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Manuel Prohaska - vom Geschäftsführer zum Gründer von MPC² in Leoben

Das Wichtigste in Kürze
  • Manuel Prohaska, Jahrgang 1983, ist Gründer und CEO des Leobener Korrosionsprüfers MPC².
  • Er studierte Werkstoffwissenschaften an der Montanuniversität Leoben und promovierte dort 2011 über die Korrosionseigenschaften walzplattierter Bleche.
  • Von 2011 bis 2019 arbeitete er beim Kapfenberger Hochdruckspezialisten BHDT, zuletzt als handelsrechtlicher Geschäftsführer eines Unternehmens mit 200 bis 250 Beschäftigten.
  • Von 2020 bis 2022 war er Geschäftsführer der Schoeller-Bleckmann Nitec in Ternitz.
  • Im Juni 2022 machte er sich selbstständig; seit Mitte 2023 leitet seine Frau Simone Prohaska Qualitätsmanagement und Labor.

Mit 34 Jahren war Manuel Prohaska Geschäftsführer eines Kapfenberger Industriebetriebs mit mehr als 200 Beschäftigten und 60 bis 70 Millionen Euro Umsatz. Vier Jahre später meldete er ein Einzelunternehmen an und begann, in einem mitbenutzten Chemielabor in Niklasdorf Stahlproben zu prüfen. Aus diesem Schritt ist MPC² geworden, ein Leobener Unternehmen, auf dessen Prüfverfahren heute Stahl- und Chemiekonzerne zurückgreifen.

Lebensdaten
Geboren
1983 in Scheibbs, Niederösterreich
Ausbildung
HTBLuVA Waidhofen an der Ybbs, Studium der Werkstoffwissenschaften an der Montanuniversität Leoben (2003 bis 2008), Doktorat der montanistischen Wissenschaften (2008 bis 2011)
Stationen
CD-Labor für Örtliche Korrosion in Leoben, BHDT GmbH in Kapfenberg (2011 bis 2019, ab 2018 Geschäftsführer), Schoeller-Bleckmann Nitec in Ternitz (2019 bis 2022, ab 2020 Geschäftsführer)
Aktuell
Gründer und CEO von MPC² in Leoben, seit Juni 2022

Vom Mostviertel an die Montanuniversität

Prohaska stammt aus dem niederösterreichischen Mostviertel, ging in Gaming zur Schule und maturierte an der HTL in Waidhofen an der Ybbs. 2003 begann er in Leoben das Studium der Werkstoffwissenschaften. Seine Diplomarbeit über Ausscheidungen in Eisen-Chrom-Legierungen für Brennstoffzellen schrieb er mit dem Tiroler Metallurgiekonzern Plansee als Firmenpartner.

Das Thema, das seine Laufbahn bestimmen sollte, kam mit der Dissertation. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Christian-Doppler-Labor für Örtliche Korrosion untersuchte er von 2008 bis 2011 im Auftrag der voestalpine Grobblech, wie Herstellparameter die Korrosionseigenschaften walzplattierter Bleche beeinflussen. Nebenher arbeitete er freiberuflich am Leobener Institut für Schadensanalytik und verfasste Gutachten zu schadhaften Bauteilen. Beides ist in seinem veröffentlichten Lebenslauf dokumentiert.

Acht Jahre BHDT

ZeitraumUnternehmenFunktion
2008 bis 2011CD-Labor für Örtliche Korrosion, Leobenwissenschaftlicher Mitarbeiter, Dissertation
2011 bis 2012BHDT GmbH, KapfenbergAssistent der Produktionsleitung, Forschung und Entwicklung
2012 bis 2017BHDT GmbHAbteilungsleiter Öl und Energie
2018BHDT GmbHAbteilungsleiter Hochdrucksysteme
2018 bis 2019BHDT GmbH und BHDT Service GmbHhandelsrechtlicher Geschäftsführer
2019 bis 2022Schoeller-Bleckmann Nitec, TernitzLeiter Vertrieb und Marketing, ab 2020 handelsrechtlicher Geschäftsführer
seit Juni 2022MPC², LeobenGründer und CEO

Nach dem Doktorat wechselte Prohaska in die Industrie, zum Kapfenberger Hersteller von Hochdruckrohren und Armaturen für Polyethylen- und Harnstoffanlagen. Er begann in der Forschung und Entwicklung, baute ab 2012 als Abteilungsleiter ein neues Geschäftsfeld im Öl- und Gassektor auf und übernahm Anfang 2018 die Hochdrucksysteme, das Kerngeschäft. Im Juli 2018 wurde er handelsrechtlicher Geschäftsführer der BHDT GmbH und der BHDT Service GmbH, dazu einer Gesellschaft der Gruppe in Shanghai.

Ende 2019 ging er zur Schoeller-Bleckmann Nitec nach Ternitz, einem Hersteller von Hochdruckapparaten mit 100 bis 150 Beschäftigten, zunächst als Vertriebsleiter, ab Februar 2020 als Geschäftsführer mit Verantwortung für Vertrieb, Marketing, Finanzen sowie Forschung und Entwicklung.

Die Gründung

Den Anstoß zur Selbstständigkeit gab ein Problem aus diesen Jahren. „Nach mehreren Jahren in der Geschäftsführung mittelständischer Unternehmen im Tätigkeitsfeld der Hochdrucktechnik wollte ich eines der technischen Probleme lösen, welches mir jahrelang Kopfschmerzen bereitet hatte“, sagte er 2024 dem Magazin Trending Topics: Schweißnähte aus hochlegierten Werkstoffen ließen sich nicht direkt am Bauteil auf ihre Korrosionsbeständigkeit prüfen.

Im Juni 2022 gründete er MPC², zunächst als Einzelunternehmen und Ingenieurbüro für Werkstoffwissenschaften. Das Labor teilte er sich ab Mai 2023 mit einem anderen Betrieb in Niklasdorf, das Büro lag in der Leobener Peter-Tunner-Straße. Die Beratung für Anlagenbauer diente dabei von Anfang an auch dazu, bei möglichen Kunden der Korrosionsprüfung im Gespräch zu bleiben. Der Leitsatz des Unternehmens, „We focus on the solution“, ist doppeldeutig gemeint: Es geht um die Lösung eines Problems und um die richtige chemische Lösung für den Test.

Seit Mitte 2023 ist auch Simone Prohaska im Unternehmen. Die Werkstoffwissenschaftlerin, ebenfalls Absolventin der Montanuniversität, leitet Qualitätsmanagement und Korrosionslabor und bereitet laut Unternehmensseite die Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 vor. Davor arbeitete sie mehr als 13 Jahre bei einem großen österreichischen Schienenhersteller.

Gut zu wissen:
Prohaskas erste Kunden kamen aus seinem früheren Berufsleben. Bis Ende 2024 arbeitete MPC² nach seinen Worten „ausschließlich mit Kunden, mit welchen langjähriger, persönlicher Kontakt besteht“, vor allem aus der Düngemittelindustrie, in der Harnstoffanlagen besonders korrosiven Prozessen ausgesetzt sind.

Einordnung

Prohaskas Weg ist für die Werkstoffregion zwischen Leoben und Kapfenberg typisch und untypisch zugleich. Typisch, weil Ausbildung, Forschungslabor und der erste Industriebetrieb nah beieinander lagen. Untypisch, weil er eine Geschäftsführerposition gegen ein Vier-Personen-Unternehmen getauscht hat, das sich bisher aus Aufträgen und Förderungen von aws, FFG und SFG finanziert.

Ausblick: Für den Aufbau einer Kleinserie des Prüfgeräts Corrosion Ray sucht Prohaska 600.000 Euro Investmentkapital und strategische Partner. Sein Ziel für 2035 sind 60 Millionen Euro Jahresumsatz - ungefähr die Größenordnung des Betriebs, den er 2018 in Kapfenberg geführt hat.

Quellen