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Kreislaufwirtschaft Steiermark - Pioniere, EU-Regulierung und Projekte 2026

Kreislaufwirtschaft Steiermark - Pioniere, EU-Regulierung und Projekte 2026

Am 7. Mai 2026 trifft sich die österreichische Kreislaufwirtschafts-Community zum dritten Circular Economy Summit Austria in der Grazer WKO. Der Tagungsort ist kein Zufall: Die Steiermark hat sich mit Saubermacher, Komptech, voestalpine und zahlreichen weiteren Unternehmen zu einem der wichtigsten europäischen Cluster für Circular Economy entwickelt. Mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Kreislaufwirtschaftsverordnung zwischen 2026 und 2028 nimmt der Druck auf produzierende Betriebe weiter zu.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Steiermark beherbergt mit Saubermacher (500 Mio. Euro Umsatz 2024) und Komptech (über 700 Mitarbeitende, 95 % Exportquote) zwei europäische Pioniere der Kreislaufwirtschaft
  • voestalpine transformiert mit dem Greentec-Steel-Programm die Stahlherstellung in Donawitz - Investment 450 Mio. Euro, Start 2027
  • Der Green Tech Cluster bündelt seit 2018 Unternehmen wie ANDRITZ, Binder+Co, Komptech, Mayer Recycling, REDWAVE und Saubermacher in Circular-Economy-Projekten
  • Die EU-Kreislaufwirtschaftsverordnung greift zwischen 2026 und 2028 und verpflichtet Unternehmen zu Recyclingquoten, Reparierbarkeit und digitalen Produktpässen
  • Der Circular Economy Summit Austria 2026 findet am 7. Mai in der WKO Steiermark unter dem Motto „Rethinking Regions" statt
  • Das Projekt AI-Waste (Komptech + Know-Center Graz) will die Recyclingquote durch KI-Sortiersysteme um mehr als 10 Prozent erhöhen

Die Pioniere - Saubermacher, Komptech, voestalpine

Wenn in Österreich über Kreislaufwirtschaft gesprochen wird, fallen fast immer drei steirische Namen: Saubermacher, Komptech und voestalpine. Alle drei gehen unterschiedliche Wege, verfolgen aber ein gemeinsames Ziel - die Rückführung von Wertstoffen in den Wirtschaftskreislauf.

Saubermacher mit Sitz in Feldkirchen bei Graz ist Österreichs größter privater Entsorger und Recycler. 1979 von Hans und Margret Roth gegründet, erzielte die Gruppe 2024 einen Konzernumsatz von 500 Millionen Euro - ein Plus von elf Prozent gegenüber Vorjahr. 3.800 Mitarbeitende in acht Ländern, rund 1.600 Kommunen als Kunden und 42.000 Geschäftskunden. Das Unternehmen ist nach eigener Darstellung besonders aktiv in der Gips-Recyclinganlage, in der Autobatterieverwertung, in der Kühlschrankaufbereitung und in Second-Life-Lösungen für E-Bike-Akkus.

Komptech in Frohnleiten ist der Maschinenhersteller hinter Saubermacher und vielen weiteren europäischen Recyclingbetrieben. Das 1992 gegründete Unternehmen baut Zerkleinerer, Siebe und Sortieraggregate für mechanisches und biologisches Abfallrecycling sowie für die Aufbereitung holziger Biomasse. Über 700 Mitarbeitende, 95 Prozent Exportquote, jährlich 6,5 Millionen Tonnen Abfall, die weltweit mit Komptech-Anlagen verarbeitet werden. 2025 investierte das Unternehmen über 20 Millionen Euro in ein neues Headquarter in Frohnleiten.

voestalpine geht das Thema am anderen Ende der Wertschöpfungskette an - bei der Stahlherstellung selbst. Mit dem Greentec-Steel-Programm wird der CO2-Ausstoß bis 2029 um rund 30 Prozent gesenkt. In Donawitz bei Leoben entsteht ein mit Grünstrom betriebener Elektrolichtbogenofen, der ab 2027 rund 850.000 Tonnen grünen Stahl jährlich produzieren soll. Investitionssumme Donawitz: 450 Millionen Euro. Für beide voestalpine-Standorte (Donawitz und Linz) zusammen: 1,5 Milliarden Euro.

Weitere Akteure aus dem Cluster

Neben den drei Leuchttürmen arbeiten zahlreiche weitere Unternehmen an konkreten Circular-Economy-Projekten. Im Rahmen des Green Tech Clusters kooperieren seit 2018 ANDRITZ, Binder+Co, Komptech, Mayer Recycling, REDWAVE und Saubermacher an einer „gemeinsamen Vision digitalisierter Wertschöpfungsketten für die Kreislaufwirtschaft".

Unternehmen Rolle in der Kreislaufwirtschaft
Saubermacher (Feldkirchen)Entsorger, Recycler, Batterie-Second-Life
Komptech (Frohnleiten)Maschinen für mechanisch-biologische Aufbereitung
voestalpine Stahl DonawitzGrüner Stahl, Elektrolichtbogenofen, Schrottrecycling
Binder+Co (Gleisdorf)Siebmaschinen, optische Sortiertechnik für Glas/Baustoffe
Andritz Hydro/RecyclingSeparation und Prozesslösungen
REDWAVE (Eggersdorf)Sensorbasierte Sortiertechnik
Mayer RecyclingMetall- und Kunststoffrecycling
Know-Center Graz (TU Graz)KI und Datenanalyse für Sortierprozesse

EU-Regulierung ab 2026 - was kommt auf Unternehmen zu

Der politische Rahmen verschärft sich. Die Europäische Union hat im Rahmen des Green Deal eine Reihe von Verordnungen in Kraft gesetzt, die ab 2026 stufenweise greifen:

  • Ökodesign-Verordnung (ESPR): Produkte müssen ab 2026 schrittweise reparierbar, länger haltbar und mit Digitalem Produktpass versehen sein. Textilien, Elektronik und Möbel sind erste Zielgruppen.
  • Verpackungsverordnung (PPWR): Ab 2030 müssen alle Verpackungen in der EU recyclebar sein. Erste Teilregelungen greifen bereits 2026/2027.
  • Batterieverordnung: Strenge Recyclingquoten für Lithium, Nickel, Kobalt in Traktionsbatterien - relevant für steirische Automobilzulieferer und Saubermacher.
  • EUDR (Entwaldungsfreie Lieferketten): Relevante Produktgruppen müssen ab 2025/26 nachweisen, dass sie nicht aus Entwaldung stammen.
Rechtlicher Hinweis:
Die Umsetzungsfristen der EU-Kreislaufwirtschaftsregulierungen ändern sich häufig durch Delegated Acts und nationale Umsetzung. Unternehmen sollten sich nicht auf tagesaktuelle Angaben verlassen, sondern ihre Compliance individuell prüfen lassen - etwa über die WKO Außenwirtschaft, die Umweltabteilung des Landes Steiermark oder spezialisierte Berater.

AI-Waste und die digitale Kreislaufwirtschaft

Konkrete Innovationsprojekte zeigen, wo die Musik spielt. Im Projekt AI-Waste arbeiten Komptech und das Know-Center Graz gemeinsam an KI-gestützten Sortiersystemen. Ziel: die Recyclingquote bei gemischten Siedlungsabfällen um mehr als zehn Prozent erhöhen. Das Projekt ist Teil der Green Tech Cluster-Initiative zur digitalen Kreislaufwirtschaft.

Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist die Gips-Recyclinganlage von Saubermacher in Salzburg (mit steirischem Know-how) - hier werden gebrauchte Gipsplatten aus Abbruch und Renovierung zu 100 Prozent zu neuem Gipsrohstoff verarbeitet.

Forschung als Grundpfeiler

Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft braucht es Forschung. In der Steiermark sind hier mehrere Einrichtungen zentral:

  • Montanuniversität Leoben ist Österreichs wichtigste Forschungseinrichtung für Rohstoffe, Metallurgie und Recycling. 2025 wurden über das Land Steiermark und ASMET (Austrian Society for Metallurgy and Materials) 2,5 Millionen Euro für Forschung zur Kreislaufwirtschaft bereitgestellt.
  • Joanneum Research - Institut LIFE bearbeitet Themen wie Ökobilanzierung, Bioökonomie und Ressourceneffizienz.
  • TU Graz mit ihren verfahrenstechnischen Instituten und dem Know-Center als Datenforschungsstelle.
Praxis-Tipp:
Der Circular Economy Summit Austria am 7. Mai 2026 in der WKO Steiermark (Körblergasse 111-113, Graz) ist die zentrale Jahresveranstaltung der Branche. Tagungsthema: „Rethinking Regions". Tickets und Programm über circulareconomysummit.at.
Ausblick: Die Kreislaufwirtschaft wird in der Steiermark vom Nischenthema zum industriellen Mainstream. Die drei Leitbetriebe Saubermacher, Komptech und voestalpine setzen dabei Standards, die weit über Österreich hinausreichen. Entscheidend für das nächste Jahrzehnt wird sein, ob es gelingt, die digitalen Werkzeuge (Produktpass, KI-Sortierung, Sensorik) schnell in die operative Praxis zu bringen - und ob die Rohstoffpreise eine wirtschaftliche Skalierung zulassen.

Quellen