Rund 150 Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind in der Human.technology Styria (HTS) organisiert - dem steirischen Life-Sciences-Cluster mit Sitz in Graz. Das Spektrum reicht vom Probiotika-Entwickler Institut AllergoSan mit über 250 Mitarbeitenden bis zu Spin-offs der Medizinischen Universität Graz, die an Digital-Health-Anwendungen arbeiten. Kaum ein anderer Bereich der steirischen Wirtschaft verbindet Grundlagenforschung und Exportindustrie so eng.
- Human.technology Styria GmbH wurde 2004 gegründet und bündelt rund 150 Mitglieder aus Wirtschaft, Forschung und Gesundheitsdienstleistungen
- Sitz ist Graz, Neue Stiftingtalstraße 2, in unmittelbarer Nähe zum Medizincampus der Medizinischen Universität Graz
- Drei strategische Schwerpunkte: Medizintechnik, Pharma und Biotechnologie sowie Health & Sustainability
- Querschnittsthemen sind Startups, Digitalisierung und Qualifizierung
- Institut AllergoSan mit OMNi-BiOTiC ist 2026 die europäische Nummer 1 bei Probiotika
- Mit dem Medizincampus Graz, der ACIB (Austrian Centre of Industrial Biotechnology) und Joanneum Research Health hat der Cluster eine dichte Forschungsbasis
Das Ökosystem in Zahlen
Gegründet wurde HTS 2004 als Tochter der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft SFG. Über die Jahre ist die Mitgliedszahl stetig gewachsen. In aktuellen Kommunikationen kommuniziert der Cluster rund 150 Partnerunternehmen aus den Bereichen Life Sciences, Medizintechnik, Pharmazie und Gesundheitsdienstleistungen.
Die drei strategischen Schwerpunkte sind auf der Website des Clusters klar definiert: „medical technology, pharmaceuticals & biotechnology and health & sustainability". Querschnittsthemen sind Startups, Digitalisierung und Qualifizierung. Die Organisation versteht sich als Brückenbauer zwischen Forschung, Entwicklung und Wirtschaft.
| Kennzahl HTS | Wert |
|---|---|
| Gründung | 2004 |
| Mitgliedsunternehmen/-einrichtungen | rund 150 |
| Sitz | Graz, Neue Stiftingtalstraße 2 |
| Gesellschafter | Land Steiermark / SFG |
| Strategische Felder | MedTech, Pharma/Biotech, Health & Sustainability |
Die Leitbetriebe - von AllergoSan bis VTU
Aus dem Kreis der Mitglieder ragen mehrere Unternehmen heraus, die am Weltmarkt sichtbar sind:
- Institut AllergoSan, gegründet 1991 in Graz, entwickelt probiotische Präparate unter der Marke OMNi-BiOTiC. 2026 ist OMNi-BiOTiC laut Mediamarktforschung die führende Probiotika-Marke Europas. Das Unternehmen beschäftigt über 250 Mitarbeitende und verkauft in 40 Ländern.
- VTU Engineering mit Sitz in Raaba bei Graz ist ein auf Prozessanlagen für Pharma, Biotech und Feinchemie spezialisierter Engineering-Dienstleister mit über 1.500 Mitarbeitenden und Standorten in mehreren europäischen Ländern.
- Payer International Technologies in Graz ist spezialisiert auf Miniatur-Elektronikkomponenten für medizinische Kleingeräte, Hörgeräte und Diagnostik.
- Fresenius Kabi unterhält am Standort Graz-Werndorf eine Produktion für medizinische Infusionslösungen.
- Andritz AG ist primär für Anlagenbau bekannt, engagiert sich aber mit der Andritz Separation-Sparte auch in pharmazeutischen Filtrationslösungen.
Dazu kommen zahlreiche Startups aus dem Umfeld des Science Park Graz, der Medizinischen Universität Graz und der TU Graz - viele im Digital-Health-Bereich (Software für medizinische Anwendungen, KI-gestützte Bilddiagnostik, patientenzentrierte Plattformen).
Forschungsumfeld - Medizincampus Graz
Die geografische Nähe zum Medizincampus der Medizinischen Universität Graz ist einer der wichtigsten Standortfaktoren des Clusters. Rund 4.400 Mitarbeitende forschen und lehren an der Medizinischen Universität Graz. Das Universitätsklinikum LKH-Univ. Klinikum Graz versorgt als Schwerpunktspital jährlich mehrere Hunderttausend Patienten und fungiert zugleich als klinisches Studienzentrum.
Dazu kommen hochspezialisierte Forschungszentren: die ACIB - Austrian Centre of Industrial Biotechnology mit Sitz in Graz, das CBmed - Center for Biomarker Research in Medicine (Analyse von Biomarkern für personalisierte Medizin), sowie der Joanneum Research HEALTH Institutsstandort in Graz.
Für Startups im Life-Sciences-Bereich ist die Teilnahme am Programm „Future Health" von HTS empfehlenswert - dort werden Kooperationen mit etablierten Mitgliedsunternehmen angebahnt. Zusätzlich bietet die FFG mehrere thematisch zugeschnittene Förderlinien (Life Sciences Calls, ACIB-Kooperationen). Informationen zu aktuellen Calls gibt es unter ffg.at/ausschreibung.
Schwerpunkte: MedTech, Pharma/Biotech, Health Tech
Innerhalb des Clusters haben sich drei Technologiefelder mit klarem regionalen Profil herausgebildet:
Medizintechnik ist traditionell ein starkes Feld, getragen von Anton Paar (Messtechnik mit Anwendung in der Diagnostik), Payer International, Technikum mit Joanneum Research HEALTH und zahlreichen kleineren Spezialisten. Die Grazer Stärke liegt in der Verbindung von Sensorik, Mikroelektronik und klinischer Anwendung.
Pharma und Biotech bewegen sich im Spannungsfeld von industrieller Biotechnologie (getragen von der ACIB) und patientennahen Präparaten (AllergoSan, Fresenius Kabi). Biotechnologische Prozessentwicklung für Antikörper, Enzyme und Spezialproteine ist eine der Kernkompetenzen.
Health & Sustainability ist der jüngste Schwerpunkt. Dazu zählen Ernährungsforschung, Mikrobiomanalytik, digitale Gesundheitsanwendungen und nachhaltige Verpackungslösungen für Arzneimittel.
HTS veranstaltet regelmäßig die internationale Fachmesse „BioNanoMed" in Krems sowie Matchmaking-Events für Pharma-Zulieferer. Zudem besteht über das Enterprise Europe Network Zugang zu EU-weiten Ausschreibungen im Gesundheitsbereich.
Internationale Sichtbarkeit
Die Sichtbarkeit steirischer Life-Sciences-Firmen auf europäischer Ebene ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das liegt auch an der Beteiligung am European Cluster Collaboration Platform, wo HTS als eine von wenigen österreichischen Cluster-Organisationen im Bereich Life Sciences gelistet ist. Zudem gibt es Kooperationen mit Clustern in Bayern (BioM Biotech Cluster), Schweden (Medicon Valley) und den Niederlanden.
Herausforderungen
Trotz der soliden Strukturen ist die Branche nicht ohne Sorgen. Drei Punkte werden von Branchenvertretern und im Standortbericht der WKO Steiermark regelmäßig genannt:
- Fachkräftemangel: Molekularbiologen, Bioprozesstechniker und zertifizierte klinische Prüfer sind knapp. Die Medizinische Universität Graz und die FH Joanneum arbeiten daran, die Ausbildungskapazitäten zu erweitern.
- Regulatorische Hürden: Die EU-Medizinprodukteverordnung MDR hat vor allem kleinere Hersteller vor große bürokratische Herausforderungen gestellt.
- Kapitalmangel: Seed- und Series-A-Finanzierung für Biotech-Gründungen ist in Österreich nach wie vor schwächer ausgeprägt als in Boston, München oder London. eQventure und der SFG-nahe TECHFORTASTE-Fonds versuchen, diese Lücke zu schließen.