- Der Science Park Graz hat seinen Ideenwettbewerb, die Start-up Idea Competition, 2026 zum 20. Mal ausgerichtet. Aus mehr als 200 Einreichungen wurden in fünf Kategorien die Sieger gekürt.
- Ausgezeichnet wurden MagnoCure (Lymphom-Therapie), Indigo Water (KI gegen Rohrbrüche), AIForge (digitale Zwillinge für Maschinen), Dishpal.ai (günstigster Einkaufskorb aus Prospekten) und Celestia Dynamics (Marktmodell gegen Weltraumschrott).
- Jede Kategorie ist mit 2.000 Euro dotiert, eine Klima-Sonderwertung bringt weitere 2.000 Euro. Insgesamt werden 12.000 Euro vergeben.
- MagnoCure kommt aus der Medizinischen Universität Graz und will in rund drei Jahren erste klinische Studien starten.
- Indigo Water ist inzwischen im Inkubationsprogramm des Science Park und in ESA BIC Austria aufgenommen.
- Die nächste Runde läuft bereits: Einreichschluss ist der 31. Jänner 2027.
Mehr als 200 Geschäftsideen, fünf Sieger, 2.000 Euro je Kategorie: Der Ideenwettbewerb des Science Park Graz ist kein großer Geldpreis, aber ein früher Blick darauf, woran in der Steiermark gegründet wird. 2026 hat das Team um Geschäftsführer Martin Mössler ihn zum 20. Mal ausgerichtet. Unter den Siegern sind eine Krebstherapie aus der Med Uni Graz, eine Software, die Wasserrohrbrüche vorhersagen soll, und ein Handelssystem für Weltraumschrott. Drei der fünf Ideen setzen Software auf Daten an, die es längst gibt: Leitungsnetze, Industriemaschinen, Supermarktprospekte.
Der älteste Ideencontest Österreichs
Der Science Park Graz ist seit 2002 das akademische Gründungszentrum der Grazer Universitäten: TU Graz, Universität Graz, Med Uni Graz und Kunstuniversität. Seinen Ideenwettbewerb bezeichnet er selbst als den ältesten Österreichs. Ausgerichtet wird er in Kooperation mit dem GründerCenter der Steiermärkischen Sparkasse. Die Idee muss dafür noch nicht umgesetzt sein, ein Unternehmen braucht es nicht. Auch bestehende Firmen dürfen mitmachen, sofern sie eine neue, noch nicht veröffentlichte Idee einreichen.
Der Ablauf ist kurz. Nach der schriftlichen Einreichung wählt die Jury je Kategorie die besten Ideen aus, deren Gründerinnen und Gründer in Graz einen dreiminütigen Pitch halten. Die Sieger werden am selben Abend verkündet. Alle Beteiligten, auch die Jury, unterschreiben eine Geheimhaltungsvereinbarung; die Rechte an der Idee bleiben bei den Einreichenden.
| Ausgabe | Einreichungen | Schwerpunkt laut Science Park |
|---|---|---|
| 18. Ausgabe, 2024 | über 150 | Social Entrepreneurship: Gesundheit, Ernährung, Umwelt und Klima, sechs Kategorien |
| 19. Ausgabe, 2025 | erstmals über 200 | Systeme und Infrastrukturen statt einzelner Produkte |
| 20. Ausgabe, 2026 | mehr als 200 | fünf Kategorien, drei Sieger mit Software auf bestehenden Daten |
Mössler sieht den Wettbewerb als Trendbarometer. „Was morgen Märkte transformiert, lässt sich hier oft in einem sehr frühen Stadium erkennen", sagte er im Vorjahr. Für die 19. Ausgabe diagnostizierte er, Start-ups würden nicht mehr in Produkten denken, sondern „in Systemen und Infrastrukturen". Die Sieger 2026 setzen diese Linie fort.
Die fünf Sieger 2026
MagnoCure: Wirkstoff aus Java, Transport per Nanopartikel
MagnoCure ist das medizinisch ambitionierteste Projekt des Jahrgangs und stammt aus der Medizinischen Universität Graz. Der Biologe Alexander Deutsch von der Klinischen Abteilung für Hämatologie stieß bei Versuchen an Lymphomen, also Tumoren des Lymphgewebes, auf einen Wirkstoff aus der Pflanze Brucea javanica. In der Volksmedizin Javas wird sie gegen Malaria und entzündliche Darmerkrankungen eingesetzt. Im Labor wirkte der Stoff besonders gut gegen hochaggressive Lymphom-Formen, schädigt aber auch gesunde Zellen. Hier kommt der Chemiker Sebastian Schwaminger vom Lehrstuhl für Medizinische Chemie ins Spiel: Er entwickelt magnetische Eisenoxidpartikel mit bis zu 20 Nanometern Größe, die mit Antikörpern bestückt gezielt an Lymphomzellen andocken und den Wirkstoff nur dort freisetzen. Die Med Uni Graz hat auf die kombinierte Methode ein Patent angemeldet. Die beiden kamen laut Med Uni Graz Insights beim gemeinsamen Klettern ins Gespräch. Schon im Jänner 2025 gewann das Team beim Accelerator Gründungsgarage den Publikumspreis Rising Star Award. Erste klinische Studien erwartet Deutsch nach damaliger Aussage in etwa drei Jahren; der Wirkstoff selbst muss das Zulassungsverfahren noch durchlaufen.
Indigo Water: Leckagen finden, bevor das Rohr bricht
Indigo Water, gegründet von David Steffelbauer und Anna Robosch, entwickelt Software für Trinkwasserversorger. Nach Angaben des Unternehmens gehen rund 30 Prozent des aufbereiteten Trinkwassers durch Leckagen verloren, bevor es bei den Kundinnen und Kunden ankommt. Die Plattform ist hardwareunabhängig und führt Daten zusammen, die Versorger ohnehin haben: Sensormessungen, Leitungspläne aus dem Geoinformationssystem, Smart-Meter-Werte und Anlagendaten. Diese werden automatisch bereinigt, Lecks in Echtzeit erkannt und lokalisiert, und maschinelles Lernen soll künftige Rohrbrüche vorhersagen. Anders als die meisten Wettbewerbsteilnehmer ist Indigo Water schon einen Schritt weiter: Laut Science Park ist das Start-up in dessen AplusB-Inkubationsprogramm sowie in ESA BIC Austria aufgenommen.
AIForge: digitale Zwillinge für die Industrie
AIForge entwickelt Software, mit der Industrieunternehmen digitale Zwillinge ihrer Maschinen erstellen können, also virtuelle Abbilder, an denen sich Betrieb, Verschleiß und Änderungen durchspielen lassen, ohne die echte Anlage anzuhalten. In einem Bundesland mit einem großen Maschinen- und Anlagenbau ist das naheliegende Kundschaft vor der Haustür.
Dishpal.ai: der günstigste Einkaufskorb aus den Prospekten
Dishpal.ai durchsucht automatisch die Prospekte des Handels und zeigt, wo ein ganzer Einkaufskorb am günstigsten ist, nicht nur ein einzelnes Produkt. Auf der eigenen Website präsentiert sich das Projekt als „persönlicher Assistent für Angebote in Österreich" und ist derzeit als Beta-Version online. Der Unterschied zu klassischen Preisvergleichen liegt im Korb: Gesucht wird nicht das billigste Einzelprodukt, sondern die günstigste Gesamtrechnung.
Celestia Dynamics: Zertifikate gegen Weltraumschrott
Celestia Dynamics will das Aufräumen im Orbit zu einem Markt machen. Das Modell belohnt Unternehmen, die aktiv zur Verringerung von Weltraumschrott beitragen. Auf der Website des Projekts werden drei Bausteine beschrieben: handelbare Space Debris Credits als Nachweis für entfernten Schrott, ein Risiko-Rating, das nachhaltiges Satellitendesign belohnen soll, und ein Fonds, der Entwicklungsländern den Zugang zur Raumfahrtwirtschaft erleichtern soll. Das Prinzip erinnert an den Emissionshandel: Wer Schaden verursacht, zahlt, wer ihn beseitigt, verdient. Dass so eine Idee in Graz ausgezeichnet wird, passt zum Standort: Der Science Park betreibt seit 2016 das ESA Business Incubation Centre Austria, in dem Raumfahrt-Start-ups bis zu 50.000 Euro Anschubfinanzierung und technische Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation erhalten.
Zum Vergleich: die Sieger 2025
Wie sich die Themen verschieben, zeigt der Blick auf den Vorjahrgang. Auch 2025 standen Energieinfrastruktur und Raumfahrt oben, und wie 2026 ging es mehrfach darum, bestehende Netze besser zu überwachen.
| Kategorie 2025 | Siegeridee | Gründer |
|---|---|---|
| Energie und Umwelt | Nanovibes: faseroptisches Echtzeit-Monitoring von Strom- und Fernwärmeleitungen | Lisa Strasser, Vlad Dumitru |
| Weltraum | Rückholsystem für Wetterballons | Lukas Reinisch, Georg Kurzmann |
| Gesundheit (plus Spezialpreis) | PureSurf | Markus Hochegger-Krawanja |
| Digital Economy und ICT | RiskOpex: Werkzeug zur Risikokalkulation | Johannes Chudoba |
| Mobilität | Palletrix | Yhair Sifuentes Montalvo |
In der Jury saßen 2025 Dagmar Eigner-Stengg vom GründerCenter der Steiermärkischen Sparkasse, Nadja Noormofidi von der TU Graz, Gernot Faustmann von der Universität Graz, Roswitha Wiedenhofer-Bornemann von der FH JOANNEUM und Martin Mössler. Die Med Uni Graz, aus der das Siegerteam MagnoCure stammt, wurde im September übrigens auch beim PR-Panther für ihre Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet.
Ein Sieg beim Ideenwettbewerb ist ein Anfang, keine Finanzierung. 2.000 Euro reichen für keine Produktentwicklung, schon gar nicht für eine Krebstherapie mit Zulassungsverfahren. Der eigentliche Wert liegt in der Sichtbarkeit bei Jury und Inkubator. Der Science Park hat seit 2002 über 200 Start-up-Projekte begleitet und beherbergt rund 40 junge Technologieunternehmen; die Aufnahme in das Inkubationsprogramm wiegt für ein Team deutlich mehr als das Preisgeld.
Die 21. Ausgabe ist bereits ausgeschrieben. Einreichschluss ist der 31. Jänner 2027, eingereicht wird über das Formular auf der Wettbewerbsseite des Science Park Graz. Ausgeschrieben sind unter anderem die Kategorien Energie und Umwelt, Mobilität, Gesundheit und Life Sciences sowie Digital Economy und ICT, dazu die Sonderwertung für positive Klimawirkung. Mehrere Einreichungen pro Person sind erlaubt, Reisekosten zum Pitch in Graz tragen die Teilnehmenden selbst. Wer schon weiter ist, findet die nächsten Schritte im Überblick Startup gründen in der Steiermark.
Quellen
- Science Park Graz: Wenn die KI-Lösung Prospekte scannt und den günstigsten Einkaufskorb sucht (22. September 2026)
- Science Park Graz: Start-up Idea Competition 2025 - Wo der Seismograf der Start-up-Szene ausschlägt
- Science Park Graz: Start-up Idea Competition 2024
- Science Park Graz: Idea Competition - Teilnahmebedingungen und Einreichung
- Med Uni Graz Insights: Gezielte Tumorbehandlung mit MagnoCure
- Med Uni Graz Insights: Gründungsgarage - Rising Star Award für MagnoCure
- Science Park Graz: Start-up-Profil Indigo Water
- Celestia Dynamics: Space Debris Credits und Orbital Sustainability