213 Millionen Euro Umsatz 2023, 94,5 Prozent Exportquote, rund 4.000 Kunden in mehr als 80 Ländern - Komptech aus Frohnleiten nördlich von Graz ist einer jener stillen Weltmarktführer, die außerhalb der Branche kaum bekannt sind. Das Unternehmen baut Maschinen für die mechanisch-biologische Abfallaufbereitung und die Aufbereitung von Biomasse zu Energie. Und es baut seinen Stammsitz gerade mit 20 Millionen Euro Investition komplett neu. Das 1992 in der Steiermark gegründete Unternehmen gehört seit 2015 zum Industrieholding Orasis.
- Umsatz 2023: 213 Millionen Euro, Exportquote 94,5 Prozent
- Rund 300 Mitarbeiter am Standort Frohnleiten (Planzahl), weitere Standorte in Slowenien, Deutschland, UK und USA
- Über 4.000 Kunden in mehr als 80 Ländern, rund 450 Maschinen pro Jahr
- 6,5 Millionen Tonnen Abfall jährlich werden auf Komptech-Anlagen aufbereitet
- Gegründet 1992 von Josef Heissenberger und Rudolf Pretzler, seit 2015 mehrheitlich bei Orasis Industries
- 2021 erreichte Komptech einen klimaneutralen Fußabdruck
- 2025 Eröffnung der neuen Firmenzentrale in Frohnleiten (20 Mio. Euro Investition, 3.000 m² Bürofläche)
Aus der steirischen Bio-Abfall-Pionierzeit geboren
Komptech wurde 1992 gegründet - zu einem Zeitpunkt, als Österreich und besonders die Steiermark europaweit Vorreiter bei der getrennten Sammlung biogener Abfälle waren. Josef Heissenberger und Rudolf Pretzler bauten auf diesem Umfeld auf und entwickelten die ersten Maschinen für das Umsetzen und Aufbereiten von Kompostmieten. Aus diesem Kompostier-Ursprung leitet sich der Firmenname ab (Kompost-Technik).
Heute reicht das Produktportfolio weit über die Kompostierung hinaus. Komptech deckt die komplette Prozesskette der Abfallaufbereitung mit über 50 Maschinentypen ab: Vorzerkleinerer, Universalzerkleinerer, Nachzerkleinerer (die Baureihen TERMINATOR, CRAMBO und AXTOR), Trommelsiebe, Sternsiebe, Windsichter, ballistische Separatoren und Mietenumsetzer (die Topturn X-Serie mit Umsetzbreiten bis sechs Meter).
Was Komptech-Maschinen tun
Die Anlagen lösen drei Aufgaben: Erstens die Zerkleinerung - Sperrmüll, Biomüll, Holz, Altreifen werden auf verarbeitbare Fraktionsgrößen gebracht. Zweitens die Trennung - nach Größe, Gewicht und Materialart werden Wertstoffe isoliert. Drittens die biologische Behandlung - durch aktives Umsetzen wird Bioabfall zu marktfähigem Kompost oder Gärsubstrat. Ein zunehmend wichtiges Zielprodukt ist Ersatzbrennstoff (RDF), der in Zementwerken und thermischen Kraftwerken statt Kohle oder Gas eingesetzt wird.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz 2023 | 213 Millionen Euro |
| Exportquote | 94,5 Prozent |
| Maschinenproduktion pro Jahr | rund 450 Einheiten |
| Aktive Kunden | über 4.000 in 80+ Ländern |
| Jährlich aufbereitete Abfallmenge | ca. 6,5 Millionen Tonnen |
| Maschinentypen im Programm | über 50 |
| Gründung | 1992 in der Steiermark |
Standorte - Frohnleiten als Zentrum
Der Hauptsitz liegt in Frohnleiten an der Murtal-Bahn, rund 25 Kilometer nördlich von Graz. Am Standort Kühau laufen Forschung und Entwicklung, Endmontage und Service. Die zweite wichtige Fertigung steht in Ljutomer in Slowenien (Factory II, seit 2007) - dort werden hauptsächlich Siebanlagen und mechanische Trennsysteme produziert. In Oelde (Deutschland, seit 2012) betreibt Komptech ein Kompetenzzentrum, weitere Vertriebs- und Serviceniederlassungen bestehen in Großbritannien und den USA.
Die neue Firmenzentrale in Frohnleiten wurde ab Februar 2024 gebaut und im Frühjahr 2025 eröffnet. Investitionsvolumen: 20 Millionen Euro. Das Gebäude umfasst 3.000 Quadratmeter Bürofläche, entworfen vom Grazer Büro Atelier Thomas Pucher nach einem Architekturwettbewerb. Das Headquarter ist nach ÖGNI Gold und klimaaktiv Gold zertifiziert und mit einer 140-kWp-Photovoltaikanlage ausgestattet. Am Standort Frohnleiten sollen künftig rund 300 Mitarbeiter arbeiten.
Komptech erreichte 2021 einen klimaneutralen Fußabdruck auf Unternehmensebene und bezieht an allen Standorten erneuerbare Energie. Parallel läuft die Elektrifizierung der Produktflotte selbst - mobile Siebanlagen und Umsetzer mit Elektroantrieb statt Dieselmotor.
Eigentümer Orasis Industries
Seit 2015 ist Orasis Industries Mehrheitsgesellschafter von Komptech. Die österreichische Industrieholding hält langfristig orientierte Beteiligungen an Mittelstandsunternehmen in der DACH-Region. Für Komptech brachte der Eigentümerwechsel Wachstumskapital und Investitionsspielraum - sichtbar in der neuen Zentrale und dem 2024 gestarteten Geschäftsbereich "Industrial" für gewerbliche und kommunale Abfallbehandlungslösungen.
Eine ausführliche Vorstellung des Unternehmens findet sich auf der Frohnleiten-Gemeindeseite, in der Komptech als einer der wichtigsten Arbeitgeber geführt wird.
Teil des Green Tech Valley
Komptech ist Partnerunternehmen des Green Tech Valley Clusters - des weltweit dichtesten Clusters für Umwelt- und Energietechnologie, der die Steiermark und Kärnten umfasst. Der Cluster zählt über 200 Unternehmen, und Komptech gehört zu den größten unter ihnen. Bei den Cluster-internen Preisen wurde Komptech bereits 2011 mit dem Primus (damals jüngste Auszeichnung für Industrieleistung) geehrt.
Marktposition und Konkurrenz
Hauptwettbewerber sind deutsche Hersteller wie Doppstadt (Velbert), Eggersmann (Marienfeld) sowie europäische und amerikanische Spezialisten wie Terex Ecotec, Vermeer oder Hammel. Komptech hält in mehreren Maschinenkategorien Spitzenpositionen - besonders bei den leistungsstarken Vorzerkleinerern der TERMINATOR-Baureihe und bei mobilen Sternsieben. Die hohe Exportquote von 94,5 Prozent bedeutet: Der heimische Markt ist vergleichsweise klein, das Geschäft wird hauptsächlich in Deutschland, Großbritannien, Italien, Skandinavien und den USA gemacht.
Der Markt für mechanisch-biologische Abfallaufbereitung wächst strukturell, weil Mülldeponien in der EU seit Jahren schrittweise reduziert werden und Materialrecycling gesetzlich gefordert ist. Im Kontext der EU-Kreislaufwirtschaftsstrategie ist Biomasseverwertung ein Wachstumsmarkt. Komptech profitiert gleichzeitig von der Umstellung thermischer Kraftwerke auf Ersatzbrennstoffe (RDF) - ein Thema, das durch hohe Erdgaspreise zusätzlichen Rückenwind bekommen hat.
Neue Geschäftsfelder - die Industrial-Division
2024 startete Komptech mit dem Geschäftsbereich "Industrial" den Einstieg in ein neues Feld: Lösungen für gewerbliche und kommunale Abfallwirtschaftsbetriebe jenseits der reinen Maschinenlieferung. Ziel ist es, ganze Behandlungslinien inklusive Steuerung und Wartungsverträgen zu liefern - ein Schritt Richtung Systemanbieter statt reiner Maschinenhersteller. Dieser Schritt folgt einer Entwicklung, die ähnlich bei anderen steirischen Maschinenbauern wie Andritz oder AT&S beobachtbar ist.