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Sonntag, 4. Oktober 2026 Kontakt
Startups

MPC² aus Leoben - Korrosionsprüfung am Bauteil in Stunden statt Wochen

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Leobener Startup MPC² entwickelt mit dem „Corrosion Ray“ ein tragbares Gerät, das die Korrosionsbeständigkeit von Schweißnähten direkt am Bauteil prüft.
  • Die Prüfung dauert Stunden statt der im Labor üblichen ein bis sechs Wochen; Energie- und Chemikalienverbrauch sinken laut Unternehmen um mehr als 90 Prozent.
  • Gegründet wurde MPC² 2022 von Manuel und Simone Prohaska, beide Absolventen der Montanuniversität Leoben.
  • Zu den Kunden zählen ein Unternehmen der voestalpine-Gruppe, ein Teilbereich von thyssenkrupp und zwei Lizenzgeber für Harnstoffanlagen aus den Niederlanden und der Schweiz.
  • Das vierköpfige Team sucht 600.000 Euro Investmentkapital für den Aufbau einer Kleinserienfertigung.
  • Bis 2035 strebt das Unternehmen 60 Millionen Euro Jahresumsatz an, 65 bis 70 Prozent davon mit dem Corrosion Ray.

Wer wissen will, ob die Schweißnaht eines Hochdruckrohrs dem Medium standhält, das später durchfließt, muss bisher ein Stück herausschneiden und ins Labor schicken. Das Ergebnis kommt nach einer bis sechs Wochen. Ein Unternehmen mit vier Beschäftigten in Leoben will diesen Ablauf umdrehen: Bei MPC² fährt das Prüfgerät zum Bauteil, und das Ergebnis liegt nach Stunden vor.

Das Problem hinter dem Produkt

Gründer Manuel Prohaska kennt das Problem aus der eigenen Laufbahn. Der promovierte Korrosionswissenschaftler war mehrere Jahre Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in der Hochdrucktechnik. Für die mechanische Festigkeit einer Schweißnaht gibt es zerstörungsfreie Prüfverfahren, für die chemische Beständigkeit hochlegierter Werkstoffe nicht. Stimmen Schweißprozess oder Ausgangsmaterial nicht, zeigt sich das erst spät, mit Projektverzug und Pönalen als Folge. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“, sagte Prohaska im September 2026 dem Magazin brutkasten.

Der Corrosion Ray arbeitet elektrochemisch, nach der Double-Loop-EPR-Methode. Dabei wird Spannung an das Material angelegt und sein Verhalten in einer Prüflösung gemessen. Sichtbar werden so auch mikroskopisch kleine Zonen in Stahl- und Nickelbasiswerkstoffen, in denen Chrom oder Molybdän verarmt sind und die Beständigkeit leidet. Das Verfahren war bisher vor allem in der Forschung gebräuchlich; ein mobiles Gerät dafür gab es laut Prohaska nicht.

KriteriumKonventionelle LaborprüfungCorrosion Ray (Herstellerangabe)
Prüfdauereine bis sechs WochenStunden
ProbenentnahmeBauteil muss ausgebaut oder ein Qualifizierungsstück gefertigt werdenkeine, Messung direkt am Bauteil
Energie- und Chemikalienbedarfhochum mehr als 90 Prozent geringer
Entwicklungsstandetablierter Standardfortgeschrittener Prototyp, patentiert
Wichtige Einschränkung:
Der Corrosion Ray ist noch kein Serienprodukt. Eine Hürde nennt der Gründer selbst: Vor Ort beim Kunden muss mit stark ätzenden Prüflösungen gearbeitet werden, und die Messergebnisse sind komplexer zu interpretieren als bei herkömmlichen Verfahren. Die Vergleichswerte in der Tabelle stammen vom Unternehmen.

Umsatz kommt bisher aus dem Labor

Geld verdient MPC² derzeit vor allem mit Prüf- und Beratungsleistungen. Das Unternehmen betreibt in Leoben ein eigenes Korrosionslabor und einen Prüfstand, auf dem die eigene Methode mit konventionellen Prüfungen verglichen wird. Im Februar 2026 stellte Prohaska auf der Fachkonferenz Nitrogen and Syngas in Barcelona einen neuen Hochdruck-Hochtemperatur-Autoklaven vor, mit dem sich Werkstoffe unter realen Prozessbedingungen testen lassen.

Auf der Kundenliste stehen laut einem Bericht von Trending Topics zwei der weltweit wichtigsten Lizenzgeber für Harnstoffanlagen, einer aus den Niederlanden, einer aus der Schweiz, dazu ein Unternehmen der voestalpine-Gruppe und ein Teilbereich des thyssenkrupp-Konzerns. Einzelne Aufträge erreichen nach Angaben des Gründers sechsstellige Beträge. Seit März 2024 ist das Unternehmen nach ISO 9001 zertifiziert.

Finanzierung über Förderungen

Finanziert hat sich MPC² bislang aus Umsätzen und Förderungen. Den größten Anteil hatten die Programme Preseed und Seedfinancing - Deep Tech des Austria Wirtschaftsservice. 2025 kamen Investitionszuschüsse der SFG für den Ausbau von Labor und Prüfinfrastruktur dazu, außerdem ist das Unternehmen Industriepartner im COMET-Projekt „We3D²“ der FFG und dort für die Korrosionsprüfung additiv gefertigter Proben zuständig. Im kommenden Jahr sollen die Einnahmen aus Aufträgen erstmals die Fördersumme übersteigen.

Gut zu wissen:
MPC² sitzt in jener Stadt, in der die Werkstoffkompetenz der Steiermark am dichtesten ist. Mit der Montanuniversität, den Impulszentren für Werkstoffe und Rohstoffe und der Stahlindustrie der Mur-Mürz-Furche liegen Ausbildung, Labors und potenzielle Kunden in unmittelbarer Nähe.
Ausblick: Mit 600.000 Euro Investmentkapital will das Team eine Kleinserienfertigung des Corrosion Ray aufbauen und sucht dafür bereits strategische Investoren; für die spätere Großproduktion ist eine größere Kapitalrunde geplant. Technologisch soll die Lebensdauer-Vorhersage in den Mittelpunkt rücken: Aus den gesammelten Messdaten will MPC² mit KI-Unterstützung ableiten, wo Material in einigen Jahren versagen wird.

Quellen