- ADA Möbelwerke Holding AG und ADA Möbelfabrik GmbH beantragten am 24. März 2026 beim Landesgericht Graz je ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Betroffen waren 172 Arbeitsplätze in Anger.
- Am 4. August 2026 nahmen die Gläubiger der Holding den Sanierungsplan an: 20 Prozent Quote, zahlbar in drei Tranchen über zwei Jahre.
- 210 Forderungen über rund 19,7 Millionen Euro wurden angemeldet, davon 18,3 Millionen Euro anerkannt.
- Produktion und Bürobetrieb am Stammsitz Anger sind eingestellt. Seit 24. August 2026 versteigert das Auktionshaus Aurena rund 6.000 Positionen, die Flächen mussten bis Mitte September geräumt sein.
- Die Werke in Ungarn und Rumänien laufen weiter, die dortigen Verfahren wurden positiv abgeschlossen. Ein strategischer Investor soll einsteigen.
- ADA wurde 1957 von Alois Derler gegründet, der Name steht für "Alois Derler Anger". Das Unternehmen war zuletzt Österreichs größter Polstermöbelproduzent.
In Anger im Bezirk Weiz weist eine eigene Ortstafel auf die Möbelfabrik hin. Seit 24. August 2026 wird versteigert, was hinter dieser Tafel steht: rund 6.000 Positionen in vier Online-Auktionen, von CNC-Holzbearbeitungsmaschinen und Industrienähmaschinen über Lackierkabinen bis zu Boxspringbetten, Matratzen und dem firmeneigenen Fotostudio. Bis Mitte September mussten Schauräume, Produktions- und Lagerflächen geräumt sein. Nach 69 Jahren endet damit die Möbelproduktion am Gründungsstandort.
Der Konzern selbst ist damit nicht verschwunden. Die Holding hat ihren Sanierungsplan durchgebracht, die Werke in Ungarn und Rumänien produzieren weiter. Was in Anger zu Ende ging, ist die österreichische Fertigung - und damit ein Stück Industriegeschichte der Oststeiermark.
Vom Seilerhandwerk zum größten Polstermöbelproduzenten
Die Wurzeln reichen weiter zurück als das Unternehmen selbst. Im Jahr 1900 gründete Karl Derler in Anger eine Tauwerkfabrik, die Hanfseile, Schnüre und Seegras herstellte - unter anderem als Zulieferung für Matratzenhersteller. Sein Sohn Alois Derler machte 1957 daraus einen Möbelbetrieb; der Firmenname ADA setzt sich aus den Initialen "Alois Derler Anger" zusammen. In den 1970er-Jahren expandierte das Unternehmen unter Oskar Derler, Heinz Derler und Alois Nießl, 1992 folgte die Neupositionierung als eigenständige Marke.
Zuletzt beschrieb sich ADA laut eigener Unternehmensdarstellung als einer der führenden europäischen Hersteller von Polstermöbeln, Betten, Matratzen und Lattenrosten, mit fünf Produktionsstandorten in Österreich, Ungarn und Rumänien und einer Fertigungstiefe von 98 Prozent. In Anger lag die Schlafzimmerfertigung, in Raaba bei Graz Marketing und Verwaltung, in Körmend, Zalaegerszeg und Nova in Ungarn sowie in Salonta in Rumänien die Sitzmöbel-, Betten- und Private-Label-Produktion.
Der Ablauf des Verfahrens
Am 24. März 2026 beantragten beide österreichischen Gesellschaften beim Landesgericht Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Zur Insolvenzverwalterin wurde Julia Liszt bestellt. Betroffen waren in Anger 172 Dienstnehmer: 96 bei der Holding, 76 bei der Möbelfabrik GmbH. Bei der Holding meldeten 49 Gläubiger Forderungen an, bei der Tochter 116.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 24. März 2026 | Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung für Holding AG und Möbelfabrik GmbH am LG Graz eröffnet |
| Frühjahr 2026 | Redimensionierung, Schließung von Unternehmensbereichen, rund 80 Beschäftigte betroffen |
| 4. August 2026 | Gläubiger nehmen Sanierungsplan der Holding AG an - 20 Prozent Quote |
| 24. August 2026 | Erste Zuschläge bei der Versteigerung des Inventars in Anger |
| 27. August 2026 | Abstimmungstagsatzung über den Sanierungsplan der Möbelfabrik GmbH angesetzt |
| Mitte September 2026 | Frist für die Räumung von Schauräumen, Produktions- und Lagerflächen |
Was die Gläubiger bekommen
Der am 4. August angenommene Sanierungsplan der Holding sieht eine Quote von 20 Prozent vor, gestaffelt in drei Tranchen: zehn Prozent als Barquote binnen 14 Tagen ab rechtskräftiger Bestätigung, weitere fünf Prozent nach zwölf Monaten und die letzten fünf Prozent nach 24 Monaten ab Annahme. Von den angemeldeten 19,7 Millionen Euro wurden laut KSV1870-Angaben zum Verfahren rund 18,3 Millionen Euro anerkannt.
Finanziert werden soll der Plan aus der Fortführung des Geschäftsbetriebs und dem Einstieg eines strategischen Partners in die Unternehmensgruppe. Namentlich genannt wurde dieser Investor bisher nicht.
Angenommen wurde am 4. August der Sanierungsplan der Holding AG. Über den Plan der operativen Tochter ADA Möbelfabrik GmbH war eine eigene Abstimmungstagsatzung für den 27. August 2026 angesetzt; ein Ergebnis dazu wurde bislang nicht veröffentlicht. Dass die Betriebsausstattung in Anger bereits seit 24. August versteigert wird, zeigt allerdings, dass dort unabhängig vom Ausgang nicht mehr produziert wird.
Warum es so weit kam
Die Insolvenzanmeldung nannte eine Kette von Ursachen, die für die gesamte europäische Möbelbranche gilt. Nach dem Nachfrageschub der Pandemiejahre, als viele Haushalte in Wohnen investierten, folgte die Sättigung. Gleichzeitig brach der Wohnbau ein: Wer nicht baut und nicht übersiedelt, kauft keine neue Schlafzimmereinrichtung. Dazu kamen Kostensteigerungen bei Material, Personal und Energie, die sich nicht vollständig weitergeben ließen, sowie Konsumzurückhaltung bei langlebigen Anschaffungen. Der Branchenbericht 2025/2026 des Fachverbands der Holzindustrie dokumentiert dieses Umfeld für die gesamte holzverarbeitende Industrie in Österreich.
Seit dem Jahreswechsel 2025/26 war der Bestelleingang im Schnitt um 20 Prozent zurückgegangen. Für einen Hersteller mit hoher Fertigungstiefe und entsprechend hohen Fixkosten ist das der kritische Wert - Kapazitäten lassen sich nicht im selben Tempo abbauen, in dem Aufträge wegbrechen.
Ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsführung die Kontrolle an eine gerichtlich bestellte Insolvenzverwalterin abgibt. Diese prüft zuerst, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt - erst danach steht die Sanierung als Ziel. Die Mindestquote für einen Sanierungsplan liegt in Österreich bei 20 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren. ADA bot damit exakt das gesetzliche Minimum.
Einordnung in die steirische Insolvenzlage
ADA gehört zu den größten steirischen Verfahren des Jahres. Im ersten Halbjahr 2026 meldeten 388 steirische Unternehmen Insolvenz an - ein Plus von 2,6 Prozent -, während die vorläufigen Passiva von 175 auf 597 Millionen Euro sprangen. Drei der zehn größten österreichischen Insolvenzen kamen aus der Steiermark, und die Zahl der betroffenen Beschäftigten stieg um 76 Prozent auf 1.870.
Die Branchenverteilung passt ins Bild: Handel, Bau sowie Gastronomie und Beherbergung stehen für 43 Prozent aller Fälle. Die Möbelindustrie sitzt an der Schnittstelle von Bau und Handel und bekommt beide Schwächen zu spüren - ähnlich wie Teile der steirischen Holzwirtschaft, die ebenfalls stark am Wohnbau hängen.
Was in Anger bleibt
Die Marke ADA existiert weiter, die Produktion in Ungarn und Rumänien ebenso. Für den Bezirk Weiz bedeutet der Rückzug aus Anger dennoch einen Einschnitt: Ein industrieller Arbeitgeber mit dreistelliger Beschäftigtenzahl fällt weg, in einer Gemeinde, deren Identität jahrzehntelang mit dem Werk verbunden war.
Der Bezirk selbst steht wirtschaftlich nicht schlecht da. Wenige Kilometer entfernt erweitert Siemens Energy sein Transformatorenwerk um 95 Millionen Euro und bis zu 100 Arbeitsplätze. Die beiden Vorgänge zeigen dieselbe Regionalwirtschaft aus zwei Richtungen: Exportstarke Industrie mit Anschluss an den Energienetzausbau wächst, konsumnahe Fertigung mit Bindung an den Wohnbau schrumpft. Für Beschäftigte ist der Wechsel zwischen diesen Welten allerdings kein Selbstläufer - Polsterei und Transformatorenbau verlangen unterschiedliche Qualifikationen.
Die Angaben zum Verfahrensverlauf geben den öffentlich dokumentierten Stand wieder und ersetzen keine Rechtsberatung. Wer als Gläubiger, Lieferant oder ehemaliger Beschäftigter Ansprüche geltend machen will, wendet sich an einen Rechtsanwalt oder an einen Gläubigerschutzverband wie KSV1870, AKV oder Creditreform.