Rund 24.000 Beschäftigte, knapp 2.600 arbeitgebende Betriebe, 6.300 aktive WKO-Mitglieder und ein kommunaler Wirtschaftspark mit 170 Hektar Entwicklungsfläche - so lässt sich der Bezirk Leibnitz in Schlagworten beschreiben. Die Region zwischen Graz und Marburg ist die drittbevölkerungsreichste der Steiermark und eine der wachstumsstärksten: junge Wohnbevölkerung, hohe Neugründungsrate, solide mittelständische Basis. Weinbau prägt das Landschaftsbild, aber längst nicht mehr die Wirtschaftsbilanz alleine. Im WISTA Süd entsteht aktuell der grösste interkommunale Betriebsgebietsverbund der Steiermark.
- Rund 6.300 aktive WKO-Mitglieder, 2.600 Dienstgeber-Betriebe und rund 24.000 Beschäftigte im Bezirk Leibnitz
- 869 Lehrlinge in 373 Ausbildungsbetrieben Ende 2025 - überdurchschnittliche Ausbildungsdichte
- Der WISTA Süd (Leibnitz, Gralla, Wagna) entwickelt rund 170 Hektar Wirtschaftspark - grösste interkommunale Betriebsgebietsentwicklung der Steiermark
- Die Region Südsteiermark zählt zu den bedeutendsten Weinbaugebieten Österreichs mit Winzern wie Polz, Tement, Sattler und dem Landesweingut Silberberg
- Infrastruktur-Pluspunkt: A9-Anschluss Pyhrn und Südbahn schaffen schnelle Verbindung Graz - Maribor
- Nachbarregion Oststeiermark: Frutura in Hartl produziert mit Thermalwärme jährlich bis zu 5.000 Tonnen konventionelle und 1.000 Tonnen Bio-Paradeiser, Paprika und Gurken
Die Eckdaten des Bezirks
Die Bezirksstatistik der WKO Steiermark weist für Leibnitz Ende 2025 rund 6.300 aktive Mitglieder aus, davon knapp 2.600 mit Dienstgeber-Status. Insgesamt beschäftigt die gewerbliche Wirtschaft in der Region rund 24.000 Personen. Der Anteil der Ein-Personen-Unternehmen liegt - wie in der gesamten Steiermark - bei knapp der Hälfte der Mitglieder. Die Lehrlingszahl von 869 Auszubildenden in 373 Ausbildungsbetrieben ist für einen Bezirk dieser Grösse überdurchschnittlich. Details zur regionalen Wirtschaftsstatistik liefert die Bezirksstatistik der WKO Steiermark.
Der Bezirk besteht aus 29 Gemeinden, die Bezirkshauptstadt Leibnitz selbst hat rund 12.500 Einwohner. Regional dominieren kleinere und mittelständische Betriebe. Ein-Personen-Unternehmen machen einen grossen Teil der Mitgliederschaft aus, was mit der agrarwirtschaftlich-winzerischen Prägung zu tun hat - viele kleine Weingüter sind als Einzelunternehmen geführt.
Weinbau als Wirtschaftsfaktor
Die Südsteiermark gehört zu den renommiertesten Weinbaugebieten Österreichs. Sauvignon Blanc, Welschriesling, Morillon und Muskateller dominieren die Produktion, rund 95 Prozent der Produktion sind Weissweine. Das Landesweingut Silberberg am Seggauberg ist eines der zentralen Ausbildungs- und Versuchsgüter der heimischen Weinwirtschaft. Familienbetriebe wie Polz (Spielfeld), Tement (Berghausen), Sattler, Sabathi und Skoff haben die moderne Südsteiermark als Qualitätsregion über die letzten 30 Jahre international positioniert.
Das Weingut Tement bewirtschaftet allein rund 80 Hektar in der Südsteiermark und zusätzlich 20 Hektar in Slowenien, seit 2018 vollständig biologisch zertifiziert. Das Weingut Polz produziert seit 1912 in Straß in Steiermark und gehört zu den führenden Sauvignon-Blanc-Erzeugern Mitteleuropas.
Im wirtschaftlichen Gesamtbild ist die regional erfasste Wertschöpfung aus dem Weinbau nicht gering, aber im Vergleich zur Industrie und zum verarbeitenden Gewerbe bleibt sie sekundär. Die touristische Wirkung ist allerdings beträchtlich: Weinstrassen, Buschenschanken und Winzerhöfe bilden das Rückgrat des Tourismus in der sogenannten "steirischen Toskana", der das gesamte Jahr über Gäste anzieht, mit Schwerpunkt im Frühjahr und Herbst.
Industrie und Gewerbe
Abseits des Weinbaus ist die Südsteiermark ein solider Industrie- und Gewerbestandort. Die Achse Leibnitz - Gralla - Wagna bündelt zahlreiche Produktions- und Logistikbetriebe. Kernstück der Standortpolitik ist der WISTA Süd, der grösste interkommunale Betriebsgebietsverbund der Steiermark. In Kooperation zwischen den Gemeinden Leibnitz, Gralla und Wagna werden Flächen im Umfang von rund 170 Hektar entwickelt und an Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen vergeben.
Dass die interkommunale Kooperation so erfolgreich ist, hat strukturelle Gründe. Einzelne Gemeinden dieser Grösse hätten weder die Flächenreserven noch die Verwaltungsressourcen, um ein Betriebsgebiet dieser Grössenordnung zu managen. Durch die Bündelung werden Infrastrukturkosten und -erträge geteilt, was für mittelgrosse Steiermark-Gemeinden ein Modell ist, das in anderen Regionen aufmerksam beobachtet wird.
Zu den grösseren Arbeitgebern der Region zählen Unternehmen aus der Metallverarbeitung, Kunststoffproduktion, Lebensmittelherstellung und Logistik. Im Gewerbepark Süd in Gralla sind unter anderem Autohaus Hirschmugl, Edelheiss und Termin Logistics angesiedelt. Die Infrastruktur spielt eine zentrale Rolle: Die A9 Pyhrnautobahn verbindet die Region in rund 15 Minuten mit Graz und in 40 Minuten mit Maribor, die Südbahnlinie garantiert eine vergleichbare Schienenverbindung.
| Wirtschaftsfaktor | Wert / Detail |
|---|---|
| Aktive WKO-Mitglieder | rund 6.300 |
| Dienstgeber-Betriebe | rund 2.600 |
| Beschäftigte gewerbliche Wirtschaft | rund 24.000 |
| Lehrlinge | 869 |
| Ausbildungsbetriebe | 373 |
| WISTA-Süd-Entwicklungsfläche | rund 170 Hektar |
| Einwohner Bezirk Leibnitz | rund 85.000 |
Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
Die Südsteiermark ist nicht nur Weinbauregion, sondern auch Obst- und Gemüseregion. Besonders hervorzuheben ist der Kürbiskernanbau, der in den letzten zwei Jahrzehnten mit der Marke "Steirisches Kürbiskernöl g.g.A." ein international geschütztes Premiumprodukt hervorgebracht hat. Rund 30 Prozent der österreichischen Kürbiskerne wachsen in der steirischen Süd- und Oststeiermark. Die Kürbiskernverarbeitung ist in kleineren, oft familiengeführten Ölmühlen organisiert.
Einen Sonderstatus hat das Unternehmen Frutura in Hartl (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, also in der Oststeiermark, aber infrastrukturell eng mit der Südsteiermark verbunden). Frutura produziert ganzjährig Paradeiser, Paprika und Gurken in beheizten Glashäusern - die Beheizung erfolgt über eine eigene Thermalwasserbohrung mit bis zu 125 Grad heissem Wasser. Jährlich werden bis zu 5.000 Tonnen konventionell und rund 1.000 Tonnen biologisch angebaute Gemüse geerntet, Hauptabnehmer ist die SPAR-Handelskette. Das Unternehmen beschäftigt rund 500 Personen. Details zum Frutura-Modell beschreibt der Beitrag auf steiermark.ORF.at.
Das Kürbiskernöl aus der Steiermark ist eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) der EU. Nur Öl, das aus Kürbiskernen gepresst wird, die in einem festgelegten Gebiet in der Steiermark, dem Südburgenland oder im niederösterreichischen Weinviertel angebaut wurden, darf die Bezeichnung führen. Das Prüfzeichen ist für Winzer- und Ölmühlenbetriebe der Südsteiermark ein wichtiger Exportfaktor.
Tourismus
Die Südsteiermark ist nach dem Thermenland Steiermark und der Region Schladming-Dachstein die dritte grosse Tourismusregion des Bundeslandes. Prägend sind Weinstrassen, Radtourismus (vor allem entlang der Mur), kulinarischer Genusstourismus und eine enge Verbindung von Gastronomie und Weingütern. Die Tourismusverband-Strukturen wurden in den letzten Jahren reformiert und in grösseren Verbänden gebündelt.
Die Bezirkshauptstadt Leibnitz selbst entwickelt sich zunehmend als touristische Marke. Kulturgüter wie die Römermuseum Flavia Solva in Wagna und das Schloss Seggau, dazu die unmittelbare Nähe zu den Winzerregionen, sorgen für Tagesbesucher und Kurzaufenthalte. Die genaue Wirtschaftsleistung des Tourismus in der Region ist in regionalsuche.at und den Berichten der Steirischen Wirtschaft dokumentiert.
Herausforderungen
Beim Bezirksforum in Gleinstätten im Frühjahr 2026 haben rund 35 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Gemeinden und Bildung drei zentrale Herausforderungen identifiziert: Fachkräftemangel, Mobilität und die Weiterentwicklung von Wirtschaftsstandorten. Besonders die Fachkräfteversorgung ist ein Dauerthema - der Bezirk bildet zwar überdurchschnittlich viele Lehrlinge aus, verliert aber einen Teil der jungen Fachkräfte an Graz oder nach Wien.
Mobilität ist die zweite grosse Baustelle. Trotz A9 und Südbahn bleiben die innerbezirklichen Verbindungen ausbaufähig. Mikro-ÖV und Rufbusse werden in mehreren Gemeinden erprobt. Das Land Steiermark ist aufgerufen, die Tarif- und Infrastrukturmodernisierung aktiv zu unterstützen.
Der dritte Punkt ist die Standortentwicklung selbst. Die Ausweisung von Betriebsgebieten muss mit Flächensparsamkeit und Ortsbildschutz abgeglichen werden - ein Thema, das im Bezirksforum als ambivalent beschrieben wurde. Die WKO argumentiert für mehr Flächen, die Raumplanung für konzentrierte, verdichtete Entwicklung.
Die Südsteiermark profitiert von der Nähe zu Graz und zu Slowenien. Die Grazer Arbeitsmarktanziehung wirkt nicht nur als Konkurrenz, sondern auch als Treiber. Viele Leibnitzer Betriebe sind Zulieferer oder Dienstleister für Grazer Grossunternehmen - ein Netz, das seit den 2000er Jahren mit dem Ausbau der A9 systematisch gewachsen ist. Die grenznahen Beziehungen zu Slowenien wiederum geben der Region Zugang zu einem Arbeitsmarkt mit niedrigerem Lohnniveau, was für einzelne Branchen kostenseitig relevant ist.
Einordnung
Die Südsteiermark ist keine klassische Industrie-Schwerpunktregion. Sie ist eine Mischregion mit drei sich ergänzenden Standbeinen: Weinbau und Landwirtschaft, verarbeitendes Gewerbe und Logistik, sowie Tourismus. Kein Segment trägt allein, aber das Zusammenspiel funktioniert. Das zeigt sich auch an der demografischen Kennzahl: Der Bezirk wächst bei der Wohnbevölkerung, was in steirischen Landbezirken eher die Ausnahme als die Regel ist.
Strategisch steht die Region vor der Aufgabe, die Substanz von Weinbau und Tourismus zu erhalten, ohne die industrielle Entwicklung zu bremsen. Der Erfolg des WISTA Süd wird eine wichtige Referenz dafür sein, wie interkommunale Kooperation in einer ländlich geprägten Region gelingt.
Quellen
- WKO Steiermark: Bezirksstatistik - Daten und Kennzahlen
- Marktgemeinde Wagna: WISTA Süd - Interkommunale Betriebsgebietsentwicklung
- meinbezirk.at: Bezirksforum Gleinstätten - Ziele für den südsteirischen Wirtschaftsstandort
- regionalsuche.at: Leibnitz - Die Kulturstadt der Südsteiermark
- Frutura: Thermal Gemüsewelt in Hartl
- Steirische Wirtschaft: Leibnitz - Tourismusmagnet in der südsteirischen Toskana