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Sonntag, 4. Oktober 2026 Kontakt
Startups

Sonnenschmiede - Grazer Photovoltaik-Modell für Mehrparteienhäuser ausgezeichnet

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Grazer Sonnenschmiede GmbH hat den Generali SME EnterPRIZE 2026 in der Kategorie Nachhaltiges Geschäftsmodell gewonnen, dotiert mit 10.000 Euro.
  • Das 2022 gegründete Unternehmen macht aus Photovoltaikanlagen auf Mehrparteienhäusern gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen, deren Strom direkt in die Wohnungen fließt.
  • Mehr als 235 Projekte in ganz Österreich hat die Sonnenschmiede nach eigenen Angaben umgesetzt.
  • Die Anlage bleibt im Eigentum der Hausbesitzer; die Sonnenschmiede tritt als Betreiber auf und übernimmt Einrichtung, Abrechnung und steuerliche Abwicklung.
  • Zu den Partnern zählen gemeinnützige Wohnbauträger wie GESIBA, GWS und die Siedlungsgenossenschaft Ennstal.
  • Das Unternehmen ist ohne Investoren gewachsen.

6 Cent bekommt ein Zinshausbesitzer für die Kilowattstunde Sonnenstrom, die er ins Netz einspeist. 20 Cent sind es, wenn er sie an die Mieter im eigenen Haus verkauft. Mit dieser Rechnung wirbt die Sonnenschmiede GmbH aus Graz, und sie beschreibt zugleich das Hindernis: Der Weg vom Dach in die Wohnung ist rechtlich und organisatorisch aufwendig. Für die Lösung dieses Problems hat das Unternehmen im September 2026 den SME EnterPRIZE der Generali Österreich erhalten.

Der Preis

Die Generali zeichnet mit dem SME EnterPRIZE kleine und mittlere Unternehmen aus, die ökologische und soziale Aspekte mit wirtschaftlicher Entwicklung verbinden. Die Sieger der drei Hauptkategorien erhalten je 10.000 Euro, eine einjährige Mitgliedschaft in der Climate Academy des Startups Glacier und die Chance auf die Teilnahme an der europäischen Veranstaltung in Brüssel. 2026 gingen zwei der drei Hauptpreise in die Steiermark: an die Sonnenschmiede für das nachhaltige Geschäftsmodell und an den Grazer Sensorhersteller lixtec für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen.

Wie das Modell funktioniert

Am Anfang stand ein gescheitertes Projekt. Die Eltern von Mitgründer Alexander Hojas wollten auf ihrem Mehrparteienhaus eine Photovoltaikanlage errichten und scheiterten an Bürokratie, Technik und Rechtslage. Hausverwaltung und Netzbetreiber konnten nicht helfen, schilderte Hojas 2024 im Gespräch mit Trending Topics. Gemeinsam mit Thomas Auer und Johannes Frühmann entwickelte er daraus ein Geschäftsmodell.

Der Kern: Die Sonnenschmiede betreibt die Anlage, ohne sie zu besitzen. Das Eigentum bleibt zu 100 Prozent bei den Hauseigentümern. Als Betreiber übernimmt das Unternehmen die Unterstützung bei der Beschlussfassung im Haus, Planung, Genehmigungen, technische Einrichtung, monatliche Vorschreibungen, Jahresabrechnungen und die steuerliche Abwicklung. Die Bewohner müssen ihren Stromlieferanten nicht wechseln; für den Sonnenstrom vom eigenen Dach fallen keine Netzkosten an.

Rechenbeispiel der SonnenschmiedeWert
GebäudeZinshaus mit 20 Mietwohnungen
Stromverbrauch je Wohnung3.200 kWh pro Jahr
Photovoltaikanlage40 kWp, rund 40.000 kWh pro Jahr
Erlös bei Netzeinspeisung6 Cent je kWh
Erlös bei Verkauf an die Mieter20 Cent je kWh
Wichtige Einschränkung:
Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel des Anbieters, kein Durchschnitt realisierter Projekte. Wie viel des erzeugten Stroms tatsächlich im Haus verbraucht wird, hängt von Belegung und Tagesverlauf ab; der Rest geht zum niedrigeren Einspeisetarif ins Netz. Eigentümer sollten für ihr Gebäude eine eigene Wirtschaftlichkeitsrechnung verlangen.

Gewachsen ohne Investoren

Die Gründer bringen unterschiedliche Hintergründe mit. Hojas hatte zuvor die Hojas Media GmbH gegründet und übergeben, Auer ist Betriebswirt mit Erfahrung im Firmenkundengeschäft von Banken und verantwortet Projektmanagement und Finanzen, Frühmann kommt aus den Umweltsystemwissenschaften und leitet Erstberatung, Marketing und Vertrieb. Fremdes Beteiligungskapital hat das Unternehmen nicht aufgenommen.

Auf der Referenzliste stehen mehr als 235 umgesetzte Projekte in ganz Österreich, darunter die Anlage in der Grazer Hermann-Bahr-Gasse, und Partner wie die GESIBA, die GWS und die Siedlungsgenossenschaft Ennstal. Auch Energiegemeinschaften betreut die Sonnenschmiede bei Betrieb und Abrechnung. Der Generali-Preis ist nicht die erste Auszeichnung: 2022 gewann das Unternehmen den Wettbewerb Greenstart des Klima- und Energiefonds, 2024 folgten Deloitte Grow und der EY Scale-up Award in der Kategorie Rising Star Energy.

Gut zu wissen:
Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen versorgen ein einzelnes Gebäude. Energiegemeinschaften gehen darüber hinaus und verteilen Strom über das öffentliche Netz zwischen mehreren Standorten. Auf dieses zweite Modell hat sich in Graz Energiedigital spezialisiert.
Ausblick: Als Ziel nennt die Sonnenschmiede „eine Photovoltaik-Anlage auf jedem Mehrparteienhaus“. Die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Wohnbauträgern zeigt, wo das Wachstum herkommen kann: von Eigentümern, die viele Gebäude auf einmal bewirtschaften. Mit dem Preis ist die Teilnahme an der europäischen SME-EnterPRIZE-Veranstaltung in Brüssel verbunden.

Quellen