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Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
Finanzen

Crowdfunding-Erfolge aus der Steiermark - ROCKETS, Green Rocket, CONDA

Crowdfunding-Erfolge aus der Steiermark - ROCKETS, Green Rocket, CONDA

200 Millionen Euro Gesamtkapital, 410 finanzierte Kampagnen, mehr als 47.000 Investoren - das ist die Bilanz von ROCKETS Investments mit Sitz am Joanneumring in Graz. Die Plattform, 2013 als Green Rocket für nachhaltige Unternehmen gestartet, hat sich zur größten Crowdinvesting-Plattform Österreichs entwickelt. Parallel dazu finanzierte CONDA aus Wien seit 2013 über 380 Projekte mit rund 300 Millionen Euro. Österreich gehört damit zu den aktivsten Crowdfunding-Märkten in Europa, und die steirische Hauptstadt ist einer der zentralen Hubs.

Das Wichtigste in Kürze
  • ROCKETS Investments aus Graz: 410 Kampagnen, über 200 Mio. € Gesamtvolumen, 47.000 Investoren
  • Drei Marken unter ROCKETS: Green Rocket (Nachhaltigkeit), Home Rocket (Immobilien), Lion Rocket (etablierte Unternehmen)
  • CONDA (Wien): 380 Projekte, rund 300 Mio. € Kapital, 70.000 Investoren - ECSP-Lizenz seit 2022
  • Bisherige Rekordkampagnen: SkyWind Energy mit 1,999 Mio. € (2024) und Biogena mit 4,75 Mio. € in zwei Runden (2023)
  • Typische Ticketgrößen: Crowdinvesting 100-10.000 € pro Privatinvestor, Kampagnenvolumen 100.000 € bis 5 Mio. €
  • Erfolgreiche Kampagnen brauchen ausgeprägte Story, klare Finanzkennzahlen, aktives Community-Management

ROCKETS Investments - die größte Plattform aus Graz

Das Unternehmen mit Sitz in Graz gilt als aktivste Crowdinvesting-Plattform Österreichs. 2013 startete Green Rocket als erste nachhaltige Plattform, später kamen Home Rocket (Immobilien) und Lion Rocket (etablierte Mittelstandsunternehmen) dazu. Im Sommer 2022 strukturierte das Unternehmen um: Die drei Kategorien wurden unter der Dachmarke ROCKETS zusammengeführt und auf einer einheitlichen Plattform mit verbessertem Investoren-Dashboard neu aufgesetzt.

Die Bilanz ist beeindruckend: Über 410 erfolgreich finanzierte Kampagnen in den drei Kategorien seit 2013, mehr als 47.000 registrierte Investoren und über 200 Millionen Euro an platziertem Kapital. Die Plattform ist damit klar die Nummer eins am österreichischen Markt für Eigenkapital- und Nachrangdarlehen-Crowdinvesting.

Beispielkampagnen mit Schlagkraft

  • SkyWind Energy (2024): 1,999 Millionen Euro - die bisher erfolgreichste GREEN-Kampagne auf der Plattform
  • Biogena (2023): 4,75 Millionen Euro in zwei Runden - Österreichs Premium-Supplement-Hersteller
  • Vulkangestein-Technologie: jüngere Green-Rocket-Kampagne für innovative Baustofftechnologie

ROCKETS Investments plant selbst den Gang an die Wiener Börse. Die Tochter ROCKETS Holding ist im Capital Market Coach-Programm der Wiener Börse gelistet.

CONDA - Wiener Konkurrenz mit ECSP-Lizenz

CONDA ist die andere große Crowdinvesting-Plattform im österreichischen Markt, Sitz Wien. Seit Gründung 2013 wurden über 380 Projekte mit etwa 300 Millionen Euro finanziert - gestreut über mehr als 70.000 Investoren. CONDA war eine der ersten Plattformen in Europa, die von der österreichischen Finanzmarktaufsicht die European Crowdfunding Service Provider-Lizenz (ECSP) erhielt. Diese EU-weit gültige Lizenz erlaubt grenzüberschreitende Kampagnen.

Auch steirische Unternehmen setzen auf CONDA: Die KAPO Fenster und Türen GmbH, ein Premium-Hersteller mit Sitz in der Steiermark, realisierte über CONDA erfolgreich eine Bond-Kampagne mit 8 Prozent Basiszins. Das zeigt: Steirische Emittenten nutzen beide Plattformen parallel - abhängig vom Zielpublikum und der gewünschten Strukturierung.

Was funktioniert - und was nicht

Was erfolgreiche Kampagnen gemeinsam haben

  • Starke Marke oder klare Story: Biogena hatte einen etablierten B2C-Namen, SkyWind eine klar kommunizierbare Vision für Kleinwindkraft
  • Transparente Finanzkennzahlen: Investoren wollen Umsätze, Margen, Wachstumsraten sehen - nicht nur Visionen
  • Community-Aktivierung vor Launch: Erfolgreiche Kampagnen starten mit bereits interessierten Unterstützern, die am ersten Tag zeichnen
  • Realistische Zielvolumina: Lieber 500.000 Euro erreicht als 2 Millionen verfehlt
  • Zweitkampagnen mit nachvollziehbarem Progress: Biogena punktete in der zweiten Runde mit konkret eingelösten Versprechen aus Runde eins

Warum Kampagnen scheitern

  • Überhöhte Bewertungen: Wer Unternehmen mit dem 25-fachen EBITDA bewertet, schreckt selbst Laien-Investoren ab
  • Unklare Story: Generische "grüne Innovation" reicht nicht - die Unterscheidungsmerkmale müssen konkret sein
  • Mangelnde Kommunikation während der Laufzeit: Schweigsame Kampagnen verlieren Dynamik
  • Fehlender Plan B: Zu viele Kampagnen hängen komplett von einem einzelnen Kunden oder einer einzelnen Technologie ab

Ticketgrößen und Strukturen

Format Typisches Volumen Ticketgröße Struktur
Startup Equity 300-2.000 T€ 100-10.000 € Nachrangdarlehen mit Erfolgsbeteiligung
Mittelstand Bond 1-5 Mio. € 500-50.000 € Anleihe mit fixem Zinssatz
Immobilien 500 T€ - 3 Mio. € 250-50.000 € Nachrang mit Projekt-Laufzeit
Green/Impact 300 T€ - 2 Mio. € 100-25.000 € gemischt

Rechtlicher Rahmen und ECSP

Seit Inkrafttreten der European Crowdfunding Service Providers Regulation (ECSP) 2021 sind österreichische Plattformen europaweit einheitlich reguliert. Wichtigste Punkte für Investoren und Emittenten:

  • Kampagnenvolumen bis 5 Mio. Euro pro 12-Monats-Zeitraum (ohne Prospektpflicht nach ECSP-Regelung)
  • Verpflichtendes Key Investment Information Sheet (KIIS) für jede Kampagne
  • Cooling-off-Phase für Retail-Investoren (4 Kalendertage Rückzugsrecht)
  • Aufklärungspflichten der Plattform gegenüber unerfahrenen Investoren
  • Lizenzpflicht der Plattformen bei der Finanzmarktaufsicht (FMA)

Crowdfunding für steirische Unternehmen - wann sinnvoll

Nicht jedes Unternehmen eignet sich für Crowdfunding. Die besten Kandidaten erfüllen mehrere Kriterien: sie haben eine B2C-Marke oder eine regional verankerte Geschichte, die emotionale Identifikation ermöglicht. Sie brauchen Kapital im mittleren sechsstelligen bis unteren siebenstelligen Bereich. Sie haben bereits Umsatz, aber noch keinen Zugang zu klassischem VC. Und sie sind bereit, Investorenkommunikation aktiv zu betreiben - vor, während und nach der Kampagne.

Ungeeignet ist Crowdfunding für reine Deep-Tech-B2B-Themen ohne öffentlichen Wiedererkennungswert, für Businesses mit Hochrisiko-Struktur (Medikamenten-Zulassung, Rohstoff-Exploration) oder für Geschäfte mit komplexen Finanzstrukturen, die Laien-Investoren schwer vermittelbar sind.

Praxis-Tipp:
Erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen beginnen mindestens drei Monate vor dem offiziellen Launch. In dieser Zeit wird die eigene Community aufgebaut (Newsletter, Social Media, Events), der Pitch finalisiert und mit der Plattform abgestimmt. Wer kurzfristig ohne Community-Basis startet, erreicht meist nur einen Bruchteil des Zielvolumens.
Wichtige Einschränkung:
Crowdfunding-Investments bergen hohe Risiken. Nachrangdarlehen sind im Insolvenzfall nachrangig, Equity-Investments können bei Startup-Scheitern komplett ausfallen. Die Ausfallraten liegen bei Impact- und Startup-Kampagnen typischerweise bei 20 bis 30 Prozent. Investoren sollten nur Beträge einsetzen, deren Totalverlust sie verkraften können - und breit streuen.
Rechtlicher Hinweis:
Diese Informationen ersetzen keine professionelle Beratung. Investitionsentscheidungen und strukturelle Fragen rund um Crowdfunding-Emissionen sollten mit einem Rechtsanwalt, Steuerberater oder Kapitalmarktspezialisten abgestimmt werden.
Ausblick: Der österreichische Crowdfunding-Markt wächst seit Jahren stabil, bei ROCKETS und CONDA steht mittelfristig jeweils der Schritt in Richtung Börsennotierung oder größere Fonds-Strukturen an. Für steirische Unternehmen bleibt die Nähe zu ROCKETS in Graz ein struktureller Vorteil: kurze Wege, persönliche Beziehungen, gemeinsames Ökosystem mit SFG und Green Tech Valley. Wer sich für Crowdinvesting interessiert, sollte nicht nur die Marketingbroschüren ansehen, sondern vergangene Kampagnen und ihre tatsächlichen Rückflüsse analysieren.

Quellen