- 175.240 Besucher aus Kärnten wurden im ersten Halbjahr 2026 in der Grazer Innenstadt gezählt - um 36.110 oder 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
- Kärnten ist damit die zweitwichtigste Herkunftsregion für die Grazer Innenstadt und liegt vor Wien.
- Rund 7.000 Fahrgäste nutzen die Verbindung täglich, seit dem Start rollten über 1.000 Güterzüge mit mehr als einer Million Tonnen Fracht.
- Die Vermittlungsvorschläge für steirische Arbeitsuchende nach Kärnten stiegen um mehr als 50 Prozent.
- Graz und Klagenfurt bilden nun den zweitgrößten zusammenhängenden Arbeitsmarkt Österreichs.
- Die schnellsten Züge brauchen 41 Minuten, gefahren wird im Stundentakt mit 29 Verbindungen pro Tag.
Seit 14. Dezember 2025 fährt der Railjet von Graz nach Klagenfurt in 41 Minuten. Ein gutes halbes Jahr später lässt sich beziffern, was das ökonomisch bedeutet: 175.240 Kärntnerinnen und Kärntner wurden im ersten Halbjahr 2026 in der Grazer Innenstadt gezählt, um 36.110 mehr als im Vorjahr. Kärnten hat damit Wien als Herkunftsregion überholt.
Was die Frequenzzählungen zeigen
Die Steigerung von 26 Prozent ist ein Durchschnittswert über die gesamte Innenstadt. An einzelnen Zählpunkten fällt der Sprung noch deutlicher aus: Dort stieg die Zahl der Kärntner Besucher von 71.730 auf 101.930, ein Plus von 42 Prozent. Handelsbetriebe melden mehr Kunden, Gastronomen höhere Umsätze, Hotels stärkere Nachfrage - sowohl von Touristen als auch von Geschäftsreisenden.
Der Effekt läuft in beide Richtungen. In Kärnten registrierten Betriebe vor allem im März und April mehr Nächtigungsgäste aus der Steiermark, an den Seen mehr steirische Tagesgäste. In Graz wiederum nahm die Zahl der Theaterabonnenten aus Kärnten zu.
| Bereich | Beobachteter Effekt |
|---|---|
| Personenverkehr | rund 7.000 Fahrgäste täglich, Stundentakt mit 29 Verbindungen |
| Innenstadt Graz | 175.240 Kärntner Besucher im ersten Halbjahr, plus 26 Prozent |
| Güterverkehr | über 1.000 Güterzüge, mehr als eine Million Tonnen Fracht |
| Arbeitsmarkt | Vermittlungsvorschläge Richtung Kärnten plus über 50 Prozent |
| Bildung | mehr Studierende aus Kärnten an Grazer Hochschulen, etwa an der FH Joanneum |
| Kultur | steigende Zahl an Theaterabonnements aus dem Nachbarbundesland |
Der zweitgrößte Arbeitsmarkt des Landes
Die weitreichendste Veränderung betrifft nicht den Handel, sondern die Personalsuche. Nach Angaben des AMS Steiermark stiegen die Vermittlungsvorschläge für steirische Arbeitsuchende in Richtung Kärnten um mehr als 50 Prozent. AMS-Steiermark-Chef Karl Heinz Snobe verweist darauf, dass mit der Verbindung der zweitgrößte zusammenhängende Arbeitsmarktraum Österreichs entstanden ist - nach der Ostregion um Wien.
Vorbereitet wurde das früh: Die Arbeitsmarktservices beider Bundesländer begannen ein Jahr vor der Eröffnung mit gemeinsamen Programmen. Für September ist ein neues Mobilitäts- und Beschäftigungsförderungsprogramm angekündigt, zum Jahresende eine Jobmesse, die in den Zügen zwischen Graz und Klagenfurt stattfinden soll.
Für Betriebe verschiebt das die Rekrutierungslogik. Wer bisher im Umkreis von 50 Kilometern suchte, kann den Radius nun über die Koralpe hinaus ziehen, ohne den Bewerbern einen Umzug abzuverlangen. Das entlastet Branchen mit chronischem Personalmangel - im Handwerk ebenso wie in der Gastronomie.
Pendeln über die Koralpe ist keine reine Zeitfrage. Wer täglich fährt, braucht ein Ticket, das über Bundesländergrenzen gilt - das Klimaticket Österreich deckt beide Verbundräume ab, regionale Varianten nicht. Für Betriebe kann ein Zuschuss zum Ticket günstiger sein als eine Gehaltserhöhung, weil er beim Arbeitnehmer nahezu vollständig ankommt.
Fracht: der langsamere, aber nachhaltigere Effekt
Über 1.000 Güterzüge und mehr als eine Million Tonnen transportierter Güter in den ersten Monaten zeigen, dass die Strecke auch im Frachtverkehr angenommen wird. Der eigentliche Hebel liegt hier aber nicht in der Fahrzeit, sondern in der Kapazität: Die alte Verbindung über die Bergstrecken war für schwere Züge ein Nadelöhr, das viele Verlader gar nicht erst in Betracht zogen.
Für den Logistikstandort Steiermark ist damit ein Argument dazugekommen, das über die Region hinausweist: Die Achse Richtung Adriahäfen wird planbarer, was bei der Standortwahl von Distributionszentren zählt.
Zusätzliche Kaufkraft in der Grazer Innenstadt bedeutet nicht automatisch Wachstum für die gesamte Steiermark. Ein Teil der Frequenz verschiebt sich aus dem Umland und aus Bezirksstädten in die Landeshauptstadt - für den Handel in Deutschlandsberg oder Wolfsberg kann dieselbe Bahnlinie zum Nachteil werden. Belastbare Zahlen zu diesem Verdrängungseffekt liegen noch nicht vor.