Im Rittersaal des Grazer Landhauses ist am 2. Februar 2026 die zweite Sitzung der Standortpartnerschaft Steiermark über die Bühne gegangen. Unter dem Vorsitz von Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) wurden zehn konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts präsentiert. Die Politik spricht von einer „Allianz der Willigen“ – die Opposition sieht dagegen zu wenig Substanz.
- Zweite Sitzung der Standortpartnerschaft Steiermark am 2. Februar 2026
- Zehn Maßnahmen beschlossen: Von Verteidigung über KI bis Breitband-Ausbau
- Neue Themenfelder: Batterietechnologie, Sicherheit/Verteidigung, Werkstoffe
- 70 Mio. Euro vom Bund für Breitband-Ausbau lukriert
- Breite Allianz: Landesregierung, Sozialpartner, Hochschulen, AMS, Gemeindebund
- SPÖ kritisiert fehlende Sofortmaßnahmen und „lose Absichtserklärungen“
Was ist die Standortpartnerschaft?
Die Standortpartnerschaft Steiermark wurde im Juni 2025 auf Initiative von Wirtschaftslandesrat Ehrenhöfer ins Leben gerufen und ist im Regierungsprogramm der FPÖ-ÖVP-Landesregierung verankert. Das Format bringt erstmals sämtliche wirtschaftsrelevanten Akteure an einen Tisch: Neben der Landesregierung sind die Wirtschaftskammer Steiermark, die Arbeiterkammer, die Industriellenvereinigung, der ÖGB, das AMS, die Steirische Hochschulkonferenz, der Gemeinde- und der Städtebund sowie die Landwirtschaftskammer und die Landarbeiterkammer eingebunden.
Bei der ersten Sitzung im Juni 2025 war eine Standortagenda mit drei Schwerpunktthemen und 30 Leitprojekten verabschiedet worden. Im Fokus standen damals die Transformation der Mobilitätsindustrie, die Sicherheit der Energieversorgung und die Fachkräftesicherung. Nun, rund sieben Monate später, wurden zehn konkrete Maßnahmen nachgelegt.
Die zehn Maßnahmen im Überblick
| Maßnahme | Ziel |
|---|---|
| Transformation der Mobilitätsindustrie | Automotive-Cluster Richtung Verteidigungsindustrie weiterentwickeln |
| Neue Themenfelder: Sicherheit & Verteidigung | Cyber-Security, Defence-Technologie als Wirtschaftsfaktor |
| Batterietechnologie | Bereits gestarteter Schwerpunkt weiter ausbauen |
| Werkstoffe | Neues Themenfeld für steirische Industrie |
| Künstliche Intelligenz & Automatisierung | KI-Zentren sollen Produktivität steigern |
| Regionale Leitprojekte | Wertschöpfung außerhalb der Ballungsräume stärken |
| Breitband-Ausbau | 70 Mio. Euro vom Bund, Dateninfrastruktur verbessern |
| Verkehrs- und Schieneninfrastruktur | Internationale Erreichbarkeit verbessern |
| Bürokratie-Abbau | Verwaltungsabläufe vereinfachen |
| Qualifizierung & internationale Märkte | Fachkräfte sichern, Standortmarketing, neue Märkte (Asien) |
Mobilitätsindustrie vor dem Umbruch
Die steirische Mobilitätswirtschaft steht unter besonderem Druck. Nicht erst seit den jüngsten Personalreduktionen bei AVL List – einem der größten privaten Arbeitgeber der Region – ist klar, dass die Branche eine fundamentale Transformation braucht. Die Standortpartnerschaft setzt hier auf einen strategischen Schwenk: Die Kompetenzen im Automotive-Sektor sollen stärker in Richtung Verteidigungsindustrie entwickelt werden. Wirtschaftslandesrat Ehrenhöfer betonte, dass dies bei Cyber-Security beginne, „die ganz entscheidend für Defence ist, aber auch für jeden Betrieb und jeden Menschen“.
Die IV-Steiermark Konjunkturumfrage zeigt ein düsteres Bild: Alle Indizes negativ, das Geschäftsklima liegt unter dem Österreich-Schnitt. Der Exportauftragsindex steht bei -7, der Sechs-Monats-Ausblick bei -26. Nur 1 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine Zunahme der Beschäftigung. Die Industrie fordert einen „Reformschock 2026“.
Kritik von der Opposition
Die SPÖ Steiermark reagierte skeptisch auf die Ergebnisse. Parteivorsitzender Max Lercher bemängelte, dass trotz monatelanger Ankündigungen weiterhin konkrete Sofortmaßnahmen fehlen würden. Bereits vorliegende Vorschläge wie ein Steiermark-Tarif oder ein Steiermark-Fonds seien nicht aufgegriffen worden. „Mehr als lose Absichtserklärungen von künftigen Themenfeldern, die man erkunden will, sind nicht erkennbar“, so Lercher. Er forderte eine klarere Gesamtstrategie – „ansonsten ist das eine Nullmeldung für unseren Standort“.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) hielt dagegen: Eine starke Wirtschaft sei die Grundlage für sichere Arbeitsplätze. Die präsentierten Ergebnisse zeigten, dass man auf dem richtigen Weg sei – entscheidend sei nun die konsequente Umsetzung.