Zum Inhalt springen
Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
Branchen

Exportwirtschaft Steiermark - 28,2 Milliarden Euro und ein Klumpenrisiko

Exportwirtschaft Steiermark - 28,2 Milliarden Euro und ein Klumpenrisiko
Das Wichtigste in Kürze
  • Die steirischen Exporte lagen zuletzt bei 28,2 Milliarden Euro - ein Minus von 275 Millionen Euro oder 1,0 Prozent.
  • Deutschland bleibt mit 7,6 Milliarden Euro der wichtigste Markt und nimmt mehr als ein Viertel aller Ausfuhren ab.
  • Die USA folgen mit 3,8 Milliarden Euro, während China um 29,5 Prozent und Großbritannien um 35,3 Prozent einbrachen.
  • Fahrzeuge und Fahrzeugteile stellen mit 5,5 Milliarden Euro fast ein Fünftel der Exporte, Maschinen weitere 4,3 Milliarden.
  • Die Handelsbilanz bleibt mit 7,4 Milliarden Euro klar positiv, im Bundesländervergleich liegt die Steiermark auf Rang vier.
  • Im zweiten Quartal 2026 rutschte das Geschäftsklima der steirischen Industrie auf +0,5 Punkte - unter den österreichischen Schnitt von +2,3.

Jeder vierte steirische Exporteuro wird in Deutschland verdient. Diese Abhängigkeit erklärt, warum die Ausfuhren zuletzt um 1,0 Prozent auf 28,2 Milliarden Euro zurückgingen, obwohl das Geschäft mit Japan und Polen zweistellig zulegte: Wenn die deutsche Industrie schwächelt, spürt es die Steiermark schneller als jedes andere Bundesland.

Die wichtigsten Zielmärkte

Markt Exportwert Veränderung
Deutschland 7,6 Mrd. Euro +1,9 %
USA 3,8 Mrd. Euro +0,9 %
Italien 1,7 Mrd. Euro -0,4 %
China 1,0 Mrd. Euro -29,5 %
Polen 876 Mio. Euro +10,8 %
Großbritannien 736 Mio. Euro -35,3 %
Japan 734 Mio. Euro +30,1 %

Die beiden Ausreißer nach unten verdienen Aufmerksamkeit. Der Rückgang in China um fast ein Drittel trifft vor allem Zulieferer, die dort in den vergangenen Jahren gewachsen sind - chinesische Hersteller substituieren Komponenten zunehmend selbst. Das Minus in Großbritannien von 35,3 Prozent zeigt, wie schwer sich der Markt seit dem EU-Austritt für mittelständische Exporteure rechnet.

Auf der Gegenseite steht Japan mit einem Plus von 30,1 Prozent - ein Markt, der lange als schwer zugänglich galt und vom EU-Japan-Freihandelsabkommen profitiert. Auch Polen legte zweistellig zu und ist inzwischen ein größerer Abnehmer als Großbritannien.

Woran die Steiermark verdient

Die Güterstruktur ist konzentriert: Fahrzeuge und Fahrzeugteile machen mit 5,5 Milliarden Euro 19,6 Prozent der Ausfuhren aus, Maschinen kommen auf 4,3 Milliarden (15 Prozent), elektrische Maschinen auf 2,8 Milliarden (10 Prozent). Damit hängen fast 45 Prozent des Exportvolumens an drei technisch verwandten Gruppen - Automotive, Maschinenbau und Elektrotechnik.

Innerhalb dieser Struktur verschieben sich die Gewichte deutlich. Pharmaprodukte legten um 23,6 Prozent zu, Holzwaren um 11,9 Prozent - für die steirische Holzwirtschaft nach schwachen Jahren ein wichtiges Signal. Eisen- und Stahlwaren gingen dagegen um 12,9 beziehungsweise 5,9 Prozent zurück, was die Betriebe entlang der Mur-Mürz-Furche direkt trifft.

Gut zu wissen:
Die Bundesländer-Außenhandelsdaten entstehen nicht aus eigenen Erhebungen, sondern durch Regionalisierung der österreichischen Zahlen durch Statistik Austria - verfügbar seit 2010. Zugeordnet wird nach dem Sitz des exportierenden Unternehmens. Bei Konzernen mit mehreren Standorten kann das die regionale Zuordnung verzerren, für die Größenordnungen und Trends sind die Daten aber die beste verfügbare Grundlage.

Vierter Platz unter den Bundesländern

Mit einem Anteil von 14,9 Prozent an den österreichischen Exporten liegt die Steiermark auf Rang vier, bei den Importen mit 10,9 Prozent ebenfalls. Daraus ergibt sich ein Handelsbilanzüberschuss von 7,4 Milliarden Euro - einen höheren erreicht nur Oberösterreich. Dieser Überschuss ist der eigentliche Kern des Standortmodells: Die Steiermark produziert weit über den eigenen Bedarf hinaus und finanziert damit Löhne, Zulieferketten und Forschungsbudgets.

Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer bringt es auf die Formel, Export sei "der Treibstoff unseres Wohlstands". Die Kehrseite: Ein Rückgang von einem Prozent klingt gering, entspricht aber 275 Millionen Euro, die in den Betrieben fehlen.

Wie es 2026 weitergeht

Die Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Steiermark zeichnet für das zweite Quartal 2026 ein gemischtes Bild. Die aktuelle Geschäftslage verschlechterte sich von minus 8 auf minus 14 Punkte, das Geschäftsklima fiel von plus 11 auf plus 0,5 Punkte und liegt damit unter dem österreichischen Schnitt von plus 2,3.

Ein Lichtblick steckt in den Auftragsbüchern: Der aktuelle Auftragsbestand erreichte mit plus 19 Punkten erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder einen klar positiven Wert. Der Beschäftigungsausblick bleibt mit minus 26 Punkten tief im negativen Bereich - die Betriebe erwarten also mehr Aufträge, aber nicht mehr Personal.

Wichtige Einschränkung:
Das Klumpenrisiko ist doppelt: geografisch bei Deutschland mit über einem Viertel der Ausfuhren und sektoral bei der Fahrzeugindustrie mit fast einem Fünftel. Fallen beide gleichzeitig aus - wie in der Umstellungsphase der europäischen Automobilindustrie -, greifen Diversifizierungsstrategien zu spät. Für Zulieferer heißt das konkret: Neue Märkte erschließt man in guten Jahren, nicht wenn der Hauptkunde storniert.
Praxis-Tipp für Exporteure:
Die Außenwirtschaft der Wirtschaftskammer betreibt ein Netz an Stützpunkten, über das Marktsondierungen, Rechtsauskünfte und Messebeteiligungen laufen - für kleinere Betriebe der günstigste Einstieg in einen neuen Markt. Eine Übersicht über Exportzahlen und Zielmärkte veröffentlicht die Wirtschaftskammer jährlich als Datenblatt. Wer neue Absatzmärkte prüft, sollte die Zolltarife und Ursprungsregeln vorab klären: Bei Freihandelsabkommen wie jenem mit Japan hängt der Preisvorteil an lückenloser Dokumentation der Wertschöpfungsanteile.
Ausblick: Steigende Auftragsbestände bei gleichzeitig schwacher Geschäftslage deuten darauf hin, dass die Talsohle erreicht ist, der Aufschwung aber noch nicht in den Bilanzen ankommt. Entscheidend wird, ob die deutsche Industrie 2027 wieder investiert und ob steirische Zulieferer die Verluste in China und Großbritannien durch Zuwächse in Ostmitteleuropa und Asien ausgleichen können. Die nächsten belastbaren Zahlen liefert die Außenhandelsstatistik im Frühjahr.

Quellen