatisierung oder Umweltdatenanalyse. Das Green Tech Valley in der Südsteiermark bietet hier besonders viele Schnittstellen zwischen Umwelttechnologie und Digitalisierung.

Gut zu wissen:
Laut dem Future of Jobs Report 2025 des Weltwirtschaftsforums müssen weltweit 39 Prozent der heutigen Kompetenzen angepasst werden. Haupttreiber sind Künstliche Intelligenz, Automatisierung und der grüne Wandel. Bis 2030 entstehen global 170 Millionen neue Jobs, während 92 Millionen wegfallen - ein Netto-Zuwachs von 78 Millionen Stellen, viele davon im IT-Bereich.

Welche IT-Profile 2026 besonders gefragt sind

Der IT-Arbeitsmarkt 2026 ist selektiver geworden als in den Boomjahren. Unternehmen suchen nicht mehr pauschal nach IT-Kräften, sondern gezielt nach Spezialistinnen und Spezialisten mit nachweisbarer Praxiserfahrung. Besonders gefragt sind Profile, die technisches Know-how mit Domänenwissen verbinden und KI-gestützte Systeme produktiv in bestehende IT-Landschaften integrieren können.

Im steirischen Raum zeigt sich die Nachfrage vor allem in folgenden Bereichen: Softwareentwicklung mit Fokus auf Modernisierung und Integration, Cloud-Architektur und DevOps, Cybersecurity und Datenschutz, Data Engineering und Business Intelligence sowie KI-Consulting und Automatisierung. Die Einstiegsgehälter für IT-Fachkräfte in der Steiermark liegen bei rund 45.000 bis 55.000 Euro brutto jährlich, erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten erreichen 65.000 Euro und mehr.

Praxis-Tipp für IT-Einsteigerinnen und -Einsteiger:
Wer 2026 in der steirischen IT-Branche Fuß fassen möchte, sollte neben technischem Know-how auch Beratungskompetenz und Domänenwissen mitbringen. Praktika bei steirischen Leitbetrieben wie AVL, Andritz oder in der wachsenden Grazer Startup-Szene erhöhen die Chancen deutlich. Die FH Campus 02 bietet speziell berufsbegleitende IT-Studiengänge wie Business Data Science und Business Software Development an.

Gegenmaßnahmen: Was Steiermark und Wirtschaft tun

Die steirische Wirtschaft und Bildungslandschaft reagieren auf den Mangel mit mehreren Initiativen. Die Industriellenvereinigung Steiermark hat gemeinsam mit der FH Campus 02 einen dualen Lehrgang für Softwareentwicklung entwickelt, bei dem die Ausbildung direkt in Kooperation mit steirischen IT-Unternehmen stattfindet. Ziel ist es, praxisnahe Fachkräfte in kürzerer Zeit auszubilden.

Auch das Land Steiermark setzt auf Berufsorientierung. Bildungs- und Berufsorientierungsmessen (BBO) wie die große S-BIM in Graz oder die Check-your-future-Messen ziehen jährlich tausende Besucherinnen und Besucher an. Zukunftsbranchen wie Green Jobs, für die allein in der Steiermark über 1.500 Stellen offen sind, werden dabei gezielt in den Vordergrund gerückt. Das AMS Steiermark unterstützt mit der neuen Aktion 55+ zudem ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beim Umstieg in digitale Berufsfelder.

Ausbildungseinrichtung IT-relevante Angebote Besonderheit
TU Graz Informatik, Software Engineering, Data Science Forschungsnah, Spin-off-Kultur
FH Joanneum Mobile Software Development, Informationsmanagement 3 Standorte, berufsbegleitend möglich
FH Campus 02 Business Data Science, Business Software Development 100 % berufsbegleitend, wirtschaftsnah
Uni Graz Informatik, Computational Sciences Breites Grundlagenstudium
IV/FH Campus 02 Lehrgang Softwareentwicklung (1-jährig, dual) Direkter Praxisbezug mit Industriepartnern

Auch internationale Rekrutierung wird für steirische Unternehmen zunehmend zum Thema. Andritz rekrutiert bereits weltweit, und auch mittelständische IT-Firmen im Raum Graz setzen verstärkt auf Fachkräfte aus dem Ausland. Die Rot-Weiß-Rot-Karte erleichtert qualifizierten Drittstaatsangehörigen den Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt, wobei IT-Berufe zu den besonders begünstigten Mangelberufen zählen. Die Stadt Graz hat zudem mit Initiativen wie dem Welcome Center eine Anlaufstelle geschaffen, die zugezogenen Fachkräften und deren Familien bei Behördengängen, Wohnungssuche und Integration hilft.

Ausblick: Wie sich der IT-Arbeitsmarkt in der Steiermark entwickeln wird

Der IT-Fachkräftemangel ist kein vorübergehendes Phänomen. Längerfristige Prognosen zeigen, dass die Nachfrage nach IT-Talenten auch über 2026 hinaus hoch bleiben wird. Gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz die Berufsbilder: Routinetätigkeiten werden zunehmend automatisiert, während konzeptionelle, steuernde und beratende Aufgaben an Bedeutung gewinnen. Viele IT-Fachkräfte arbeiten 2026 weniger operativ und deutlich strategischer.

Für die Steiermark bedeutet das: Die Region muss ihre Ausbildungskapazitäten weiter ausbauen, die Dropout-Quoten an den Hochschulen senken und attraktive Rahmenbedingungen für IT-Fachkräfte schaffen. Die Kombination aus starker Industriebasis, lebendiger Hochschullandschaft und wachsender Startup-Szene bietet dafür gute Voraussetzungen - wenn die richtigen Weichen gestellt werden.

Wichtig für Arbeitgeber:
Ab Juni 2026 müssen Unternehmen in der EU gemäß der Entgelttransparenzrichtlinie in Stellenanzeigen ein Durchschnittsgehalt angeben. Für steirische IT-Arbeitgeber bedeutet das: Wer im Wettbewerb um Talente bestehen will, muss nicht nur mit Gehalt, sondern auch mit flexiblen Arbeitsmodellen, Weiterbildungsmöglichkeiten und einer attraktiven Unternehmenskultur punkten.

Quellen