- Das ZWT in Graz ist ein Technologiezentrum für Life Sciences, das direkt auf dem Campus der Medizinischen Universität steht. Unternehmen sitzen dort Tür an Tür mit der Forschung.
- Gebaut wurde es ab 2012 für 20 Millionen Euro von Wirtschaftsressort und Med Uni Graz, eröffnet wurde 2014.
- Zur Zehnjahresbilanz 2024 zählte das Haus samt Accelerator 25 Mieter mit 367 Beschäftigten, das entspricht 300 Vollzeitäquivalenten.
- Vermietbar sind 7.800 Quadratmeter im ZWT und 1.600 im Accelerator, rund 40 Prozent davon Laborflächen. Die Auslastung liegt bei etwa 95 Prozent.
- Der ZWT Accelerator für Gründungen und Spin-offs kam am 29. März 2023 dazu und kostete 11,6 Millionen Euro.
- Betrieben wird der Standort im Rahmen des Impulszentren-Netzes der SFG.
Wer in Graz ein Medizintechnik-Unternehmen aufbauen will, kann seit 2014 dorthin ziehen, wo geforscht wird: Das Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin, kurz ZWT, steht mitten auf dem MED Campus der Medizinischen Universität Graz. Eigenständige Firmen mieten sich dort ein, wenige Gehminuten von Instituten, Labors und Klinik entfernt. In dieser Form war das Haus bei seiner Eröffnung das erste Innovationszentrum Österreichs direkt auf einem Universitätscampus.
20 Millionen für ein Haus zwischen Forschung und Markt
Baubeginn war 2012, die Fertigstellung für Ende 2013 angesetzt. Investiert wurden 20 Millionen Euro durch das Wirtschaftsressort des Landes und die Medizinische Universität Graz. Der damalige Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann begründete den Betrag damals so: „20 Millionen Euro werden in den Bau und damit in einen der zukunftsweisendsten Bereiche für die Versorgung der Menschen investiert."
Das ZWT war dabei nur ein Baustein eines weit größeren Vorhabens: Der gesamte MED CAMPUS Graz umfasste ein Investitionsvolumen von rund 320 Millionen Euro. Der damalige Rektor Josef Smolle nannte die Zusammenführung der verstreuten Standorte auf einen Campus richtig und richtungsweisend für den Wissenschaftsstandort Graz.
Ein zentraler Faktor war die Nachbarschaft zur Biobank Graz, der größten Sammlung ihrer Art in Europa mit rund 4,5 Millionen Gewebeproben. Hellmut Samonigg, damals Programmdirektor des MED CAMPUS, brachte deren Bedeutung auf den Punkt: „Ohne Biobank gibt es zukünftig keine international konkurrenzfähige medizinische Forschung." Für Unternehmen, die an Diagnostik oder personalisierter Medizin arbeiten, ist die Nähe zu diesem Bestand ein Standortargument, das sich anderswo nicht herstellen lässt.
Zehn Jahre später: die Bilanz
Zum Zehnjahresjubiläum 2024 legte das ZWT Zahlen vor, die deutlich über den ursprünglichen Erwartungen liegen. Angekündigt waren beim Baubeschluss 250 hochqualifizierte Arbeitsplätze.
| Kennzahl | Stand 2024 |
|---|---|
| Mieter in ZWT und Accelerator | 25 |
| Beschäftigte | 367 Personen, entspricht 300 Vollzeitäquivalenten |
| Vermietbare Fläche | 7.800 Quadratmeter im ZWT, 1.600 im Accelerator |
| Anteil Laborflächen | rund 40 Prozent |
| Auslastung | etwa 95 Prozent |
| Frauen in Führungspositionen | 32 Prozent |
Unter den Mietern finden sich kommerzielle Bereiche von Instituten der Med Uni Graz, das Institut HEALTH von Joanneum Research, etablierte Unternehmen sowie Kompetenzzentren internationaler Konzerne wie B. Braun Melsungen und Meon Medical Solutions. Auch der Cluster Human.technology Styria hat hier seinen Sitz.
Wie sich die Ansiedlung auswirken kann, zeigt Meon Medical Solutions: Das Unternehmen startete mit 20 Beschäftigten und kam über zwei Firmenzweige zuletzt auf 90. Zwei Mieter sind dem Zentrum im Lauf der Jahre schlicht entwachsen und ausgezogen, was in einem Gründerzentrum als Erfolg und nicht als Verlust gilt.
Der Accelerator als zweite Stufe
Am 29. März 2023 kam mit dem ZWT Accelerator ein eigenes Gebäude für Gründungen und Spin-offs dazu. Auf 1.600 Quadratmetern vermietbarer Fläche, davon wiederum rund 40 Prozent Labor, finden etwa 80 Arbeitsplätze Platz. Die Baukosten lagen bei 11,6 Millionen Euro, wovon 5,8 Millionen aus Förderungen stammten: 1,16 Millionen vom Land Steiermark und 4,64 Millionen aus EU-Mitteln.
Eingezogen sind dort junge Unternehmen wie NORGANOID, ENZYAN, BRAVE Analytics, EVOMEDIS und con:concept. Die Geschäftsführung begründet das Konzept damit, dass Life-Sciences-Unternehmen nicht nur exzellente Büro- und Laborinfrastruktur brauchen, sondern vor allem Vernetzung.
Damit deckt der Standort zwei Phasen ab: Der Accelerator nimmt Gründungen auf, die aus der Forschung kommen, das ZWT selbst beherbergt Unternehmen, die diese Phase hinter sich haben. Wer noch früher dran ist, findet den Einstieg meist über den Science Park Graz, mit dem das Zentrum verbunden ist.
Die Angaben zur Mieterzahl unterscheiden sich je nach Quelle und Zählweise. Die Jubiläumsbilanz 2024 weist 25 Mieter für ZWT und Accelerator gemeinsam aus, die Standortübersicht der SFG führt für das ZWT allein zuletzt 14 Mieter. Bei einer Auslastung um 95 Prozent schwankt die Zahl außerdem mit jedem Ein- und Auszug.
Was den Standort von anderen unterscheidet
Im Netz der steirischen Impulszentren nimmt das ZWT eine Sonderstellung ein. Die meisten Standorte bieten Betrieben Flächen mit fachlichem Schwerpunkt und guter Verkehrsanbindung. Hier ist der eigentliche Standortvorteil ein anderer: die Gleichzeitigkeit von Forschung, Unternehmen, Klinik und Patienten an einem Ort. Diese Konstellation, die das Haus als Medical Science City Graz beschreibt, lässt sich nicht auf der grünen Wiese nachbauen.
Für die Steiermark ist das relevant, weil Human Technology zu den erklärten Leitthemen der Wirtschaftsstrategie zählt und die Life Sciences zu jenen Feldern gehören, in denen die Wertschöpfung pro Beschäftigtem hoch ist. Finanziert wurde der Aufbau vom Land Steiermark und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Die frühere Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, die den Accelerator eröffnete, bezeichnete das ZWT als Leuchtturm für die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft in der Humantechnologie.