- Das Grazer Kryptografie-Startup Taceo hat im September 2026 mit „Merces“ sein zweites Produkt gestartet: vertrauliche Zahlungen auf öffentlichen Blockchains.
- Merces ist auf den Netzwerken Monad und World Chain verfügbar; vier Partner arbeiten an Integrationen, darunter der Kernbanken-Spezialist IntellectEU.
- Taceo wurde 2022 als Spin-off der TU Graz und des Know Center gegründet, CEO und Mitgründer ist Lukas Helminger.
- Die Technologie des Unternehmens schützt nach eigenen Angaben die Daten von mehr als 18 Millionen Menschen in 160 Ländern, vor allem über das Iris-Scan-Projekt World.
- Im Sommer 2025 schloss Taceo eine Seed-Runde über 5,5 Millionen US-Dollar ab, angeführt von Archetype, mit dem Krypto-Accelerator von Andreessen Horowitz als Mitinvestor.
Die Daten von mehr als 18 Millionen Menschen in 160 Ländern laufen durch Software aus Graz - die meisten davon Iris-Scans, mit denen sich Nutzer des Projekts World als einzigartige Person ausweisen, ohne dass jemand die biometrischen Daten im Klartext sieht. Das Unternehmen dahinter, Taceo, überträgt dasselbe Prinzip nun auf Geld: Seit 24. September 2026 ist Merces verfügbar, ein System für vertrauliche Zahlungen auf öffentlichen Blockchains.
Das Problem: Jede Zahlung ist öffentlich
Auf einer öffentlichen Blockchain ist jede Transaktion für alle einsehbar. Ist bekannt, welche Wallet zu einem Unternehmen gehört, lassen sich Gehaltszahlungen nachvollziehen und Lieferantenkonditionen auslesen. Für Banken war das bisher ein Ausschlussgrund. Merces schreibt deshalb weder Beträge noch Empfänger auf die Blockchain, sondern nur eine kryptografische Zusammenfassung.
Technisch kombiniert Taceo zwei Verfahren. Bei der Multiparty Computation werden Guthaben in Teile zerlegt und auf mehrere unabhängige Rechner verteilt, sodass kein einzelner Teilnehmer das Gesamtbild kennt. Zero-Knowledge-Beweise belegen nach jeder Runde von Überweisungen mathematisch, dass alle Transaktionen gültig waren und niemand Geld ausgegeben hat, das ihm nicht gehört. Aufsicht und Wirtschaftsprüfung sollen dennoch Einblick behalten; Taceo nennt das „Compliant Privacy“.
| Partner | Vorhaben mit Merces |
|---|---|
| IntellectEU | Integration in die Kernbanken-Plattform CatalyX, gemeinsame Demo auf der Bankenkonferenz Sibos geplant |
| LayerZero | vertrauliche Überweisungen zwischen verschiedenen Blockchains, vorerst als Testnetz-Prototyp |
| Orion Finance | vertrauliche tokenisierte Anlageportfolios mit überprüfbarer Performance |
| Zenith | vertrauliche Anwendungen auf dem Canton Network |
CEO Lukas Helminger ordnet den Schritt so ein: „Inzwischen ist klar, dass Blockchains zur Infrastruktur für Finanzgeschäfte werden. Offen war nur die Frage, wie darauf dieselbe Vertraulichkeit entsteht, die man von einer Bank erwartet.“
Von der TU Graz zu Sam Altmans World
Taceo entstand 2022 aus der TU Graz und dem Forschungszentrum Know Center. Der Durchbruch kam mit World, dem von OpenAI-Chef Sam Altman mitgegründeten Identitätsprojekt. Der Erstkontakt ergab sich laut Helminger auf einer akademischen Konferenz; World hatte ein Performance-Problem in der Infrastruktur, an dem bereits mehrere Firmen gescheitert waren. Zwei Jahre lang lieferte Taceo zunächst über Forschungsförderungen und Beratungsaufträge einzelne Teile, bis das Projekt ganz auf die Kerninfrastruktur der Grazer setzte. „Wir hatten eher das Problem des Understatements“, sagte Helminger im Mai 2026 dem Magazin brutkasten. „Aber wenn man dann wirklich abliefert, wird das Vertrauen immer größer.“
Die Empfehlung aus dem World-Team öffnete den Weg zu US-Investoren. Im Sommer 2025 sammelte Taceo in einer Seed-Runde 5,5 Millionen US-Dollar ein, rund 4,8 Millionen Euro. Angeführt wurde sie von Archetype, beteiligt waren unter anderem a16z CSX, Cyber.Fund, A.Capital Ventures und Polymorphic. Die Geldgeber investierten direkt in die österreichische GmbH, Notartermin inklusive - für die amerikanischen Fonds laut Helminger „das erste Mal“.
Neben World nennt Taceo im Identitätsbereich Boop, Mercle und ZKPassport als Kunden. Auf der Unternehmensseite bezeichnet sich Taceo als Betreiber des größten produktiv eingesetzten MPC-Rechennetzwerks. Was World für die Technologie bezahlt, ist vertraulich.
Vertraulichkeit auf Blockchains ist ein umkämpftes Feld. Das Pariser Unternehmen Zama setzt auf vollhomomorphe Verschlüsselung, Aztec baut ein eigenes Privacy-Netzwerk auf Ethereum-Basis, Arcium verfolgt wie Taceo einen MPC-Ansatz. Mit Canton existiert zudem ein Netzwerk, das Vertraulichkeit bereits in der Architektur verankert hat und von großen Finanzinstituten genutzt wird.
Für den Standort ist Taceo eines der sichtbarsten Beispiele dafür, was aus den Ausgründungen der TU Graz werden kann, und zählt zu den meistgenannten Deep-Tech-Startups der Steiermark.