- Koralmbahn seit 14. Dezember 2025 in Betrieb – Graz-Klagenfurt in 42 Minuten
- 29 tägliche Direktverbindungen zwischen Graz und Klagenfurt (statt 8 IC-Busse)
- 33 km langer Koralmtunnel als Herzstück – langster Eisenbahntunnel Österreichs
- Norditalien (Triest, Venedig) ruckt als neuer Quellmarkt naher
- Westbahn startet ab März 2026 private Verbindungen auf der Strecke
- Semmeringbasistunnel (ca. 2030) als nachster Schritt für noch bessere Wien-Anbindung
Nach 27 Jahren Bauzeit ging am 14. Dezember 2025 die Koralmbahn in den regulären Betrieb. Die neue Hochleistungsstrecke verbindet die Landeshauptstädte Graz und Klagenfurt in nur 42 Minuten – statt bisher rund zwei Stunden mit dem IC-Bus. Herzstück ist der 33 Kilometer lange Koralmtunnel mit zwei Röhren, die bis zu 1.200 Meter unter der Koralpe verlaufen. Für den steirischen Tourismus eröffnet sich damit ein neues Kapitel.
Massiver Ausbau des Zugangebots
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 hat die OBB das Zugangebot auf der Sudstrecke massiv ausgebaut. Die Zahlen sprechen für sich: 29 tägliche Verbindungen zwischen Graz und Klagenfurt ersetzen die bisherigen acht IC-Busse. Zwischen Wien und Klagenfurt gibt es nun 26 Verbindungen statt vorher zehn. Auf der Strecke Wien-Graz wurde ein Halbstundentakt mit 33 täglichen Verbindungen eingerichtet.
| Verbindung | Neue Fahrzeit | Bisherige Fahrzeit | Tägliche Züge |
|---|---|---|---|
| Graz – Klagenfurt | 0:42 Std. | ca. 2:00 Std. (Bus) | 29 |
| Wien – Klagenfurt | 3:10 Std. | 3:55 Std. | 26 |
| Wien – Graz | Halbstundentakt | Stundentakt | 33 |
| Wien – Venedig | 7:10 Std. | 7:40 Std. | Direktverbindung |
| Wien – Triest | 6:38 Std. | 9:18 Std. | Direktverbindung |
Besonders bemerkenswert sind die neuen internationalen Verbindungen: Schnellere Direktzuge nach Triest und Venedig verbessern das Angebot Richtung Norditalien deutlich. Wien-Triest verkürzt sich von uber neun auf rund sechseinhalb Stunden. Zudem steigt ab März 2026 die private Westbahn in den Verkehr auf der Sudstrecke ein – ein Zeichen für das grosse Marktpotenzial.
Touristische Chancen für die Steiermark
Die Steiermark Tourismus GmbH (STG) hat die Koralmbahn als strategisches Thema erkannt. Gemeinsam mit der Kärnten Werbung laufen bereits Kooperationsprojekte. Zum Eröffnungswochenende gab es eine gemeinsame OBB-Kampagne, Social-Media-Aktionen und einen Sonderzug mit Influencern und Journalisten. Ein großes gemeinsames Printprodukt ist für 2026 in Planung.
Überprüfen Sie die Darstellung der öffentlichen Anreise auf Ihrer Website. Informieren Sie sich uber das öffentliche Bus- und Bahnnetz und die neue Erreichbarkeit Ihres Betriebs. Verstärken Sie Ihre Werbung in Ballungsräumen entlang der Koralmbahn. Weisen Sie Stammgäste auf die schnelleren Verbindungen hin. Nutzen Sie das Beratungsangebot der Tourismuscoaches Ihrer Region unter tqi.at.
STG-Geschäftsführer Michael Feiertag sieht großes Potenzial in neuen Quellmärkten: Norditalien gehort zu den wichtigsten Zukunftsmärkten für den steirischen Tourismus. Die Region verfügt uber ein Profil, das in mehreren Zukunftsthemen gleichzeitig spielt – Thermen, Kulinarik, Natur und Wintersport. Auch der Tagestourismus zwischen Graz und Klagenfurt dürfte spürbar zunehmen.
Wirtschaftsraum Süd: 1,5 Millionen Menschen
Die Koralmbahn verbindet nicht nur zwei Stadte, sondern schafft einen zusammenhängenden Wirtschafts- und Lebensraum mit rund 1,5 Millionen Menschen. Landeshauptmann Mario Kunasek bezeichnete die Eröffnung als historischen Tag: Die Verbindung eröffne neue Horizonte für Wirtschaft, Tourismus und Arbeitsmarkt. Betriebe finden leichter Fachkräfte, Lieferketten werden schneller, und Studierende kommen einfacher zu Universitäten und Fachhochschulen.
Die 127 Kilometer lange Strecke ist auf eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ausgelegt und Teil des Baltisch-Adriatischen Korridors, der von der EU mitfinanziert wird. Mit der Aufnahme in dieses transeuropäische Netz wird Österreich noch stärker an internationale Wirtschaftsräume und Seehäfen angebunden.
Durch die Koralmbahn entstanden vier zentrale Knotenbahnhöfe in Kärnten: Spittal-Millstättersee, Villach, Klagenfurt und St. Paul im Lavanttal. Diese verbinden Nah- und Fernverkehr erstmals nahtlos. Das RegioBus-Netz in der Steiermark wurde ebenfalls angepasst, um landliche Regionen besser anzubinden.
Kulturelle Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte
Die Koralmbahn ist nicht nur ein Infrastrukturprojekt, sondern auch ein kultureller Brückenschlag. Anlässlich der Eröffnung zeigen das kärnten.museum in Klagenfurt und das Museum für Geschichte in Graz die gemeinsame Ausstellung „Aufbruch“. Die bis Jänner 2027 laufende Schau beleuchtet, warum Menschen seit über 1.000 Jahren zwischen Kärnten und der Steiermark unterwegs sind – aus Neugier, Hoffnung, wirtschaftlichen oder kulturellen Gründen.
Der zweitgrößte Wirtschaftsraum Österreichs entsteht durch die neue Verbindung – mit Chancen für gemeinsame touristische Angebote, Kulturprogramme und regionale Vermarktung. Gemeinsame Tageskarten, kombinierte Ausflugspakete und laenderübergreifende Rad- und Wanderrouten sind denkbare Produkte für die Zukunft.
Auswirkungen auf das Regionalbus-Netz
Die Koralmbahn hat auch Auswirkungen auf das steirische RegioBus-Liniennetz. Ländliche Regionen in der gesamten Steiermark werden durch das optimierte Gesamtkonzept besser an die Hauptverkehrsachsen angebunden. Die neuen Interregio-Verbindungen schaffen erstmals Fernverkehrsangebote auf Hauptstrecken abseits der West- und Südstrecke. Das bedeutet: Auch touristisch weniger erschlossene Gebiete profitieren von der besseren Erreichbarkeit.
Für Tourismusbetriebe in der Weststeiermark, der Südsteiermark und der Oststeiermark ergeben sich damit neue Möglichkeiten, Gäste über die Bahnknoten Graz und Leibnitz zu erreichen. Die Kombination aus Bahn und Regionalbus macht auch autofreie Urlaubsangebote attraktiver – ein wichtiges Argument für umweltbewusste Reisende aus den städtischen Ballungsräumen Wien und Graz.
Nächster Meilenstein: Semmeringbasistunnel
Der nachste grosse Schritt folgt voraussichtlich 2030 mit dem Semmeringbasistunnel. Damit wird die Anbindung der Steiermark Richtung Wien nochmals deutlich verbessert. Wien-Klagenfurt soll dann in rund 2:45 Stunden erreichbar sein. Bereits jetzt plant die private Westbahn, ab März 2026 auf der Südstrecke zu fahren – ein klares Signal für das wirtschaftliche Potenzial der Verbindung. Die Kombination aus Koralmbahn und Semmeringbasistunnel macht die Steiermark zum Dreh- und Angelpunkt im internationalen Schienenverkehr Mitteleuropas.
Für den Tourismus bedeutet das: Die öffentliche Anreise wird sowohl aus Norden (Wien, Niederösterreich) als auch aus Süden (Kärnten, Italien) um ein Vielfaches attraktiver. Gerade umweltbewusste Gäste, die klimafreundlich reisen mochten, profitieren von den neuen Verbindungen. Die Steiermark positioniert sich damit als nachhaltig erreichbare Urlaubsdestination im Herzen Europas.
Wirtschaftliche Dimension des Projekts
Die Koralmbahn ist eines der größten Infrastrukturprojekte der österreichischen Geschichte. Die 127 Kilometer lange Strecke wurde nach 27 Jahren Planung und Bau fertiggestellt. Die Gesamtkosten werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Die beiden Bundesländer Kärnten und Steiermark übernahmen jeweils 140 Millionen Euro zur Beschleunigung des Projekts.
Für den steirischen Tourismus eröffnen sich durch die verbesserte Erreichbarkeit konkrete wirtschaftliche Perspektiven: Mehr Tagestouristen aus Kärnten und Wien, neue Gästesegmente aus Norditalien, bessere Auslastung in der Nebensaison und eine Aufwertung als Kongress- und Veranstaltungsstandort. Die Tourismusregionen entlang der Strecke – von Graz über die Weststeiermark bis zur Südsteiermark – können ihre Angebote gezielt auf bahnreisende Gäste ausrichten und autofreie Urlaubspakete entwickeln. Die Südsteirische Weinstraße, das Thermenland und die Schilcher-Weinregion in der Weststeiermark gewinnen durch die neuen Anschlüsse an Attraktivität für Bahnreisende aus Wien und Kärnten.
Auch für den Wintertourismus in Schladming-Dachstein und am Dachstein-Gletscher ist die Koralmbahn relevant: Gäste aus Kärnten können die steirischen Skigebiete nun leichter erreichen, und die Kombination aus Bahnreise und Skipass-Paketen wird zu einem zunehmend nachgefragten Produkt. Die Tourismusregion Schladming-Dachstein hat bereits damit begonnen, ihre Angebote auf die neuen Erreichbarkeiten abzustimmen.
Die Nachfrage nach Tickets ist enorm – viele Zuge auf der neuen Strecke waren in den ersten Wochen bereits ausgebucht. Tourismusprojekte sollten sich auf steigende Besucherzahlen einstellen und Kapazitaten rechtzeitig planen.
Für die steirische Tourismuswirtschaft ist die Koralmbahn weit mehr als eine schnellere Zugverbindung. Sie ist der Startschuss für eine neue Ära der Erreichbarkeit und Vernetzung. Die Region kann erstmals in ihrer Geschichte gleichzeitig von Norden (Wien), Süden (Kärnten, Italien) und Westen (Salzburg) optimal mit der Bahn erreicht werden. Diese multimodale Anbindung ist ein entscheidender Standortvorteil im Wettbewerb der alpinen Tourismusdestinationen – und einer, der zunehmend von umweltbewussten Reisenden geschätzt wird.