- Lukas Helminger ist Mitgründer und CEO des Grazer Kryptografie-Unternehmens Taceo.
- Der Mathematiker war Kryptografie-Forscher und Lehrender an der TU Graz, bevor er 2022 mit fünf Kollegen das Unternehmen gründete.
- Unter seiner Führung gewann Taceo das Identitätsprojekt World als Kunden und im Juli 2025 eine Seed-Runde über 5,5 Millionen US-Dollar.
- Die Zusammenarbeit mit World entstand über zwei Jahre aus kleinen Forschungs- und Beratungsaufträgen.
- Helminger will das Unternehmen in Österreich halten; rund zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten in Graz.
„Es ist eigentlich sehr unspannend.“ So beginnt Lukas Helminger die Geschichte, wie ein Grazer Universitäts-Spin-off zum Lieferanten eines der bekanntesten Projekte des Silicon Valley wurde. Kein Pitch, kein Türöffner: Der erste Kontakt zu World, dem von Sam Altman mitgegründeten Identitätsprojekt, entstand auf einer akademischen Konferenz für Blockchain-Technologie, als Wissensaustausch unter Kryptografen. Vier Jahre nach der Gründung führt Helminger ein Unternehmen, dessen Software die Daten von mehr als 18 Millionen Menschen schützt.
- Ausbildung
- Mathematikstudium an der Universität Salzburg und an der TU Graz
- Stationen
- Kryptografie-Forscher und Lehrender an der TU Graz, Mitarbeit an Projekten für das österreichische Verteidigungsressort
- Aktuell
- Mitgründer und CEO der Taceo GmbH in Graz, seit 2022
Sechs Kryptografen, ein Unternehmen
Taceo entstand 2022 aus der TU Graz und dem Forschungszentrum Know Center. Helminger gründete gemeinsam mit Daniel Kales, Roman Walch, Lukas Götz, Stefan Plank und Christian Rechberger. Rechberger, Professor an der TU Graz und Chief Scientist des Unternehmens, ist Mitentwickler der Hashfunktion Poseidon, die in Zero-Knowledge-Systemen breit eingesetzt wird; aus dem Gründerkreis stammt laut Silicon Republic auch ein Prototyp für die Kontaktverfolgung in der Covid-19-Pandemie.
Das Problem, das die Gruppe lösen wollte, beschreibt Helminger so: Seit mehr als einem Jahrzehnt müssten Branchen über verteilte, private Datenbestände hinweg rechnen, „doch Privatsphäre und Zusammenarbeit haben nie nebeneinander existiert“. Wer verschlüsselte Daten gemeinsam auswerten wollte, musste sie zuerst entschlüsseln. Taceo verbindet dafür zwei Verfahren, Multiparty Computation und Zero-Knowledge-Beweise, zu einer Technik, die das Unternehmen coSNARKs nennt: Mehrere Rechner verarbeiten verschlüsselte Daten gemeinsam und liefern zugleich den Beweis, dass sie korrekt gerechnet haben.
Zwei Jahre Vertrauensaufbau
World hatte ein Performance-Problem in der Infrastruktur, an dem nach Helmingers Darstellung bereits mehrere Firmen gescheitert waren. Taceo begann mit kleinen Forschungsförderungen und Beratungsaufträgen und lieferte zunächst nur Teilstücke. „Es war ein zweijähriger Prozess des Vertrauens in uns und die Technologie“, sagte er im Mai 2026 dem Magazin brutkasten. Mit Sam Altman selbst habe man nie gesprochen, die Gespräche liefen mit einem Kryptografie-Experten aus dem Gründungsteam von World.
Was den Ausschlag gab, nennt Helminger Integrität: „Wir hatten eher das Problem des Understatements. Als europäisch-österreichisch ausgebildete Forscher neigt man dazu, zu understaten. Aber wenn man dann wirklich abliefert, wird das Vertrauen immer größer.“
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 2022 | Gründung von Taceo als Spin-off der TU Graz und des Know Center |
| 2024 | Aufnahme in a16z CSX, den Krypto-Accelerator von Andreessen Horowitz |
| Juli 2025 | Seed-Runde über 5,5 Millionen US-Dollar, angeführt von Archetype |
| März 2026 | Start des Taceo Network, im Einsatz bei World ID für knapp 18 Millionen Nutzer in 160 Ländern |
| September 2026 | Start von Merces für vertrauliche Zahlungen auf öffentlichen Blockchains |
Amerikanisches Geld, österreichische GmbH
Die Empfehlung des World-Teams öffnete die Tür zu US-Investoren. Dass diese direkt in eine österreichische GmbH investierten, war für beide Seiten Neuland. Zum Notar zu gehen und sich alles vorlesen zu lassen, sei für die meisten „ein Riesenhorror“ gewesen, erzählt Helminger. Gemacht haben sie es trotzdem.
Mit dem Kapital sollte das Team von zwölf auf rund 20 Personen wachsen. Den Standort stellt Helminger nicht infrage: „Wir sind alle österreichische Gründer - der Wunsch ist schon, hier zu bleiben, solange das irgendwie geht.“ Abwandern würde man nur, wenn die Rechtslage die Unternehmensführung nicht mehr wie gewünscht zuließe oder kein Kapital mehr ins Land fließe. Für die nächste Runde wünscht er sich europäische, „vielleicht sogar österreichische“ Beteiligung; in den ersten beiden Runden sei das wegen des Hochrisiko-Charakters der Technologie schwierig gewesen.
Das Taceo Network wird nicht von Taceo allein betrieben. Zu den Betreibern der Rechenknoten zählen das Ethereum-Infrastrukturunternehmen Nethermind und die Fakultät für Elektrotechnik der Tschechischen Technischen Universität in Prag. Weil kein einzelner Betreiber die gesamte Berechnung kontrolliert, kann auch Taceo selbst die zugrunde liegenden Daten nicht einsehen.
Einordnung
Helminger hat sein Fachgebiet nicht verlassen, sondern zum Geschäft gemacht - ein Weg, den auch andere Ausgründungen der TU Graz gegangen sind. Dass ein Team aus sechs Kryptografen einen Kunden dieser Größe gewinnt, erklärt er selbst mit Geduld und Liefertreue. Mit Merces überträgt das Unternehmen seine Technik seit September 2026 vom Identitätsnachweis auf den Zahlungsverkehr.
Quellen
- brutkasten: Wie ein Grazer Startup Sam Altmans World-Projekt knackte (08.05.2026)
- Silicon Republic: Taceo - Facilitating secure collaboration on private data (08.09.2025)
- The Next Web: Taceo launches a network for private computation (19.03.2026)
- Trending Topics: Taceo bringt vertrauliche Zahlungen auf öffentliche Blockchains (24.09.2026)
- Crunchbase: Profil Lukas Helminger