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Sonntag, 4. Oktober 2026 Kontakt
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Sarah Kastner - jüngste Bezirkshauptfrau der Steiermark

Das Wichtigste in Kürze
  • Sarah Kastner leitet seit 1. Oktober 2026 die Bezirkshauptmannschaft Bruck-Mürzzuschlag und ist mit 36 Jahren die jüngste unter den steirischen Bezirkshauptleuten.
  • Sie folgt auf Bernhard Preiner, der am 1. Oktober 2003 die damalige BH Bruck an der Mur übernommen hatte und nach genau 23 Jahren in den Ruhestand getreten ist.
  • Die Stelle wurde öffentlich ausgeschrieben; im Hearing standen drei Kandidatinnen und ein Kandidat, die Kommission sprach sich für Kastner aus.
  • Die Juristin aus Trofaiach ist seit 2016 im Landesdienst und leitete zuletzt das Referat Verkehrsbehörde in der Abteilung 16 des Landes.
  • Studiert hat sie Rechtswissenschaften in Graz und Europäisches und internationales Wirtschaftsrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
  • Der Bezirk zählt 96.245 Einwohner in 19 Gemeinden, 28.155 Beschäftigte in der gewerblichen Wirtschaft und ist mit 2.157 Quadratkilometern der zweitgrößte der Steiermark.

Auf den Tag genau 23 Jahre hat Bernhard Preiner die Behörde in der Brucker Dr.-Theodor-Körner-Straße geführt. Am 1. Oktober 2026 hat eine Juristin übernommen, die bei seinem Amtsantritt 13 Jahre alt war: Sarah Kastner, geboren 1989 in Leoben, ist die neue Bezirkshauptfrau von Bruck-Mürzzuschlag und die jüngste unter den steirischen Bezirkshauptleuten. Für die Betriebe zwischen Pernegg und dem Semmering ist das mehr als eine Personalie der Verwaltung, denn über ihren Schreibtisch laufen Gewerbeanmeldungen, Betriebsanlagengenehmigungen und wasserrechtliche Verfahren eines Industriebezirks mit knapp 100.000 Einwohnern.

Lebensdaten
Geboren
20. Oktober 1989 in Leoben, stammt aus Trofaiach
Ausbildung
Matura am BG/BRG Leoben Neu, Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Graz (Mag.), Masterstudium Europäisches und internationales Wirtschaftsrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LL.M.)
Stationen
ab 2016 Trainee im Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Juristin der Agrarbezirksbehörde Leoben, Referentin im Büro von Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Lang, Juristin und ab 2023 Bereichsleiterin in der Abteilung 13, ab 2024 Leiterin des Referats Verkehrsbehörde in der Abteilung 16
Aktuell
Bezirkshauptfrau von Bruck-Mürzzuschlag seit 1. Oktober 2026

Zehn Jahre Landesdienst, vier Rechtsgebiete

Kastners Laufbahn hat bisher ausschließlich im Land Steiermark stattgefunden, dort aber in ungewöhnlich vielen Fächern. Nach der Matura am BG/BRG Leoben Neu studierte sie Rechtswissenschaften an der Universität Graz und schloss in München ein Masterstudium in Europäischem und internationalem Wirtschaftsrecht an. 2016 trat sie als Trainee in das Amt der Steiermärkischen Landesregierung ein, zugeteilt der Agrarbezirksbehörde und dem Verfassungsdienst.

Es folgten laut Lebenslauf der Landesregierung zwei sehr unterschiedliche Stationen: die Arbeit als Juristin an der Agrarbezirksbehörde Leoben und die Tätigkeit als Referentin im Regierungsbüro des damaligen Landeshauptmann-Stellvertreters Anton Lang, der in der Landesregierung unter anderem das Verkehrsressort führte. Danach wechselte sie in die Abteilung 13, wo sie juristische Aufgaben im Natur- und Umweltschutz, im Umweltrecht und im Tierschutz übernahm. 2023 wurde sie dort zur Bereichsleiterin bestellt.

2024 übernahm Kastner die Leitung des Referats Verkehrsbehörde in der Abteilung 16, Verkehr und Landeshochbau. Das Referat ist für Unternehmen eine der häufiger berührten Stellen des Landes: Es genehmigt Sondertransporte, ermächtigt und überprüft Kfz-Werkstätten für die Begutachtung nach dem Kraftfahrgesetz, bewilligt den Aus- und Umbau von Landesstraßen und führt Verfahren nach dem Eisenbahn-, Seilbahn- und Luftfahrtgesetz, von der Betriebsbewilligung für einen Sessellift bis zur Sicherung von Eisenbahnkreuzungen. Dazu kommen das Fahrschul- und Führerscheinwesen und bezirksübergreifende Verordnungen nach der Straßenverkehrsordnung.

Aus dieser Zeit stammt auch einer der wenigen öffentlich dokumentierten Sätze von ihr. Auf der Seite des steirischen Verkehrssicherheitsbeirats wird sie so zitiert: „Die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf unseren Straßen ist eine der wichtigsten sozialen Verpflichtungen unserer Gesellschaft geworden.“ Der Beirat schaffe dafür die Plattform für Fachleute aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern, um „effiziente und zielgerichtete Maßnahmen“ zu erarbeiten.

Ausschreibung, Hearing, Dekret

Die Leitung der Bezirkshauptmannschaft wurde öffentlich ausgeschrieben und in einem mehrstufigen Verfahren vergeben, das ein externes Personalberatungsunternehmen begleitete. Zum Hearing traten drei Kandidatinnen und ein Kandidat an. Die Kommission sprach sich für Kastner aus, am 25. Juni 2026 kündigte die Landesregierung an, dem Vorschlag zu folgen und sie mit Wirksamkeit 1. Oktober zu bestellen.

Landeshauptmann Mario Kunasek begründete die Wahl mit ihrem fachlichen Profil: Mit Kastner werde „eine fachlich hervorragend ausgebildete und langjährig in der Landesverwaltung erfahrene Juristin mit breiter Expertise im Umwelt-, Verkehrs- und Verwaltungsrecht mit dieser Funktion betraut“. Das Ernennungsdekret erhielt sie am 16. September 2026 in der Grazer Burg, beim selben Termin, an dem Preiner sein Pensionsdekret entgegennahm. Kunasek wünschte ihr dabei „einen guten Start in ihre verantwortungsvolle Position im viertgrößten Bezirk Österreichs“.

Ihr bisheriges Referat blieb nicht lange unbesetzt: Die Verkehrsbehörde leitet seit 1. Oktober Gunther Peternell, zuvor Büroleiter von Landesrätin Claudia Holzer und seit 2001 in der Landesverwaltung.

Was die Behörde für Betriebe bedeutet

Eine Bezirkshauptmannschaft ist Verwaltungs- und Sicherheitsbehörde erster Instanz. Sie vollzieht Bundesrecht in mittelbarer Bundesverwaltung ebenso wie Landesrecht und ist für alles zuständig, was keiner Sonderbehörde zugewiesen ist. Entscheidungen ergehen im Namen der Bezirkshauptfrau, auch wenn sie von ermächtigten Bediensteten unterschrieben werden.

In Bruck-Mürzzuschlag gliedert sich das Haus in sechs Referate - Anlagen, Sicherheit, Soziales, Sanität, Veterinärwesen und Forst - sowie die Stabsstelle Innerer Dienst, den Katastrophenschutz, das Fachteam Wahlen und ein eigenes Prüfzentrum. Neben dem Sitz in Bruck an der Mur gibt es seit der Bezirksfusion 2013 den Standort am DDr.-Schachner-Platz in Mürzzuschlag.

Gut zu wissen:
Für Unternehmen im Bezirk ist die Bezirkshauptmannschaft die Gewerbebehörde. Hier werden Gewerbe angemeldet und Betriebsanlagen genehmigt, vom Gasthaus bis zur Produktionshalle. Dazu kommen Bewilligungen für IPPC-Anlagen mit besonderem Emissionspotenzial, Verfahren zu Seveso-Betrieben und Bergbaubetrieben, wasser- und forstrechtliche Genehmigungen sowie straßenpolizeiliche Bewilligungen. Kontakt: Dr.-Theodor-Körner-Straße 34, 8600 Bruck an der Mur, Telefon +43 3862 899-0, Parteienverkehr Montag bis Freitag von 8.00 bis 12.30 Uhr nach Terminvereinbarung.

Umweltrecht und Verkehrsrecht, Kastners Fachgebiete der vergangenen Jahre, sind genau jene Materien, die im Anlagenreferat einer Bezirkshauptmannschaft zusammentreffen: Bei der Genehmigung einer Betriebsanlage geht es um Emissionen in Luft, Wasser und Boden ebenso wie um die Erschließung über die Straße.

Ein Bezirk mit viel Industrie und weniger Menschen

Bruck-Mürzzuschlag entstand am 1. Jänner 2013 aus der Fusion der Bezirke Bruck an der Mur und Mürzzuschlag. Mit 2.157 Quadratkilometern bedeckt er 13,2 Prozent der Landesfläche und ist nach Liezen der zweitgrößte Bezirk der Steiermark. Von Pernegg an der Mur bis Spital am Semmering und Mariazell gehören 19 Gemeinden dazu, darunter Kapfenberg, Bruck an der Mur, Kindberg und Mürzzuschlag.

Kennzahl Bezirk Bruck-Mürzzuschlag Wert Stand
Fläche 2.157,1 km² 1.1.2026
Einwohner 96.245 1.1.2026
Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren 27,3 Prozent 1.1.2026
Unternehmen / Arbeitsstätten 6.508 / 7.753 2024
Aktive Mitglieder der Wirtschaftskammer 5.733 31.12.2025
Unternehmensneugründungen 368 2025
Beschäftigte in der gewerblichen Wirtschaft 28.155, davon 10.408 in der Industrie Juli 2025
Lehrlinge / Lehrbetriebe 1.233 / 325 2025
Arbeitslose im Jahresdurchschnitt 2.300 2025
Nächtigungen 546.156 2025

Quellen: Landesstatistik Steiermark (Bezirksprofil 621), Wirtschaftskammer Steiermark (Bezirksstatistik, Aktualisierung 2026)

Wirtschaftlich ist der Bezirk Teil der Mur-Mürz-Furche. Von den 28.155 Beschäftigten der gewerblichen Wirtschaft arbeiten 10.408 in der Industrie, das sind 37 Prozent. In Kapfenberg stehen das 2023 eröffnete Edelstahlwerk der voestalpine und die Zentrale von Pankl Racing Systems. Das Gegengewicht bilden 3.124 aktive Kammermitglieder im Gewerbe und Handwerk und ein Tourismus, der 2025 auf 546.156 Nächtigungen kam.

Die zweite Konstante ist der Bevölkerungsrückgang. Die Landesstatistik weist für 2001 noch 107.934 Einwohner aus, zum 1. Jänner 2026 waren es 96.245 - ein Minus von 10,8 Prozent. Allein im Jahr 2025 verlor der Bezirk 832 Menschen, weil 619 Geburten 1.275 Sterbefälle gegenüberstanden und zugleich mehr Menschen weg- als zuzogen. Mehr als jeder vierte Bewohner ist 65 Jahre oder älter. Für eine Behörde heißt das: steigender Bedarf im Sozial- und Pflegebereich bei gleichzeitig enger werdendem Arbeitsmarkt für die Betriebe.

Arbeitsmarkt unter Druck:
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren im Bezirk 2.300 Personen arbeitslos gemeldet, um 84 mehr als 2024. Die Tendenz hält an: Das AMS Bruck an der Mur meldete für seinen Arbeitsmarktbezirk im August 2026 mit 1.643 Vorgemerkten einen Anstieg um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten sank dort im Juli um 0,8 Prozent auf 23.588, die regionale Arbeitslosenquote stieg auf 6,2 Prozent.

Einordnung

Öffentlich geäußert hat sich Kastner zu ihrer neuen Aufgabe bisher nicht. Ablesen lässt sich ihr Profil an den Stationen: Sie hat an einer Behörde im Bezirk Verfahren geführt, in einem Regierungsbüro gearbeitet und zwei Fachbereiche auf Landesebene geleitet - und sie stammt aus dem Nachbarbezirk Leoben. Trofaiach stellt damit binnen weniger Monate zum zweiten Mal die neue Spitze einer steirischen Institution: Im August wurde Sigrid Hroch, ebenfalls gebürtige Trofaiacherin, zur Landesdirektorin des ORF Steiermark bestellt.

Ausblick: Kastner übernimmt die Behörde in einer Phase, in der im Bezirk Beschäftigung und Einwohnerzahl sinken. Wie schnell Betriebsanlagen- und Umweltverfahren abgewickelt werden, ist dabei ein Standortfaktor, den eine Bezirkshauptfrau unmittelbar beeinflussen kann. Woran sich ihre Amtsführung messen lässt, wird sich in den ersten Verfahren größerer Betriebe und in der Zusammenarbeit mit den 19 Gemeinden zeigen.

Quellen