- Das ICS Internationalisierungscenter Steiermark ist die gemeinsame Exportserviceorganisation von Land Steiermark, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung.
- Gegründet wurde es 2005 als One-Stop-Shop für alle Fragen rund um Auslandsgeschäft und Markteintritt. 2025 feierte es sein 20-jähriges Bestehen.
- Im Gründungsjahr exportierte die Steiermark Waren im Wert von 13,2 Milliarden Euro, zuletzt waren es 28,2 Milliarden.
- Geschäftsführer ist seit September 2023 Karl Hartleb, zuvor 25 Jahre für die österreichische Außenwirtschaft in den USA, Japan, im Iran und in Australien tätig.
- Rund 3.000 steirische Produktions- und Dienstleistungsbetriebe sind im Export aktiv.
- Das ICS vergibt außerdem den Steirischen Exportpreis in drei Größenklassen.
Als das ICS Internationalisierungscenter Steiermark 2005 seine Arbeit aufnahm, exportierte das Bundesland Waren im Wert von 13,2 Milliarden Euro. Zwanzig Jahre später sind es 28,2 Milliarden, der Warenhandelsbilanzüberschuss wuchs im selben Zeitraum von 4,7 auf 7,3 Milliarden Euro und damit um 53 Prozent. Die Verschiebungen dahinter sind ebenso deutlich: Der Anteil Chinas an den steirischen Ausfuhren stieg von 1,9 auf über 5 Prozent, die Exporte nach Indien haben sich mehr als verfünffacht.
Drei Eigentümer, eine Anlaufstelle
Das ICS entstand als gemeinsame Einrichtung von Land Steiermark, Wirtschaftskammer Steiermark und Industriellenvereinigung Steiermark. Die Idee dahinter war ein One-Stop-Shop: Statt drei Häuser mit je eigenen Exportangeboten sollte es eine Adresse geben, an die sich Betriebe mit Auslandsfragen wenden können. Diese Konstruktion unterscheidet das ICS von der SFG, die zu 100 Prozent dem Land gehört.
Das Leistungsspektrum reicht von der ersten Orientierung bis zur laufenden Begleitung erfahrener Exporteure. Dazu zählen Exportmotivation für kleine Betriebe und Neueinsteiger, strategische Beratung für etablierte Exporteure, Unterstützung beim Markteintritt, B2B-Plattformen für Geschäftsanbahnungen sowie Workshops und Trainings. In jüngerer Zeit kam die Rekrutierung internationaler Fachkräfte als Thema dazu.
Ein wiederkehrendes Instrument sind Fokusprogramme, die jeweils über drei Jahre laufen und sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen richten. Sie kombinieren Workshops zu Marktchancen und Risiken mit Delegationsreisen und der Vermittlung von Kontakten vor Ort. Zwischen 2008 und 2015 standen dabei unter anderem China, Russland, Brasilien und die nordischen Länder im Mittelpunkt.
Rund 3.000 steirische Produktions- und Dienstleistungsbetriebe sind im Auslandsgeschäft aktiv. Etwa die Hälfte des steirischen Bruttoregionalprodukts von rund 35 Milliarden Euro wird über internationale Absatzmärkte erwirtschaftet. Nach Darstellung des Landes sichert der Export jeden zweiten Arbeitsplatz im Bundesland.
Ein Diplomat an der Spitze
Geführt wird das ICS seit September 2023 von Karl Hartleb. Der gebürtige Steirer stammt aus Sankt Marein bei Neumarkt im oberen Murtal und bringt 25 Jahre Auslandserfahrung mit: Er war stellvertretender Leiter der Außenwirtschaft Austria und als Wirtschaftsdelegierter in den USA, in Japan, im Iran und in Sydney im Einsatz.
Über seine Rückkehr sagte er bei seinem Antritt: „So schwer es für mich war nach dem Studium aus Graz wegzugehen, so einfach war die Entscheidung, nach 25 Jahren im Ausland, in eine veränderte, moderne und dynamische Steiermark mit tollen Unternehmen zurückzukehren."
Seine Aufgabenbeschreibung fällt nüchtern aus: Vorrangig gehe es darum, steirischen Unternehmen optimale Exportservices zu bieten. Als aktuelle Herausforderungen benennt das ICS die US-Zollpolitik, die Digitalisierung und die Suche nach Fachkräften, dazu eine stärkere Hinwendung zu osteuropäischen Märkten und Schwellenländern.
Der Steirische Exportpreis
Sichtbarster Termin im Jahreslauf ist die Verleihung des Steirischen Exportpreises, den das ICS gemeinsam mit der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und dem Landesgremium Außenhandel der WKO Steiermark vergibt. Ausgezeichnet wird in drei Größenklassen, was verhindert, dass Großbetriebe die Kleinen automatisch überstrahlen.
| Kategorie | Sieger 2025 | Eckdaten |
|---|---|---|
| Kleinunternehmen | HTSolutions GmbH | Hochpräzisionsteile für Motorsport und Luftfahrt, 92 Prozent Exportquote, 47 Beschäftigte |
| Mittelunternehmen | DEWETRON GmbH | Messtechnik und Datenerfassung, 95 Prozent Exportquote, 150 Beschäftigte |
| Großunternehmen | Sandvik Mining and Construction | Bergbau- und Tunnelbaumaschinen, 99 Prozent Exportquote, über 600 Beschäftigte in Zeltweg |
Die Exportquoten der Preisträger von 92 bis 99 Prozent zeigen, worum es in dieser Branche geht: Für hochspezialisierte Anbieter ist der heimische Markt zu klein, um ein Geschäftsmodell zu tragen. ICS-Geschäftsführer Karl Hartleb ordnete die Auszeichnung bei der Verleihung am 18. September 2025 entsprechend ein: Die Preisträger zeigten, dass steirische Unternehmen trotz Gegenwind weltweit erfolgreich seien.
Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an Betriebe ohne Exporterfahrung. Wer erstmals über Auslandsgeschäft nachdenkt, findet mit den Fokusprogrammen und Workshops einen Einstieg, der keine eigene Exportabteilung voraussetzt. Für bereits aktive Exporteure liegt der Nutzen eher in Marktinformationen, Delegationsreisen und Kontaktvermittlung.
Einordnung: warum die Zahlen genauer hinsehen lassen
Das Wachstum von 13,2 auf 28,2 Milliarden Euro über zwanzig Jahre ist beachtlich, sagt für sich genommen aber wenig über die Wirkung einer einzelnen Organisation aus: In diesen Zeitraum fallen EU-Osterweiterung, Globalisierungsschub und Konjunkturzyklen. Zuletzt ging das Exportvolumen um ein Prozent zurück, die Steiermark liegt im Bundesländervergleich auf Rang vier hinter Oberösterreich, Wien und Niederösterreich und stellt 14,9 Prozent der österreichischen Ausfuhren.
Auffällig ist die Abhängigkeit von wenigen Märkten: Allein nach Deutschland gingen zuletzt Waren im Wert von 7,6 Milliarden Euro, in die USA 3,8 Milliarden. Genau hier liegt der Ansatzpunkt einer Organisation wie des ICS, die mit Fokusprogrammen neue Märkte erschließen will. Wie gut das gelingt, lässt sich an Zuwächsen wie zuletzt in Japan und Polen ablesen. Details zur Struktur der Ausfuhren stehen im Beitrag zur steirischen Exportwirtschaft.
Quellen
- IV Steiermark: 20 Jahre Internationalisierungscenter Steiermark
- Land Steiermark: Internationalisierung und ICS
- ICS: Der neue Geschäftsführer stellt sich vor
- ICS: Die steirischen Exportpreissieger 2025
- WKO Steiermark: Exportland Steiermark, Zahlen und Trends 2025
- WKO Steiermark: Außenhandel Steiermark