Der steirische Halbleiterkonzern ams-Osram hat Anfang Februar 2026 den Verkauf seines nicht-optischen Sensorgeschäfts an den deutschen Chipriesen Infineon Technologies bekannt gegeben. Der Kaufpreis beträgt 570 Millionen Euro in bar. Für den Standort Premstätten bei Graz mit rund 1.300 Beschäftigten wirft der Deal zentrale Fragen auf – über die Zukunft der Arbeitsplätze, den Erhalt von Know-how und die Rolle öffentlicher Förderungen.
- ams-Osram verkauft nicht-optisches Sensorgeschäft (Automotive, Industrie, Medizin) an Infineon für 570 Mio. Euro
- Rund 230 Mitarbeitende wechseln im Zuge der Transaktion zu Infineon
- Der Standort Premstätten bei Graz beschäftigt rund 1.300 Personen
- Gewerkschaften PRO-GE und GPA fordern klare Beschäftigungsgarantien
- ams-Osram senkt Verschuldungsgrad von 3,3 auf 2,5 und fokussiert auf „Digital Photonics“
- Abschluss der Transaktion für das zweite Quartal 2026 erwartet
Was genau wird verkauft?
Gegenstand des Deals ist das nicht-optische Analog- und Mixed-Signal-Sensorportfolio von ams-Osram. Dieses umfasst hochpräzise Sensorlösungen für Fahrzeuge (etwa Fahrwerkspositionsmessung und Handkontakt-Erkennung am Lenkrad), für die Industrieautomation (Winkel- und Positionserfassung in der Robotik) sowie für die Medizintechnik (Computer-Tomographie, kontinuierliche Glukosemessung). Im Geschäftsjahr 2025 erzielte dieser Bereich einen Umsatz von rund 220 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von etwa 60 Millionen Euro.
Die Transaktion ist als Asset Deal strukturiert. Das bedeutet: Infineon übernimmt Sensorprodukte, geistiges Eigentum, Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie Test- und Laborausrüstung – aber keine Produktionsstätten. Rund 230 Mitarbeitende, vor allem aus Forschung, Entwicklung und Management, sollen in die Infineon-Geschäftseinheit „Sensor Units & Radio Frequency“ (SURF) wechseln. Ein mehrjähriges Lieferabkommen zwischen beiden Konzernen ist Teil der Vereinbarung.
| Kennzahl | Detail |
|---|---|
| Kaufpreis | 570 Mio. Euro (bar) |
| Umsatz des verkauften Geschäfts (2025) | ca. 220 Mio. Euro |
| Wechselnde Mitarbeitende | ca. 230 (F&E, Management) |
| Beschäftigte Premstätten gesamt | ca. 1.300 |
| Verschuldungsgrad ams-Osram (nachher) | 2,5 (vorher: 3,3) |
| Geplanter Abschluss | Q2 2026 |
Was bedeutet der Deal für den Standort Premstätten?
ams-Osram hat seinen globalen Hauptsitz in Premstätten bei Graz. Dort arbeiten rund 1.300 hochspezialisierte Beschäftigte in Bereichen wie Sensorentwicklung, Halbleiterfertigung und Forschung. Nach dem Teilverkauf stellt sich die Frage, welche Rolle der Standort im neu ausgerichteten Konzern spielen wird. ams-Osram-CEO Aldo Kamper definiert „Digital Photonics“ – also die Digitalisierung von Lichtemission und optischer Sensorik – als strategischen Schwerpunkt. Bis 2030 strebt das Unternehmen ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 25 Prozent und einen Verschuldungsgrad unter 2,0 an.
Der Konzern steht seit längerem unter wirtschaftlichem Druck. 2024 sprang ein Großkunde für das Micro-LED-Projekt ab, was die Einstellung der Entwicklung und den Abbau von über 500 Stellen weltweit zur Folge hatte. Im November 2024 kündigte ams-Osram einen weiteren Sparkurs an – weniger als 50 Stellen in Premstätten sollten bis Ende 2026 nach Asien verlagert werden. Mit dem Infineon-Deal beschleunigt der Konzern nun seine Entschuldung deutlich.
Gewerkschaften schlagen Alarm
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA reagierten unmittelbar auf die Verkaufsmeldung. Die Vorsitzenden Reinhold Binder (PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA) forderten klare Absicherungen für den Standort: „Arbeitsplätze, Technologie und Know-how müssen weiter erhalten werden. Wir werden genau beobachten, wie es in Premstätten weitergeht.“ Besonders brisant: Der Aufbau des Standorts wurde in der Vergangenheit mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert. Die Gewerkschaften sehen darin einen klaren Auftrag an die Politik. „Für jede Million aus Steuergeldern muss es eine klare Beschäftigungsgarantie geben“, fordern Binder und Teiber.
Infineon-CEO Jochen Hanebeck bezeichnete den Zukauf als strategisch perfekte Ergänzung. Das erworbene Geschäft soll 2026 einen Umsatz von rund 230 Mio. Euro generieren und den Gewinn pro Aktie sofort positiv beeinflussen. Infineon betreibt selbst Standorte in Österreich, unter anderem in Villach und Graz.
Wie geht es weiter?
Der Abschluss der Transaktion steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und wird für das zweite Kalenderquartal 2026 erwartet. Am 10. Februar 2026 legt ams-Osram seine Quartalszahlen vor – dann dürfte sich zeigen, wie sich das operative Geschäft jenseits der Portfolioumbauten entwickelt. Für die Steiermark als Technologiestandort bleibt die Entwicklung bei ams-Osram ein Gradmesser: Der Konzern war und ist einer der wichtigsten Halbleiter-Arbeitgeber der Region.