Zum Inhalt springen
Samstag, 25. April 2026 Kontakt
Branchen

AC Styria Automotive Cluster - 320 Unternehmen, 70.000 Jobs, 17 Mrd. Euro

AC Styria Automotive Cluster - 320 Unternehmen, 70.000 Jobs, 17 Mrd. Euro

24 Prozent des steirischen Bruttoregionalprodukts gehen auf die Mobilitätsindustrie zurück - kein Bundesland Österreichs ist in so starkem Maß von einer einzelnen Branche geprägt. Geführt wird dieses Ökosystem seit 1995 vom AC Styria Mobilitätscluster mit Sitz in Raaba-Grambach bei Graz, der heute 320 Unternehmen mit über 70.000 Beschäftigten und einem Gesamtumsatz von mehr als 17 Milliarden Euro repräsentiert.

Das Wichtigste in Kürze
  • AC Styria ist der größte Mobilitätscluster Österreichs mit 320 Partnerunternehmen in den Sparten Automotive, Aerospace und Rail Systems
  • Über 70.000 Beschäftigte erwirtschaften jährlich mehr als 17 Mrd. Euro Gesamtumsatz
  • Über 180 Partner stammen aus dem Automotive-Bereich, mehr als 80 aus Aerospace mit rund 650 Mio. Euro Umsatz
  • Gründungsgesellschafter waren AVL List, Steyr Daimler Puch Fahrzeugtechnik und Chrysler Eurostar - Kernmarken der heutigen Magna Steyr
  • Die Automobilindustrie erwirtschaftet 24 Prozent des steirischen Bruttoregionalprodukts
  • Gesellschafter sind u.a. SFG, AVL List, Magna Steyr, Spring Components, Pierer Mobility und voestalpine

Von der Autostadt zum Mobilitätscluster

Als der Cluster 1995 unter dem Namen „Autocluster Styria" aus der Taufe gehoben wurde, war Graz bereits der wichtigste Automobilstandort Österreichs. Das Magna Steyr-Werk in Liebenau fertigte damals wie heute im Auftragsfertigungsmodell - mit Abnehmern von Mercedes-Benz über BMW bis Jaguar Land Rover und chinesischen Marken. 2020 wurde der Cluster umbenannt und um die Sparten Aerospace und Rail Systems erweitert, um der realen Struktur der Mitgliedsbetriebe zu entsprechen.

Gesellschafter der ACstyria Mobilitätscluster GmbH sind heute die Steirische Wirtschaftsförderung SFG, AVL List, Magna Steyr AG & Co KG, Spring Components, TCM International Tool Consulting, Pierer Mobility (KTM-Dachkonzern) und voestalpine. Die operative Führung wurde Anfang 2026 von Thomas Krenn übernommen, der zuvor in einer industriellen Leitungsfunktion tätig war.

Zahlen, Daten, Fakten

Kennzahl Wert
Partnerunternehmen gesamt320
Beschäftigteüber 70.000
Gesamtumsatzüber 17 Mrd. Euro
Automotive-Partnerüber 180
Aerospace-Partnerüber 80 (rd. 650 Mio. Euro Umsatz)
Anteil am steirischen BRP24 %
Gründungsjahr1995

Die Flaggschiffe der Region

Der Automotive-Part des Clusters ist kein Anhängsel großer Konzerne aus anderen Ländern - es sind eigenständige Player:

  • Magna Steyr in Graz-Liebenau beschäftigt rund 10.000 Mitarbeitende und fertigt im Auftrag internationaler OEMs komplette Fahrzeuge. Aktuell laufen in Graz unter anderem Modelle von BMW (G-Klasse), Mercedes-Benz und seit 2024 Fahrzeuge für chinesische Hersteller wie Fisker-Nachfolger und weitere Elektroauto-Auftragsfertigungen.
  • AVL List in Graz-Hart ist mit über 12.000 Mitarbeitenden weltweit das größte unabhängige Unternehmen für Antriebsstrangentwicklung, Testsysteme und Simulation.
  • Pankl Racing Systems in Kapfenberg (Obersteiermark) beliefert die Formel 1 und High-Performance-OEMs und betreibt mit Pankl Aerospace Systems Europe zudem eine eigene Luftfahrt-Tochter.
  • KTM/Pierer Mobility in Mattighofen und Anif/Graz prägt den Zweirad-Teil des Clusters.
  • voestalpine liefert mit ihren Werken in Kapfenberg und Donawitz hochfeste Stähle für den Karosserie- und Motorenbau.
  • Anton Paar in Graz ist zwar primär Messtechnik-Spezialist, aber mit Entwicklungslabors auch in der Qualitätssicherung der Automotive-Zulieferer präsent.

Aerospace - die zweite Säule

Deutlich kleiner, aber strategisch wichtig ist die Aerospace-Sparte. Zu den über 80 Partnerunternehmen gehören Pankl Aerospace Systems (Triebwerks- und Fahrwerkskomponenten, gegründet 2006 in Kapfenberg), Magna-Aerospace-Zulieferer, FACC-Zulieferbetriebe sowie Forschungseinrichtungen wie das Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation der TU Graz. Der Umsatz liegt bei rund 650 Millionen Euro.

Dazu kommt die Vernetzung mit dem ESA BIC Austria, dem Business Incubation Centre der European Space Agency am Science Park Graz. Dort werden Weltraumtechnologie-Startups gefördert, die zunehmend mit ACstyria-Mitgliedern kooperieren.

Transformation zur E-Mobilität

Die aktuell größte strategische Herausforderung des Clusters ist der Umstieg auf elektrische Antriebe. Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den in Graz gefertigten Autos stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich: Ab 2024 laufen bei Magna Steyr in Graz im Auftrag chinesischer Marken auch vollelektrische Modelle vom Band.

Wichtige Einschränkung:
Die Transformation zur E-Mobilität ist kein Selbstläufer. Zahlreiche steirische Zulieferer mit Kernkompetenz im klassischen Antriebsstrang (Kurbelwelle, Zylinderköpfe, Einspritzung) stehen unter Restrukturierungsdruck. Das betrifft sowohl Großbetriebe als auch kleinere Werkzeugbauer und Oberflächenbehandler. 2024 meldeten mehrere Tier-2-Zulieferer in der Obersteiermark Kurzarbeit an.

AC Styria reagiert darauf mit einem eigenen Transformationsprogramm. Kern sind Qualifizierungsinitiativen, Förderanträge zu Investitionen in Elektrolyse-, Batterie- und Leistungselektronik-Kompetenzen sowie gemeinsame Entwicklungsprojekte zwischen OEM und kleinen Zulieferern. Die SFG ist hier mit eigenen Förderschienen beteiligt.

Rail Systems - die dritte Dimension

Mit der Erweiterung um Rail Systems hat der Cluster eine dritte Sparte etabliert, die allerdings noch im Aufbau ist. Steirische Betriebe wie Stadler Trains Austria (Zweigwerk Graz), Siemens Mobility-Zulieferer sowie Weichen- und Komponentenhersteller tragen zu diesem Bereich bei. Die Eröffnung der Koralmbahn im Dezember 2025 hat die Sichtbarkeit der Branche erhöht und neue Aufträge für Wartungs- und Signaltechnikanbieter in die Region gebracht.

Fachkräfte und Forschung

Der Cluster arbeitet eng mit der TU Graz zusammen, wo mit dem Institut für Fahrzeugtechnik (VSI), dem Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik sowie dem Frank Stronach Institute (FSI) drei hochspezialisierte Forschungseinrichtungen entstanden sind. Dazu kommen die Studiengänge der FH Joanneum und das Virtual Vehicle Research Center als führendes industrielles Forschungszentrum für digitale Fahrzeugentwicklung.

Gut zu wissen:
AC Styria betreibt jährliche Leitveranstaltungen wie die „Automotive Conference" und die „Aerospace Day" - sowohl zur Fachdiskussion als auch zur Anbahnung von Industriekooperationen. Termine werden auf acstyria.com veröffentlicht.
Ausblick: Der steirische Automotive-Cluster steht vor der wohl größten Strukturveränderung seiner Geschichte. Gelingt es, die Zulieferkompetenzen in Batterie-, Leistungselektronik- und Wasserstoffanwendungen zu überführen, bleibt die Region Europas wichtigstes Automotive-Engineering-Drehkreuz. Gelingt es nicht, drohen langfristige Beschäftigungsverluste in der Obersteiermark.

Quellen