300 Unternehmen, rund 25.000 Beschäftigte und 7,6 Milliarden Euro Umsatz: Das Green Tech Valley im Länderverbund Steiermark und Kärnten ist der mit Abstand bedeutendste Cluster für Umwelt- und Energietechnik in Österreich. Wo andere Regionen einzelne Pioniere haben, hat die Steiermark eine dichte Zulieferer- und Forschungslandschaft, die weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt.
- Das Green Tech Valley bündelt rund 300 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Steiermark und Kärnten
- Im Jahr 2022 erwirtschafteten die Clusterbetriebe 7,6 Mrd. Euro Umsatz - ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr
- Der jährliche Startup-Radar zählte für 2026 in Österreich 228 Green Tech Startups, 12 davon neu in der Steiermark
- Kernthemen sind Energie, Wasser, Abfall, Biomasse sowie Kreislaufwirtschaft, Mobilität und digitale Lösungen
- Geschäftsführer der Green Tech Valley Cluster GmbH ist Bernhard Puttinger, Sitz der Gesellschaft ist Graz
- Der Cluster wurde 2022 mit dem EU-REGIOSTARS-Award als bestes europäisches Regionalentwicklungsprojekt ausgezeichnet
Vom Abfallwirtschaftspionier zum Weltmarktführer-Cluster
Der Ursprung des Green Tech Valley liegt in den späten 1980er-Jahren. In der Steiermark entstanden damals mehrere Pioniere der Abfall- und Umwelttechnik: Saubermacher (gegründet 1979 in Feldkirchen bei Graz), der Maschinenhersteller Komptech in Frohnleiten (1992), dazu kamen mit Andritz Hydro und Binder+Co weitere Player mit globalem Anspruch. 2005 wurde daraus ein formaler Cluster unter dem Namen Eco World Styria, seit 2014 firmiert er als Green Tech Valley.
Heute verantwortet die Green Tech Valley Cluster GmbH mit Sitz in der Grazer Waagner-Biro-Straße das Netzwerkmanagement. Geschäftsführer ist seit vielen Jahren Bernhard Puttinger, Gesellschafter sind die SFG (Steirische Wirtschaftsförderung), das Land Kärnten und die Stadt Graz.
Zahlen, Daten, Fakten
Die wirtschaftliche Bedeutung des Clusters lässt sich an nüchternen Zahlen ablesen. Gemäß der Green Tech Valley-eigenen Erhebung haben die Clusterbetriebe in den vergangenen zehn Jahren ihre Beschäftigtenzahl verdoppelt und den Umsatz verdreifacht.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Unternehmen im Cluster | rund 300 |
| Umsatz (2022) | 7,6 Mrd. Euro |
| Beschäftigte (rund) | 25.000 |
| Globale Technologieführer | rund 20 |
| Green Tech Startups Österreich (2026) | 228 (+6 % ggü. 2025) |
Die Leitbetriebe - von Andritz bis Komptech
Der Cluster profitiert von einem Mix aus global agierenden Technologiekonzernen und stark spezialisierten Mittelständlern. Zu den Flaggschiffen zählen:
- Andritz Hydro in Graz und Weiz ist Weltmarktführer im Wasserkraftanlagenbau und baut Turbinen für Projekte von Laos bis Lateinamerika.
- Energie Steiermark mit Sitz in Graz betreibt den größten Teil der heimischen Stromerzeugung aus Wasserkraft und investiert aktuell verstärkt in Photovoltaik und Windkraft.
- Komptech aus Frohnleiten liefert mit rund 700 Mitarbeitenden und 95 Prozent Exportquote Zerkleinerungs- und Sortiermaschinen für die Abfallaufbereitung weltweit. Jährlich werden mit Komptech-Anlagen 6,5 Millionen Tonnen Abfall verarbeitet.
- voestalpine Stahl Donawitz entwickelt im Großprojekt „greentec steel" einen Elektrolichtbogenofen für grünen Stahl und investiert dafür 450 Millionen Euro am Standort Leoben. Der Betriebsstart ist für 2027 geplant.
- Binder+Co aus Gleisdorf ist auf Siebmaschinen und optische Sortiertechnik für Glas und Baustoffrecycling spezialisiert.
- Saubermacher aus Feldkirchen bei Graz erzielte 2024 mit 3.800 Beschäftigten 500 Millionen Euro Konzernumsatz.
Dazu kommen hochspezialisierte Betriebe wie Kelag (Wasserkraft aus Klagenfurt, aber stark mit steirischen Zulieferern verwoben), Energie AG-Tochterunternehmen, sowie forschungsstarke Einrichtungen wie Joanneum Research mit dem Institut LIFE und das Know-Center an der TU Graz.
Themenfelder: Energie, Kreislauf, Digital
Der Cluster ordnet die Unternehmen heute acht Technologiefeldern zu:
| Feld | Unternehmen (ca.) |
|---|---|
| Efficiency (industrielle Energieeffizienz) | 120 |
| Climate & more | 75 |
| Building (Gebäude & nachhaltiges Bauen) | 73 |
| Digital (Softwarelösungen) | 73 |
| Circular (Kreislaufwirtschaft) | 67 |
| Power (Strom & erneuerbare Erzeugung) | 64 |
| Heat (Wärmeerzeugung & -verteilung) | 38 |
| Mobility (nachhaltige Mobilität) | 35 |
Der Green Tech Valley Cluster vermittelt aktiv zwischen etablierten Betrieben und Startups. Die jährliche Konferenz Green Tech Summit in Graz und das Programm „Green Tech Jobs" bringen Fachkräfte, Investoren und Unternehmen zusammen. Termine und Anmeldung unter greentech.at.
228 Green Tech Startups - die neue Generation
Neben den etablierten Konzernen ist die Gründerlandschaft in den letzten Jahren kräftig gewachsen. Der Startup-Monitor des Clusters zählte für 2026 insgesamt 228 Green Tech Startups in ganz Österreich - ein Plus von sechs Prozent gegenüber den 215 des Vorjahrs. 12 dieser Neugründungen sitzen in der Steiermark, vor allem im Umfeld des Science Park Graz und der TU Graz.
Schwerpunktthemen sind Energiespeicher, Photovoltaik-Integration, Wasseraufbereitung, Sensorik für die Abfallwirtschaft und KI-Anwendungen zur Optimierung industrieller Prozesse. Ein prominentes Beispiel aus der Region ist das Projekt AI-Waste, in dem Komptech gemeinsam mit dem Know-Center Graz an KI-gestützten Sortierverfahren arbeitet, die die Recyclingquote um mehr als zehn Prozent steigern sollen.
Forschung und Fachkräftebasis
Die wissenschaftliche Basis des Clusters ist bemerkenswert dicht. Die TU Graz mit ihren energietechnischen Instituten, die Montanuniversität Leoben mit Schwerpunkt Rohstoffe und Recycling, die FH Joanneum, das Joanneum Research, das AEE Intec in Gleisdorf (Solarthermie) und das Know-Center bilden einen Forschungspool, in dem Green Tech-Themen nicht als Randbereich, sondern als Schwerpunkt betrieben werden.
Die Folge: Österreichweit gehen rund 30 Prozent aller Patente im Bereich Umwelt- und Energietechnik auf steirische Anmelder zurück - bei einem Anteil der Steiermark an Österreichs Wirtschaftsleistung von rund 15 Prozent ist das eine signifikante Überperformance.
Auszeichnung und internationale Sichtbarkeit
Dass der Cluster auch international Beachtung findet, zeigte sich 2022 mit dem EU-REGIOSTARS-Award: Die EU-Kommission prämierte das Green Tech Valley als bestes europäisches Regionalentwicklungsprojekt im Bereich Smart Specialisation. Die Auszeichnung erhöhte die Sichtbarkeit bei potenziellen Investoren und führte zu mehreren Ansiedlungen deutscher und niederländischer Zulieferbetriebe.
Quellen
- Green Tech Valley Cluster: Unternehmen und Themenfelder
- Green Tech Valley: 228 Gründungen - Green Tech Startups Austria 2026
- SFG: Green Tech Valley bei EU REGIOSTARS-Award ausgezeichnet
- voestalpine: greentec steel - Investitionsprogramm Donawitz und Linz
- Saubermacher: Unternehmensprofil und Kennzahlen
- Komptech: Neues Headquarter in Frohnleiten