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Georg Knill - der IV-Präsident aus der 13. Industriegeneration

Am 6. Juni 2024 wurde Georg Knill im Haus der Industrie in Wien für eine zweite Amtszeit als Präsident der Industriellenvereinigung Österreich bestätigt. Der Weizer Industrielle führt damit bis 2028 die Interessenvertretung der heimischen Industrie - und gleichzeitig ein Familienunternehmen, dessen Wurzeln bis in die Zeit um 1712 zurückreichen. Knill ist die 12. Generation an der Spitze der Knill-Gruppe.

Das Wichtigste in Kürze
  • Georg Knill (Jahrgang 1973) ist seit Juni 2020 Präsident der Industriellenvereinigung Österreich (IV)
  • Im Juni 2024 wurde er für eine zweite Amtszeit bis 2028 wiedergewählt
  • Seit 2007 geschäftsführender Gesellschafter der Knill-Gruppe in Weiz, führt das Unternehmen gemeinsam mit Bruder Christian
  • Aufsichtsratsvorsitzender der Rosendahl Nextrom GmbH in Pischelsdorf
  • Die Knill-Gruppe zählt rund 2.500 Beschäftigte und zielt für 2025 auf eine halbe Milliarde Euro Umsatz
  • Früher Landesgruppen-Präsident der IV Steiermark (2016-2020)
Lebensdaten
Geboren
2. Jänner 1973
Ausbildung
HTL Weiz (1987-1992), Maschinenbau und Betriebstechnik
Stationen
Seit 1993 in der Knill-Gruppe (Einsätze in Schweiz, Großbritannien, Frankreich, Deutschland), 2001-2008 Obmann Junge Industrie Steiermark, 2016-2020 Präsident IV Steiermark, seit Juni 2020 IV-Präsident Österreich
Aktuell
Geschäftsführender Gesellschafter Knill-Gruppe, Aufsichtsratsvorsitzender Rosendahl Nextrom, IV-Präsident Österreich (bis 2028)

12. Generation einer steirischen Industriedynastie

Die Knill-Gruppe zählt zu den ältesten durchgehend familiengeführten Industrieunternehmen Österreichs. Als Gründungsjahr wird 1712 angegeben, das Stammhaus steht in Weiz in der Oststeiermark. Über die Jahrhunderte entwickelte sich aus einer Hammerschmiede ein Konzern, der heute in drei Kernfeldern aktiv ist: Energie, Kommunikation und Mobilität.

Georg Knill trat 1993 nach der HTL Weiz in das Unternehmen ein. Nach Ausbildungs- und Arbeitsstationen in der Schweiz, in Großbritannien, Frankreich und Deutschland übernahm er 2002 gemeinsam mit seinem Bruder Christian Knill die operative Führung. Seit 2007 sind beide geschäftsführende Gesellschafter. Die Arbeitsteilung ist klar: Christian Knill steuert als CEO die Knill Energy Holding GmbH, Georg Knill führt als Aufsichtsratsvorsitzender die Rosendahl Nextrom-Sparte mit Sitz in Pischelsdorf.

Rosendahl Nextrom - Weltmarkt aus der Oststeiermark

Rosendahl Nextrom ist das industrielle Rückgrat in Georg Knills operativem Portfolio. Das Unternehmen entwickelt und produziert Maschinen für drei Bereiche: Kabel- und Drahtherstellung, Produktion von Lichtwellenleitern sowie Anlagen für die Batteriefertigung. Mehr als 400 Beschäftigte arbeiten am Standort Pischelsdorf, die Systeme werden weltweit exportiert.

Gewachsen ist die Gruppe über eine Reihe von Zukäufen. Die wichtigsten Stationen:

Jahr Übernahme Geschäftsfeld
1985 Lorünser Energie
1989 Elsta Mosdorfer Energie
1997 Rosendahl Kabel- und Drahtmaschinen
2005 Nextrom Glasfaseranlagen
2010 BM Battery Machines Batterietechnik
2012 Almatec Mobilität

Die Gesamtgruppe beschäftigt heute rund 2.500 Menschen und peilt für 2025 erstmals eine halbe Milliarde Euro Jahresumsatz an. Über die vergangenen zwanzig Jahre lag das durchschnittliche Umsatzwachstum laut Unternehmensangaben bei elf Prozent pro Jahr - ein für einen Mittelstandsbetrieb dieser Größenordnung bemerkenswerter Wert.

Der Weg an die IV-Spitze

Knills politische Karriere innerhalb der Industrie-Interessenvertretung ist stringent: von der Jungen Industrie Steiermark, deren Obmann er von 2001 bis 2008 war, über die Landesgruppe IV Steiermark (Präsident 2016-2020) bis zum österreichweiten Mandat. Im Juni 2020 wurde er als Nachfolger von Georg Kapsch zum Präsidenten der Industriellenvereinigung Österreich gewählt. Die Wiederwahl am 6. Juni 2024 erfolgte mit klarer Mehrheit für eine zweite Amtszeit bis 2028.

Erstmals setzt sich das IV-Präsidium dabei fast zur Hälfte aus Frauen zusammen. Vizepräsidentinnen sind Sabine Herlitschka (Infineon Austria) und Patricia Neumann (Siemens Österreich), dritter Vizepräsident ist F. Peter Mitterbauer (Miba).

Positionen und Haltung

Knill tritt in Wien mit konsistenten wirtschaftspolitischen Forderungen auf. Im Zentrum steht die Entlastung des Standorts: Senkung der Lohnnebenkosten, Bürokratieabbau, ein schlanker Staat. Vermögens- und Erbschaftssteuern lehnt er ab. In der Pensionspolitik plädiert er für eine schrittweise Anhebung des faktischen Pensionsalters in Richtung 70 Jahre. Eine gesetzliche Vier-Tage-Woche bezeichnet er als unrealistisch für einen industrielastigen Standort wie Österreich.

Nach der Nationalratswahl im Herbst 2024 sprach sich Knill offen für Koalitionsgespräche zwischen ÖVP und FPÖ aus. Als diese im Februar 2025 scheiterten, äußerte er "tiefes Bedauern". Bei späteren Stellungnahmen betonte er die Notwendigkeit einer stabilen Regierung mit klarem Budgetkurs.

Einordnung:
Die IV versteht sich als Stimme der rund 4.500 österreichischen Industrieunternehmen mit rund 475.000 Beschäftigten. Sie ist, anders als die Wirtschaftskammer, keine gesetzliche Interessenvertretung mit Pflichtmitgliedschaft, sondern ein freiwilliger Verband. Die öffentliche Wirksamkeit ergibt sich deshalb nicht aus Kammerstrukturen, sondern aus der Sichtbarkeit des Präsidenten in Wien.

Verbindung nach Graz - auch akademisch

Knill pflegt enge Verbindungen in den Wissenschaftsbetrieb der Steiermark. 2021 wurde er von der TU Graz zum Ehrensenator ernannt. Über die IV Steiermark bestehen feste Arbeitsbeziehungen zu Forschungseinrichtungen in Graz, Leoben und Weiz. Für den Fachkräftenachwuchs gilt das Bekenntnis zu dualer Ausbildung als Konstante: Die Knill-Gruppe bildet am Stammsitz Weiz traditionell Lehrlinge aus.

Privat ist Knill verheiratet und Vater zweier Töchter. Er lebt in der Oststeiermark.

Die zweite Amtszeit

Für seine zweite Funktionsperiode hat Knill die Schwerpunkte klar kommuniziert: Energiepreise, Dekarbonisierung der Industrie, Reform von Bewilligungsverfahren, Bildung und Fachkräfte. Die IV fordert unter Knills Vorsitz insbesondere eine verlässliche Industriepolitik, die Investitionsentscheidungen über zehn bis fünfzehn Jahre planbar macht.

Spannungen gab es zuletzt bei der Frage der Lohnpolitik. Die Kollektivvertragsverhandlungen der Metallindustrie, bei denen die IV Arbeitgeberverhandler stellt, haben in den vergangenen Jahren mehrfach für öffentliche Konfrontationen zwischen Knill und der Gewerkschaft Pro-Ge gesorgt. Die Verhandlungen liefen meist bis zur letzten Nachtstunde und endeten in akzeptierten, aber kühl kommentierten Abschlüssen.

Ausblick: Die zweite Amtszeit Georg Knills fällt in eine industriepolitisch heikle Phase: hohe Energiepreise, Transformation der Automobilindustrie, Fachkräftemangel. Als IV-Präsident hat er bis 2028 Zeit, den Standort auf diese Umbrüche mitzuführen. Gleichzeitig verantwortet er mit der Knill-Gruppe ein Familienunternehmen, das im Jahr 2025 erstmals die halbe Milliarde Euro Umsatz anpeilt - ein Doppelauftrag, den vor ihm nur wenige IV-Präsidenten in diesem Umfang geschultert haben.

Quellen