- Max Tertinegg, geboren 1978 in Graz, hat 2014 mit Stefan Kliment den Bitcoin-Händler Coinfinity gegründet.
- Im Grazer Lendviertel eröffneten die beiden Österreichs ersten Bitcoin-Laden und stellten Mitte 2014 den ersten Bitcoin-Automaten des Landes auf.
- Tertinegg studierte Informationsdesign an der FH Joanneum und arbeitete davor als selbstständiger Programmierer, Grafiker und Musiker.
- Unter seiner Führung erhielt Coinfinity im Dezember 2025 die EU-weite Zulassung nach der Kryptoverordnung MiCAR und übernahm im Februar 2026 das Wiener Geschäft bitcoin.wien.
- Im Oktober 2026 gibt er die Geschäftsführung an Raimund Ortner ab und widmet sich im Unternehmen dem Thema Künstliche Intelligenz.
2011 hörte Max Tertinegg in einem Podcast zum ersten Mal von Bitcoin. Er hielt die Idee eines nichtstaatlichen Geldes für faszinierend, aber für ein rein idealistisches Konzept ohne praktische Bedeutung, wie er später erzählte. Trotzdem schrieb er ein Lied darüber. „Alpaca Socks“, veröffentlicht unter dem Namen Max Min, ist nach Alpaka-Socken benannt, die zu den ersten mit Bitcoin bezahlten Waren zählten. Drei Jahre danach machte der Grazer aus dem Interesse ein Geschäft.
- Geboren
- 27. September 1978 in Graz
- Ausbildung
- Studium Informationsdesign an der FH Joanneum
- Stationen
- selbstständiger Programmierer, Grafiker und Musiker; 2014 Gründung von Coinfinity mit Stefan Kliment; Geschäftsführer bis Oktober 2026
- Aktuell
- Gründer von Coinfinity, im Unternehmen für Künstliche Intelligenz zuständig
- Weitere Funktionen
- Berater des Crypto Research Report (Stand 2018)
Ein Laden in der Mariahilferstraße
Coinfinity begann 2014 als Zwei-Mann-Betrieb in der Grazer Mariahilferstraße, in den Räumen einer früheren Bar. Die Vermieterin wollte wissen, was man dort kaufen könne und ob es sich um eine neue Bank handle, berichtete der Falter im Februar 2015. In einer Ecke stand ein Automat, der Euro-Scheine annahm und Bitcoin ausgab - der erste in Österreich.
Der Schriftsteller Clemens J. Setz, der im selben Viertel wohnte, beschrieb den Laden damals in der „Zeit“: In einem Regal stünden Bücher über Geld und Wirtschaftstheorie, die beiden Inhaber seien Mitte dreißig. „Es wirkt fast wie ein Zaubertrick“, schrieb Setz über das Geschäftslokal für ein Geld, das angeblich nicht real vorhanden sei. Coinfinity zitiert die Passage in der eigenen Rückschau zum zehnjährigen Bestehen.
Tertinegg formulierte den Anspruch 2014 so: den Zugang zu Bitcoin erleichtern und Interessierte „auf einfache und verständliche Weise an das Thema heranführen“.
Vom Automaten zum regulierten Broker
| Jahr | Schritt |
|---|---|
| 2014 | Gründung mit Stefan Kliment, erster Bitcoin-Laden und erster Bitcoin-Automat Österreichs |
| 2015 | Bitcoin-Wertkarten in Trafiken; 2017 waren sie in mehr als 3.000 Verkaufsstellen erhältlich |
| 2017 | Eintragung als Geschäftsführer der Coinfinity GmbH im Firmenbuch |
| 2023 | Stefan Grill wird zweiter Geschäftsführer |
| April 2024 | Feier zum zehnjährigen Bestehen am Grazer Schlossberg |
| Dezember 2025 | Zulassung der FMA als Krypto-Dienstleister nach MiCAR |
| Februar 2026 | Übernahme des Geschäfts bitcoin.wien in der Wiener Innenstadt |
| Oktober 2026 | Übergabe der Geschäftsführung an Raimund Ortner |
Die Idee, Bitcoin über die Trafik zu verkaufen, brachte Coinfinity früh in den Alltag. 2017 gab es die Wertkarten zu 25, 50 und 100 Euro in mehr als 3.000 Verkaufsstellen. Der Umsatz kam aus Gebühren: vier bis fünf Prozent am Automaten, acht Prozent auf die Karten. Für den Online-Verkauf sagte Tertinegg damals: „Wir wagen zu behaupten, die günstigsten Anbieter in Österreich zu sein.“
In den Jahren danach verschob sich das Geschäft vom Automaten zur App, zu Sparplänen und zu Firmenkunden. Der aufwendigste Schritt war die Lizenz. Die Zulassung nach der EU-Kryptoverordnung sei „mit enormem Aufwand verbunden“ gewesen, sagte Tertinegg im Dezember 2025, man habe viele Monate daran gearbeitet. Wenige Wochen später übernahm Coinfinity das Wiener Ladengeschäft bitcoin.wien - für ihn „eine ideale Ergänzung zu unserem digitalen Angebot, weil persönliche Beratung und Bildung rund um Bitcoin für viele Menschen weiterhin eine zentrale Rolle spielen“.
Coinfinity konzentriert sich heute auf Bitcoin. Tertinegg versteht sich als „Bitcoiner“ - ein Wort, das er auch benutzte, um seinen Nachfolger zu beschreiben: „Er ist Bitcoiner, kennt unsere Kundinnen und Kunden und lebt unsere Werte.“
Rückzug aus der ersten Reihe
Am 1. Oktober 2026 wurde bekannt, dass Raimund Ortner die Geschäftsführung übernimmt und mit Stefan Grill die Doppelspitze bildet. Tertinegg bleibt operativ im Unternehmen und soll „künftig das Thema Künstliche Intelligenz vorantreiben“. Er zieht sich damit wenige Monate nach der EU-weiten Zulassung zurück.
Einordnung
Rund um Tertineggs Laden ist in Graz eine kleine, aber sichtbare Krypto-Szene entstanden; die Fintechs der Stadt haben sich fast durchwegs auf dieses Feld spezialisiert. Er selbst kommt nicht aus der Finanzbranche, sondern aus Gestaltung und Programmierung, und hat das Unternehmen zwölf Jahre lang von der Nische in die Regulierung geführt.
Quellen
- MeinBezirk: Gold und Whiskey oder doch lieber Bitcoins? (26.05.2016, mit Lebensdaten)
- Coinfinity: Ein Jahrzehnt der Bitcoin-Revolution
- Falter: Statt barer Münze (18.02.2015)
- Trending Topics: Der Tsunami der Blockchain-Revolution steht noch bevor (07.08.2017)
- Crypto Research Report: 10 Facts About Max Tertinegg (21.03.2018)
- Trending Topics: Coinfinity übernimmt bitcoin.wien (03.02.2026)
- brutkasten: Raimund Ortner wird Geschäftsführer (01.10.2026)