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Dienstag, 29. September 2026 Kontakt
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Markus Seme - vom BearingPoint-Geschäftsführer zum BrightFlare-CEO

Das Wichtigste in Kürze
  • Markus Seme ist CEO des Grazer Cybersecurity-Unternehmens BrightFlare, das im April 2026 mit rund 20 Beschäftigten an die Öffentlichkeit ging und binnen 24 Monaten über 100 Arbeitsplätze schaffen will.
  • Davor war er Geschäftsführer von BearingPoint Austria und leitete ab 2019 die Software- und Technologiezentrale in Premstätten mit rund 200 Beschäftigten.
  • Der gebürtige Weststeirer besuchte die HTBLuVA Graz-Gösting und kommt aus der industriellen Elektronik und Prozessleittechnik - ein Hintergrund, der seinen heutigen Schwerpunkt auf Industrieanlagen erklärt.
  • 2021 startete er bei BearingPoint ein bezahltes IT-Bootcamp für Quereinsteiger, 2022 zählte ihn die österreichische Forbes-Ausgabe zu den 22 prägendsten Managerpersönlichkeiten des Jahres.
  • An BrightFlare hält die deutsche All for One Group SE 25,1 Prozent, die ihrerseits von der französischen Vinci-Gruppe übernommen werden soll.
  • Seit 2011 betreibt Seme den gemeinnützigen Verein Krav Maga Graz, der Selbstverteidigungskurse für Unternehmen, Schulen und Frauen anbietet.

Zwölf Minuten brauchten die Techniker von BrightFlare im Frühjahr 2026, um einen KI-gesteuerten Teddybären zu hacken und zu manipulieren. Markus Seme, CEO des jungen Grazer Unternehmens, machte daraus eine öffentliche Warnung an Eltern und Hersteller: „Der Cyber Resilience Act wird Hersteller dazu zwingen, Sicherheit von Anfang an mitzudenken", sagte er im Mai 2026 der Wirtschaftswelt. Der Teddybär ist ein Nebenschauplatz. Das eigentliche Geschäft von BrightFlare sind Produktionsnetze, Steuerungen und kritische Infrastruktur - jenes Feld, in dem Seme seit über 25 Jahren arbeitet und das er zuvor als Geschäftsführer von BearingPoint Austria in Premstätten aufgebaut hat.

Lebensdaten
Herkunft
Weststeiermark
Ausbildung
HTBLuVA Graz-Gösting (1996-2000)
Stationen
Industrielle Elektronik und Prozessleittechnik; über zwei Jahrzehnte IP-Netze, IT-Services und Cybersecurity; BearingPoint Austria (Geschäftsführer, Director Technology and Services, ab 2019 Leiter der Software- und Technologiezentrale Premstätten)
Aktuell
CEO der BrightFlare FlexCo, Graz (seit April 2026)
Weitere Funktionen
Gründer und Schulleiter von Krav Maga Graz (seit 2011)

Von der Prozessleittechnik zur Cybersecurity

Seme ist gebürtiger Weststeirer und absolvierte von 1996 bis 2000 die HTBLuVA Graz-Gösting. Seine Laufbahn begann laut seiner Autorenbiografie im Fachmagazin Digitale Welt in der industriellen Elektronik und Prozessleittechnik. Danach arbeitete er mehr als zwei Jahrzehnte in den Bereichen IP-Netze, IT-Services und Cybersecurity.

Bei BearingPoint Austria stieg er ins Topmanagement auf und führte das Unternehmen als Geschäftsführer sowie als Director Technology and Services. Seit 2019 leitete er die Software- und Technologiezentrale der Beratung in Premstätten. Der Standort geht auf die Grazer Infonova zurück, die als Tochter von BearingPoint 2017 unter die Marke des Konzerns gestellt wurde. Aus demselben Umfeld stammt übrigens auch der frühere Saubermacher-Chef Ralf Mittermayr, der Geschäftsführer der Infonova und später Partner bei BearingPoint war.

BearingPoint in Premstätten: Pentester, BMW-Plattform, Umzug nach Graz

Unter Seme beschäftigte der steirische BearingPoint-Standort rund 200 Menschen, davon über 30 in der Cybersecurity. Mit dieser Einheit trat er regelmäßig öffentlich auf. „Unsere Expertinnen und Experten zählen etwa im Bereich des Pentestings, also des beauftragten Hackens, laut internationalen Wettbewerben wiederkehrend zu den Besten in Europa", sagte er Ende 2023 der WKO Steiermark. Gemeinsam mit dem israelischen Sicherheitsanbieter Check Point veröffentlichte BearingPoint ein Handbuch zur Cybersecurity für Industrie- und Produktionsbetriebe.

Das bekannteste Projekt dieser Jahre lief für BMW. BearingPoint baute ab 2019 die Entwicklungsplattform CodeCraft auf, über die weltweit rund 10.000 Entwicklerinnen und Entwickler Fahrzeugsoftware zusammenführen und testen. Das Team in der Steiermark wuchs dabei von 10 auf 50 Personen. Der ORF Steiermark zitierte Seme 2022 mit der Einschätzung, dass sich produzierende Unternehmen zunehmend zu Softwareentwicklern wandeln müssten. Projektleiter auf BearingPoint-Seite war Andreas Joham - heute CTO bei BrightFlare.

Jahr Station unter Markus Seme bei BearingPoint
2019 Leitung der Software- und Technologiezentrale Premstätten; Start der BMW-Plattform CodeCraft mit 10 Beschäftigten
Dezember 2021 Start des IT-Bootcamps für Quereinsteiger, erster Durchgang mit sechs Teilnehmenden
Mai 2022 Forbes Österreich zählt Seme zu den 22 prägendsten Managerpersönlichkeiten des Jahres
September 2023 IT Team Award des Fachmagazins Automotive IT (Kategorie Business Impact) für BMW und BearingPoint; CodeCraft-Team inzwischen 50 Personen
Juli 2024 Umzug aus Premstätten in die Waagner-Biro-Straße in Graz, rund 3.000 Quadratmeter auf drei Etagen
April 2026 Abschied aus der Geschäftsführung, Wechsel zu BrightFlare

Im Juli 2024 zog BearingPoint nach rund 25 Jahren im Raum Premstätten in die Grazer Waagner-Biro-Straße, in die Nachbarschaft von AVL und Science Tower. „Unser Umzug ist ein klares Bekenntnis zu Graz als innovativem Tech-Hub", erklärte Seme damals gegenüber IT Welt.

Ein bezahltes Bootcamp gegen den Fachkräftemangel

Im Dezember 2021 startete Seme ein Ausbildungsformat, das in der Branche Aufmerksamkeit bekam. BearingPoint bildete Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger in drei Monaten zu IT-Fachkräften aus - in Netzwerktechnik, Betriebssystemen und Softwareentwicklung. Die Kosten trug das Unternehmen, die Teilnehmenden erhielten zusätzlich 1.200 Euro brutto im Monat. Geplant waren vier Durchgänge pro Jahr und bis zu 100 Absolventen jährlich; der erste Jahrgang bestand aus vier Frauen und zwei Männern zwischen 18 und 35 Jahren.

Seme begründete das Modell mit der Lage am Arbeitsmarkt: „Beinahe jeder Betrieb steht aktuell vor einer Transformation zum IT-Unternehmen. Dadurch spitzt sich die Situation am IT-Fachkräftemarkt weiter zu." Das Gehalt während der Ausbildung war dabei kein Nebenpunkt. „Ein einmal eingeschlagener Karrierepfad kann im Erwachsenenleben nur schwer korrigiert werden, wenn der Weiterbildungswillige über einen längeren Zeitraum auf Einnahmen verzichten muss", sagte er der Wirtschaftswelt. Wie groß die Lücke in der Steiermark bis heute ist, zeigt der Überblick zum IT-Fachkräftemangel 2026.

Das Bootcamp war einer der Gründe, weshalb die österreichische Ausgabe von Forbes Seme im Mai 2022 unter die 22 prägendsten Managerpersönlichkeiten des Jahres reihte.

BrightFlare: Neustart mit drei langjährigen Kollegen

Anfang April 2026 verließ Seme BearingPoint und trat an die Spitze von BrightFlare. Die Gesellschaft war im Oktober 2025 als FlexCo in Graz eingetragen worden; im Februar 2026 hatte sich die All for One Group SE aus Filderstadt mit 25,1 Prozent beteiligt und sich eine Option auf die Mehrheit im Jahr 2030 gesichert. Die vier Mitglieder des Führungsteams kennen einander seit über 20 Jahren.

Funktion Person
CEO Markus Seme
CTO Andreas Joham
CCO (Chief Client Officer) Bernd Koberwein
CFO Andreas Gandler

Sitz ist die Grazer Lastenstraße, im Firmenbuch ist Seme seit Juli 2026 als Geschäftsführer eingetragen. BrightFlare arbeitet in drei Feldern: Awareness und Testing (Penetrationstests, Red Teaming, Schulungen), IT-Security und OT-Security für Industrieanlagen. Zum Start im April 2026 beschäftigte das Unternehmen rund 20 Personen, binnen 24 Monaten sollen über 100 Arbeitsplätze dazukommen. Noch 2026 ist der Markteintritt in Deutschland geplant. Seme formuliert den Anspruch ohne Zurückhaltung: „Wir wollen auf diesem Milliardenmarkt mittel- bis langfristig internationale Strahlkraft entwickeln - und ein Unternehmen von Weltrang aus der Steiermark heraus etablieren", sagte er 5 Minuten.

Gut zu wissen:
IT steht für die Büro- und Unternehmensnetze, OT (Operational Technology) für die Technik, die physische Prozesse steuert: Maschinensteuerungen, Leitsysteme, Anlagen in Energie- und Wasserversorgung. Beide Welten wurden lange getrennt abgesichert. Seme hält das für den Kernfehler: „Unser Anspruch ist es daher, IT und OT nicht isoliert zu betrachten, sondern als zusammenhängendes System zu verstehen und entsprechend abzusichern."

All for One, Vinci und der europäische Rahmen

Der Gesellschafter All for One setzte im Geschäftsjahr 2024/25 rund 504 Millionen Euro um und hat über 4.000 Kunden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen - der wichtigste Absatzkanal für BrightFlare außerhalb der Steiermark. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass die französische Vinci-Gruppe die All for One Group für 336 Millionen Euro übernehmen will. CEO der Gruppe ist mit Michael Zitz ein Steirer: Er hatte die Grazer B4B Solutions mitgegründet, die 2016 zu All for One kam. Seme sah die Nachricht im ORF Steiermark positiv: „Gott sei Dank hängt man da mit dran. Für unser steirisches Unternehmen ist es von Vorteil, weil es uns weiteren Abdruck im europäischen Raum ermöglicht, durch ein so großes europäisches Unternehmen."

Gemeinsam mit All for One tritt BrightFlare von 27. bis 29. Oktober 2026 auf der Sicherheitsmesse it-sa in Nürnberg auf, mit den Schwerpunkten OT-Security und Cyber Resilience Act, KI-Sicherheit und SAP-Sicherheit.

Wofür Seme öffentlich eintritt

In Fachmedien vertritt Seme vor allem ein Thema: den Fernwartungszugang zu Industrieanlagen. Den Zugriff externer Servicetechniker über statische VPN-Tunnel nennt er laut Security-Insider das größte ungelöste Problem der Betreiber, weil ein solcher Tunnel ganze Netzsegmente öffnet. Sein Gegenmodell sind identitätsbasierte Zugänge, die einen Techniker auf eine bestimmte Maschine und ein festgelegtes Zeitfenster beschränken. Die technische Umstellung dauere einen Arbeitstag, der Engpass liege in den Verhandlungen mit den Lieferanten.

Als Kommentator taucht Seme auch bei Tagesthemen auf. Nach dem weltweiten IT-Ausfall durch ein fehlerhaftes CrowdStrike-Update im Juli 2024 analysierte er Ursache und Folgen, im Sommer 2025 warnte er vor gefälschten Buchungsseiten in der Urlaubssaison. Kryptowährungen sieht er skeptisch: Gegenüber der WKO Steiermark nannte er Bitcoin Ende 2024 technisch nicht überzeugend und verwies darauf, dass Kryptowerte häufig von Angreifern genutzt werden.

Krav Maga Graz: Selbstverteidigung als zweites Standbein

Abseits der IT betreibt Seme seit seiner Kindheit Kampfsport, mit Wurzeln im Boxen und Kickboxen. 2011 gründete er den gemeinnützigen Verein Krav Maga Graz, in dem er als Schulleiter und Trainer tätig ist. Der Verein richtet jährlich rund 20 Kurse aus, insbesondere für Unternehmen, Institutionen und Schulen; bis Ende 2023 hatten laut WKO Steiermark rund 5.000 Menschen daran teilgenommen. Spenden aus den Kursen gingen an das Haus Rosalie der VinziWerke. „Krav Maga ist darauf ausgerichtet, reale Bedrohungen effektiv bzw. schnell zu neutralisieren und setzt dort an, wo eine Deeskalation nicht mehr möglich ist", erklärte Seme.

Besonders gefragt sind die Frauenkurse. Der Andrang sei so groß, dass der Verein regelmäßig einen Aufnahmestopp verhängen müsse, sagte Seme im Februar 2026 der Kleinen Zeitung.

Ausblick: Die nächsten zwei Jahre entscheiden, ob BrightFlare das Ziel von über 100 zusätzlichen Arbeitsplätzen erreicht und in Deutschland Fuß fasst. Rückenwind kommt von der Regulierung: Seit September 2026 gelten die ersten Meldepflichten des Cyber Resilience Act, und die Option von All for One auf die Mehrheit im Jahr 2030 steht - unter dem neuen Eigentümer Vinci - weiter im Raum.

Quellen