- Siemens Energy investiert 95 Millionen Euro in die Erweiterung des Transformatorenwerks Weiz. Die Grundsteinlegung fand am 6. Mai 2026 statt.
- Rund 12.000 Quadratmeter zusätzliche Produktionsfläche entstehen auf dem bestehenden Werksgelände von 58.000 Quadratmetern - ohne zusätzliche Bodenversiegelung.
- Bis zu 100 neue qualifizierte Arbeitsplätze kommen zu den derzeit rund 1.200 Beschäftigten am Standort dazu.
- Gebaut werden eine erweiterte Wickelfertigung und ein zusätzliches Prüffeld. Ab Anfang 2028 soll sich die Kapazität bei Phasenschiebertransformatoren etwa verdoppeln.
- Weiz ist der weltweit größte Siemens-Energy-Standort für Entwicklung und Fertigung von Transformatoren, Elektrotechnik wird dort seit 1892 gebaut.
- Erst im Oktober 2025 ging im benachbarten Wollsdorf ein neues Werk für Windkrafttransformatoren mit über 100 Millionen Euro Investitionsvolumen in Betrieb.
Am 6. Mai 2026 wurde in Weiz der Grundstein für eine der größten Industrieinvestitionen gelegt, die die Oststeiermark in diesem Jahrzehnt gesehen hat: 95 Millionen Euro fließen in die Erweiterung des Transformatorenwerks von Siemens Energy. Auf rund 12.000 zusätzlichen Quadratmetern entstehen eine vergrößerte Wickelfertigung und ein weiteres Prüffeld. Bis zu 100 neue Arbeitsplätze kommen zu den rund 1.200 bestehenden dazu - in einem Jahr, in dem der steirische Wirtschaftsklimaindex der WKO bei minus 49,9 Punkten liegt und 19,8 Prozent der befragten Betriebe ihre Investitionen zurückfahren.
Die Investition ist kein Einzelfall, sondern der zweite Großausbau innerhalb weniger Monate. Im Oktober 2025 hatte Siemens Energy im nur wenige Kilometer entfernten Wollsdorf ein komplett neues Werk für Windkrafttransformatoren eröffnet, in das mehr als 100 Millionen Euro geflossen waren. Der Wirtschaftsraum Weiz - St. Ruprecht hat damit binnen kurzer Zeit rund 200 Millionen Euro an Industrieinvestitionen aufgenommen.
Was in Weiz gebaut wird
Der Ausbau zielt auf ein sehr spezielles Produkt: den Phasenschiebertransformator. Anders als ein gewöhnlicher Transformator, der nur die Spannung wandelt, greift ein Phasenschieber aktiv in den Lastfluss im Hochspannungsnetz ein. Er verschiebt die Phasenlage zwischen zwei Netzpunkten und lenkt den Strom damit gezielt auf jene Leitungen, die noch Kapazität frei haben. In einem Netz, in das immer mehr Wind- und Photovoltaikstrom mit stark schwankender Einspeisung drängt, ist das ein Schlüsselgerät gegen Überlastung einzelner Trassen.
Genau hier liegt der Grund für den Kapazitätsausbau. Der europäische Netzausbau, der Zubau erneuerbarer Erzeugung und der Strombedarf neuer Rechenzentren treffen zusammen. Siemens Energy rechnet damit, dass die weltweite Stromnachfrage bis 2035 um rund 40 Prozent steigt, und hat angekündigt, bis 2028 etwa zwei Milliarden Euro in das Netzgeschäft zu investieren. Der Weizer Anteil daran sind die 95 Millionen Euro, mit denen sich die Produktionskapazität für Phasenschieber ab Anfang 2028 in etwa verdoppeln soll.
| Eckdaten | Werkserweiterung Weiz |
|---|---|
| Investitionssumme | 95 Millionen Euro |
| Grundsteinlegung | 6. Mai 2026 |
| Betriebsaufnahme | Anfang 2028 |
| Zusätzliche Fläche | rund 12.000 m² (Bestand: 58.000 m²) |
| Neue Arbeitsplätze | bis zu 100 |
| Beschäftigte am Standort | rund 1.200 |
| Baumaßnahmen | Erweiterung Wickelfertigung, zusätzliches Prüffeld |
| Kapazitätseffekt | Verdopplung bei Phasenschiebertransformatoren |
Der Zubau erfolgt vollständig auf bereits genutztem Werksgelände. Zusätzlicher Boden wird nicht versiegelt - ein Punkt, der bei Betriebsansiedlungen in der Steiermark zunehmend zum Genehmigungsthema wird, weil der Flächenverbrauch politisch unter Druck steht.
Ein Standort mit 130 Jahren Elektrotechnik
Weiz ist keine neue Adresse für den Konzern. Seit 1892 werden dort Produkte für Stromerzeugung und -verteilung gebaut, der Standort gilt heute als weltweit größter Siemens-Energy-Standort für Entwicklung und Fertigung von Transformatoren. Jährlich verlassen rund 120 Hochspannungstransformatoren, Drosselspulen und Phasenschieber das Werk, dazu etwa 1.000 Verteiltransformatoren. Geliefert wird in mehr als 70 Länder - die Betriebsansiedlungsagentur ABA führt den Standort als Referenzbeispiel für exportorientierte Hochtechnologie in Österreich.
Diese Exportorientierung erklärt, warum der Standort von der schwachen Binnenkonjunktur weitgehend abgekoppelt ist. Während die steirische Bauwirtschaft und der Einzelhandel unter der Nachfrageschwäche leiden, hängt Weiz am globalen Netzausbau - einem Markt mit mehrjährigen Auftragsbüchern.
Wollsdorf: der erste Teil des Ausbaus
Sieben Monate vor der Weizer Grundsteinlegung, am 17. Oktober 2025, war in Wollsdorf im Bezirk Weiz das neue Werk für Windkrafttransformatoren eröffnet worden. Auf 25.000 Quadratmetern Produktionsfläche sollen dort im Endausbau rund 450 Menschen aus etwa 25 Nationen arbeiten und bis zu 2.000 Transformatoren pro Jahr fertigen. Diese Geräte wandeln den Strom aus dem Generator einer Windkraftanlage auf netztaugliche Spannung um und gehen überwiegend in große Offshore-Windparks, etwa in der Nordsee. Die Exportquote liegt bei rund 80 Prozent.
Zusammen mit den Standorten Linz, Graz und Salzburg beschäftigt Siemens Energy in Österreich damit rund 2.500 Menschen. Die beiden oststeirischen Werke bilden dabei den industriellen Schwerpunkt.
Werkserweiterungen dieser Größenordnung ziehen Aufträge für Metallbau, Elektroinstallation, Logistik und Anlagenbau nach sich - meist über mehrere Jahre. Betriebe, die sich als Zulieferer positionieren wollen, finden über das Netzwerk des AC Styria und die Cluster-Strukturen des Landes den kürzesten Weg zu den Beschaffungsstellen der Leitbetriebe.
Wer bei der Grundsteinlegung dabei war
Die politische Prominenz beim Spatenstich zeigt, welchen Stellenwert das Land der Investition beimisst. Landeshauptmann Mario Kunasek, Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom, Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer und SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig waren ebenso vor Ort wie Siemens-Energy-Vorstandsmitglied Tim Oliver Holt, der österreichische Geschäftsführer Aleš Prešern und Werksleiter Martin Kalcher.
Kunasek nannte die Erweiterung "gute Nachrichten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, denn es sind hochqualifizierte Arbeitsplätze, die hier in der Oststeiermark nicht nur erhalten, sondern durch die Werkserweiterung auch neu geschaffen werden". Khom sprach von einer "wahren Erfolgsmeldung für den Wirtschaftsstandort Steiermark".
Einordnung: Was die Investition für die Oststeiermark bedeutet
Die Oststeiermark gilt traditionell als Region mit kleinteiliger Struktur, viel Landwirtschaft und einem hohen Anteil an Auspendlern nach Graz. Der Elektrotechnik-Cluster rund um Weiz ist die große Ausnahme. Mit rund 1.650 Beschäftigten an den beiden Werken Weiz und Wollsdorf im Endausbau wird Siemens Energy dort zum industriellen Anker der Region.
Für die Energiewende ist der Standort ein Zulieferer im buchstäblichen Sinn: Ohne Transformatoren und Phasenschieber lässt sich kein Windpark ans Netz bringen und kein Übertragungsnetz stabilisieren. Damit rückt Weiz in dieselbe strategische Kategorie wie die Betriebe des Green Tech Valley, deren Technologien ebenfalls überwiegend exportiert werden.
Die Angabe "bis zu 100 neue Arbeitsplätze" ist eine Zielgröße für den Endausbau ab 2028, keine sofortige Einstellungswelle. Gesucht werden überwiegend qualifizierte Fachkräfte in der Fertigung und im Prüffeld - ein Segment, in dem der Fachkräftemangel in der Steiermark ohnehin am deutlichsten spürbar ist. Siemens Energy deckt den Bedarf zu einem erheblichen Teil aus der eigenen Lehrlingsausbildung: Rund 95 Prozent der Lehrlinge werden nach dem Abschluss als Fachkräfte übernommen.
Der Markt hinter dem Ausbau
Europas Übertragungsnetze stammen in großen Teilen aus einer Zeit, in der Strom aus wenigen großen Kraftwerken kam und in eine Richtung floss. Mit Windparks an der Küste, Photovoltaik in der Fläche und Rechenzentren als neuen Großverbrauchern kehrt sich diese Logik um. Netzbetreiber investieren deshalb massiv in Umspannwerke, Leitungen und Steuerungstechnik - und die Lieferzeiten für Großtransformatoren sind europaweit auf mehrere Jahre gestiegen.
Für Hersteller bedeutet das volle Auftragsbücher, aber auch Druck, Kapazität aufzubauen, bevor Wettbewerber es tun. Die Verdopplung der Phasenschieber-Fertigung in Weiz ist genau diese Wette: dass der Netzausbau in Europa über das kommende Jahrzehnt trägt.
Quellen
- Land Steiermark: Grundsteinlegung für Werkserweiterung bei Siemens Energy in Weiz
- ORF Steiermark: Siemens baut Werk aus und schafft 100 Jobs
- Green Tech Valley: Grundsteinlegung für Werkserweiterung bei Siemens Energy
- Land Steiermark: Neues Siemens-Energy-Werk für Windkraft-Transformatoren in Wollsdorf
- trend: Wie Siemens Energy in Weiz zur Industriegröße aufsteigt